Heute habe ich so wie gestern die Kinder in der OGSbesucht und mit ihnen Uno, Fußball etc. gespielt, um mehr Beziehung aufzubauen. Da werde ich dann von Kindern umarmt die den Unterricht stören...
Daran siehst du, dass du das auf keinen Fall persönlich nehmen solltest. Gerade Erstklässer sagen nicht: "Oha, keine richtige Lehrerin, die nehme ich nicht ernst". Bei Viertklässern ist das schon anders, da hatten wir mal den Fall, dass eine unserer Viertklässerinnen zu einem UPlus-er (Anfang 20) sagte: "Sorry, aber auf Sechzehnjährige höre ich generell nicht." Gab natürlich ein Nachspiel, war aber für denjenigen erst einmal echt schlimm. Aber das ist auch eher die Ausnahme. Generell ist die Akzeptanz für Menschen, die einen Unterricht führen, schon hoch, auch wenn es Jüngere und keine jahrelangen Lehrkräfte sind. Wir hatten vor kurzem eine Studentin da, 1,55 groß, 20 Jahre alt - die Kinder haben sie verehrt und abgöttisch geliebt, weil sie so war, wie sie war. Sie hat sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen und war klar in ihrer Sprache.
Wenn Ende der ersten Klasse immer noch Kinder wild reinrufen, weil sie etwas schon können, also fehlende Impulskontrolle at its best beweisen, dann empfinde ich die Klassenregeln nicht wirklich als gut kommuniziert von der Klassenlehrkraft übers Jahr (oder es fehlt ne Diagnose oder sowas). Bei sowas bin ich streng und unterbinde es, auch in der Ersten und auch schon Anfang der Ersten. Das geht durchaus freundlich, aber vor allem jedes Mal - und wenn sich Kinder so gar nicht dran halten, ist ein Gespräch in der Pause mit ihnen dran, in dem klar gesagt wird, warum das nicht geht (und auch bestärkt wird, dass man toll findet, dass sie so viel können und man sie wirklich sehr gern mag, dass aber sowas einfach nicht geht).
Ich bin ein Mathe-Honk, daher kann ich keine fachlichen Ideen beisteuern, aber ich schätze, dass dein "Gruppenfokus" einfach noch ausbildbar ist. Du machst das ja auch noch nicht so lange. Wenn du denen etwas erklärst, die etwas noch nicht verstanden haben, sind andere natürlich im Leerlauf. Leerlauf ist immer schlecht, weil sich so Lautstärkeherde sehr schnell entwickeln. Hab für die Schnellen immer was parat, das du ihnen geben kannst (für die Flotten unter euch, die sich sicher sind, liegen hier noch zwei Profi-Blätter, holt sie euch gern), so dass du den Langsameren vielleicht etwas ruhiger erklären kannst, was Sache ist. Und sobald die Kinder was von "Profi" hören oder von "Meisterblättern" oder sowas, sind die auch voll dabei in der Regel.
Ich habe zB eine dritte Klasse in Englisch und Musik. Alles in allem herzensgute Kids, leider mit vielen Baustellen (in der Klasse ist echt viel zusammengekommen) und durch die Bank wild. Bin ich in anderen Klassen sanfter und etwas bedächtiger, bin ich hier die "Soldatenmutter", ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. Ich bin auch lustig und herzlich, aber ich treibe sie durch, treibe sie an, muss währenddessen auf der anderen Seite einmal hinräuspern - und vor allem meine Stunden bis in die letzte Sekunde vorbereitet haben. EINE Sekunde Leerlauf und die Klasse explodiert. Gar nicht, weil sie das nicht anders könnten, sondern weil ihre sanfte Klassenlehrerin sehr viel Leerlauf hat und sie das Hochfahren gewöhnt sind. Überlässt man die Klasse einen Moment sich selbst, ist kein Stein mehr auf dem anderen - also brauchen sie Power, um ihre eigene Energie in Produktivität umzusetzen und nicht in Stören.
Vielleicht könnte das eine Möglichkeit sein, die Heterogenität deiner Klasse (Schnelle, Langsame, Laute, Leise) etwas besser zusammenzubringen, indem du klarere Linien fährst, den Unterricht straff strukturierst, ihnen keine Zeit gibst, in eigenen Gedanken hochzukochen, die Schnellen beschäftigst und die Langsameren betreust. Zudem kleinere Schritte, was hier schon angeraten wurde, kürzere Erklärphasen, nicht alles auf einmal.
Übrigens: was sagt denn deine Ansprechpartnerin/dein Ansprechpartner dazu? Bei uns werden die werdenden Lehrkräfte immer betreut - plus Gespräche mit der Klassenlehrerin - sowas müsste schon in den Griff zu kriegen sein.
Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Erfolg bei deinem UB. (Wars doch, oder?)