Neuerdings? Tucholsky schrieb bereits im letzten Jahrtausend:
(Zitat von Die Weltbühne, 19. Juli 1932, Nr. 29, Seite 98)
"Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem 1. August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen."
Dieses Zitat bezieht sich auf die Zustimmung der SPD, Russland den Krieg zu erklären (1. August 1914!). Die Folgen dieser konnte man damals (1914) ja nicht so genau absehen, weshalb ein Rückblick von 1932 auf das Jahr 1914 im Hinblick auf die Entwicklung Deutschlands von 1918 bis 1932 etwas wohlfeil ist. Ich schätze Tucholsky, denke aber, dass nicht alles, was er gesagt hat, einfach so, ohne die Hintergründe zu betrachten, als wahr zu bezeichnen ist.
Die SPD hat sich immer wieder verändert. Ein Willy Brandt, der zuvor mit ihr gebrochen hatte und zur SAPD übergewechselt war, wurde dann, wie wir alle wissen, erster SPD-Kanzler der Bundesrepublik. Von daher finde ich das Herumgehacke auf der SPD zurück bis Adam und Eva unangebracht, da undifferenziert.
Nein, ich wähle nicht mehr SPD.