Beiträge von Kairos

    Wieder mal die Frage: Wieso benotet ihr nicht realistisch?

    Weil es eine Deskriptorentabelle / Bewertungstabelle gibt, an die wir uns zu halten haben. Damit ich die Note "mangelhaft" erteilen darf, muss der Schülertext im Grunde nicht mehr verständlich sein. Selbst für die Note "befriedigend" muss ein 100%iges Verständnis nicht gegeben sein. Ich benote so streng ich darf.

    Ich glaube, ich hatte das Problem bereits vor einigen Wochen einmal angesprochen: Literatur wird zwar im Bildungsplan erwähnt, spielt in den Prüfungen jedoch keine Rolle. Gleichzeitig haben meine SuS bereits große Schwierigkeiten damit, einen Artikel von etwa 800 Wörtern konzentriert und sinnentnehmend zu lesen. Eine Ganzschrift, die weder handlungsbetont noch besonders spannend geschrieben ist und zudem einen gewissen Wortschatz voraussetzt, würde viele von ihnen schlicht überfordern. Das ist keine Übertreibung, sondern entspricht meinen Erfahrungen aus dem Unterricht.


    Klassische Literatur hat unter diesen Voraussetzungen leider überhaupt keinen realistischen Platz in unserer Oberstufe. Meine zentrale Aufgabe besteht vielmehr darin, die SuS innerhalb der drei Jahre so weit zu bringen, dass sie im Abitur einen Text strukturiert verfassen können, mit Einleitung, Hauptteil und Schluss sowie unter Verwendung geeigneter textstrukturierender Mittel („linking words“).
    Darüber hinaus muss ich in der Oberstufe immer noch grundlegende Aspekte der englischen Syntax wiederholen und gleichzeitig sicherstellen, dass der für die Prüfungen notwendige Wortschatz tatsächlich beherrscht wird. Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, dass die SuS in den Prüfungen Wörterbücher verwenden dürfen. Das führt leider bei vielen dazu, dass sie die kontinuierliche Wortschatzarbeit weniger ernst nehmen. Außerdem muss ich mit ihnen zunächst überhaupt einüben, wie man ein Wörterbuch sinnvoll benutzt.


    Für die intensive Auseinandersetzung mit Shakespeare, Orwell oder Atwood bleibt unter diesen Bedingungen nicht nur schlicht keine Zeit. Eine solche Lektüre wäre für viele meiner SuS zum jetzigen Zeitpunkt auch eine maßlose Überforderung. Ich habe es bereits ausprobiert und musste feststellen, dass die Voraussetzungen dafür bei einem großen Teil der Lerngruppen schlicht nicht gegeben sind.

    Das Problem sind aber/also nicht die Lehrpläne sondern die zugelassenen Bücher.
    Und wenn wir ehrlich sind: in kaum einem (mir bekannten) Fach (und ich habe vier in der Oberstufe...) sind Lehrwerke gut und ausreichend. Entweder müssen sie stark angereichert werden, oder man lässt sie weg und sammelt aus unterschiedlichen Büchern.

    Wie kurz erwähnt: MIR ist die Behandlung der Frankophonie in Französisch zu einseitig, aber da zu konservativ. KEINE Kritik an der Kolonialisierung, keine Kritik an der HEUTE NOCH französischen, zum Teil offiziellen, Haltung, dass die Kolonialisierung die Zivilisation gebracht hat, sondern ein "Friede Freude Eierkuchen"-Wir sprechen alle Französisch, wie toll ist das denn.

    Nicht nur die zugelassenen Bücher, sondern auch das Fortbildungsmaterial und die zentralen Prüfungstexte, und zwar wirklich alle Prüfungstexte, die mir bisher begegnet sind.

    Die Lehrpläne in Englisch sind bei uns sehr vage formuliert, was die Inhalte angeht. Da steht im Grunde nur „USA“ und in der rechten Spalte ein paar Stichworte. Daran liegt es also nicht, das stimmt.

    Hallo Kairos, Kris hatte gestern schon mal gefragt, mich würde das auch interessieren: Was für konservative Positionen musst du extra kopieren, die nicht im Buch vertreten sind? Derart "Manche Menschen finden Schwulenehe abstoßend", oder wie muss man sich das vorstellen?

    Also abgesehen davon, dass Schule natürlich kontrovers diskutieren soll und ich hoffe, dass Lehrkräfte nicht ausschließlich mit Schulbuch unterrichten, interessiert mich, wie etwa Postkolonialismus oder Klimawandel, die überhaupt erst seit wenigen Jahren Thema sind, zu einseitig beleuchtet werden.

    Moment, mir fällt gerade ein, wie wir vor 35 Jahren gelernt haben, dass Flüsse zu begradigen um die Schifffahrt zu fördern eine ganz schlechte Idee für Flüsse, Ökosystem und Hochwasser ist. Was heutige Politiker nicht daran hindert, bei akutem Wassermangel vom weiteren Ausbaggern zu schwadronieren...

    Vielleicht zunächst die kurze Anmerkung, dass zumindest das Thema Klimawandel bereits seit über 20 Jahren unterrichtet wird. So neu ist das also nicht.

    Aber zu deiner eigentlichen Frage: Ein Schwerpunktthema in diesem Jahr lautet „The USA – Past and Present“. Die in den Büchern abgedruckten Kommentare stammen fast alle aus dem Guardian, einer Zeitung, die eindeutig dem linksliberalen Spektrum zuzuordnen ist. Das führt dazu, dass bei sämtlichen Themen die Position der Demokraten sehr stark gemacht und die der Republikaner vernichtend kritisiert wird, auch schon vor Trump und auch bei Themen, die Trump nur indirekt betreffen.

    Ich persönlich teile die Meinung der Republikaner nicht, aber es ist nun einmal so, dass es auch begründete Gegenmeinungen zu Themen wie Waffenrechten, Migration, Atomkraft, Fracking, Arbeitsrecht, Umverteilung, Schwangerschaftsabbrüchen usw. gibt. Die Argumente der Gegenseite werden in den Texten gar nicht, falsch oder nur verkürzt beleuchtet.

    Dazu kommt, dass gerade in den gymnasialen Klassen kaum konservative Meinungen zu hören sind. Die wenigen Schülerinnen und Schüler, die eher konservativ denken, fühlen sich dann meist unwohl und sind nicht bereit, ihre Argumente zu teilen.

    Am Ende geht es auch um Empathiefähigkeit. Wie kann es sein, dass diese „blöden“ Amerikaner immer noch an ihren Waffen festhalten, obwohl diese objektiv so viel Schaden anrichten? Ja, die da „oben“ wollen Geld, und die einfache Bevölkerung ist halt dumm oder böse. Genau so möchte ich diese Themen nicht behandeln.

    Das geht aber nur, wenn ich auch andere Quellen bemühe, dafür sorge, dass konservative Meinungen zu hören sind und meine Schülerinnen und Schüler dadurch vielleicht doch noch lernen, warum Menschen unterschiedlich denken, dass Probleme oft komplexer sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen, und dass man die Gegenseite besonders effektiv kritisieren kann, wenn man sie zunächst versteht.

    Vielleicht ist auch das Problem, dass es in bestimmten Fächern weniger objektive Fakten ist und es der Zeitrahmen nicht hergibt, zu jedem Thema immer alle Positionen gleichermaßen darzustellen. Nehmen wir mal das Fach Englisch als Beispiel: Klar muss man im Kontext American Dream irgendwie auch das Thema Migration ansprechen. Ich bin jetzt keine Englischlehrkraft, auch wenn es natürlich ähnliche Themen im Fach Französisch gibt, aber ist es denn möglich, eine einigermaßen wertneutrale Übersicht der Migrationsgeschichte der USA aufzuzeigen, oder kommt man dabei um eine Wertungskomponente im Prinzip gar nicht herum?

    Es geht nicht darum, eine Wertung zu vermeiden, sondern darum, anzuerkennen, dass verschiedene Menschen(gruppen) zu unterschiedlichen Urteilen kommen, die jeweils ihre eigenen Hintergründe und Argumente haben. Diese müssen im Unterricht analysiert, diskutiert und bewertet werden. Das angebotene Unterrichtsmaterial ist dafür jedoch viel zu einseitig und suggeriert, dass es darüber hinaus keine anderen (legitimen) Sichtweisen gebe.

    Hm, mein Kind hat jetzt 4 Jahre gymnasiales Englisch hinter sich und da war noch kein "Regenbogenthema".

    Es gab Seemänner, London, Australien, Familienalltag (mit Mama, Papa, Kindern), Haustuere, Hobbys....

    Alles sehr unaufgeregt.

    Ich würde mich auch wundern, wenn man in der frühen Spracherwerbsphase über politische Themen sprechen würde. Ich kann dir aber versichern, dass das in der Oberstufe anders aussehen wird.

    Den Begriff "Regenbogenthema" kenne ich nicht und benutze ich auch nicht.

    Ich kann zumindest für Englisch schon nachvollziehen, was meine Vorredner sagen. Natürlich sind die Themen als solche (Globalisierung, Postkolonialismus, Diversität …) Themen, die alle betreffen und selbstverständlich in die Schule gehören. Aber die Textauswahl sowohl in den Schulbüchern als auch in den Prüfungen ist politisch auffällig einseitig. Zufällig deckt sie sich meist mit meiner persönlichen Meinung, aber gerade deshalb muss ich immer wieder darauf achten, auch andere, konservativere Stimmen zu Wort kommen zu lassen, da der Unterricht ansonsten überhaupt nicht ausgewogen wäre.

    In Baden-Württemberg sind Klassenfahrten verpflichtend.

    Das stimmt nicht.

    "Bei mehrtägigen außerunterrichtlichen Veranstaltungen, Veranstaltungen an unterrichtsfreien Tagen, kostenpflichtigen Veranstaltungen (sofern es nicht um Bagatellbeträge geht) sowie mehrstündigen Veranstaltungen über den stundenplanmäßigen Unterricht hinaus (z. B. Theaterbesuch am Abend, Tagesausflüge bis in den Abend hinein, Klassenfahrten, Schullandheime, Studienfahrten, Schüleraustausch etc.) besteht keine Teilnahmepflicht. Schülerinnen und Schüler, die an diesen Veranstaltungen nicht teilnehmen, müssen währenddessen aber ggf. am Unterricht einer anderen Klasse teilnehmen. Andernfalls liegt eine Schulpflichtverletzung vor."


    Quelle: https://km.baden-wuerttemberg.de/de/schule/info…veranstaltungen

    Ja, im Abitur. Passiert hier öfter in allen Fächern. Wenn ich es nicht tue, Zweitkorrektor und Drittkorrektor haben weniger Skrupel.

    Der Unterschied zwischen dem allgemeinbildenden und dem beruflichen Gymnasium in BaWü ist echt enorm, was so Dinge angeht. Wir haben die exakt gleiche Regelung und ich habe noch nie(!) gesehen, dass irgendwer von ihr Gebrauch gemacht hätte. Die Zweitkorrektoren bewerten tendenziell sogar freundlicher als ich.

    Ich bin ja eigentlich immer für das Einfordern von Leistungen. Aaaaaber... Ich habe gerade den Eindruck, dass die beschriebene Problematik auch daher kommt, dass man selbst die Sprache auf einem sehr hohen Niveau beherrscht (C1/C2) und vor allem einen Großteil der Woche nichts Anderes macht als sich mit dieser Sprache zu beschäftigen. Unsere Schüler (m/w/d) haben dieses fachliche Niveau noch nicht, auch nicht im Leistungskurs, sie sind noch im Lernprozess und dabei machen sie Fehler. Zudem... Sie haben noch gut 10 andere Fächer, die sie nebenbei auch schaukeln müssen. Damit will ich gewisse Fehler im Fach Englisch (oder anderen Fächern) nicht gutheißen, aber sie zumindest kontextuell einordnen.

    Nein, darum geht es nicht. Ein durchschnittlicher Oberstufenschüler sollte im LK Englisch die Grundgrammatik und den Grundwortschatz der Sek 1 einigermaßen sicher beherrschen. Es geht hier nicht um stilistische Feinheiten. Dazu komme ich fast gar nicht mehr. Es geht darum, dass SuS der Jahrgangsstufe 2 immer noch nicht wissen, wann man "do" und wann man "does" schreibt. Oder immer noch nicht verstehen, dass die englische Syntax kaum Ausnahmen zulässt und jeder Satz ein Verb braucht. Eine angemessene Fehlertoleranz ist als Lehrkraft für Fremdsprachen eine Selbstverständlichkeit und ausdrücklich Teil der fachdidaktischen Ausbildung. Aber gerade WEIL wir die Sprache gut beherrschen, können wir gut differenzieren, welche Fehler einfach zum natürlichen Spracherwerb gehören und welche Fehler völlig inakzeptabel sind (sein sollten), wenn man in Englisch Abitur schreibt.

    Im LK?!

    JA!

    Selbst kurz vorm Abi noch sind manche SuS völlig lernresistent. Durch die Bewertungstabellen, an die wir uns halten müssen, kommen die meisten trotzdem irgendwie durch. Wenn ich noch strenger korrigieren würde, gäbe es im Abi massenweise Drittkorrekturen. Das System lässt es einfach nicht anders zu.

    • "Nowadays, many people..." (So fängt gefühlt jeder Aufsatz an.)
    • "This is really good / really bad / a really big problem / really important..."
    • Orthografiefehler, die sich endlos wiederholen und die man bei den meisten einfach nicht herausbekommt ("its/it's", "you're/your", "i" statt "I", "tho" statt "though"...)
    • In den letzten Jahren muss irgendwie alles auf "-ing" enden, obwohl es die falsche Form ist.
    • Subject-verb-agreement-Fehler.
    • If-clauses und passive voice kann man komplett vergessen.

    Ich kenne keine Englischlehrkraft, die nicht mit diesen Fehlern kämpft.

    Palim Ich wünsche mir strengere Bewertungsrichtlinien für die Sprache, sodass ich nicht jedes Mal Bauchschmerzen bekomme, wenn ich eine "ausreichende" oder gar "befriedigende" Leistung attestieren soll. Ich wünsche mir weniger Themen, damit wir mehr in die Tiefe statt in die Breite arbeiten können. Ich wünsche mir am beruflichen Gymnasium, dass literarische Themen endlich prüfungsrelevant werden. Ich bin an meiner Schule der Einzige, der mit seinen Kursen literarische Texte behandelt, meist zeitgenössische Werke, aber auch Filme und Graphic Novels. Da sind wirklich spannende Sachen dabei, und manche Schülerinnen und Schüler freuen sich darüber. Viele schauen mich aber nur fragend an: "Kommt das im Abi dran? Nein? Warum machen wir das dann?"

    Am beruflichen Gymnasium ist Englisch außerdem der einzige Weg, Deutsch oder Mathe als schriftliche Prüfungsfächer zu vermeiden. Das führt dazu, dass sehr viele Englisch wählen, einfach um besser durch das Abi zu kommen. Wirklich interessiert sind sie aber nicht. Dazu kommt, dass viele Themen schlicht langweilig sind.

    Eure Beiträge erinnern mich wieder daran, dass ich im vergangenen Schuljahr zunehmend müde vom Englischunterricht geworden bin. Meine Kurse kommen gut durchs Abi, und wir sind in diesem Sinne also recht erfolgreich, aber es macht mir einfach keinen Spaß mehr. Alles fühlt sich oberflächlich an, höhere Standards darf ich kaum noch stellen, die Themen langweilen mich, und ich unterrichte Dinge, die mit meinem eigentlichen literaturwissenschaftlichen Studium nichts zu tun haben (Wie funktionieren Atomkraftwerke? Was sind die Vor- und Nachteile eines bedingungslosen Grundeinkommens? Kann man nachhaltig konsumieren?).

    Alles zweifellos wichtige Themen, aber sie dienen letztlich nur als Mittel zum Zweck (wie oben beschrieben). Und ich frage mich zunehmend: Müssen diese Themen ausgerechnet im Englischunterricht behandelt werden?

    Vielleicht übertreibe ich, aber momentan belastet mich das wirklich sehr, weil ich fast ausschließlich Englisch unterrichte, gleichzeitig aber gar keine Freude mehr an dem Fach in seiner jetzigen Form habe.

    Ja, die Bewertung der Sprache ist echt so ein Ding für sich. Wenn ich nach der offiziellen Deskriptorentabelle bewerten soll, gibt es, vereinfacht gesagt, die Note 5 erst dann, wenn man das Geschriebene nicht mehr verstehen kann. Wann ist das jemals der Fall? Selbst bei grottenschlechter Grammatik und einem geringen Wortschatz weiß man fast immer, was gemeint ist.

    Die Aufgabenstellungen in den Prüfungen sind oft sehr allgemein gehalten, sodass man vieles und nichts schreiben kann und trotzdem dafür Punkte erhält. Es sind nicht die Themen an sich, sondern das durch die Aufgabenstellungen eingeforderte Niveau, das problematisch ist.

    Im diesjährigen Englischabitur haben fast alle meine SuS die folgende Aufgabe gewählt: „Comment on whether speaking up publicly against discrimination should be an obligation for everyone.“ Um diese Aufgabe angemessen bearbeiten zu können, braucht man keine zwei Jahre Oberstufenunterricht. Eine vergleichbare Aufgabe könnten bereits Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse lösen.

    In Englisch ist eine inhaltliche Vorbereitung für die Abiturklausuren mittlerweile faktisch obsolet.

    Ja, das stimmt. Bei uns gibt es hin und wieder noch Wahlaufgaben, auf die man sich inhaltlich vorbereiten sollte. Da es sich jedoch um Wahlaufgaben handelt, werden sie von den SuS in der Regel umschifft.

    Bei den mündlichen Prüfungen lege ich bei der Erstellung der Aufgaben Wert darauf, dass auch inhaltlich ein gewisser Standard gewahrt bleibt. Das kommuniziere ich meinen Kursen auch, und die SuS, die Englisch als mündliches Prüfungsfach wählen, wissen das ebenfalls.

    In Deutsch ist es ähnlich. Allerdings bringt das den leistungsschwachen SuS oft wenig, da ihre sprachlichen Fähigkeiten teilweise so schwach sind, dass sie dennoch nicht über 4 Notenpunkte hinauskommen.

    Dieses Fächer-Bashing ist so unnötig. Können wir das nicht einfach mal sein lassen? Meistens kommen dabei doch nur Plattitüden und anekdotische „Weisheiten“ heraus.

    Ich habe nach der Schule im Alltag kaum mehr als Kopfrechnen und Prozentrechnung gebraucht. Müsste ich deshalb jetzt fragen, warum Schüler in Mathe Abitur schreiben? Wissen aus Physik und Chemie habe ich so gut wie nie benötigt. Der Sportunterricht hat mir jahrelang die Lust am Sport verdorben, der Kunstunterricht die Freude an Kunst. Geschichte in der Oberstufe war größtenteils eine Vertiefung dessen, was wir bereits in der Mittelstufe behandelt hatten – man hätte also auch darauf verzichten können. Und von den drei Jahren BWL am Wirtschaftsgymnasium (ein sechsstündiges Profilfach!) ist bei mir praktisch nichts hängen geblieben. Letzteres war für mich die reinste Zeitverschwendung.

    Fange ich deshalb an, die Daseinsberechtigung dieser Fächer infrage zu stellen? Nö.

    Wenn du mit der Kombi ans berufliche Gymnasium gehst, würdest du in BaWü dann zusätzlich fachfremd Geschichte unterrichten, da Gemeinschaftskunde bei uns zusammen mit Geschichte unterrichtet wird. Wirtschaft ist bei uns in der Eingangsklasse ein Pflichtfach und danach ein Wahlfach. Achtung: Mit Wirtschaftswissenschaft darfst du, soweit ich weiß, nicht BWL/VWL am Wirtschaftsgymnasium unterrichten. Das wäre ein anderer Studiengang. In der Praxis mag es aber Ausnahmen geben.

    Beachte bitte auch, dass du an einer beruflichen Schule natürlich nicht nur am beruflichen Gymnasium unterrichten würdest, sondern auch in anderen Schularten. Das kann aber echt cool sein. Ich empfehle es. Die Einstellungschancen sind bei uns erheblich besser als an den allgemeinbildenden Schulen. Mit einem passenden Drittfach könntest du also deinen Vorbereitungsdienst auch im beruflichen Schulwesen antreten.

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