Hattie hat in Visible Learning 2.0 sehr ausführlich auf die Kritik geantwortet.
Ich habe Visible Learning 2.0 in der Schule und kann dir sagen, dass die Kommentare zu den Ergebnissen die Ergebnisse einordnen. Gerne gucke ich nochmal, was Hattie zu Inklusion bzw. Mainstreaming kommentiert hat. Ich kann dir aber schon jetzt sagen, dass die Ergebnisse für Inklusion bzw. Mainstreaming die höchste Robustheitsstufe haben.
Fällt dir nicht selber auf, dass das an meiner Kritik komplett vorbeigeht? Die Eigenbehauptung, "minderwertige Forschung" nicht "mit aufgenommen" zu haben, wird seinerseits artikuliert, aber nicht entkräftet (erst recht nicht, wenn man die zugrundeliegenden Metastudien und die diesen zugrundeliegenden Einzelstudien kennt). Das ist ein simples 'Nööö, hab' ich nicht!', das durch die Realität Lügen gestraft wird. Der spätere "Robustheitsfaktor" geht komplett an der Kritik vorbei.* Und die Kommentierung ist nichts wert, wenn die meinerseits oben skizzierte Differenzierung am Ende ausbleibt, man den wissenschaftstheoretischen Diskurs zu Metaanalysen insg. verschlafen hat (s. Links) oben, und trotzdem zur Kalkulation der Effektstärke alles in einen Topf geworfen wurde, man bivariates Unvergleichbares miteinander vergleicht. Sorry, ich setze mich jetzt seit 20+ Jahren mit Metaanalysen auseinander (habe u.a. auch zu der Problematik promoviert) und J. Hatties Werk ist da weit vom state of the art entfernt - außerhalb der Bildungswissenschaften und populärwissenschaftl. Publikationen hätte so ein Werk wenig Beachtung erhalten.
* zur Robustheit (mal micht mit eigenen Worten, sondern hier: https://web.fhnw.ch/plattformen/ha…obustheitsindex
Zitat
- Anzahl der vorliegenden Meta-Analysen,
- Anzahl der darin verarbeiteten Studien,
- (geschätzte) Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler, die in diese Studien einbezogen sind
- Anzahl der ausgewiesenen Effekte für diesen Einfluss
- die nach Verfahren von Rosenthal (1979) und Orwin (1983) geschätzte Anzahl minimal künftig neu hinzukommenden Studien, die zu einer deutlichen Veränderung der Effektstärke führen würde (je weniger, desto veränderlicher). = fehlschlussvermeidenden Anzahl von unveröffentlichten Studien / fail-safe studies.
Kurz: Das ist Käse. Und dass du das ermsthaft als vermeintl. Gegensargument anführst, zeigt insg., dass du die Problematik nicht verstanden und vom Thema - sorry - auch nicht wirklich Ahnung hast. Robustheit bei J. Hattie ist eine rein quantitative Kategorie (die dann auch nebenbei bemerkt solche Blüten treibt, dass z.B. Selbsteinschätzungen, etwa zum Lernerfolg, besonders 'robust' sind, was dir dann ja gleichbedeutend ist mit qualitativ besonders geeignet, tatsächliche Effekte darzulegen... hat nur nichts miteinander zu tun).
ZitatDas Förderschulsystem in Deutschland entspricht nicht der UN-BRK, weshalb der Prüfungsausschuss Deutschland aufforderte, dieses abzubauen.
+
Zitat‚Inklusion‘ geht dabei über die ‚Integration‘ hinaus, indem es die Notwendigkeit einer strukturellen Anpassung des Schulsystems an die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern mit und ohne Behinderung hervorhebt: Der Unterricht soll, soweit dies pädagogisch möglich und sinnvoll ist, weitgehend gemeinsam, d.h. im selben Klassenraum unter Beteiligung aller Schüler, stattfinden und die Möglichkeit der individuellen Förderung sowie differenter Unterrichts- und Lernziele eröffnen. [Herv. d. PaPo]
≠
ZitatThe Committee is concerned about the lack of full implementation of inclusive education throughout the education system, the prevalence of special schools and classes and the various barriers encountered by children with disabilities and their families to enrolling in and completing studies at mainstream schools" (Hervorhebung durch mich).
Oder: Prävalenz ist nicht Existenz, "different[e] Unterrichts- und Lernziele" sind zudem nicht per se "pädagogisch [warum eigtl. genau diese Einschränkung?] möglich und sinnvoll".
Gerne liefere ich dir auch noch ein 'echte' rechtliche Einschätzung zum Thema Inklusion im Deutschen Bildungssystem und wie das Wort gemeint ist von einer echten Person vom Fach (ich hab den hint schon verstanden... allerdings kannst du meine Expertise gar nicht beurteilen - ÖR, Verfassungsrecht u.ä. gehören durchaus dazu -, sondern musst schon bei der Nachvollziehbarkeit der Argumente bleiben, da hilft dir ein selektives Argument ad verecundkam nicht):
Bzgl. der hist.-genetischen Exegese stellt bspw. auch Claus D. Classen, Völkerrechtler, klar, dass die UN-BRK, "dies belegt schon ihr Entstehungskontext, [...] eine möglichst weitreichende, jedoch keine 100-prozentige Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen" (https://www.google.com/amp/s/www.news4teachers.de/2017/09/hintergrund-inklusion-in-der-schule-was-die-un-behindertenrechtskonvention-wirklich-bedeutet-erklaert-von-einem-voelkerrechtler/%3famp=1) fordert.
Und jetzt?
Richtig! Du kannst jetzt noch zehnmal das Ganze drehen und wenden wie du willst, nur Ahnung hast du dann leider immer noch nicht mehr vom Thema. Wichtig ist, was in der Rechtswissenschaft allgemein anerkannt ist und was die UN selbst dazu sagt. Beides widerspricht deinen Ausführungen deutlich.
Versuch es halt nächstes Mal zur Abwechslung ohne KI, die ersetzt echte Expertise nämlich (offensichtlich) nicht. ![]()
EDIT: Dekonstruktion der "Robustheitsstufe[n]" nachgereicht.