Es gibt bei uns am Gymnasium keinen Lehrermangel zum Gegenteil.
... bei uns schon. Erheblichen.
ZitatReferendariat ist bei uns absolut notwendig. Quereinsteiger müssen es genauso ableisten und bestehen und sind dann wirklich gleichwertig.
Sofern das normativ gemeint ist, sehe ich das komplett anders, insb. am Gymnasium. Quereinsteiger mit Diplom-, Magister- oder Masterabschluss dürften fachlich nicht nur gleich-, sondern i.d.R. besser qualifiziert sein, insb. wenn sie zudem über Arbeitserfahrung außerhalb der Schule verfügen.
Was an Arbeitsabläufen in der Schule 'speziell' ist, sollte man nicht überbewerten, dass hat man bspw. in der Wirtschaft auch, da arbeitet man sich 'nebenbei' ein. Was Pädagogik u.ä. betrifft: Ein pädagogischer Schnellkurs ist auch komplett hinreichend - praktische Pädagogik ist keine Raketenwissenschaft, pädagogischen Theorien fehlt zudem oftmals die empirische Fundierung und sie sind im Gros eher Fragen des allg. Zeitgeists u./o. des Gustos, der Menschenbilder u.ä. der Pädagogikvermittler (resp. derjenigen, die seitens der Ministerien entsprechende Leitlinien u.ä. festlegen) u./o. sie sind im Rahmen realer Unterrichtsbegebenheiten nicht realisierbar, außerdem ist das 'Händchen' für Kinder und Jugendliche im Gros auch eine Typfrage und schwerlich erlernbar. Alles diesbzgl. Erlernbare und Notwendige (z.B. entwicklungspsychologische Grundlagen) erlernt man auch ohne intensivste Begleitkurse, nämlich auch on the fly in der Praxis (dazu braucht es auch kein Referendariat) und etwas Lektüre nebenbei.
Ich weiß, Standesdünkel sind in Teilen meiner Zunft leider populär, aber die rudimentäre, unpraktikable Pädagogik in Studium und Ref siind wahrlich keine strapazierbare Grundlage dafür.
ZitatIch gebe aber zu, dass mir ein junger Kollege von der Uni im Referendariat lieber ist, als irgendein Quereinsteiger, dessen Unizeit lange her ist, fachlich also nicht mehr auf dem laufenden und ohne Referendariat, Pädagogik und Didaktik auch nicht gelernt hat, aber von sich so überzeugt ist und glaubt, unersetzbar zu sein.
Was im Lehramtstudium an basaler Pädagogik vermittelt wird, ist qualitativ und quantitativ nicht sooo besonders, wie manche Kollegen oft glauben, und wahrlich nichts, das geeignet wäre, sich über Quereinsteiger zu erheben.
Oftmals ist entsprechendes Theoriewissen auch nicht wirklich praktisch extrapolierbar.
Und öfter noch mangelt diesem die empirische Fundierung:
Qualitative Forschung ('[...] wir haben eine Lehrerin nach ihrer Einschätzung befragt [...]') als vermeintl. Fundament dominiert nach wie vor, quantitative Forschung leidet im Gros an (deshalb) endemischen Problemen in Methodik und Technik (insb. der Auswahl der Sample, der Operationalisierung der Variablen und der Drittvariablenkontrolle).
Gleiches gilt btw für Didaktik.
Vom hohen Ross kann man tief fallen... tiefer noch, wenn man alle Quereinsteiger vergrault hat, die einen auffangen könnten.