Eine (sehr engagierte) Bekannte war jetzt für ein Jahr in der Behörde. Für sie war das wohl die Hölle, weil es praktisch nichts zu tun gab und die Arbeit darin bestand, diese Tatsache zu verschleiern.
Das kommt immer darauf an, wo man arbeitet und welches Pensum man vorher gewöhnt war.
Ich habe zwischendurch damit gehadert, nicht bleiben zu können. Gleichsam muss man sich dessen bewusst sein, dass ein Job in der Verwaltung eben etwas völlig anderes ist und Kreativität, Gestaltungswillen etc. gerade auf den unteren Ebenen - d.h. unterhalb der Gruppenleitungsebene - eher selten gefragt sind. Für mich, der ich mich aufgrund meiner "Künstleranteils" durchaus auch als Freigeist sowie rechts- und linksdenkend bezeichnen würde, war das schon eine Umstellung und mitunter befremdlich. Ich hatte jedoch das Glück, in einem Bereich zu arbeiten, wo zum einen ein klarer Gestaltungswille vorhanden war und wo selbst ein kleiner PM wie ich einer war, daran mitwirken durfte.
Die Einblicke, die ich in das politische Ränkespiel und dessen Einfluss auf Entscheidungen im Bildungsbereich gewonnen habe, waren jedoch faszinierend und erschreckend zugleich. Ich muss gestehen, dass ich seitdem in Bezug auf die Bildungspolitik jeglichen Optimismus verloren habe, weil ich weiß, dass aufgrund der dem System innewohnenden Regeln und Gesetzmäßigkeiten nichts zu erwarten ist und eigentlich auch nicht erwartet werden kann.