Beiträge von Bolzbold

    Liebe Doris,

    ich habe gerade den Fragebogen ausgefüllt und bin doch etwas überrascht ob der Oberflächlichkeit dieser Umfrage.

    Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich von dieser Umfrage?

    Wenn Sie sich valide und reliable Ergebnisse zur Motivation von Lehrkräften erhoffen, wäre es dann nicht sinnvoll, auch Fragen zu den Ursachen von vorhandener oder nicht vorhandener Motivation zu stellen? Die vorgegebenen Items erfassen die Motivation in meinen Augen völlig unzureichend.

    Wie hoch schätzen Sie die Validität und Reliabilität der Antworten ein angesichts der Kategorisierung der Antwortmöglichkeiten in "nie", "einmal die Woche" etc.? Ich habe noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, wie oft ich so oder so fühle oder so oder so drauf bin.

    Ich erinnere mich daran, wie ich als Anfang 20jähriger thematisch ähnliche Diskussionen geführt habe, die aber rückblickend betrachtet im Wesentlichen davon zeugten, dass ich vom Schulsystem und der Arbeit im System Schule (noch) weder Einblick, noch Überblick, sprich faktisch keine Ahnung hatte. Hätte ich damals eine Bachelorarbeit schreiben müssen (damals gab es das Bologna-System ja noch nicht), so hätte ich vermutlich ähnliche Items gewählt in der Hoffnung, Motivation und Denkweisen damit erfassen zu können.

    Mit den heutigen Möglichkeiten des Wissenserwerbs, der Wissensrecherche müsste man doch eigentlich über dieses Stadium hinauskommen.

    Ich habe einmal ein bisschen "gespielt". ChatGPT liefert da in meinen Augen schon ganz passable Ergebnisse.

    Natürlich! Hier ist eine Umfrage mit 20 Fragen zum Thema Lehrkräftemotivation und Denkweisen:

    1. Wie motiviert fühlen Sie sich als Lehrkraft in Ihrem Beruf?
    2. Welche Faktoren beeinflussen Ihre Motivation als Lehrkraft am meisten?
    3. Wie wichtig ist Ihnen die Anerkennung von Schülerinnen und Schülern?
    4. Inwiefern spielt die Unterstützung des Schulleitungsteams eine Rolle für Ihre Motivation?
    5. Welche Rolle spielen extrinsische Belohnungen (z. B. Gehaltserhöhungen) für Ihre Motivation als Lehrkraft?
    6. Wie wichtig ist Ihnen das Gefühl, einen positiven Beitrag zur Bildung und Entwicklung der Schülerinnen und Schüler zu leisten?
    7. Welche Möglichkeiten zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung werden Ihnen in Ihrer aktuellen Position geboten?
    8. Wie wichtig ist Ihnen eine positive Beziehung zu den Eltern der Schülerinnen und Schüler?
    9. Inwiefern wirken sich administrative Belastungen (z. B. Bürokratie) auf Ihre Motivation aus?
    10. Wie zufrieden sind Sie mit den vorhandenen Ressourcen (z. B. Unterrichtsmaterialien, Technologie) an Ihrer Schule?
    11. Wie wichtig ist Ihnen das Gefühl der Zusammenarbeit mit Ihren Kolleginnen und Kollegen?
    12. Welche Rolle spielt die Work-Life-Balance für Ihre Motivation als Lehrkraft?
    13. Inwiefern beeinflusst die öffentliche Wahrnehmung des Lehrerberufs Ihre Motivation?
    14. Wie wichtig ist Ihnen die Möglichkeit, kreativ im Unterricht tätig zu sein?
    15. Inwiefern haben Sie das Gefühl, dass Ihre Arbeit als Lehrkraft wertgeschätzt wird?
    16. Wie wichtig ist Ihnen eine positive Lernumgebung in Ihrer Schule?
    17. Inwiefern spielt die Autonomie bei der Unterrichtsgestaltung für Ihre Motivation eine Rolle?
    18. Wie wichtig ist Ihnen die Unterstützung von Seiten der Bildungsbehörden?
    19. Inwiefern wirkt sich das Verhalten und die Einstellung der Schülerinnen und Schüler auf Ihre Motivation aus?
    20. Wie wichtig ist Ihnen eine gute Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern?

    Das "dann erhöhen wir halt Erbschafts- und Vermögenssteuer und besteuern die Reichen", das hier bei einigen durchscheint, ist mir schlicht zu platt und für mich die links-progressive Variante einer Stammtischparole.

    Man sollte nicht vergessen, dass für den Aufbau dieses Vermögens in der Regel ja auch versteuertes Einkommen aufgewendet wurde. Käme man nun mit einem saftigen Steuersatz daher, müssten viele Erben ihre Immobilien veräußern, denn anders könnten sie die Erbschaftssteuer in der Regel nicht aufbringen.
    Was man auch bedenken sollte, eine Erbschaftssteuer jenseits von Gut und Böse (die Definition davon lasse ich bewusst offen) kommt mittelbar einer anteiligen Enteignung gleich. Je nach Größe des Immobilienbesitzes geht dann über zwei Generationen ein Großteil dieses Vermögens einfach an den Staat.

    Die Gerechtigkeitsdebatte wird sich immer im Kern darum drehen, dass alles, was einem nutzt und anderen, (die man als Feindbild auserkoren hat,) "schadet" als "gerecht" empfunden wird. Erst kommt man selbst, dann die anderen. Es bedarf schon eines reflektierten und "aufgeklärten" Gerechtigkeitsempfindens im Sinne des Nutzens der Allgemeinheit, um das zu vermeiden.

    Die Zusammenstellung der Items halte ich für sehr oberflächlich - die Ergebnisse und die Zusammenhänge stehen damit im Vorfeld der Umfrage bereits fest.

    Der Beitrag #7 von Antimon trifft ziemlich genau ins Schwarze. Ggf. könnte man jetzt noch den Faktor eigene Kompetenz oder Unsicherheit irgendwo mit einbauen - auch hier sind die "Ergebnisse" vorhersehbar.

    Besonders sträflich finde ich das Verhältnis zwischen den Fragen, die sich konkret auf ChatGPT beziehen, und den anderen Fragen sowie deren inhaltliche Tiefe. Bei den generellen Fragen zur Technikaffinität sind spürbar viele Kontrollfragen mit drin. Das kann sinnvoll sein, kann aber auch bei etwas weniger aufmerksamen Teilnehmenden die Ergebnisse verfälschen.

    Schaut man sich die zahlreichen Beiträge zu dieser Thematik in Fachportalen oder -zeitschriften an, dann kommt diese Umfrage reichlich spät, vielleicht sogar zu spät, weil sie den bisherigen Erkenntnissen hinterher hinkt.

    Lehrer-Umfrage zu ChatGPT & Co. | PhV NRW (phv-nrw.de)

    Hälfte der Schülerinnen und Schüler hat schon mal ChatGPT genutzt | Presseinformation | Bitkom e. V.

    Lehrer-Umfrage zu ChatGPT: Eher Skepsis und Unsicherheit (bildungsklick.de)

    Der schriftliche Teil kann heute wirklich nicht mehr so relevant. Die KI ist da mittlerweile so effizient und schnell...ich kann jede japanische Zeitung über die Kamera-App simultan übersetzen. Hat eigentlich nur noch nostalgischen Wert.

    Es geht um das eigenständige Denken. Um Code-Switching, um den aktiven, reflektierten Umgang mit in diesem Fall zwei Sprachen. Wollen wir das eigenständige Denken der KI überlassen?

    Co für den Job, den du gar nicht machen möchtest und bei dem du davon ausgehst, dass Anstand und Moral zuerst über Bord gehen? Na danke für das zweifelhafte Kompliment. ^^

    Nein, ich halte Dich für einen sehr schlauen und integren Menschen, mit dem ich mir eine solche Tätigkeit, die ich mir in der Tat nicht vorstellen kann, noch am ehesten durchziehen wollen würde, wenn ich denn müsste. Ein bisschen viel Konjunktiv, aber ich denke, Du hast es auch so verstanden.

    Ob nun im LK in der Q2 oder in der 8. Klasse - im Fremdsprachenunterricht erlernen die SuS' unter anderem die aktive schriftliche wie mündliche Kommunikation.
    Wenn ich in meinem Unterricht das Erlernen dieser Kompetenzen sowie die Fähigkeit, dies spontan und situationsadäquat zu tun - und damit weniger das Endprodukt - in den Fokus rücke, dann liefern die SuS' auch keine KI-generierte Hausaufgaben ab. In der Klassenarbeit funktioniert das ohnehin nicht - es sein denn die SuS' begehen Täuschungsversuche.

    (So gesehen ist auch der mittlerweile ein paar Jahre alte Vorwurf einer Abiturientin an die Schule, dass sie zwar in drei Sprachen Gedichte analysieren könne, aber weder eine Steuererklärung noch eine Mietvertrag ausfüllen könne, eigentlich die klarste Mahnung an das, was wir Lehrkräfte vermitteln müssen - nämlich, dass das, was wir in der Schule machen, früher oder später einen echten Lebensweltbezug und damit einen echten Mehrwert haben wird. Die junge Dame sollte eine Menge an Problemlösekompetenz und Texterschließungskompetenz mit auf den Weg bekommen haben. Wenn sie natürlich nur stupide für ihre Leistungsnachweise gelernt hat und nur auf das Endprodukt geschielt hat - so verständlich das beim Punktesammeln auch sein mag - dann hat sie eigentliche Bildungsziel nicht erreicht.

    Fazit: Möglicherweise nicht jetzt, nicht morgen, aber eines Tages. Und genau dafür sollen die SuS' gerüstet sein. Ich sollte im Ausland auch dazu in der Lage sein, den Sinn mir unbekannter Texte zu verstehen, dies ggf. zusammenzufassen und entsprechend zu handeln. Sich auf KI zu verlassen, ist verführerisch. Und es zeigt auf absurde Art und Weise, wie sehr man sich der Faulheit oder der Bequemlichkeit halber, weil es einem vordergründig nutzt, durch KI fremdbestimmen lässt. In anderen Bereichen würde man da sofort auf die Barrikaden gehen...)

    Es geht hier in meinen Augen primär um ein rechtssicheres Vorgehen - da kann ein Kontakt zur Schulleitung durchaus sinnvoll sein.
    Wie die Eltern dann mit der getroffenen - rechtssicheren - Entscheidung umgehen, ist für die ursprüngliche Frage eher sekundär von Belang.

    Eltern wählen gerne den Weg "nach oben", weil sie hoffen, dass ihr temporäres Gefühl der Ohnmacht bzw. Unterlegenheit gegenüber der Lehrkraft durch die in ihrem Sinne zu treffende Entscheidung der höheren Instanz kompensiert wird.

    Ebensolche Schreiben gehen auch in die Behörde - mit der grotesk anmutenden Forderung oder Hoffnung, dass der/die MinisterIn höchstpersönlich in die nur die Schule bzw. eine/n SchülerIn, eine Lehrkraft und ein Elternpaar betreffende Angelegenheit eingreifen wird.

    Klar habe ich mir das durchgelesen.

    Was ich mit meinem "Fazit" meinte, war, dass wir über den Inflationsausgleich im Moment nicht nachzudenken brauchen und die Infos beim LBV veröffentlicht werden, wenn es soweit ist.

    Indirekt war das auch eine zustimmende Reaktion auf sissymaus und CDL.

    Nachtrag;

    Der Finanzminister schaut dann gelangweilt aus dem Fenster und wettet mit dem Staatssekretär das beim nächsten Mal nur noch die Hälfte da stehen. Dann ruft der den Verhandlungsführer der TdL an und sagt "Hier ist alles ruhig, halt sie hin".

    Und vielleicht sollte die nächste Demo auch am Schulministerium vorbeigehen. Da kann Herr Reuel dann sein Oberlandesgericht vernünftig absichern.

    Das ist aber nur die Nebenstelle - und das LKA liegt direkt gegenüber vom MSB.

    Ich komme aufgrund des einsetzenden Berufsverkehrs immer zur 1. Stunde, auch wenn ich eigentlich erst zur 2. oder gar 3. Stunde kommen müßte. Insb. zur 3. Stunde verlängert sich die Fahrzeit so enorm, daß es keinen Sinn macht wenig später loszufahren. Außerdem haben wir keine Lehrerparkplätze, so daß man sich dann mit einer chaotischen Parkplatzsituation abplagen darf, weil überall Schüler-PKWs rumstehen, so daß man nicht einmal mehr vernünftig durch die Zuwegungen kommt. Feuerwehrzufahrten? Alles zugeparkt! :daumenrunter:

    Das ist bei mir ganz ähnlich. Im neuen Schuljahr könnte ich jedoch tatsächlich immerhin einmal erst kurz vor der 3. Stunde kommen und dann morgens das Ganze etwas ruhiger angehen lassen.

    Bolzbold for Kultusminister oder besser noch Bundeskanzler wegen Grundgesetzänderung.

    Ich weiß nicht, ob ich das damals schon geschrieben habe, aber deine Vorschläge finde ich so mega schlüssig und sinnvoll, dass ich mir wünschte, du hättest die Entscheidungsgewalt.

    Jetzt werde ich doch etwas rot. :P

    Gleichzeitig bin ich oder bleibe ich aber nicht minder ernüchtert, weil bzw. wenn ich sehe, wie Politik funktioniert. Das, was ich geschrieben habe, wird nie so eintreten, weil das nicht zuletzt die Karrieremöglichkeiten derjenigen, die darüber zu entscheiden hätten, ganz massiv beeinträchtigen würde.

    Es würde nämlich einen Konsens der Vernunft über alle parteipolitischen und individuellen Interessen erfordern - läuft also all dem, was PolitikerInnen betreiben, diametral entgegen und widerspräche dem von unseren PolitikerInnen zugewiesenen Sinn und Zweck von Parteien, von Parteipolitik, Opportunismus und der Funktion von Opposition.
    Demokratie ist ja grundsätzlich eine feine Sache. Aber in unserem Lande sieht man auch sehr deutlich, wie Individuen ganz augenscheinlich versuchen, aus selbiger primär für sich selbst Kapital zu schlagen. Und man sieht, dass auch (oder gerade auch) in Demokratien Macht den Charakter korrumpiert.

    Aus eben diesem Grund würde ich persönlich niemals in eine Partei eintreten oder gar überhaupt in die Politik gehen wollen. Diese ist in meinen Augen ein schmutziges Geschäft, in der Anstand und Moral zuerst über Bord gehen, da man ansonsten überhaupt gar nicht in irgendeine Position käme, in der man wirklich etwas bewegen könnte.

    Das in meinen Augen traurige Fazit sieht so aus, dass wir uns eigentlich gar nicht mehr über Reformen im Schulsystem zu unterhalten brauchen, weil die Zahl der Player und die Zahl derer, die durch Reformen um ihre eigene Macht und Position fürchten, zu groß ist, als dass es jemals zu einem "großen Wurf" kommen könnte.

    PS: Ich wünsche mir CDL als Co.

    Danke an Palim für die übersichtliche Zusammenfassung der Problematik.

    Das ist die Realität in Deutschland. Und sie wird sich nicht ändern lassen, weil zu viele Player im System mitmischen, die unterschiedliche Kompetenzen haben, unterschiedliche Bedürfnisse und unterschiedliche Ziele.

    Ich schrieb es anderenorts schon einmal. Was wir brauchen, ist...

    ... eine nationale Bildungsbehörde, die dem direkten Zugriff der Politik entzogen ist, über einen großzügigen Etat verfügt und sachorientiert arbeitet. (=> Grundgesetzänderung)
    ... im Zuge dessen die Abschaffung der Kultushoheit der Länder. (=> Grundgesetzänderung)

    ... die Abschaffung der kommunalen Trägerschaft und die Überführung der Zuständigkeit für die Schulen an den Bund. (=> Grundgesetzänderung, Änderung in den Länderverfassungen)

    ... die Einrichtung von Verwaltungsstellen (Schulorganisation, Gebäudemanagement, Haushalt, Personalmanagement) parallel zur didaktischen Leitung, Einrichtung von sozialen/psychologischen Diensten sowie IT-Verwaltungsstellen an jeder Schule.

    Auch wenn ich eigentlich ein Optimist bin, gehe ich hier davon aus, dass nicht einmal meine Enke das erleben werden.

    Ich glaube, worüber wir uns an Schulen verstärkt unterhalten müssen, ist die Abgrenzung von sachlich berechtigter (!) Kritik am Verhalten einiger Mitglieder von Minderheiten und unreflektierten, populistischen und generalisierenden Phrasen wie sie eben die Braunen, aber eben auch Menschen, die nicht überzeugte Nazis oder Protestwählerinnen sind, von sich geben.

    Die Übergänge sind hier fließend - da gilt es ein Auge drauf zu haben.

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