Beiträge von Kairos

    Ich bin ja eigentlich immer für das Einfordern von Leistungen. Aaaaaber... Ich habe gerade den Eindruck, dass die beschriebene Problematik auch daher kommt, dass man selbst die Sprache auf einem sehr hohen Niveau beherrscht (C1/C2) und vor allem einen Großteil der Woche nichts Anderes macht als sich mit dieser Sprache zu beschäftigen. Unsere Schüler (m/w/d) haben dieses fachliche Niveau noch nicht, auch nicht im Leistungskurs, sie sind noch im Lernprozess und dabei machen sie Fehler. Zudem... Sie haben noch gut 10 andere Fächer, die sie nebenbei auch schaukeln müssen. Damit will ich gewisse Fehler im Fach Englisch (oder anderen Fächern) nicht gutheißen, aber sie zumindest kontextuell einordnen.

    Nein, darum geht es nicht. Ein durchschnittlicher Oberstufenschüler sollte im LK Englisch die Grundgrammatik und den Grundwortschatz der Sek 1 einigermaßen sicher beherrschen. Es geht hier nicht um stilistische Feinheiten. Dazu komme ich fast gar nicht mehr. Es geht darum, dass SuS der Jahrgangsstufe 2 immer noch nicht wissen, wann man "do" und wann man "does" schreibt. Oder immer noch nicht verstehen, dass die englische Syntax kaum Ausnahmen zulässt und jeder Satz ein Verb braucht. Eine angemessene Fehlertoleranz ist als Lehrkraft für Fremdsprachen eine Selbstverständlichkeit und ausdrücklich Teil der fachdidaktischen Ausbildung. Aber gerade WEIL wir die Sprache gut beherrschen, können wir gut differenzieren, welche Fehler einfach zum natürlichen Spracherwerb gehören und welche Fehler völlig inakzeptabel sind (sein sollten), wenn man in Englisch Abitur schreibt.

    Im LK?!

    JA!

    Selbst kurz vorm Abi noch sind manche SuS völlig lernresistent. Durch die Bewertungstabellen, an die wir uns halten müssen, kommen die meisten trotzdem irgendwie durch. Wenn ich noch strenger korrigieren würde, gäbe es im Abi massenweise Drittkorrekturen. Das System lässt es einfach nicht anders zu.

    • "Nowadays, many people..." (So fängt gefühlt jeder Aufsatz an.)
    • "This is really good / really bad / a really big problem / really important..."
    • Orthografiefehler, die sich endlos wiederholen und die man bei den meisten einfach nicht herausbekommt ("its/it's", "you're/your", "i" statt "I", "tho" statt "though"...)
    • In den letzten Jahren muss irgendwie alles auf "-ing" enden, obwohl es die falsche Form ist.
    • Subject-verb-agreement-Fehler.
    • If-clauses und passive voice kann man komplett vergessen.

    Ich kenne keine Englischlehrkraft, die nicht mit diesen Fehlern kämpft.

    Palim Ich wünsche mir strengere Bewertungsrichtlinien für die Sprache, sodass ich nicht jedes Mal Bauchschmerzen bekomme, wenn ich eine "ausreichende" oder gar "befriedigende" Leistung attestieren soll. Ich wünsche mir weniger Themen, damit wir mehr in die Tiefe statt in die Breite arbeiten können. Ich wünsche mir am beruflichen Gymnasium, dass literarische Themen endlich prüfungsrelevant werden. Ich bin an meiner Schule der Einzige, der mit seinen Kursen literarische Texte behandelt, meist zeitgenössische Werke, aber auch Filme und Graphic Novels. Da sind wirklich spannende Sachen dabei, und manche Schülerinnen und Schüler freuen sich darüber. Viele schauen mich aber nur fragend an: "Kommt das im Abi dran? Nein? Warum machen wir das dann?"

    Am beruflichen Gymnasium ist Englisch außerdem der einzige Weg, Deutsch oder Mathe als schriftliche Prüfungsfächer zu vermeiden. Das führt dazu, dass sehr viele Englisch wählen, einfach um besser durch das Abi zu kommen. Wirklich interessiert sind sie aber nicht. Dazu kommt, dass viele Themen schlicht langweilig sind.

    Eure Beiträge erinnern mich wieder daran, dass ich im vergangenen Schuljahr zunehmend müde vom Englischunterricht geworden bin. Meine Kurse kommen gut durchs Abi, und wir sind in diesem Sinne also recht erfolgreich, aber es macht mir einfach keinen Spaß mehr. Alles fühlt sich oberflächlich an, höhere Standards darf ich kaum noch stellen, die Themen langweilen mich, und ich unterrichte Dinge, die mit meinem eigentlichen literaturwissenschaftlichen Studium nichts zu tun haben (Wie funktionieren Atomkraftwerke? Was sind die Vor- und Nachteile eines bedingungslosen Grundeinkommens? Kann man nachhaltig konsumieren?).

    Alles zweifellos wichtige Themen, aber sie dienen letztlich nur als Mittel zum Zweck (wie oben beschrieben). Und ich frage mich zunehmend: Müssen diese Themen ausgerechnet im Englischunterricht behandelt werden?

    Vielleicht übertreibe ich, aber momentan belastet mich das wirklich sehr, weil ich fast ausschließlich Englisch unterrichte, gleichzeitig aber gar keine Freude mehr an dem Fach in seiner jetzigen Form habe.

    Ja, die Bewertung der Sprache ist echt so ein Ding für sich. Wenn ich nach der offiziellen Deskriptorentabelle bewerten soll, gibt es, vereinfacht gesagt, die Note 5 erst dann, wenn man das Geschriebene nicht mehr verstehen kann. Wann ist das jemals der Fall? Selbst bei grottenschlechter Grammatik und einem geringen Wortschatz weiß man fast immer, was gemeint ist.

    Die Aufgabenstellungen in den Prüfungen sind oft sehr allgemein gehalten, sodass man vieles und nichts schreiben kann und trotzdem dafür Punkte erhält. Es sind nicht die Themen an sich, sondern das durch die Aufgabenstellungen eingeforderte Niveau, das problematisch ist.

    Im diesjährigen Englischabitur haben fast alle meine SuS die folgende Aufgabe gewählt: „Comment on whether speaking up publicly against discrimination should be an obligation for everyone.“ Um diese Aufgabe angemessen bearbeiten zu können, braucht man keine zwei Jahre Oberstufenunterricht. Eine vergleichbare Aufgabe könnten bereits Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse lösen.

    In Englisch ist eine inhaltliche Vorbereitung für die Abiturklausuren mittlerweile faktisch obsolet.

    Ja, das stimmt. Bei uns gibt es hin und wieder noch Wahlaufgaben, auf die man sich inhaltlich vorbereiten sollte. Da es sich jedoch um Wahlaufgaben handelt, werden sie von den SuS in der Regel umschifft.

    Bei den mündlichen Prüfungen lege ich bei der Erstellung der Aufgaben Wert darauf, dass auch inhaltlich ein gewisser Standard gewahrt bleibt. Das kommuniziere ich meinen Kursen auch, und die SuS, die Englisch als mündliches Prüfungsfach wählen, wissen das ebenfalls.

    In Deutsch ist es ähnlich. Allerdings bringt das den leistungsschwachen SuS oft wenig, da ihre sprachlichen Fähigkeiten teilweise so schwach sind, dass sie dennoch nicht über 4 Notenpunkte hinauskommen.

    Dieses Fächer-Bashing ist so unnötig. Können wir das nicht einfach mal sein lassen? Meistens kommen dabei doch nur Plattitüden und anekdotische „Weisheiten“ heraus.

    Ich habe nach der Schule im Alltag kaum mehr als Kopfrechnen und Prozentrechnung gebraucht. Müsste ich deshalb jetzt fragen, warum Schüler in Mathe Abitur schreiben? Wissen aus Physik und Chemie habe ich so gut wie nie benötigt. Der Sportunterricht hat mir jahrelang die Lust am Sport verdorben, der Kunstunterricht die Freude an Kunst. Geschichte in der Oberstufe war größtenteils eine Vertiefung dessen, was wir bereits in der Mittelstufe behandelt hatten – man hätte also auch darauf verzichten können. Und von den drei Jahren BWL am Wirtschaftsgymnasium (ein sechsstündiges Profilfach!) ist bei mir praktisch nichts hängen geblieben. Letzteres war für mich die reinste Zeitverschwendung.

    Fange ich deshalb an, die Daseinsberechtigung dieser Fächer infrage zu stellen? Nö.

    Wenn du mit der Kombi ans berufliche Gymnasium gehst, würdest du in BaWü dann zusätzlich fachfremd Geschichte unterrichten, da Gemeinschaftskunde bei uns zusammen mit Geschichte unterrichtet wird. Wirtschaft ist bei uns in der Eingangsklasse ein Pflichtfach und danach ein Wahlfach. Achtung: Mit Wirtschaftswissenschaft darfst du, soweit ich weiß, nicht BWL/VWL am Wirtschaftsgymnasium unterrichten. Das wäre ein anderer Studiengang. In der Praxis mag es aber Ausnahmen geben.

    Beachte bitte auch, dass du an einer beruflichen Schule natürlich nicht nur am beruflichen Gymnasium unterrichten würdest, sondern auch in anderen Schularten. Das kann aber echt cool sein. Ich empfehle es. Die Einstellungschancen sind bei uns erheblich besser als an den allgemeinbildenden Schulen. Mit einem passenden Drittfach könntest du also deinen Vorbereitungsdienst auch im beruflichen Schulwesen antreten.

    Das ist in der Grundschule leider oft nicht so. Bei der Ausstattung vieler Schulen kommt man als Lehrkraft, besonders als Klassenlehrkraft nicht drum herum, sich selbst um viele Dinge zu kümmern. Wir machen das, weil uns guter Unterricht wichtig ist. Und je nach Klasse/Elternschaft wird das durchaus auch wertgeschätzt. Aber: Grundsätzlich ist dieser Zustand ein Unding... Ich wäre ja auch gern bereit, mich um die Klassenzimmerausstattung zu kümmern, wenn jeder Klassenlehrer ein vernünftiges Budget bekäme dafür. Aber dass wir so viel selbst bezahlen müssen, von Freiarbeitskarteien über Lernbüros bis zu digitalem/gedruckten Unterrichtsmaterial, ist traurig. Wir sind ja schon froh, wenn es zumindest ausreichend bunte Kreide, Laminierfolien, Kopierpapier und das Zusatzmaterial zu den D/M-Lehrwerken in der Schule gibt. Wir hatten auch lange nur 3 Sets Dienes-Material für 200 Schüler.

    Jetzt erst mit dem Startchancenprogramm wird es tendenziell deutlich besser, was die Materialfülle an Zusatzmaterial und Anschauungsmaterial angeht. Allerdings gibt es da oft auch eigenartige Vorgaben oder Wünsche von den Schulämtern, sodass nicht immer das angeschafft werden kann, was benötigt wird.

    Ihr "müsst" gar nichts bezahlen. Und wie gut der Unterricht ist, hängt von den Rahmenbedingungen ab. Mir ist guter Unterricht auch wichtig und ich mache deshalb das beste aus den Rahmenbedingungen und Ressourcen, die mir zur Verfügung stehen. Was hat das mit der Schulart zu tun?

    Als Lehrer für Ethik und Philosophie möchte ich einige Worte zum Thema „Religion als Bildungsplaneinheit im Ethikunterricht“ sagen. Ich sehe mehrere Gründe, warum religionswissenschaftliche und auch theologische Themen ihren festen Platz im Ethikunterricht haben sollten.

    1. In einer pluralistischen Gesellschaft, ja in einer pluralistischen Welt, benötigen wir einen moralischen Grundkonsens, eine Art Minimalmoral, um friedlich koexistieren zu können. Dazu gehört die Fähigkeit, den Anderen zu verstehen und zu tolerieren. Tolerieren bedeutet dabei bewusst nicht uneingeschränkte Akzeptanz, sondern das Aushalten und Dulden von Überzeugungen, die man selbst nicht teilt. Diese Unterscheidung ist für ein reflektiertes Zusammenleben zentral. Der Ethikunterricht kann einen wichtigen Beitrag leisten, indem er religiöse und weltanschauliche Positionen sichtbar macht, vergleichbar macht und in einen rationalen Dialog überführt. Nur wer die moralischen Quellen und Begründungen des Anderen kennt, kann begründet widersprechen, Grenzen setzen und dennoch respektvoll miteinander umgehen.
    2. Die philosophische Ethik hat die Aufgabe, Moral zu beschreiben, zu begründen und zu kritisieren. Moral bezeichnet dabei die praktischen Regeln, Normen und Werte einer Gesellschaft oder einer einzelnen Person. Die Ethik reflektiert diese oftmals unbegründeten Moralvorstellungen. Da viele Menschen ihre Normen aus religiösen Überzeugungen ableiten, ist es unabdingbar, sich mit religiösen Moralvorstellungen auseinanderzusetzen, insbesondere mit ihren konkreten Inhalten und ihrer historischen Entwicklung. Autoren wie Kant haben ihre ethischen Begründungen nicht im luftleeren Raum entwickelt, sondern stets im Kontext theologischer Ethik und häufig auch in bewusster Abgrenzung zu ihr.
    3. Die Religionsphilosophie ist ein Teilgebiet der Philosophie und untersucht zentrale Begriffe und Themen religiöser Traditionen. In diesem Zusammenhang beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit ethischen Fragen, sondern auch mit Sinnfragen sowie mit der möglichen Sinnlosigkeit des Lebens. Dabei wird auch die Gottesfrage thematisiert, jedoch auf eine unvoreingenommene und reflektierende Weise. In der Oberstufe lesen wir sowohl theologische als auch religionskritische Texte und setzen uns mit dem Dialog zwischen unterschiedlichen Denkschulen auseinander. Hier spielen die großen Religionskritiker eine zentrale Rolle, darunter Feuerbach, Marx, Nietzsche, Freud und Sartre. All diese Autoren haben sich intensiv mit religiösen Dogmen beschäftigt, da nur auf dieser Grundlage eine fundierte Kritik möglich ist. Die meisten Schülerinnen und Schüler empfinden diese Bildungsplaneinheit als besonders spannend, sowohl religiöse als auch unreligiöse.
    4. Religion kann unter bestimmten Umständen hochgefährlich werden. Unreflektierte Dogmen und moralische Absolutheitsansprüche können zu Fundamentalismus und Extremismus führen. Wie sollen Schülerinnen und Schüler diese Gefahren erkennen und verstehen, ohne sich mit theologischen Begründungen und religiösen Weltansichten auseinanderzusetzen? Ich spreche hier bewusst von theologischen und nicht nur von religionswissenschaftlichen Perspektiven, da gerade die oftmals unkritische Innensicht religiöser Überzeugungen Risiken birgt, die gemeinsam reflektiert werden müssen.
    5. Religiöse Symbolik begegnet uns in vielen Lebensbereichen, insbesondere in Kunst und Literatur. Wenn Schülerinnen und Schüler ein angemessenes Maß an Medienkompetenz entwickeln sollen, gehört ein grundlegendes Wissen über religiöse Mythen, Symbole und historische Hintergründe zwingend dazu.

    Auf der Website des Kultusministeriums konnte ich noch diese Aussagen finden:

    "Nicht maßgeblich ist die bloße Anzahl der Wortmeldungen. Dieser Aspekt wird von der im Zeugnis ausgewiesenen Note für Mitarbeit erfasst. Bei der mündlichen Note kommt es auch auf die Qualität der Unterrichtsbeiträge an. Passives Verhalten geht zu Lasten des Schülers. Der Lehrer ist allerdings bereits von seinem pädagogischen Auftrag her gehalten, auch zurückhaltende Schüler durch gezieltes Aufrufen in den Unterricht einzubeziehen."

    Formulierungen wie "die bloße Anzahl" und "kommt es auch auf die Qualität der Unterrichtsbeiträge an" sowie "passives Verhalten geht zu Lasten des Schülers" zeigen doch, dass die Quantität der Beiträge durchaus auch einfließen darf. Den letzten Satz könnte man als "Holschuld" deuten.

    In Baden-Württemberg nicht zulässig,

    Wo steht das eigentlich? Ich sehe diese Aussagen häufiger, auch von einer Holschuld ist die Rede. Mir sind die entsprechenden Gesetzestexte bzw Verordnungen niemals begegnet. Die Mitarbeitsnote ist Teil der NVO, das ist mir klar. Aber daraus kann ich nicht ableiten, dass es mir strengstens untersagt ist, die Quantität der Beiträge in die Note einfließen zu lassen. Wer sich niemals beteiligt, dem kann ich kaum eine gute Note geben. Das heißt natürlich nicht, dass häufiges Melden automatisch zu einer guten Note führt. Die Qualität wiegt stärker.

    Das mag in der Sek 1 alles anders sein, aber bei uns spricht niemand von einer Holschuld der Lehrkraft.

    Warst du auf einer katholischen Schule? Eine Freundin von mir ging im thüringischen Eichsfeld, welches ja sowieso stark katholisch geprägt ist, auf ein katholisches Gymnasium und hat mir genau dasselbe erzählt. Konnte ich als Berliner gar nicht glauben

    Ne, auf einer stinknormalen Realschule. Ich bin dann auch deshalb irgendwann aus dem Unterricht ausgetreten. Wir haben mehr gebetet und gesungen als wirklich etwas Substanzielles über Religion gelernt.

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