Beiträge von Bolzbold

    Nein, ist es nicht. Es ist ein Lernprozess, wann man was wie evaluiert, wie man mit Konflikten umgeht und wann man wie reagiert. Es muss ja nun nicht zwangsläufig eskalieren, auch mit schwierigen Gruppen nicht. Man lernt doch immer dazu.

    Sag ich ja. Teil des großen Spiels. Ich bin irgendwann so weit gewesen, es als solches zu erachten. Und was Du beschreibst, gehört mit dazu.

    Naja, DER hatte es dann halt besonders nötig.

    Ich sage meinem Ältesten immer, dass er nicht sagen soll, was seine Eltern machen. Früher oder später kommt es dann heraus. Das ist jedoch in einige Situationen durchaus hilfreich, weil das Gespräch dann je nach Lehrkraft stärker auf Augenhöhe stattfindet (als Elternteil fühlt man sich häufig als Bittsteller) und die Lehrkräfte dann nicht mit dem Pädagogengeschwurbel daherkommen, mit dem sie die anderen NichtlehrerInneneltern einlullen.
    Andererseits tritt man als Vater-Lehrer auch unverkrampfter der Lehrkraft gegenüber, weil man nicht diese institutionelle Ehrfurcht entwickelt.

    Ja, es ist dazu geeignet, das Gegenüber zu beeindrucken. Anfangs treten diese Damen und Herren ja auch "rollenbewusst" bei Elternsprechtagen auf. Das hat mich anfangs zugegebenermaßen auch etwas beeindruckt, mit dem Chefarzt Dr. sowieso als Vater des Schülers sowieso zu sprechen; später war es mir dann aber egal und ich war so rollenbewusst, dass ich klargemacht habe, dass ich die Eltern meiner Schüler ausschließlich als solche begreife - ob es nun Reinigungskräfte oder Chefärzte waren.

    Der TE hat meines Erachtens einen taktischen Fehler gemacht.

    Wenn es breit angelegte Unzufriedenheit innerhalb einer Klasse gibt, dann wirkt sich das zwangsläufig auch auf die Evaluationsergebnisse aus. Dass SchülerInnen Evaluation mit "ich kotze mich aus" verwechseln bzw. die anonymisierten Zettel für so etwas missbrauchen, habe ich auch schon erlebt.
    Das sollte sich der TE nicht zu Herzen nehmen sondern drüber stehen.

    Nichtsdestotrotz sollte man als Lehrkraft klare Grenzen setzen und ein Mindestmaß an Respekt einfordern. Die Idee mit dem Spiegeln der respektlosen Antworten finde ich gut, ich würde allerdings nicht den Originalzettel nehmen sondern die Aussagen weiter anonymisieren. Dann würde ich schlicht rückfragen, wie die SchülerInnen es denn fänden, wenn man ihnen als Kommentare unter ihre Mappen oder Klassenarbeiten ähnlich schmeichelhafte Dinge geschrieben hätte. Die meisten kapieren es dann.
    Und manchmal muss man als Lehrkraft auch einfach einmal einen solchen akuten und in der Regel nicht lange anhaltenden Shitstorm aushalten. Und wenn die Bemühungen zur Verbesserung des Klimas nicht fruchten, muss man sich nicht per se infrage stellen, sondern zieht sich auf das Professionelle zurück. Einer meiner letzten Englisch LKs war dauerhaft so drauf mit dem Ergebnis, dass ich nicht auf den Abiball gegangen bin. Da waren die SchülerInnen auf einmal total betroffen bzw. getroffen, aber ich bin konsequent geblieben.

    Letztlich ist das aber alles Teil des großen Spiels mit dem Namen "Schule", in dem wir uns befinden.

    Ob und wie in der Grundschule gekuschelt wurde oder nicht - egal wie man dazu steht - zeigt sich meiner Erfahrung nach im Nähe-/Distanzverhalten der FünftklässlerInnen. Manche haben schon die entsprechende Distanz und siezen von Anfang an, andere kommen ständig nach vorne und duzen zu Beginn. Letzteres ist für mich erst einmal OK, auch wenn ich sie dann allmählich an das "Sie" heranführe. Oft zischen dann die MitschülerInnen, dass es "Sie" heißen muss.

    Was die Vokabeltests angeht, so ist es doch selbstverständlich, dass man die SchülerInnen an die Arten und Strategien des Lernens heranführt, ebenso an die Bewertung und die Gründe für mein strenges Bewerten. Wenn man dann noch klarmacht, dass der einzelne Vokabeltest primär eine Rückmeldung und sekundär eine Leistung im Rahmen der sonstigen Mitarbeit ist, entspannen sich die meisten SchülerInnen auch schnell.

    Der Leistungsdruck kommt interessanterweise oft ganz von alleine - den muss man nicht künstlich erzeugen.

    Warum sollten das irgendwelche Eltern akzeptieren? Niemand will das über seine eigenen Kinder hören - nicht zuletzt, weil das auch auf einen selbst zurückfällt...

    Noch mal: Warte, bis Du eigene Kinder hast. Vieles von dem, was Du jetzt zum Thema Erziehung etc. denkst, wird sich dann (im Alltag) anders gestalten.


    Das ist tatsächlich so. Und es führt mitunter zu Tränen bei Elternsprechtagen. Es ist dann wichtig, dass man trotzdem wertschätzend bleibt - und zwar aufrichtig wertschätzend.

    Wer ein Kind mit was auch immer für Auffälligkeiten hat, kann sich schnell vor Häme, ungebetenen Ratschlägen und dergleichen nicht retten. Und natürlich muss man als Eltern etwas falsch gemacht haben. Diese Scheinerkenntnis brauchen die anderen Eltern, um sich selbst aufzuwerten.

    Dieser ungeschriebene Wettbewerb um soziale und ökonomische Chancen und um die scheinbar zu wenigen Plätze an der Sonne widert mich jedoch so etwas von an...

    Zumindest auf meinen Jahrgang bezogen gab es durchaus Familien aus dem Arbeiter- bzw. Stehkragenproletariermilieu, die weniger ob ihres Potenzials nicht mehr aus sich gemacht haben als ob der Einschränkungen durch Schulgeld oder den entsprechenden Wünschen der Eltern (schnell Ausbildung machen, eigenes Geld verdienen und den Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen).
    Die dort vermittelten Werte waren aber zentral für den späteren Bildungserfolg der jeweiligen Kinder - in diesem Fall Mädchen, die ja auch mitunter gesellschaftlich bedingt bildungsmäßig benachteiligt waren.
    Zwei Fälle habe ich selbst erlebt, da ich mit einer Dame liiert war und mit der anderen verheiratet bin.

    Grundwerte wie Fleiß, Disziplin, Ehrlichkeit, Durchhaltewillen und gesunder Ehrgeiz sind nicht akademikerspezifisch - da hält die Wohlstandsverwahrlosung ziemlich dagegen. Aber diese Grundwerte und ein Grundmaß an kognitiver Kompetenz sind aus meiner Erfahrung entscheidend für den späteren Lern- und Bildungserfolg.

    Aus den mehreren Jahren als Beratungslehrer in der Oberstufe habe ich auch oft erlebt, wie insbesondere Jungen aus "gutem Hause" es trotz überdurchschnittlicher Intelligenz an den obengenannten Werten haben vermissen lassen - viele von ihnen scheiterten, wiederholten oder machten ein unterdurchschnittliches Abitur.

    Ich habe in der 5. Klasse in Englisch eigentlich immer "voraussetzungslosen" Unterricht gemacht, gerade weil die Kinder von sechs oder sieben Grundschulen kamen und je nach Grundschule und Klasse die Vorkenntnisse extrem divergierten. Die Anfangsseiten im Lehrwerk können da mitunter einen Überblick geben, aber mir war immer wichtig, dass die Kinder mit "schlechtem Grundschulenglischunterricht" nicht sofort das Gefühl bekamen, sie wären so schlecht.

    Der Übergang von der Grundschule ans Gymnasium wird natürlich an allen Gymnasien als total sanft dargestellt - das ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit vor allem in städtischen Bereichen, wo die Konkurrenz groß ist und der Kuchen gefühlt klein.

    Anekdote am Rande:
    Wenn ich mich an meinen Übergang erinnere, dann war ich von meiner Grundschule aus hervorragend vorbereitet, so dass ich mehrere Themen in Deutsch oder Mathematik schon aus der Grundschule kannte, mit dem Ergebnis, dass meine Noten in der 5. Klasse besser waren als in der 4. Klasse der Grundschule. Dass jetzt der "Ernst des Lebens" begänne, war damals - Mitte der 80er - aber auch ein durchaus oft vorkommender Spruch.

    Ich behaupte einmal, dass die bildungstechnischen Voraussetzungen in Lehrerhaushalten dergestalt sind, dass überproportional viele Lehrerkinder am Gymnasium sind. Das ist meines Erachtens die Hauptursache.

    Unabhängig davon, wie schlau oder nicht schlau meine Kinder im Vergleich zu anderen Kindern anderer Familien sind, so ist das Interesse an Bildung, das Lesen von Büchern (aus Papier!), das Reden über verschiedenste Themen aus Natur, Gesellschaft etc. sicherlich prägend. Ferner hat man als Lehrkraft einen Blick für das Wesentliche in Bezug auf Schulerfolg und Bildung. In der Regel vermitteln wir also das, was man braucht, um schulisch Erfolg zu haben. Im Falle meiner Frau und mir haben wir außerdem einen Blick, wie wir bei schulischen Problemen reagieren, da wir das System Schule kennen. Und wir haben mitunter nicht gezögert, konsequent zu handeln, wenn es denn erforderlich war. Der schulische Erfolg unserer Kinder gibt uns Recht - wobei unsere Kinder sich diesen zu 90% selbst erarbeitet haben. Die anderen 10% waren meist freundliche, manchmal weniger freundliche, aber beharrliche "Erinnerungen" an zu erledigende Schulaufgaben.

    Der schwarze Punkt auf der weißen Wand fällt eben auf. Und man übersieht, dass die Wand ansonsten weiß ist.
    Die Zufriedenen begehren einerseits nicht auf (die Schüchternen oder Zurückhaltenden in der Regel auch nicht) und sie preisen, loben, freuen sich ihres Lebens auch nicht so lautstark wie die Unzufriedenen.

    An meiner alten Schule waren mehrere Leute, darunter auch "laute" KollegInnen unzufrieden. Das Gros des Kollegiums waren aber A13-ProbezeitlerInnen, A14-AspirantInnen und viele Mäuschen, die den Mund nicht aufgemacht haben. Und doch haben sich Letztere durchgesetzt, was sich auch bei der Lehrerratswahl gezeigt hat und ein weiterer größerer Mosaikstein für meine Entscheidung war, zumindest temporär einmal etwas anderes zu machen.

    Der 16.12. als Ende des Unterrichts vor Weihnachten wird auch in der Rheinischen Post als vom Bund bestritten dargestellt.
    Und falls das doch durchgeht, bleibt für die "betroffenen" Oberstufler alles beim Alten. Die Unter- und Mittelstufe wären dann früher zu Hause, die Lehrkräfte werden sich "freuen", wenn sie dann die dritte Klassenarbeit nach den Ferien korrigieren dürfen.

    Aus der Praxis von 14 Jahren am Gymnasium:

    Es gab natürlich immer mal wieder sozial auffällige SchülerInnen. Die wenigsten davon konnte man aber "loswerden", weil die Leistungen insgesamt OK waren. SchülerInnen, die früh bzw. in der Erprobungsstufe mit zwei Fünfen enden, waren bei uns eher selten - aber die wenigen, die ich miterleben durfte, hatten es in der Tat in den meisten Fällen in sich. Ich kann mich ad hoc nur an eine Handvoll Fälle erinnern, wo wir überhaupt nach der Erprobungsstufe "nach unten" durchgereicht haben.

    In der Regel findet die "Aussortierung" (ich hasse dieses Wort in Bezug auf Menschen, aber es bezeichnet den Vorgang recht präzise) bereits in der Grundschule statt und diese Kinder kommen erst gar nicht ans Gymnasium.

    Ein Vorfall wie eingangs geschildert hätte an meiner alten Schule aber mindestens zur Androhung der Entlassung geführt. Da greifen meines Erachtens aber auch keine milderen Maßnahmen mehr und das Verhalten des Schülers ist geeignet, die pädagogische Arbeit nachhaltig zu erschüttern - vom Vertrauen einmal ganz abgesehen.

    Äh, krank bedeutet: Nix Arbeit, damit werden gesund.

    Wenn ich krank bin, stelle ich kein Material bereit, ich kenne auch keinen Kollegen, der das tut.

    Ausnahmen sind derzeit aber häufig: z.B.: Ich habe leichtes Halskratzen, würde normalerweise in die Schule gehen. Dann arbeite ich natürlich von zuhause aus, da nix krank, sondern VORSICHTSHALBER ZUHAUSE. Diese Kategorie ist tatsächlich neu. Früher gab es nur gesund oder krank.

    Oh, da dürftest Du an einigen Schulen in NRW schief angeschaut werden. An der Schule meiner Frau ist es Standard, dass jede/r Kolleg/In bei Erkrankung erst einmal Material schickt - es wird sogar explizit danach gefragt. An meiner alten Schule war das auch so. Ich habe das auch erst einmal mitgemacht, stellte dann aber fest, dass es nicht sein kann, dass die erste "Sorge" bei morgens festgestellter Erkrankung die ist, wie man schnell noch Material schickt. Parallel dazu muss man ja in der Regel den Tagesablauf der Kinder regeln, so dass dafür eigentlich keine Zeit ist. Da mein Unterricht auch nicht aus reinem "Buch S. X Aufgabe Y" besteht, muss ich mir dann meistens sogar noch etwas extra überlegen.
    Wenn ich wieder im Schuldienst bin, werde ich das konsequent verweigern, es sei denn, der Unterrichtsausfall war vorhersehbar.

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