Beiträge von aus SH

    Back on topic.

    Mit ein Grund für die große Zahl von Jugendlichen ohne Berufsabschluss ist die abschätzige Meinung über die Hauptschule und deren Abschluss.
    Leider wird dieser Ruf auch auf uns Kollegen projiziert.
    Der Artikel der Wirtschaftswoche von 2015 ist aktuell wie eh' und je.

    Ist der Artikel wirklich noch aktuell?

    Gerade, was die Ausbildung von Migrant*innen angeht, bin ich bei uns in SH immer wieder überrascht, wie viele ausgebildet werden. Und auch Kids, die "nur" den ESA schaffen, haben eine gute Chance, etwas zu finden. Wir raten immer allen, ein Praktikum zu machen. Es gibt auch Sondermaßnahmen neben dem Regelunterricht, sog. AVN-Maßnahmen, in denen einzelne S*S besonders betreut werden. Die kriegen in der Regel immer eine gute Ausbildungsstelle. So habe ich es in den letzten zehn Jahren jedenfalls erlebt.

    Das Problem ist wohl eher, dass sich nicht alle gewünschten Berufe für ESA-Schüler*innen eignen.

    Ich habe größten Respekt vor Hauptschullehrkräften. Bei uns gibt es ja so gut wie keine mehr, da es keine Hauptschulen mehr gibt und die Ausbildung an den Schulen (Vorbereitungsdienst) daher etwas anders läuft.

    Vielleicht ist das dann aber umgekehrt auch der Grund dafür, dass zumindest alle Gemeinschaftsschullehrkräfte wissen, wie wichtig eure Arbeit ist. Auch als Studienrätin muss man dort Kinder mit ESA-Prognose unterrichten.

    Meinst du, dass der Dünkel in Bundesländern, in denen es die Dreigliedrigkeit noch gibt, generell stärker ausgeprägt ist? (Ich weiß in Ba-Wü gibt es auch GemS, das aber neben Real- und Hauptschulen, oder nicht?)

    ...Wir müssen aber leider auch Abstriche zunächst hinnehmen und den jungen Menschen in der Ausbildung oder im Studium die entsprechende Nachhilfe zukommen lassen, damit sie ihre Bildungsdefizite aufholen. Daran mangelt es meines Erachtens ganz gewaltig.

    Wen meinst du konkret mit "Wir"?

    Hier liegt doch der Hase im Pfeffer. Dich und mich kannst du ja nicht meinen, weil wir an Schulen unterrichten, die diese jungen Menschen bereits verlassen haben.

    Wenn man die Ausbildungsbetriebe und (Fach)Hochschulen fragt, dann sehen die allerdings tatsächlich uns in der Verantwortung.

    Ich wüsste nun aber wirklich nicht, wie ich das leisten sollte.

    Ich glaube eigentlich nicht, dass die Politik darauf gesetzt hat. Wenn man sich die vielfältige Schullandschaft hierzulande anschaut, liegt auch nahe, dass es kaum je eine für alle passende Lösung geben kann. Aber viele Ansätze wären sicher übertragbar und dann müsste das Rad nicht 50x neu erfunden und der ermüdende Gang durch die Institutionen gegangen werden. Was in meinen Augen fehlt, sind Austausch und Vernetzung von verschiedenen Schulen, auch länderübergreifend (wie zum Beispiel hier!), dazu ein gewisses Maß an „Lobbyarbeit“, damit von politischer Seite die Voraussetzungen für ein etwas flexibleres und agileres System geschaffen werden können.

    Vielleicht ein Tag „Politik trifft Schule“ pro Halbjahr.

    Ja, mehr Austausch und Zusammenarbeit wären schön.

    Hier allerdings wird das nichts, da viel zu wenige Kolleg*innen aktiv teilnehmen.

    Ich weiß nicht, wie viele GemS-LK aus SH oder anderen Bundesländer hier überhaupt anzutreffen sind. Gefühlt recht wenig.

    In SH gibt es eine digitale Plattform, die alle LK für Dienstliches nutzen MÜSSEN. Der HPR-L fordert sein Jahren die Einrichtung einer Unterplattform für alle ÖPR im Land. Für diese Installation wäre das Land - also die Politik - zuständig. Rate mal! Genau, da passiert nichts.

    Von daher vermute ich, dass kein Interesse seitens der Politik besteht.

    Auch auf Forderungen der Schulleitungen, die immerhin regelmäßig gemeinsam tagen, geschieht nichts.

    Noch immer fehlt z.B. eine offizielle Regellung, wie mit rechtsradikalen Vorkommnissen umzugehen ist.

    Nicht einmal im selben Bundesland läuft da nichts. Daher bleibe ich bei meiner Vermutung. Ist ja sogar nachvollziehbar. Stell dir vor, wir hätten tatsächlich die Möglichkeit gemeinsam was auf die Beine zu stellen! Wie würden die verantwortlichen Politiker*innen das dann wohl finden?

    Und das denke ich nicht. Ich denke, es sollte einen viel größeren Austausch über gelungene Lösungen geben, die, wie du richtig sagst, häufig einem persönlichen und privaten Engagement vor Ort zu danken sind. Diese Lösungsansätze haben aber leider oft keine große politische Reichweite. Das müsste sich ändern.

    Aber hast du nicht auch den Eindruck, dass Politik die ganze Zeit schon genau darauf gesetzt hat? Und denkst du nicht, dass inzwischen viele Engagierte gerade deswegen frustriert sind?

    In Schulen läuft das doch nur so. Sie werden allein gelassen und müssen versuchen, mit immer neuen Aufgaben irgendwie selbst klar zukommen.

    Genauso ist es außerhalb von Schule.

    Das hat dann zur Folge, dass alle privaten Projekte, deren Erfolge öffentlich gemacht werden, quasi sagen "Leute, ihr müsst einfach mal nur machen!" Und das kann es nicht sein, oder? Insbesondere ist es kontraproduktiv, wenn viele Menschen sowieso schon nicht (mehr) wollen.

    Ich bin gerade in Tschechien unterwegs. Dort fällt mir sehr auf, dass in der Gastro sehr viele junge Leute 16+ wohl in Saisonjobs arbeiten. Die machen einen sehr höflichen und kompetenten Eindruck. Im Vergleich sehe ich das bei uns viel weniger.

    In meiner Zeit war es absolut üblich, dass man einen Ferienjob/Nebenjob hatte. Schaue ich heute meine Schüler oder Bekannte an, ist das Jobben nicht so verbreitet. "Chillen" ist da eher angesagt oder neuerdings verbringt man seine Freizeit lieber damit, mit dem Moped rumzurasen, was natürlich von den Eltern finanziert wurde. Sehe ich das nur so oder täuscht mein Eindruck?

    An meiner Schule haben mehr als die Hälfte der Oberstufenschülys einen Job.

    Einige fehlen sogar oft im Unterricht, weil sie arbeiten.

    Flüchtlinge kommen doch selten allein.

    Ich würde es dann schon so zu organisieren versuchen, dass die Kinder unterschiedlicher Gruppen in unterschiedlichen Kitas untergebracht werden.

    Und nein, nicht nur „irgendwie“ betreut.

    Sagen wir, eine Kita hat vier Gruppen und nimmt acht Flüchtlingskinder auf, in jeder Gruppe zwei.

    Die muttersprachliche Betreuung wechselt stundenweise die Gruppen, ist aber prinzipiell immer für die Kinder ansprechbar. Denkbar wären auch am Anfang kleinere Einheiten, in denen die Flüchtlingskinder mit der muttersprachlichen Betreuung etwas machen können, über ein Bilderbuch in der Muttersprache sprechen, etc. Ich würde das recht flexibel gestalten.

    Wir hatten eine ukrainische Lehrkraft, die schon länger in Deutschland lebt, die gut Deutsch sprach, die in DaZ mit eingesetzt wurde, um vermitteln zu können.

    Deutschkenntnisse sind essentiell.

    Bei den Ukrainer*innen ist das einfacher, denke ich. Bei Afghan*innen, Syrer*innen ... ist das viel schwieriger.

    Außerdem sind die Kitas doch sowieso überfüllt. D.h. all diese Räume existieren auch hier nicht. So, wie die Schulen azs allen Nähten platzen.

    Kinderbetreuung ist schon ziemlich billig, da kann man auch keine herausragende Qualität erwarten. Ich zahl mehr an Betreuung für meine Hunde, als die meisten Leute in meinem Umfeld für ihre Kinder. Meiner Meinung nach kann man Eltern da ruhig mehr in die Pflicht nehmen. Gegen ein kostenloses Vorschuljahr spricht nichts, all die anderen Jahre (viele Kinder werden ja schon deutlich früher in Kitas gestopft) dürften aber deutlich teurer sein.

    Entschuldigung, aber ein Paar, das mit ihrem Verdienst gerade so einigermaßen über die Runden kommen, kann nicht einfach mal mehr bezahlen.

    Du magst das können, für deinen Hund haust du ja offensichtlich ordentlich Kohle raus, aber für andere ist das nicht leistbar.

    Oh, jetzt sind wir im ganz miesen, rechten Sumpf angekommen. Ich verabschiede mich wieder aus der Diskussion, das ist mir zu plump.

    "Der ganz grosse Unterschied, den ich sehe, ist, dass ihr 2015 eine sehr grosse Gruppe an Menschen aus einem offensichtlich nicht ganz kompatiblen Kulturkreis bekommen habt. DAS macht die Situation noch mal deutlich schwieriger, aber das wiederum betrifft die EU als Ganzes und speziell uns eher weniger bis gar nicht. Ukrainer*innen haben wir anteilig nicht weniger als Deutschland und es ist gleichermassen schwierig, die in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aus den gleichen Gründen wie bei euch. Aber das ist egal, weil ..."

    Das hast du geschrieben.

    Jedes Land ist nicht nur eine Wirtschaftszone, sondern zuerst die Heimat der Menschen dort. Bei zu viel Zuwanderung geht die Heimat verloren. Man ist Fremder im eigenen Land.

    Das kann man lokal in Deutschland schon beobachten. Dazu dieser Artikel aus dem Jahr 2005:

    https://www.spiegel.de/lebenundlernen…r-a-342504.html

    Die Eberhard-Klein-Oberschule im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg steht vor einem mindestens in der Berliner Schulgeschichte einmaligen Rekord. 334 der 339 Schüler sind nichtdeutscher Herkunft.

    Umso wichtiger ist es, dass man Zuwanderer*innen nicht sich selbst überlässt, sondern der Staat steuert.

    Was insbesondere den Zuwanderer*innen und ihren Kids helfen würde.

    Integration ist so außerdem kaum möglich.

    Ich habe keinen Bias. Wer aufmerksam liest, was ich schreibe, weiss, dass ich unsere Rosinenpickerei scharf kritisiere. Noch schärfer kritisiere ich diejenigen, die sich für super sozi halten und gar nicht merken, dass ihr Geschwafel das gleiche ist, wie das der Rechten. Migranten sollen vor allem nützlich sein und notfalls in unserem Interesse nützlich gemacht werden.

    Also sollten wir lauter Wirtschaftsmigrant*innen ins Land lassen, obwohl sie vielleicht gar nicht arbeiten, also für uns nützlich sein wollen?

    Warum sollte Deutschland das tun?

    Ganz einfach:
    Das soll dir sagen, dass diese Menschen sich nicht auf Bürgergeld ausruhen, sondern in Jobs arbeiten, für die Bedarf besteht - und für die sie geeignet sind. Deine Ansicht über die Jobs im Gastgewerbe ist schon auch herabwürdigend. Ich hatte mir mein Studium auch nebenbei als "Barkeeper" und "Seelen- und Räuberfrühstück-Verkäufer" finanziert.

    Dein Verständnis von Yummis Beitrag kann ich nicht nachvollziehen.

    Warum lernt denn kaum jemand im Gastronomie-Gewerbe?

    Während des Studiums hat wohl die Hälfte von uns hier in dieser Branche gearbeitet. Allerdings hatten wir doch gegenüber Festangestellten in Vollzeit Vorteile.

    Als in Vollzeit angestellte Fachkraft ist es garantiert nicht lustig, da die Bezahlung für den Knochenjob nicht üppig ist. Allerdings kann man auch als relativ wenig gebildete Person diese Arbeit schnell erlernen, weshalb dort viele Menschen aus z.B. Syrien, Afghanistan usw. arbeiten.

    Die Diskussion ist hier leider abgedriftet. Niemand behauptet HIER nämlich, dass Geflüchtete und andere Menschen mit Migrationsgeschichte in der Regel nichts tun.

    Darin sind wir uns doch alle einig und unterscheiden uns von der AfD, oder nicht?

    Was genau soll ausgedacht sein?

    Es gibt zu wenige Kinderpfleger/Erzieher. Um dieses Problem zu verkleinern oder zu beseitigen, muss ausgebildet werden. Es gibt zu wenige junge Menschen, die eine entsprechende Ausbildung anstreben. Die gezielte Ausbildung zugewanderter Menschen kann zur Lösung des Problems beitragen.

    Wo genau steigst du mental aus?

    Wenn es doch so einfach ist, dann ergibt es kaum Sinn, dass es Probleme gibt, oder nicht?//

    Oder gibt es vielleicht einen Haken an anderer Stelle?

    Ganz offensichtlich kommen nicht so viele zugewanderte Menschen in Frage.

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