Beiträge von Bolzbold

    Hier der Link zur Regelung für Niedersachsen.

    https://www.mk.niedersachsen.de/download/49956…_zeugnisse_.pdf

    Ich zitiere:
    3.6

    Verändert sich in einem Fach die Bewertung gegenüber der für das vorhergehende Schulhalbjahr innerhalb der gleichen Schulform um mehr als eine, nach einem Schulformwechsel um mehr als zwei Notenstufen, so ist die Begründung der Bewertung in der Klassenkonferenz zu erörtern und in der Konferenzniederschrift zu vermerken.

    Fazit:
    Möglich und erlaubt ja, aber eben mit Begründung und Dokumentation.

    Was ich viel interessanter finde, ist dieser Passus hier:

    3.3

    Die Bewertungen in den Fächern werden von der Fachlehrerin oder dem Fachlehrer festgesetzt. Kommt die Schulleiterin oder der Schulleiter oder die Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder der Klassenkonferenz zu der Auffassung, dass eine Lehrkraft bei der Erteilung einer Zeugnisnote einen Konferenzbeschluss über Grundsätze für die Leistungsbewertung verletzt oder gegen Rechts- oder Verwaltungsvorschriften, allgemein anerkannte pädagogische Grundsätze oder Bewertungsmaßstäbe verstoßen hat oder von unrichtigen Voraussetzungen oder sachfremden Erwägungen ausgegangen ist, so ist der Lehrkraft Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Kann kein Einvernehmen erzielt werden, so berichtet die Schulleiterin oder der Schulleiter der zuständigen Schulbehörde und bittet um Überprüfung der Bewertung.

    Das bedeutet, dass die Mitglieder der Klassenkonferenz per Mehrheitsbeschluss die Leistungsbewertung eines anderen Kollegen oder einer Kollegin beanstanden können und dann im Extremfall die Schulaufsicht ins Boot kommt.

    Im Vergleich noch einmal die entsprechende VV aus NRW in Verbindung mit der ADO:

    VV21 APO-S I
    21.1.2 Die Fachlehrerin oder der Fachlehrer entscheidet über die Note in ihrem oder seinem Fach und begründet diese auf Verlangen in der Versetzungskonferenz. Sie oder er berücksichtigt die Gesamtentwicklung der Schülerin oder des Schülers während des ganzen Schuljahres und die Zeugnisnote im ersten Schulhalbjahr. Die Note kann durch Konferenzbeschluss nicht abgeändert werden; die schulaufsichtliche Überprüfung bleibt unberührt.

    ADO §21 Abs. 4

    (4) Hält die Schulleiterin oder der Schulleiter allgemein oder im Einzelfall die Notengebung einer Lehrerin oder eines Lehrers für unvereinbar mit den Vorschriften zur Leistungsbewertung oder allgemeinen Bewertungsgrundsätzen und ist darüber kein Einvernehmen unter den Betroffenen zu erreichen, ist die Entscheidung der fachaufsichtlich zuständigen Schulaufsichtsbehörde einzuholen.

    Die KollegInnen in NRW haben hier kein "Beanstandungsrecht".

    Kommt vielleicht auch darauf an, was die erste Fremdsprache ist? Wimre war es hier früher bei G 9 so, dass bei erster Fremdsprache Latein Englisch auch schon in der 6. kam, bei erster Fremdsprache Englisch die zweite aber erst in der 7. ... Aber vielleicht verwechsle ich da auch was.

    Also in NRW war das zu meiner Schulzeit (Abitur 1993) nicht so. Latein ab Kl. 5, Englisch ab 7.

    Später unter G8 wurde das für alle Schulformen vorgezogen, obwohl G8 ja nur die Gymnasien betraf. Da gab es dann in der Tat die Regelung, dass die 2. FS ab Kl. 6 einsetzte und die Lateiner auch schon ein bisschen Englisch ab der 5. Klasse hatten. Dafür kam in Klasse 6 dann keine weitere FS dazu sondern verstärkter Englischunterricht.

    Nein, A15 ist auch Oberstleutnant/Fregattenkapitän. Wenn ich aber sehe, wie unselbständig und scheinbar hilflos sich eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen in neuen Situationen geben, wäre für mich fraglich, ob diese den Führungsaufgaben eines Majors (A13) gewachsen wären.

    Böh. Oberst Bolzbold hätte mir gefallen... :)

    Mmh... :/

    Dann könnte man uns ja auch gleich zur Bundeswehr abordnen. Der Tapetenwechsel wäre wohl nicht so krass wie der vom Gymnasium an die Förderschule.

    • Studienrat, Besoldungsgruppe a13 --> Major
    • Oberstudienrat, Besoldungsgruppe a14 --> Oberstleutnant

    Studiendirektor, Besoldungsgruppe A15 --> Oberst? Das würde mir gefallen...

    Ich hänge mich mal mit meiner Frage hier dran: Ist es zulässig, dass ein Kind innerhalb eines halben Jahres um zwei Noten schlechter bewertet werden darf (hier NRW von Ende Klasse 6 Note „sehr gut“ zu „befriedigend“ im 1. Halbjahr Klasse 7)?

    Ich finde dazu keine verlässliche Info.

    Alles, was Du hierfür brauchst, sind das Schulgesetz und die APO-S I.

    Die Notengebung unterliegt keiner Bindung an die Note im vorangegangenen Schuljahr (sic!). Somit ist ein Sprung jedweder Art von Note X am Ende von Klasse 6 auf Note Y zum Halbjahr von Klasse 7 möglich.

    Zwischen dem ersten und zweiten Halbjahr gelten die Vorgaben nach VV 21 (Hervorhebung durch mich.)

    VV zu § 21

    21.1 zu Absatz 1

    21.1.1 Die Versetzungskonferenz ist beschlussfähig, wenn mindestens zwei Drittel ihrer Mitglieder anwesend sind. Beschlüsse werden mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen gefasst. Stimmenthaltung ist nicht zulässig. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme der oder des Vorsitzenden den Ausschlag. Über die Versetzungskonferenz ist ein Protokoll zu führen.

    21.1.2 Die Fachlehrerin oder der Fachlehrer entscheidet über die Note in ihrem oder seinem Fach und begründet diese auf Verlangen in der Versetzungskonferenz. Sie oder er berücksichtigt die Gesamtentwicklung der Schülerin oder des Schülers während des ganzen Schuljahres und die Zeugnisnote im ersten Schulhalbjahr. Die Note kann durch Konferenzbeschluss nicht abgeändert werden; die schulaufsichtliche Überprüfung bleibt unberührt.


    (Quelle: BASS 2022/2023 - 13-21 Nr. 1.1 Verordnung über die Ausbildung und die Abschlussprüfungen in der Sekundarstufe I (Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe I - APO-S I) (schul-welt.de) )

    Ein Sprung um zwei Noten wäre damit auch innerhalb eines Schuljahres vom ersten zum zweiten Halbjahr möglich, müsste aber entsprechend begründet werden - gerade falls es um eine Nichtversetzung gehen sollte.

    wossen


    Das sehe ich ein wenig anders, weil Lehrkräfte, die im Angestelltenverhältnis beschäftigt sind, mit Ausnahme dieses - gleichwohl nicht unwesentlichen - Unterschieds ansonsten den Gesetzen, Verordnungen und Erlassen unterliegen, die eben auch bei BeamtInnen gelten. In NRW wird in den entsprechenden Rechtstexten relativ knapp darauf verwiesen, dass diese Texte auch für Beschäftigte nach TV-L gelten.

    Ich würde daher einen Mittelweg vorschlagen. "Tarifrecht und Dienstrecht für angestellte Lehrkräfte".

    Nur am Rande:

    Die offizielle Klarstellung des MSB, dass eine solche generelle Attestpflicht (in NRW) nicht rechtens ist, basiert auf der seit Jahren geltenden Rechtslage, an der sich ja nichts geändert hat (vgl. Schulgesetz, APO-S I und APO-GOSt.)

    Die Praxis des Forderns von Attesten bei Klausuren/Klassenarbeiten in der Sek II und teils auch in der Sek I wurde jedoch gemeinhin von allen Seiten "geduldet".


    Es bedurfte einer Anfrage der Opposition im Landtag, um diese Klarstellung (und damit das Ende der Duldung) zu erzwingen.

    MMV18-554.pdf (nrw.de)

    Und in der Folge dann:

    Teilnahme am und Fernbleiben vom Unterricht | Bildungsportal NRW (schulministerium.nrw)

    (Es gibt sogar Grundschulen, die bei Fehlen ab dem dritten Tag per se Atteste erwarten. Auch das wird in dem Erlass, den nebenbei der Leiter der Rechtsabteilung des MSB unterzeichnet hat, deutlich. )

    Nach dem zweiten Weltkrieg ist Deutschland ganz definitiv "am amerikanischen Wesen genesen", denn sowohl die Demokratisierung als auch der wirtschaftliche Wiederaufbau hatten ihre Architekten (und Finanziers) dort. Und auch wenn die Medien sich besonders seit Trump an allen echten oder vermeintlichen Problemen der USA abarbeiten, so haben die letzten Wahlen doch grundsätzlich gezeigt, dass das Land immer noch eine funktionierende Demokratie ist und jemand mit Bildung und einem breiten Medienzugang sollte auch eigentlich in der Lage sein, sich ein differenziertes Bild zu machen, so er denn will.

    Was den Wiederaufbau an sich angeht, stimme ich zu. Wenn man sich aber den Morgenthau-Plan noch in Erinnerung ruft und diverse andere Pläne, Deutschland in einen Agrarstaat oder ähnliches zu transformieren, dann darf man nicht vergessen, dass ein Motiv für den Wiederaufbau auch das "Bollwerk gegen den Kommunismus" war.

    Es gab ja sogar Pläne, die verbliebenen Teile der Wehrmacht bei einem geplanten (aber nicht initiierten) Konflikt gegen die Sowjetunion auf Seiten der West-Alliierten zu verwenden. SO selbstlos war das dann von den USA auch wieder nicht.

    Zitat

    (*) Und das wiederum beruht vor allem darauf, dass die USA in den letzten 30 Jahren die gesamte weltpolitische Drecksarbeit - und dabei auch viele Fehler - gemacht haben. Wir Deutschen haben keine Fehler gemacht. Sonst auch nicht viel. Und da, wo wir mal versucht haben, mit zu mischen - Afghanistan - ist der Scherbenhaufen genau so groß wie überall anders auch, trotzdem redet keiner darüber, welchen Anteil wir daran haben. Stattdessen fabuliert Frau Bearbrock weiter von "feministischer Außenpolitik" und ist von der Seitenlinie aus medial empört, wenn die Taliban erwartungsgemäß das Recht auf Bildung für Frauen abschaffen.

    Wir müssen zwischen echter Drecksarbeit (Golfkrieg 1991) und skrupelloser Interessenspolitik (Vietnam-Krieg, Waffen an die Mudschaheddin in Afghanistan, Mittelamerika, die folgenden Golfkriege, der Einmarsch in Afghanistan) unterscheiden. Eigentlich hätte seit dem Abzug der Sowjets aus Afghanistan sowie dem Abzug der Amerikaner aus Vietnam Mitte der 70er Jahre klar sein müssen, dass solche Konflikte nicht mehr zu gewinnen sind.

    Dass sich Deutschland nicht in der Form in der Weltpolitik eingemischt hat, muss man wohl vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs sowie des Kalten Krieges verstehen. Auch danach war Deutschland gut beraten (bzw. wäre gut beraten gewesen), sich aus den Konflikten dieser Welt (oder auch den immer noch geführten Stellvertreterkriegen) zumindest militärisch herauszuhalten.

    Mir leuchtet bis heute nicht ein, wieso wir "unsere Freiheit auch am Hindukusch verteidigt" haben.

    Keine Ahnung, woran das liegt. Russland gut, USA böse, das ist in den Köpfen der meisten Menschen, die hier erzogen wurden, drin.

    Und das perfide ist, dass im Grunde beide Systeme mindestens in der Form "böse" sind, dass sie jeweils auf selbstgerechte Art und Weise dachten (bzw. immer noch denken) dass von ihrem Wesen die Welt genesen würde - oder sich wahlweise ihnen unterzuordnen habe...). Was die Überheblichkeit und Ignoranz betrifft, sind Teile der amerikanischen Bevölkerung noch deutlich krasser als es die russische gegenwärtig sein mag.

    Von ihnen habe ich auch den Vergleich von Stalin mit Hitler.

    Dieser Vergleich ist in der Geschichtswissenschaft vor dem Hintergrund der Mechanismen, die beide totalitären Systeme angewandt haben, ausführlich gezogen worden. Da gibt es unter anderem ein kleines Büchlein mit dem Titel "Ordnung durch Terror". (Das Ganze ist vielleicht am Beispiel der politischen Lieder sehr eingängig und verständlich. Vergleicht man die Lieder "Uns're Fahne flattert uns voran" mit "Die Partei hat immer recht", dann wird es deutlich.) In der Tat wüsste ich aber ad hoc jetzt auch nicht, wieso man den Sowjets seinerzeit mit "Ehrfurcht" und "Wertschätzung" hätte begegnen sollen. Für die SED-Kader mag das ja gegolten haben. Die BürgerInnen der DDR hatten ja bekanntermaßen andere Sorgen.

    Und bevor mich hier die hundertste Person falsch zitiert:

    Das von mir fett markierte "die" bezieht sich eindeutig auf "die Interessen" und nicht auf "alle Russen". Ich bin mir absolut sicher, dass überhaupt nur Bolzbold meinen Beitrag wirlich gelesen hat und alle anderen sich über ein falsches Zitat respektive ein Missverständnis empören.

    Danke, aber hier muss ich mich auch als "Missverstehender" outen, da das "die" keinesfalls eindeutig war. Empören konnte ich mich darüber gleichsam nicht, weil ich das nicht empörend fand. Sofern die Aussageabsicht vorgelegen hätte, alle RussInnen als böse zu deklarieren, hätte ich das grundsätzlich sogar verstanden, aber eben dennoch mit dem, was ich geschrieben habe, geantwortet.

    Niemand verlangt eine bedingungslose Kapitulation der Russen mit Übereignung des gesamten russischen Bodens an die Ukraine. Das wäre eine Niederlage. Ein zügiges Verlassen der Ukraine, inklusive der Krim und des Donbass, eine offizielle Entschuldigung sowie Reparationszahlungen sind nicht zuviel verlangt. Über Art und Umfang der Entschuldigung und der Reparationszahlungen kann man verhandeln.

    Wenn das so stimmt, wie du schreibst, dass es eine "russische Mentalität" gibt, die Stärke bewundert und Schwäche verachtet, dann hat Antimon Recht. Dann sind alle Russen bösartig. Das sehe ich zwar beides nicht so, das wäre aber die logische Konsequenz.

    Ich meinte beileibe nicht die Übernahme jeglicher staatlicher Gewalt durch Drittmächte wie es die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg gemacht haben. Aber die Niederlage müsste schon so eindeutig sein, dass es überhaupt zu den von Dir umrissenen Entwicklungen kommen kann. Das wage ich sehr zu bezweifeln. Gab es das überhaupt schon in der Weltgeschichte schon in dieser Dimension, dass ein Kleinerer gegen einen Größeren gewonnen hat und im Anschluss Reparationen verlangen konnte? Das ginge ja nur mit der EU und der NATO als Garantiemächte, was vom Grundprinzip her dem, was nach dem Zweiten Weltkrieg passiert ist, ziemlich nahe käme.

    Und nein, böse sind alle RussInnen ganz sicher nicht. Sie sind konditioniert bzw. sind so aufgewachsen und erzogen worden. Diese Mentalität ist nicht genuin russisch sondern fand sich beispielsweise auch vom Grundsatz her bei den Nazis.

    Wie ich hier ja schrieb, sind die russische Geschichte und die Besonderheiten der russischen Gesellschaftsschichtung maßgeblich für diese Einstellung. Die kurze Phase an Demokratie hat es nicht vermocht, diese Einstellung nachhaltig zu verändern.

    Zitat

    Mir erschließt sich nicht so recht, was du eigentlich ausdrücken willst. Du schreibst zu den historischen Verhältnissen nichts Neues und nichts, das nicht bereits weitläufig bekannt wäre. Das ändert aber alles nichts daran, dass derjenige, der ein anderes Land überfällt im Unrecht ist und auf keinen Fall mit seiner Masche durchkommen darf.

    Jeder hat für alles irgendwelche "Gründe". Für Judenhass, Hass gehe Homosexuelle, gegen Frauen, generell gegen alles und jeden gibt es auch "Gründe". Wenn "Gründe" für eine Rechtfertigung und Zugeständnisse ausreichen, kann man vielleicht auch mit Leuten, die Ausländer hassen verhandeln. Vielleicht reicht es denen ja, wenn sie nur in Monaten, die nicht auf 'r' enden Jagd auf Ausländer machen? Klingt doch fair.

    Hier erlaube ich mir noch einmal den Hinweis, dass es nicht "die Russen" waren, die die Ukraine überfallen haben, sondern ein Autokrat und dessen willige Schergen. Und wir haben hier keinen Dissens in den Punkten, dass jemand, der ein Land überfällt, im Unrecht ist und damit nicht durchkommen darf. (Auch hier folgt Putin ja der sowjetischen Doktrin, den Angriff stets in der Sprache der Verteidigung zu führen...)

    Das ist wohl wahr. Noch mehr zu leiden hatte Russland aber unter und an Stalin. Das finde ich schon bemerkenswert, dass das in der russischen Gesellschaft so offensichtlich nicht wahrgenommen wird. Rational verstehe ich, was du schreibst. Emotional finde ich Verständnis einfach nicht angebracht. Mit fällt es ebenso schwer mir vorzustellen, wie man mit Russland im 30 Jahren oder so interagieren wird. Wir werden es ja noch rausfinden.

    Mein Verständnis für die russische Gesellschaft ist primär eine intellektuelle und beileibe keine emotionale. Ich bin wahrhaftig kein Freund einer solchen wie von mir beschriebenen Mentalität. Sie lässt mich gruseln. Ich bin aber jemand, der verstehen möchte. Und damit muss ich mich mit den in der russischen Gesellschaft verankerten Ursachen auseinandersetzen.

    Du bist hier der Historiker, ich will dir jetzt sicher nicht klugscheissen. Aber denkst du, man hätte den 2. WK durch mehr Verständnis und mehr Verhandeln verhindern können? Ich meine, das wurde versucht, mit bekannten Ergebnis. Ich sehe ferner nicht, dass die Situation in Bezug auf Russland mit dem sicherlich problematischen Verhalten der Alliierten gegenüber Deutschland nach dem 1. WK vergleichbar ist. Russland hat seine Zarenbombe zünden dürfen. Russland hatte 40 Jahre lang die Hand auf einem Teil Deutschlands. Mir ist das zu viel mimimi, die bekommen einfach den Hals nicht voll.

    Wir haben damals wie heute eine vergleichbare Situation. Nur was wäre denn in einer westlichen europäischen Gesellschaftsordnung, die den Krieg bestenfalls zur Verteidigung des eigenen Lebens kennt, hier möglich gewesen?
    Appeasement kam nicht infrage - siehe 1938.
    Krieg kam nicht infrage - siehe beide Weltkriege und die Gefahr eines Atomkriegs.

    Sanktionen erschienen als eine geeignete Maßnahme, die aber - ebenso wie ein aktiver Krieg - immer auch beide Bevölkerungen leiden lassen.

    Hinzu kommt, dass gut darüber nachdenken sollte, ob man einer Nuklearmacht konventionell den Krieg erklärt.

    Russland hatte 40 Jahre lang die Hand auf einem Teil Deutschlands. Russland hatte aber auch unter dem Angriffs- und Vernichtungskrieg der Deutschen unendlich zu leiden. So gesehen haben die Deutschen Glück gehabt, dass die Sowjets bei allen Verbrechen, die Sowjetsoldaten begangen haben, vergleichsweise "milde" waren. (Die 25 Mio. toten sowjetischen Soldaten und ZivilistInnen hätten dazu womöglich eine ganz andere Haltung...)

    Die "Expansion" der UdSSR nach dem 2. WK beruhte auf den erwähnten Sicherheitsinteressen in Verbindung mit Expansionsdrang. Die USA waren hier so gesehen jedoch keinen Deut besser. Bereits 1946/47 stellten beide Seiten fest, dass es offenbar an den USA bzw. der UdSSR gewesen sei, in ihren Sphären jeweils ihr eigenes Gesellschaftsmodell zu installieren.

    Auf die Gegenwart geblickt sehe ich auch nur eine Chance auf Frieden, wenn Russland den Krieg verliert. FALSS Russland den Krieg verliert. Waffen kann man ersetzen, Menschen hingegen nicht. Und Russland hat deutlich mehr Menschen zur Verfügung - und die werden damals wie heute erbarmungslos eingesetzt.


    Mir stellt sich auch die Frage, wie denn eine Friedensordnung mit Russland aussehen soll. Das sehe ich extremst kritisch.

    Würde sich Russland auf die Grenzen vor dem Krieg zurückziehen?

    Wie würde ein solches Vertragswerk überhaupt aussehen können? (Reparationen? Aufarbeitung der Verbrechen, was geschieht mit den SeparatistInnen? )

    Kann man einer wie auch immer gearteten zukünftigen russischen Regierung überhaupt vertrauen?

    Aus meiner Sicht hat sich Russland eigentlich für jedwede Form der Zusammenarbeit nachhaltig disqualifiziert. Und dennoch wird man Russland wieder zurück in die Staatengemeinschaft führen müssen. Das wissen auch die RussInnen.

    Grundsätzlich sehe sehe ich das ähnlich wie du. Aber hier

    muss ich ganz klar widersprechen. Es gibt keine Begründung für einen Angriffskrieg (das ist kein Konflikt und auch keine Militäroperation). Niemand darf einen souveränen Staat angreifen, auch wenn der Angreifer noch so sehr die Sowjetunion vermisst und sich irgendwas davon zurecht spinnt, dass die NATO ihn einkreisen wolle.

    Korrekt. Aber das war auch nicht die russische Gesellschaft sondern ein autokratisches System.

    Zitat

    Die Niederlage Russlands ist aber der einzige akzeptable Ausgang dieses Krieges. Die Lehre für Russland kann nicht sein, dass es mit Landgewinn belohnt wird, andere Staaten zu überfallen, Zivilisten zu ermorden, seine Soldaten zu verheizen und ein Land zu zerbomben. Dem hätte man eigentlich schon 2014 einen Riegel vorschieben müssen.

    Auch ein Angriffskrieg (in Europa) ist nicht mehr zeitgemäß. Putin ist in der Hinsicht vollkommen aus der Zeit gefallen und denkt noch in sowjetischen Kategorien. Russland war international anerkannt, in die Staatengemeinschaft integriert und hätte die partnerschaftliche Entwicklung nur weiter vorantreiben müssen. Stattdessen hat sich Putin mit seinen Leuten für die rückständige Idee des Landgewinns entschieden.

    Die Osterweiterung der NATO wie der EU stellt aus Sicht der Ex-Sowjets bzw. aus Sicht der russischen Bevölkerung eine ähnliche Vorgehensweise dar wie es jetzt der militärische Landgewinn im Zuge des Krieges ist. So gesehen sind die Annexion der Krim und der Ukraine-Krieg eine Eskalation dessen, was man vorher bereits als westliche Aggression wahrgenommen hat.
    Das muss man weder gutheißen noch empathisch darauf reagieren. Aber man muss es im Hinterkopf behalten.

    Totale Niederlagen haben immer das Risiko, dass der Rachegedanke, das Gefühl der Demütigung und dergleichen sich irgendwann politisch wieder durchsetzen. Der Zweite Weltkrieg war letztlich auch die Fortsetzung des Ersten Weltkriegs, weil der Versailler Vertrag eben keine stabile Friedensordnung war. Das hatten einige schlaue Köpfe der Franzosen und der Briten bereits 1919 selbst erkannt.

    Die russische Mentalität bewundert Stärke und kennt Verachtung für das Schwache - das war auch in Sowjetzeiten so - und Adenauer hatte es damals ebenso erkannt. Niederlage ja. Bedingungslos nein.

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