Beiträge von Bolzbold

    Was ist denn der Wählerwunsch? ÖPNV auf dem Land? Oder doch eher billiger Sprit?

    Immerhin ist diese Regierung erst mal mit dem Ukrainekrieg konfrontiert gewesen, das sind schon extreme Herausforderungen, gerade auch in puncto Energie und was machen wir ohne russisches Gas, auf das die Vorgängerregierung zu sehr gesetzt hat.

    Mein Gefühl ist eher, dass die FDP nichts Konstruktives beiträgt und nur jede Idee hemmt, damit der geneigte FDP-Wähler ja nicht aus seiner Komfortzone muss. Wieso bringen die nicht mal den Ausbau des Schienennetzes auf den Weg (auch verkackt von der Vorgängerregierung) oder holen einen anderen innovativen Wirtschaftszweig hierher?

    Der Klimaaktivismus ist außerdem kein Produkt der Grünen, sondern eine Bewegung ihrer Zeit, denen die Politik nicht radikal genug ist. Früher saß man halt auf Schienen gegen Atommüll.

    Nur mein Gefühl, ich hab überhaupt keine politische Erfahrung und würde sicher wahnsinnig werden, müsste ich dort mit anderen verhandeln und ständig vor der Kamera stehen.

    Richtig. Den müsste man einmal erfragen.
    Was die FDP angeht, bin ich voll bei Dir. Die ist und bleibt die Partei der "Besserverdienenden".

    Auch was den Ukrainekrieg angeht, bin ich bei Dir. Es scheint nur so zu sein, dass diese Zusammenhänge entweder nicht bei den WählerInnen angekommen sind oder aber die WählerInnen gerne einfache, plakative Lösungen haben wollen für die komplexeren Probleme unserer Zeit. (Das wäre dann wieder der Bogen zur AfD.)

    Nein, das muss man nicht. Von erwachsenen Menschen, die sehr viel Geld dafür bekommen, diesen Job zu machen, erwarte ich, dass sie sich zusammenreissen können und den ihnen vom Volk erteilten Auftrag auch endlich mal zu dessen Zufriedenheit erledigen. Vielleicht doch mal nach Bern zur Nachhilfe vorbeikommen. Berset und Rösti sind im Parteienspektrum erheblich weiter voneinander entfernt als Habeck und Wissing und schaffen es trotzdem gemeinsam Politik zu machen.

    Ja, das sollte man erwarten können. Das funktioniert aber eben auch im Kleinen schon nicht. Während meiner Zeit in der Behörde habe ich oft aus dienstlichen Gründen mit den Livestream des Ausschusses für Schule und Bildung angeschaut. Da verliert man den Glauben an die Politik. Entscheidungen auf der Basis sachlicher Notwendigkeiten spielen da gar keine Rolle. Es werden Anträge eingebracht, um sich zu profilieren und bei denen man von Anfang an weiß, dass sie unsinnig sind. Es wurden beispielsweise während der Corona-Pandemie zum Thema "Durchschnittsabitur" wiederholt dieselben Diskussionen geführt, obwohl die KMK seinerzeit eine klare Richtung vorgegeben hatte - ganz unabhängig von der Farbe des jeweiligen Landesministeriums. Es wurden Zeit, Energie und Steuergelder für persönliche Profilierungsneurosen verschwendet. Ergebnis? Null.
    Da kann ich an der Front, d.h. in der Schule, tatsächlich aktiv mehr erreichen.

    Nein, das muss man nicht. Von erwachsenen Menschen, die sehr viel Geld dafür bekommen, diesen Job zu machen, erwarte ich, dass sie sich zusammenreissen können und den ihnen vom Volk erteilten Auftrag auch endlich mal zu dessen Zufriedenheit erledigen. Vielleicht doch mal nach Bern zur Nachhilfe vorbeikommen. Berset und Rösti sind im Parteienspektrum erheblich weiter voneinander entfernt als Habeck und Wissing und schaffen es trotzdem gemeinsam Politik zu machen.

    Ja, das sollte man erwarten können. Das funktioniert aber eben auch im Kleinen schon nicht. Während meiner Zeit in der Behörde habe ich oft aus dienstlichen Gründen mit den Livestream des Ausschusses für Schule und Bildung angeschaut. Da verliert man den Glauben an die Politik. Entscheidungen auf der Basis sachlicher Notwendigkeiten spielen da gar keine Rolle. Es werden Anträge eingebracht, um sich zu profilieren und bei denen man von Anfang an weiß, dass sie unsinnig sind. Es wurden beispielsweise während der Corona-Pandemie zum Thema "Durchschnittsabitur" wiederholt dieselben Diskussionen geführt, obwohl die KMK seinerzeit eine klare Richtung vorgegeben hatte - ganz unabhängig von der Farbe des jeweiligen Landesministeriums. Es wurden Zeit, Energie und Steuergelder für persönliche Profilierungsneurosen verschwendet. Ergebnis? Null.

    Und natürlich funktioniert das auch auf Bundesebene nicht.

    Woran machst du das fest, könntest du bitte ein Beispiel formulieren?

    Es ist mehr ein Gefühl, das sich an der Rhetorik der Parteien mit festmacht. "Wir wollen XYZ", hört und liest man oft, wenn man die Ziele der Parteien betrachtet. Wäre es nicht sinnvoller zu sagen "wir möchten den Wunsch der WählerInnen umsetzen, ABC zu erreichen?"

    Interessanterweise wirken gerade die Grünen so "entfernt". Der Begriff "Verbotspartei" mag in Bezug auf die Grünen höchst polemisch sein, aber er hat einen wahren Kern. Wenn man das Wahlvolk mit Klimapolitik zwangsbeglücken möchte, mag das sicherlich einer tatsächlichen Notwendigkeit geschuldet sein, gleichwohl erzeugt die Partei dann eben ein Gefühl, als wolle sie den BürgerInnen vorschreiben, wie sie künftig zu leben haben. Bevormundung statt Beteiligung - mit dem Ergebnis, dass man zunächst auf heftigen Widerstand stößt. (Die KlimakleberInnen zeigen das ja auch auf eindrucksvolle Art und Weise.)

    Aber wie gesagt, das ist mehr ein Gefühl.

    Das führt uns zu der Frage, wie dicht die anderen Parteien noch am Volk dran sind. Auf der Mikroebene fühle ich mich noch ganz gut regiert (schwarz-grüne Landesregierung, schwarzer Bürgermeister). Auf der Makroebene wird die Ampelkoalition in allen Medien, die ich lese kaputtgeschrieben.

    Man muss den drei Parteien zugute halten, dass sie zum Teil diametral entgegengesetzte Positionen haben - hier FDP und Grüne. Und das wäre in einer Kenia-Koalition nicht wesentlich anders gewesen.

    Damit stellt sich die Frage, welche Partei die überzeugendsten Antworten auf die großen Fragen der Zukunft hat und welche Koalition aus den im Bundestag vertretenen Parteien eine möglichst große Schnittmenge an guten Antworten anbietet.

    Dann gibt es auch noch einen Aspekt, den ich in den Raum werfen möchte. §21 GG besagt Folgendes:

    (1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. (Ihre Gründung ist frei. Ihre innere Ordnung muss demokratischen Grundsätzen entsprechen. Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft geben.)

    Seit mehreren Jahren habe ich den Eindruck, dass die Parteien nicht bloß bei der Willensbildung des Volkes mitwirken, sondern dass sie den jeweils durch ihre Parteiprogramme formulierten Willen dem Volk überstülpen. Ich wage die These zu formulieren, dass unsere Parteien den Willen des Volkes - bzw. hier natürlich die Pluralität an verschiedenen Willen - weder kennen noch aktiv zur Kenntnis nehmen wollen. Das ist in meinen Augen ein dickes Problem.

    Die AfD hat bis anhin gar nichts gemacht. Ich glaube also nicht, dass das das gleiche Level ist. Vielleicht in deiner intellektuell bornierten Welt, in meiner nicht.

    Zugegebenermaßen hätte ich Deinen Schreibstil mir gegenüber nicht sonderlich anders bezeichnet.

    Die AfD hat bislang sehr wohl etwas gemacht - sie suggeriert, Leuten, die hassen und hetzen, eine politische Heimat zu bieten. Und damit kokettiert diese Partei ganz bewusst. Für Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund wie ich einen habe, kann das langfristig zu einem Problem werden.


    Die Nazis haben meine Großmutter um ihr Lebensglück gebracht, ihren Bruder und ihren ersten Mann, die große Liebe ihres Lebens, 1942 in der Schlacht von Rzhev im Abstand von nur wenigen Tagen fallen lassen. Mein Großonkel wie auch meine Großmutter waren "nur" deutschblütig, weil mein Urgroßvater Halbjude war. Was das für die Familie und mögliche berufliche Perspektiven bedeutete, wenn man kein überzeugter Nazi war, brauche ich Dir ja nicht zu erklären.

    Vielleicht akzeptierst Du vor diesem Hintergrund ebenso meine persönliche Betroffenheit in Bezug auf die AfD wie ich Deine vor dem Hintergrund Deiner Familiengeschichte akzeptiere. Ich sehe die Nazis und diejenigen, die heute auf vergleichbares Gedankengut zurückgreifen, ähnlich kritisch wie Du meine These von der Befreiung durch die Sowjets, die Deiner Familie Schreckliches angetan haben, oder eben meine von Dir als solche kritisierte Doppelmoral weiter oben.

    Das Problem ist doch nicht die AfD, die AfD ist nur ein Symptom. Das Problem ist doch, daß es bei uns in Deutschland keine konservative Partei mehr gibt, die den Elefanten im Raum benennen und anfassen mag.

    • Migrationspolitik nach australischem Vorbild
    • Lohngerechtigkeit, also größerer Abstand von Bürgergeld zum Arbeitseinkommen
    • Rentenniveau wieder auf 65% anheben und alle versicherungsfremden Leistungen dafür aus der Rentenkasse raus holen.
      --> https://www.boeckler.de/de/boeckler-im…tungen-7380.htm
      Zitat daraus: "Von zehn Euro, welche die Rentenversicherung ausgibt, gehören vier eigentlich nicht zu ihren Leistungen."
    • Schulen, die funktionieren, also Abschaffung der Inklusion

    Die aktuellen Umfragewerte aus Brandenburg zeigen jedenfalls, daß die AfD wohl doch irgendwann in Regierungsverantwortung kommen wird.
    --> https://www.rbb24.de/politik/beitra…e-analyse-.html

    Ich denke, dass bis auf die ideologisch Verblendeten die meisten Menschen eine Begrenzung bzw. stärkere Kontrolle der Migration möchten. Bei vorzugsweise linksorientierten Parteien ist das nicht angekommen, was aber mitunter auch daran liegt, dass deren PolitikerInnen ein bürgerliches Leben führen und von den Menschen, die das jeden Tag leben, nichts mitbekommen.

    Was die Lohngerechtigkeit angeht, so müsste man wahlweise noch höhere Löhne zahlen oder das Bürgergeld reduzieren. Es ändert aber nichts daran, dass zu viele Menschen hier wahlweise arbeitsunwillig oder -unfähig sind. Das ist ein dickes Problem.

    Das Rentenniveau muss irgendwoher finanziert werden - wo willst Du kürzen?

    Die Inklusion per se ist nicht verkehrt. Wir müssen aber die ideologisch verblendeten und in der Praxis nicht umsetzbaren Aspekte ändern. Körperbehinderte Kinder können in der Regel problemlos an Regelschulen unterrichtet werden. Bei Kindern mit Förderbedarf im Bereich geistige oder soziale Entwicklung ist die Förderschule womöglich sinnvoller.

    Was Brandenburg angeht, so müssten schon alle anderen Parteien zusammenarbeiten (hier CDU, SPD, Grüne) - das wird spannend und erschreckend zugleich.

    Falls du mich meinst: Ich springe ganz sicher nicht für die AfD in die Bresche. Ich bin einfach grundsätzlich gegen argumentativen Bullshit. Ausgedachte Behauptungen sind keine Argumente, einfach von keiner Seite. Ich kann dir jetzt natürlich gerne unterstellen, für die Russen in die Bresche zu springen. Ich bin mir recht sicher, dass du das nicht tust, also behaupte ich es auch gar nicht erst. Ich weise dich nur darauf hin, dass deine Aussage, die russische Besatzung Ostdeutschlands sei eine "Befreiung" gewesen, ein bisschen unglücklich ist. Darauf weise ich dich als Kind sudetendeutscher Kriegsvertriebener hin, dessen halbe Verwandtschaft 40 Jahre lang hinter der Mauer gelebt hat. Da bekomme ich jetzt einfach mal verhaltenspsychologisch gut begründbare Pickel.

    Die Frage nach der Befreiung durch die Sowjets ist im Grunde auf demselben Level wie die Frage, ob die AfD eine demokratische Partei ist.

    Wir können auf der formalen Ebene schauen (im Falle der Sowjets war es insofern eine Befreiung, als dass sie in ihrem besetzten Gebiet die Nazis vertrieben haben, im Falle der AfD ist diese Partei demokratisch gewählt und bekennt sich vordergründig zu unserer Demokratie), oder wir können die andere Ebene betrachten. Da traten die Sowjets eben alles andere als befreiend auf. Genauso wie Mitglieder der AfD alles andere als auf dem Boden unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen. Und falls das nicht komplett an mir vorbeigegangen sein sollte, ging es doch letztlich in der Diskussion um eben diese beiden Ebenen.

    Aus der Perspektive der Nazis war die Besetzung des Sudetenlands auch eine Befreiung. Mir ist nicht ganz klar, was du mit dieser Art der Rhetorik gerade bezwecken willst.

    Damit muss ich dann leben - genauso wie ich damit leben muss, dass hier einige UserInnen politischen oder diskursiven Anlass sehen, gewollt oder ungewollt ganz schön für die AfD in die Bresche zu springen...

    Für die Schule sicher selbstverständlich, für mich aber unangenehm: Einsatz in der Unter- und Mittelstufe. Laut, wild, Gekreische... Vertretungsstunden ohne vorhandene Aufgaben. Auf meine Nachfrage bei der Schulleitung, was ich da machen soll: "Das ist Ihr Problem." Dazu Aufsichten über eine Stunde im Gekreische... die Smartwatch zeigte über 80db an. Mir brummt der Kopf. Während die anderen Kollegen weiter die angenehmeren kleinen Klassen am Abendgymnasium unterrichten dürfen. Perspektive unklar. Ätzend.

    Au weia.

    Mein Tipp: Besorge Dir umgehend professionellen Gehörschutz. Das gibt es in Form von Otoplastik mit entsprechendem Filter und man bekommt das beim Hörakustiker. Das waren bei mir gut investierte 250 Euro. Ich ziehe diese Teile in der Schule immer dann an, wenn es mir zu laut wird, und es bringt wirklich etwas. Man hört trotzdem noch gut durch die maßangefertigten Teile und es kommt auch im Gegensatz zu Oropax nicht zu Problemen mit dem Druckausgleich.

    Und man sollte noch betonen, dass nur die (totale) Niederlage durch die Alliierten unsere Vorfahren von der Herrschaft der Nazis befreien konnte. Unsere Vorfahren waren dazu leider nicht und später nicht mehr in der Lage. Vor dem Hintergrund der Ideologie der Sowjets war auch die Besetzung durch die Sowjets so gesehen eine Befreiung. Dass diese nicht ausschließlich im Sinne der Befreiten war, darf dabei natürlich nicht übersehen werden.

    Ich muss gestehen, dass ich es auch merkwürdig fände, mit den RussInnen den 9. Mai als Tag der Befreiung zu feiern - genauso wenig würde ich den 8. Mai mit den Westalliierten feiern. Für unsere deutschen Vorfahren gab es da nichts zu feiern. Dass die Befreiung ein Segen für die (West)Deutschen war, das konnte man im Frühling 1945 nun wahrlich noch nicht absehen. Aber ich nehme das mal als Impuls für eine der nächsten Stunden mit den 10ern.

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