watweisich
Die Bezirksregierungen sind da aus dem Spiel - da wäre eher das MSB gefragt. Seit es aber eine Vereinheitlichung der Schreibzeit zwischen den Bundesländern gibt, die bei uns ja mit einer Verlängerung Eingang gefunden hat, lässt sich daran im Abiturbereich nichts ändern. Und eine Klausur, hier die in Q2.2 unter Abiturbedingungen zu schreiben, halte ich durchaus für sinnvoll. Im Vorfeld, d.h. in Q1 und Q2.1 sind durchaus kürzere Klausuren möglich; davon sollte man auch Gebrauch machen.
Die KollegInnen mit Doppelkorrekturfächern haben leider die A-Karte gezogen, weil sie aus dem Korrigieren nicht mehr herauskommen und in der Tat mitunter ein eingeschränktes Sozialleben haben. Mir haben diese KollegInnen immer Leid getan, weil sie effektiv deutlich mehr arbeiten mussten als die KollegInnen mit anderen Fächderkombis, die eben tatsächlich in jeden Ferien wegfahren konnten.
Fakt ist, dass man natürlich die Korrekturzeit bis zu einem gewissen Grad minimieren kann, aber darunter geht es eben nicht. Das führt dann mitunter dazu, dass man die 41 Stunden in der Woche nicht halten kann. Rechnet man die Ferien mit ein und zieht den gesetzlichen Urlaubsanspruch ab, müsstest Du in den restlichen Ferien entweder auch 41 Stunden pro Woche arbeiten oder eben diese Zeit auf die Schulzeit draufschlagen. Dann sind es eben keine 41 sonder eher 45 Stunden pro Woche. Wenn wir mal ehrlich sind, dürften die wenigsten KollegInnen in den Ferien 41 Stunden ableisten.
Da ich mittlerweile bei einer Schulbehörde arbeite, habe ich den direkten Vergleich zwischen den klischeehaften 12 Wochen bezahlten Urlaub und nachmittags frei auf der einen Seite und dem ach so anstrengenden 41-Stunden-Vollzeit-Bürojob auf der anderen Seite.
Der entscheidende Vorteil im ÖD im Büro ist das Gleitzeitkonto. Komme ich auf mehr als 41 Stunden in der Woche, bekomme ich die überschüssige Zeit eins zu eins auf mein Arbeitszeitkonto gutgeschrieben. Abhängig von der Zahl der Überstunden kann ich dann mal früher gehen, später kommen oder einen Tag komplett frei nehmen. Ein Bürojob hat auch Arbeitsspitzen, aber ich bin in der Zeit, die ich jetzt dort bin, nicht mal ansatzweise auf mein Belastungslevel wie in der Schule gekommen. Mittlerweile gibt es im ÖD auch die Möglichkeit, regelmäßig bis zu zwei Tagen von zu Hause aus zu arbeiten. Da sind dann auch drei Tage, an denen ich effektiv 11 Stunden außer Haus bin, keine wirkliche Belastung mehr.
Wer behauptet, dass ein Bürojob wirklich 41 Stunden durchgehend hochkonzentrierte, ununterbrochene (Mittagspause mal außen vor gelassen) Arbeit bedeutet, der lügt in der Regel. Und ja, ich gehöre zu denen, die der Ansicht sind, dass unser Beruf ein sehr anspruchsvoller und sehr belastender Beruf ist - im Vergleich zu dem klassischen Bürojob allemal.
Zurück zum Korrigieren:
Ja, es ist scheiße. Ja, es ist frustrierend. Ja, es ist ungerecht gegenüber denjenigen, die das nicht machen müssen. Ja, man muss sich auch bewusst Auszeiten nehmen, denn sonst wird man irre. Nein, ich wollte das nicht 35 Jahre lang machen - daher habe ich bewusst zumindest temporär für etwas anderes entschieden.
Und abschließend: Nein, ich vermisse die Klausuren überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil.