Beiträge von Bolzbold

    Na dann stimmen wir doch am besten demnächst im Matheunterricht darüber ab, ob wir die komplizierten Themen nicht erst Mal streichen?? Oder doch lieber Filmchen gucken?

    Das ist eigentlich genau die Form von Demokratie, die ich nicht möchte,

    In der Tat. Es gibt einen Grund, warum im Erziehungs- und Bildungsprozess in der Regel keine Basisdemokratie möglich ist. Letztlich würde dies sonst dazu führen, dass die Zöglinge sich dem Einwirken der Erziehenden qua Mehrheitsbeschluss entziehen. Das gilt natürlich auch für den ÖRR.

    Ich empfinde die GEZ-Gebühren nicht als Zwangsabgabe sondern als Solidarbeitrag - analog zu KV-Beiträgen. Wenn ich den ÖRR oder die Leistungen der KV nicht nutzen möchte bzw. nutzen muss, zahle ich trotzdem. Wenn ich sie aber nutzen möchte/muss - womöglich sogar in besonders hohem Maße - dann kann ich jederzeit darauf zurückgreifen.

    Ich bin nur bei unseren zwangsfinanzierten Medien immer vorsichtig.

    Das wiederum ist eine sehr klare Meinung. "Zwangsfinanziert" sind die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

    Wäre die Zwangsfinanzierung Ursache einer tendenziösen oder propagandistischen Berichterstattung, müsste es ja in den "freiwillig finanzierten" Medien ganz andere Darstellungen geben. Die vermag ich in der Häufung ad hoc nicht wahrzunehmen.

    Ich glaube da fängt dein Problem an. Das ist wie bei dein Querdenkern. In Deutschland haben wir Meinungsfreiheit. Jeder kann glauben was er will und jeder kann mit wenigen Einschränkungen sagen, was er will. Aber nur weil jemand eine Meinung hat, wird sie nicht richtiger. Und nur weil jemand der Meinung ist, dass seine Meinung richtig ist, hat er kein Anrecht darauf, dass "die Medien" seine Meinung unterstützen. Es gibt eine Reihe von Menschen, die ernsthaft behaupten, dass die Erde eine Scheibe ist. Auch davon lese ich wenig in den Medien.

    Ergänzend dazu: Es gibt kein Recht auf unwidersprochene Meinung.

    Und wenn es dann "Ernst" werden soll, besuchst Du die SLQ, die ja ohnehin Voraussetzung für das EFV ist, es sei denn, man ist bereits einige Jahre als Konrektor unterwegs. Auf der SLQ-Fortbildung lernst Du Gleichgesinnte kennen, die Dich in Deinem Entscheidungs- und mitunter Deinem Selbstfindungsprozess weiterbringen können. Im Zuge des Besuchs der SLQ habe ich für mich beispielsweise klar entschieden, kein Schulleiter zu werden. Falls ich das eines Tages in der jetzt beginnenden zweiten Diensthälfte anders sehen sollte, müsste ich schon SEHR davon überzeugt sein, um das zu machen.

    Eine solche Tätigkeit bringt weder Geld noch Ruhm noch Anerkennung. Aber jede Menge Arbeit und Verantwortung. Wie meine eigene Schulleitung mir sagte, müsse man dafür brennen. Ansonsten ist der Unterschied zwischen A15 und A16 (am Gymnasium) vom Nettostundenlohn her eher marginal...

    Historisch betrachtet ja. Aber seitdem haben wir ein bisschen etwas dazugelernt. Ein völkerrechtswidriger Angriff auf ein benachbartes Land kann und darf in meinen Augen nicht zu einem Gebietszuwachs für den Aggressoren führen. Andererseits: Die russischen SeparatistInnen werden vermutlich nie Ruhe geben - da kann man natürlich darüber nachdenken, ob man denen nicht ein kleineres Gebiet überlässt, um dann die Grenzgebiete insgesamt ethnisch homogener zu gestalten, damit derselbe Konflikt nicht in ein paar Jahren wieder aufflammt.

    Und dennoch widerstrebt mir eine solche Lösung. Gleichwohl müssen wir langfristig denken und überlegen, wie wir ein Land von der Größe Russlands wieder eines Tages in die Völkergemeinschaft re-integrieren können.

    Also muss ein Land, das angegriffen wurde, weitere Gebiete abtreten, um künftig in Frieden leben zu können.
    DAS ist mal eine Botschaft an künftige AggressorInnen...

    Und so ist es gut.

    Die Katze im Sack will man nicht kaufen und eine Fehlbesetzung kann man nicht schnell loswerden.

    Nein, so ist es eben nicht gut, weil dann das Phantom einer Beförderung, die irgendwann eventuell vielleicht kommen könnte, heraufbeschworen wird. Leider sind die Schulen bzw. die Schulleitungen darauf angewiesen, aber das ist alles andere als gut so.

    Sinnvoller wäre in meinen Augen ein Baukastensystem aus Entlastungsstunden oder mehr Geld - und die Beförderung möglicherweise dann an ganz andere Kriterien zu knüpfen als eine zusätzliche Aufgabe und "artig sein" im Vorfeld.

    Das mag aus der Eigenperspektive so aussehen, ich persönlich habe jedenfalls bislang noch nicht erlebt, dass jemand völlig unverdient eine entsprechende Stelle bekommen hätte. Der Eindruck entsteht auch dadurch, dass das System sehr starr ist und je nach Altersquerschnitt im Kollegium möglicherweise Funktionsstellen zwischenzeitlich sehr selten ausgeschrieben werden können. Im Blick sind dann von allen der sehr engagierten Lehrkräften naturgemäß eher diejenigen, die ihr Tätigkeitsprofil bereits seit langer Zeit erfolgreich in die Schule einbringen und nicht sofort die ganz neuen. Dass andersherum jemand nur aufgrund des Dienstalters eine entsprechende Stelle erhält, ohne sich adäquat zu engagieren, dürfte äußerst selten vorkommen.

    Das habe ich in der Form bislang auch noch nicht erlebt.

    Rein statistisch kann eben auch nicht jede/r eine A15-Stelle bekommen. Auf fünf A15-Stellen kommen dann vermutlich 30 A14-Stellen und nochmal so viele A13-Stellen. Die A15erInnen können sich ja auch nicht allesamt irgendwohin weg- bzw. hochbewerben - dafür gibt es noch weniger A16-Stellen.

    Bis es soweit ist, haben wir ein Renten- bzw. Pensionseintrittsalter von 70. :flieh:

    Da brauchst Du noch nicht einmal den Flieh-Smiley. Ich habe das auch immer wieder so geschrieben, dass ich genau davon ausgehe - und sei es nur, um die Pensionslasten spürbar zu drücken, weil die wenigsten von uns das bis 70 packen würden.

    Bei A15 wundert mich das nicht. Diese Stellen liegen ja oftmals lange rum, weil viele die Verantwortung scheuen. Alle wollen lieber eine gemütliche A14-Stelle.

    Das kann ich weder für meine alte noch für meine aktuelle Schule bestätigen. Ferner kann man an den Ausschreibungen bei Stella schnell sehen, ob und ggf. wie oft diese Stellen "leerlaufen". Das scheint mir eher die Ausnahme zu sein.

    Sehr professionell. Das mag aber auch daran liegen, dass die aufnehmende Schule aufgrund der vielfältigen Vorerfahrungen ein großes Interesse daran hatte. Es war da also nicht der Fall, dass ich einem internen "Platzhirsch" die Stelle weggeschnappt hätte.

    Das war bei mir haargenau so. Ansonsten hätte die Dezernentin das Ganze auch nicht eingefädelt. In meinem Fall wäre die Verärgerung ja womöglich noch heftiger ausgefallen, weil der Platzhirsch oder die -hirschin ja keine Chance gehabt hätte, da ich ein so genannter Versorgungsfall war.

    Hallo zusammen, vielen Dank für Eure aufschlussreichen und ehrlichen Antworten.

    Würde es Sinn machen, nach dem Studium eine Pause für ein oder zwei Jahre zu machen, bevor ich mit dem Referendariat anfange und damit zum Amtsarzt gehe? Dann wären diese Ereignisse ja noch länger her. Stehen die Chancen dann besser, oder müssen das immer diese 5 oder 10 Jahre sein?

    Ich glaube, dass Du die eigentliche Problematik nicht erfasst hast. Es geht nicht darum, wie lange die Therapie her ist - das mag für eine Dienstunfähigkeitsversicherung von Belang sein. Es geht darum, ob Du vor dem Hintergrund Deiner Vorbelastung und Deiner psychischen und physischen Disposition dazu in der Lage bist, den Beruf dauerhaft auszuüben. Diese Frage (und eine entsprechende Antwort darauf, die nur Du selbst und ggf. Experten Dir geben können) halte ich für viel entscheidender, weil sie die nächsten 30 bis 40 Jahre betrifft bzw. betreffen kann.

    Ist es wirklich bald schon soweit? Im Sommer 2041 würde ich regulär in Pension gehen, wenn die Pensionsgrenze nicht noch während der verbleibenden Zeit hochgesetzt wird. Ohne Referendariat (und mit dem halben Jahr als Vertretungslehrkraft) wären das von Februar 2005 bis Sommer 2041 knapp 36,5 Jahre. Knapp 18 davon habe ich jetzt (Stand Mitte Januar 2023) auf dem Buckel.

    (Mit Referendariat wäre ich sogar schon über die Halbzeit hinaus und sozusagen in der „zweiten Spielhälfte“. Da ich das Ganze aber jetzt nicht auf den spezifischen Tag heruntergerechnet habe, befinde ich mich rechnerisch (aber nicht arbeitsmäßig) wohl gerade in der Halbzeitpause...)

    Am 1. Februar 2003 trat ich mein Referendariat in einer Großstadt am Rhein an. Das wird in ein paar Tagen zwanzig Jahre her sein. Im Mai 2004 fand ich dann unser Lehrerforum, das gerade in den ersten zwei Jahren mit den UserInnen, die damals den „harten Kern“ ausmachten, ein recht wichtiger Teil meines Lebens war. Je mehr andere Dinge bzw. eher Personen dann in mein Leben kamen (meine jetzige Frau, die drei Jungs, volle Stelle), desto stärker verschob sich dann der Fokus auf das reale Leben.

    2010 und 2021 kamen die beiden Beförderungen, im Herbst 2018 der Schritt in die Behörde und von dort im Sommer 2022 der Schritt wieder zurück in die Schule. Zwischendrin habe ich verschiedenste Phasen beruflichen Glücks (Chorarbeit, Lehrerband, Oberstufenarbeit) erfahren, aber auch Phasen erheblicher Frustration (EDEKA, weil ich es gewagt hatte zu sagen, dass ich auch noch Familie habe und nicht in die Schule einziehen wollte. Über das „K“ hatte ich ja in dem einschlägigen Thread ausführlich berichtet.)

    Entsprechend erleichtert war ich dann im Herbst 2018, dass ich aus dieser Tretmühle, in die sich meine Schule für mich verwandelt hatte, herauskam. Es folgte eine sehr lehrreiche und spannende Zeit in der Behörde.

    Mit der Versetzung an meine jetzige Schule zum vergangenen Sommer wurde nun das jüngste Kapitel meines Lehrerdaseins und mit damit, wenngleich zeitlich eher zufällig, die zweite Hälfte meiner Dienstzeit eingeläutet. Ich gehe allmählich auf die 50 zu, fühle mich damit numerisch (aber nicht mental!) irgendwo alt und beginne darüber nachzudenken, was ich beruflich noch machen möchte. Meine Schulleitung hat es mir mittelbar schon gespiegelt, dass sie sich sicher ist, dass das nicht meine letzte Station sei und sie es verstehen könne, wenn ich nach ein paar Jahren wieder etwas anderes machen wollte. Ihr pragmatischer und gleichzeitig empathischer Umgang hat mich sehr beeindruckt.

    Ich würde gerne sehr viel (!) mehr Musik im schulischen Kontext machen. Das ist aber aufgrund des Settings der Schule und aufgrund meines Aufgabenbereichs nicht möglich, da ich den zentralen Schwerpunkt der Schule koordiniere. Privat mehr Musik zu machen ist energetisch aktuell nicht möglich, das schaffe ich im Moment nicht. Ich wäre auch ursprünglich sehr gerne Oberstufenkoordinator geworden – einige Gespräche mit Kollegen, die das aktuell machen, haben mich aber dahingehend überzeugt, dass das vom Arbeitsaufwand her ziemlich extrem gewesen wäre. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die Funktion, die ich jetzt habe, gesundheitlich ganz sicher die bessere Wahl war.

    Dann wiederum erinnere ich mich, dass ich im ersten Jahr meines Daseins als Junglehrer musikalisch auch nicht viel machen konnte/durfte, da ich primär für Englisch benötigt wurde. Das änderte sich dann schnell, so dass ich ein paar Jahre später meinen Chor hatte und wieder ein paar Jahre später sogar Gesangsklassen. (Und dennoch hat das nicht gereicht, mich an meiner ersten Schule zu halten…)

    Es liegen nun noch ca. 18,5 Jahre vor mir, die ich hoffentlich gesund bis zur Pensionierung arbeiten kann. Im Sport können Spiele bereits nach der ersten Halbzeit entschieden sein – und dennoch gibt es ebenso eine Vielzahl an Spielen, in denen auch in der zweiten Halbzeit noch viel passiert.

    Wie ich im Karrierethread schrieb, hat sich letztlich alles irgendwie gefügt. Zum Guten. Auch wenn das in der jeweiligen Situation nicht immer sofort erkennbar war. Das wird auch in der zweiten Halbzeit so sein. Ich weiß (!) es. Das ist Karma. Und ich weiß, dass ich selbst (wieder) aktiv werden muss, wenn ich eine berufliche Veränderung haben möchte.

    Also auf in die zweite Halbzeit. Ich bin gespannt, was diese für mich bereithält. Wen es hier interessiert, der/die wird es irgendwann erfahren.

    Nicht unbedingt, gerade Mangelfächer können auch eine Motivation für eine Schule sein, die Stellenbeschreibung entsprechend passend zu formulieren. Es kann sich insofern sogar lohnen, bereits unabhängig von einer konkreten ausgeschriebenen Stelle, an in Frage kommenden Schulen mal vorzufühlen.

    Das ist die eine Sache. Die andere ist, dass Beförderungsstellen nicht in jedem Fall einer Person auf den Leib geschrieben sind. Falls ich mich auf eine Stelle an einer anderen Schule bewerben möchte, muss ich mir über die Vorteile und die Probleme, die das mit sich bringen kann, im Klaren sein.

    Gleichzeitig - und das habe ich "damals" selbst auch nicht rechtzeitig erkannt - muss man eben auch wissen, dass Beförderungsstellen von ihrer Systematik her keine "Belohnung" für gute Arbeit sind, gleichwohl wird dies offenbar von vielen AspirantInnen als solches erachtet. Und man darf nicht darauf warten oder hoffen, dass man von der Schulleitung endlich "entdeckt" wird bzw. gesehen wird und dann mit einer A14-Stelle belohnt wird.


    Schulleitungen wissen natürlich, dass sie über die A14-Stellen eben diesen Belohnungseffekt hervorrufen können. Für ein Kollegium ist das natürlich gerade bei einer großen Anzahl an ProbezeitlerInnen und A14-AspirantInnen ein echtes Problem.

    Manche hängen aus verschiedenen Gründen davon ab, an ihr Wunsch-ZfsL zu kommen. Da sind die Zentren in der Rheinschiene entsprechend beliebt. Zu meiner Zeit (also vor 20 Jahren) war das ohne Sozialpunkte mitunter schwierig, seinen Wunschort zu bekommen.

    (OK, und bei mir war es dann trotz Wunschort immer noch so, dass ich mit ÖPNV und ohne PKW - was vorher noch explizit abgefragt wurde - zwei Stunden bis zur Schule gebraucht habe...)

    Das Referendariat ist Teil der Ausbildung - das wird man Dir nicht verwehren (können).

    state_of_Trance hat allerdings mit seiner Anmerkung nicht ganz unrecht. Hinzu kommt natürlich noch der Aspekt, dass der Beruf psychisch sehr belastend ist und die Frage bleibt, inwieweit Du mit der Diagnose und der Therapie mittlerweile so stabil bist - und vor allem bleibst! - dass Du das Referendariat und im Anschluss die volle Stelle "überlebst".


    Das Referendariat ist eine sehr stressige, sehr belastende Zeit mit Phasen des Ausgeliefertseins und der Abhängigkeit von KollegInnen, Fachleitungen und Schulleitung. Die augenscheinlich psychisch gesunden LehramtsanwärterInnen an meiner Schule berichten immer wieder, wie belastend die Situation für sie ist.

    Der Wille, LehrerIn zu werden, ist das eine. Die psychische und physische und mentale Konstitution ist aber letztlich das Entscheidende. Diese müssen vorhanden sein, ansonsten ist der Beruf nicht zu schaffen.

Werbung