Beiträge von Ragnar Danneskjoeld

    Hast du diese Urteile? Mir ist das keine Rechtsgrundlage bekannt, die die gesetzlich festgelegte Arbeitszeit erhöhen würde.

    Das Problem ist ja, dass es "Arbeitszeit" in unserem Metier in dieser Form so gar nicht gibt. Gäbe sie es, würde ich deiner Kernaussage zustimmen.

    Das Gericht argumentierte damals sinngemäß: wer befördert wurde, ist in der Lage, die anderen Aufgaben in kürzerer Zeit ähnlich gut zu bewerkstelligen.

    Ich schau mal, ob ich das Urteil finde.

    Das ist so Pauschal nicht richtig. Die Aufgaben kommen nicht ontop, denn die Arbeitszeit bleibt die gleiche. Die Aufgabenbereiche verändern nicht. Nur weil mal als A14 200€ mehr hat ist damit die Arbeitswoche nicht pauschal länger.

    Für BW stimmt diese Aussage so nicht, dazu gibt es auch Gerichtsurteile, die ich mir im Rahmen meiner Personalratstätigkeit genauer ansehen musste/durfte. Gerade wer durch schulscharfe Ausschreibung (im Gegensatz zur Regelbeförderung) aufsteigt, muss definitiv eine höhere Arbeitszeit ableisten.

    Ich muss meine Kurse nun einmal auf die Prüfung vorbereiten und habe nicht viel Zeit, um mit ihnen klassische Literatur zu lesen.

    Geht mir genauso. Und nach dem Abi hab ich gerade mal zehn Stunden, von denen mindestens zwei für Prüfungssimulation mündliches Abitur draufgehen. Was sich bei mir als gangbarer Kompromiss entpuppt hat: Sonette oder eine Shakespeare-Verfilmung ansehen, die wichtigsten Szenen jedoch lesen (und "übersetzen" bzw. nachspielen lassen).

    Im Rahmen der vertrauensvollen Zusammenarbeit hätte die Schulleitung einem auch den Tipp geben können.

    Tja, und warum tut sie es nicht? - Dieser Tipp würde für sie die Organisation nur verkomplizieren. Weil sie selbst nur Mangelverwaltung betreiben kann und den Druck einfach nach unten durchreicht. Vertrauensvolle Zusammenarbeit my ass.

    Was du auch machen kannst: alle drei Jahre steht dir (jedenfalls in BW) ein dreiwöchiger Kuraufenthalt zur Erhaltung der Arbeitskraft zu. Einfach mal einreichen - das sind drei Wochen Auszeit während des laufenden Betriebs. Eine Kollegin macht das regelmäßig.

    Nein, das Referendariat erhöht deine Chance außerhalb der Schule nicht auf eine Stelle. Allerdings wüsste ich auch nicht, wo du dich mit Lehramt Geschichte und Deutsch bewerben willst.

    Ich würde das so pauschal nicht sagen. Gerade wenn man sich im pädagogik-affinen Bereich (Lehrbuchverlag, Museums- oder Theaterpädagogik) umtut, wird ein abgeleistetes Referendariat alles andere als schädlich sein.

    Natürlich ist es mit diesen Fächern nicht ganz so einfach, eine Stelle zu finden, aber es gibt da draußen zehntausende Studierte mit ähnlichen/identischen Fächern, die Arbeit finden. Keiner meiner Kommilitonen, die auf Magister studiert haben, ist heute arbeitslos. Es war eben nur kein direkter Berufsweg vom Hörsaal in die Schule.

    Ich selber habe mich übrigens mit ähnlichen Fächern letztes Jahr anderweitig außerhalb der Schule beworben und eine Stellenzusage erhalten.

    Es wurde schon vieles gesagt, vielleicht noch zwei Anmerkungen:

    1) Die Tatsache, dass man dich ohne Rettungsweste ins kalte Wasser schmeißt, verrät vieles über die amtlich gelebte Interpretation des Wortes "Fürsorgepflicht". Der Betrieb besteht zunehmend aus Mangelverwaltung und an dir als Lehrerperson besteht kein echtes Interesse. Das solltest du auch für deine weiteren Entscheidungen berücksichtigen. Du bist da, um Lücken zu stopfen.

    2) Bis 2030 wird die Einstellungslage an Gymnasien (zumal mit diesen Fächern) ungünstig bleiben, dann wird wegen G9 für kürzere Zeit ein relativ breiter Einstellungskorridor offen sein - aber es wird eben auch mit erhöhter Konkurrenz zu rechnen sein. Falls dein Referendariat also im Januar 2026 beginnt, wärest du 2027 fertig und müsstest du dich wahrscheinlich noch einige Jahre als pädagogische Wanderhure verdingen.

    Meine zwei Tipps:

    1) Kündige gestern.

    2) Mach das Ref und dann schau weiter.

    Meine Kollegen berichten auch von einigen Störenfrieden in verschiedenen Klassen, aber nicht in diesem Maße. Häufig teilen sie meine Einschätzung zu der Klasse nicht. Bei ihnen scheinen die Schüler deutlich weniger zu stören. Ich bin auch Klassenlehrerin einer neunten Klasse, in der es leider auch nicht wirklich rund läuft. Meine Kollegen sagen mir aber ständig, wie viel Glück ich mit dieser Klasse hätte und wie toll sie sind und wie gut sie mitarbeiten würden.

    Zusätzlich zu diesen ganzen Störungen kommt auch noch der ganze Stress und diese hohe Arbeitsbelastung. Ich habe manchmal überhaupt keine Zeit mehr, meine Stunden richtig zu planen, weil ich so viele Dinge erledigen muss. Rückblickend betrachtet war das Ref ja fast entspannt dagegen.

    Ich habe eine Verständnisfrage (oder ich habe es überlesen, dann sorry): Hast du nach dem Referendariat die Schule gewechselt? (Falls ja: auch ein mittelalter Hase wie ich musste sich nach dreizehn Jahren an einer Landschule echt umstellen, an einem städtischen Gymnasium zu arbeiten.)

    Zur Lautstärke: auch ich habe mich nach dem Schulwechsel irgendwie etwas hilflos gefühlt, aber es ist auch eine Gewöhnungssache. Viele Kollegen haben sich hinsichtlich Aufmerksamkeit/Lautstärke sich irgendwo zwischen "dran gewöhnt" und "damit abgefunden" einsortiert.

    Ansonsten: es gibt einen Grund, warum man die ersten Jahre nach dem Referendariat auch "zweites Referendariat" nennt. Der Welpenschutz ist weg, die Unterrichtsbelastung signifikant höher, aber die Erfahrung und das Material noch nicht vorhanden. Ich bin meinem Mentor in alle Ewigkeit Amen dankbar dafür, dass er nach den Lehrproben mir als letzte Aufgabe auftrug, ab jetzt jede Unterrichtsstunde bis zum Schuljahresende nur noch 30 Minuten zu planen. Mehr nicht. Das war eine gute emotionale Vorbereitung fürs didaktische Abrüsten.

    Kopf hoch!

    Selbstironie kann eine Reaktion sein, um mit einer blöden Bemerkung umzugehen, bevor es zum Dauerthema wird.

    Sehr richtig: kann. Es kann sich sich aber auch verselbständigen. Und da der Vergleich/Parallele, der/die gezogen wird, vom TE als kränkend empfunden wird und dieses Gefühl auch für Außenstehende objektiv nachvollziehbar/plausibel ist, würde ich das Risiko der Selbstironie nicht eingehen - schon gar nicht in einem Kollegium, in dem ich relativ neu bin und in dem die Schulleitung mit schlechtem Beispiel voran geht.

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