Aha, nimmst du es auch persönlich, wenn einer schlechte Noten schreibt, klaut, betrunken zur Schule kommt, schwänzt? Alles deine Schuld? Oder bist du nur verantwortlich, wenn ein Schüler Erfolge feiert? Komische Überhöhung deiner Person, sorry. Aber wenn es dir damit gut geht, ist es ja okay.
Äh, ich glaube, da schießt Du nun wirklich übers Ziel hinaus - und zwar deutlich. Und mit Überhöhung der Person hat das überhaupt nichts zu tun. Vielleicht lässt Du zunächst auch andere Deutungsmöglichkeiten zu, bevor Du um Dich schießt.
Zur Sache:
Andrew hat völlig Recht mit dem, was er sagt. Es geht natürlich nicht um Schuld. Es geht darum, dass wir als Lehrkräfte durchaus Einfluss auf unsere Zöglinge haben - in der Regel wird er relativ gering sein und im Gesamtkosmos Schule sich mit zahlreichen anderen Einflüssen vermischen. Für den einen oder die andere ist dieser Einfluss aber im Guten wie im Bösen manchmal größer als angenommen.
Ohne meinen Musiklehrer wäre ich selbst sicherlich nicht Musiklehrer und Chorleiter geworden. Er ist mittlerweile fast zehn Jahre pensioniert, und ich habe Ende des letzten Jahres noch einmal Kontakt zu ihm aufgenommen, um ihm für eben jenen Einfluss zu danken. (Ich habe im Sommer vor 29 Jahren Abitur gemacht und er war faktisch die ganzen neun Jahre mein einziger Musiklehrer. Später habe ich noch mehrere Jahre als "Ehemaliger" im Schulchor meiner alten Schule mitgesungen.) Von ihm habe ich den Wunsch, am Dirigierpult zu stehen und Musikensembles zu leiten.
Mein Klassenlehrer von der 5. bis zur 7. Klasse war Weltkriegsveteran und Heimatvertriebener. Er kannte noch die "alte Erziehungsschule". Dennoch war er mir gegenüber in den paar Situationen, in denen ich über die Stränge schlug und für die seiner Schilderung nach "früher" sofort von der Schule geflogen wäre, unglaublich nachsichtig. Was ich heute über 30 Jahre nach meinem Latinum an Lateinkenntnissen noch habe, geht auf sein "Bimsen" zurück. Ich habe neulich noch daran gedacht und möchte mir diese seine Eigenschaft der Nachsichtigkeit an der einen oder anderen geeigneten Stelle, was man heute vielleicht als paradoxe Intervention bezeichnen könnte, ein stückweit zu eigen machen.
Um den Bogen zurück zu schlagen: Beide hätten sich selbstredend nie "überhöht" oder seinen Einfluss selbst als groß bezeichnet. Wie groß die Einflüsse sind, zeigt sich oftmals erst nach Jahren - und die Maßstäbe dafür sind nicht wir als Lehrkräfte, sondern die Schülerinnen und Schüler und ihre Dankbarkeit, die wie in meinem Fall ihre Lehrkräfte erst nach Jahren erreicht.