freie Kunst zu studieren halte ich für sehr zweifelhaft, weil du damit kaum Zukunftschancen hast. Es sei denn, du gewinnst diverse Kunstpreise und gehst als Neuentdeckung durch die Decke, kannst dich gut vermarkten, bist bereit, von sehr wenig und sehr unregelmäßigen Einnahmen zu leben.
Wie wäre es mit einem Design-Studium an einer FH? Weiß allerdings nicht, wie da hinterher die Berufschancen stehen.
Ich unterrichte Kunst, allerdings fachfremd. Zum Kunststudium kann ich dir also nicht viel sagen.
Wohl aber zum Unterrochtsalltag. Und der unterscheidet sich gar nicht sooo sehr vom Unterrichten anderer Fächer, mit dem entscheidenden Unterschied: du hast keine Korrekturen (in der SekI)
Bewerten musst du die Schülerarbeiten natürlich trotzdem, nachdem du dir und ihnen die Kriterien mitgeteilt hast.
Anders als in "härteren" Fächern gibt es oft das Problem, dass viele Schüler und ihre Eltern das Fach unst nicht wirklich ernst nehmen.
Heißt:
manche arbeiten nur sehr lustlos mit, kaspern mehr rum, denken, in Kunst gäbe es keine schlechten Noten.
Da musst du schon sehr selbstbewusst sein, um dich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.
Du darfst dir den eigenen Spaß nicht durch klustlose Schüler verderben lassen. Das gilt natürlich für alle Fächer, aber z.B das Fach Englisch wird als "wichtiger" akzeptiert.
Kusntunterricht kann auch davon abhängen, wie deine Schule ausgerüstet ist, wie hoch das Budget für Verbauchsmaterialien ist, welche räumlichen Möglichkeiten vorherrschen. Das kann u.U. die tollsten kreativsten Ideen aushebeln.
Dann musst du bedenken, dass du im Unterricht selten richtig tief ins Fach eindringen kannst. Du hast nicht die begnadeten Talente vor dir sitzen, und natürlich ist dein eigener künstlerischer Anteil im Unterricht gleich Null. Du bist Lehrer, d.h. Anleiter, Entdeckungsleiter, Motivator, Materialbeschaffer und -Verteiler, Mahner zum SArbeiten und hinterher zum Putzen. Ähnlich wie in anderen Fächern auch.
Im Geschichtsunterricht überlege ich mir ja auch, wie ich welches Thema auf das Schüleralter runterbreche, wie sie die festgelegten Ziele erreichen können, wie ich das überprüfen kann -- und studiere nicht genüssslich irgendwelche Quellen.
Wenn ein Thema erst mal angelaufen ist, hast du für die nöchsten ein/zwei/drei Stunden weniger Vorbereitung, musst dich dann aber um Differnezierung kümmern für diejenigen, die ihre Arbeit schon fertig haben und gefördert oder weiter motiviert werden wollen. Wie in jedem anderem Fach auch.
Ich will dir jetzt nichts madig machen. Ich will dir nur klar machen, dass Kunstunterricht mit eigener künstlerischer Arbeit nicht viel zu tun hat. Eher mit Begleitung von teils interessierten Schülern (meist Mädchen, die gerne liebevoll zeichnen oder malen
), teils solchen, die meinen, sie hätten jetzt eine Stunde zum Abhängen vor sich.
Als Kunstlehrerin oder auch nur als an Kunst interessierte Person kannst du aber auch in Projektwochen künstlerische Themen anbioeten, im AG-Bereich und natürlich an der good old Volkshochschule. Da arbeitest du dann meist mit Leutehn, die intrinsisch motiviert sind.
Zum eigenen Künstlern komme ich in bestimmten Zeiten des Schuljahres gar nicht. Und ich habe keine kleinen Kinder mehr im Haus, sondern einen ebenfalls künstlernden Mann :D. Ich bin jetzt 12 Jahre nach dem Ref und die Unterrichtsvorbereitung in meinen studierten Fächern geht mir deutlich schneller von der Hand als in den ersten 5 Jahren. Trotzdem gibt es Wochen/Monate, in denen ich nicht zum kreativen Arbeiten komme, selbst wenn ein Zeitfenster da ist: der Kopf ist einfach nicht frei. Das ist für mich okay so, weil ich den Rhythmus kenne und weiß, dass so ein "Malkater" wieder vorbei geht.
Wenn du viel Zeit für dein zeitaufwändiges Hobby haben möchtest, warum gehst du dann nicht in die Verwaltung? Ein Beruf, der dir klare Arbeitszeiten vorgibt und der nicht viel Menschen zu tun hat, verschafft dir vll eher freie Wochenenden.