Beiträge von Bolzbold

    Als ich im aktiven Schuldienst war:
    Ich hatte als Lehrer keine Dienstgeräte und hielt alles, was ich für meine Arbeit brauchte privat vor, damit ich überhaupt sinnvoll von zu Hause arbeiten konnte. Natürlich hätte ich auch in der Schule arbeiten können, allerdings hätte alle Tätigkeiten unter der Woche innerhalb der Öffnungszeiten der Schule erledigen müssen - am Wochenende war die nämlich immer geschlossen. Die technische Ausstattung reichte an meiner Schule nicht für >60 Kollegen.
    In der Schule konnte ich den Internetzugang der Stadt nutzen - natürlich mit deutlich geringerer Übertragungsrate als bei mir zu Hause.

    Wo ich jetzt gerade arbeite (Schulaufsicht):
    Wir haben mittlerweile alle Dienstlaptops, die auch in der Dienststelle an einen großen Monitor angeschlossen werden und zusätzlich mit Maus und Tastatur ausgestattet sind. Ich arbeite zwei Tage im Homeoffice, was in NRW im ÖD mittlerweile in vielen Bereichen flächendeckend möglich ist. Dafür habe ich eine entsprechende Grundausstattung zur Nutzung zur Verfügung gestellt bekommen. Natürlich muss ich für diesen Komfort letztlich meinen privaten Internetanschluss verwenden - ebenso für das Telefonieren, da ich noch kein VoIP-Gerät mit Headset habe.

    Hätte ich mich nun kategorisch geweigert, meinen privaten Internetanschluss für die Arbeit im Homeoffice zu nutzen, wäre mir das Arbeiten von zu Hause nicht bewilligt worden. Damit wäre nicht viel gewonnen gewesen.

    Wenn sich also ein Kollege weigert, seinen privaten Internetanschluss für dienstliche Belange zu nutzen, muss er seinen Hintern in die Schule bewegen. Die Gebäude sind ja nicht geschlossen und es besteht in NRW grundsätzlich zumindest anteilig Präsenzpflicht. Der Dienstherr stellt in der Schule entsprechende Infrastruktur bereit - wenngleich auch in stark divergierender Ausstattung. Wer also den häuslichen Komfort vorzieht, wird auch seinen Internetanschluss und sein Telefon verwenden müssen. Wer das nicht möchte - ab in die Schule. Immerhin hat jeder die Wahl.

    Vielleicht sollten wir begreifen, dass die Arbeit von zu Hause auch ein Privileg ist.

    Die Notenvergabe hängt nicht an einer Krankschreibung, es sei denn, durch die Krankheit wäre die sachliche, fachliche und formale Korrektheit der Bewertung nicht mehr gewährleistet. Noten sind nebenbei nicht zustimmungspflichtig - soll sich die Mutter halt beschweren. Vielleicht hätte der Kollege ja eine (noch) schlechtere Note gegeben. Lass mich raten, es war keine Note besser als "Drei"?

    P.S. Ich hoffe, Du bist nicht die Mutter, die sich weigert, die Note zu akzeptieren. So ein Posting als Eingangsposting lässt meinen Alarm immer angehen.

    Ich denke, in den LKs werden die Schüler in der Regel einsichtig sein. Faule und Drückeberger gab es immer schon - und die werden egal, ob Unterricht oder "Corona-Ferien" sind, wenig bis nichts tun. Das entbindet uns nicht von unserer Pflicht, unsere Schüler gewissenhaft auf das Abitur vorzubereiten. Faulheit und Oberflächlichkeit werden sich früher oder später rächen. Da brauchen wir gar nicht selbst aktiv zu werden und uns auf moralisch wie pädagogisch fragwürdiges Terrain zu begeben.

    Anstehende Familienplanung und angeschlagener Gesundheitszustand wären in meinen Augen bereits einzeln betrachtet Ausschlusskriterien. In der Kombination ist es für mich ein absolutes No-Go. Ich weiß, wovon ich spreche, da ich aus beiden Gründen bislang nicht in die Schulleitungsebene gegangen bin. Das ist es nicht wert.

    Also bei Arbeitsblättern, die explizit als Kopiervorlagen gekennzeichnet sind, würde ich das weniger kritisch sehen. Die sind ja zum Kopieren gedacht - und eine Aussage über die Anzahl an Kopien (oder Lerngruppen) wird da ja nicht getroffen.

    Vorgegebene Wortzahlen sind lange vorbei. Die Spitzen in meinem Englisch LK haben auch an die 25 Spalten in der Vorabiturklausur geschrieben.
    Ich habe vele Jahre jede Klausur zweimal gelesen - einmal auf Sprache, einmal auf Inhalt. Das habe ich irgendwann reduziert und lese jede Klausur nur noch einmal, manche Passagen ggf. natürlich mehrmals. Für eine LK Klausur brauche ich in der Regel unter einer Zeitstunde, wobei ich das gemessen an den semi-offiziellen Zeitvorgaben noch für großzügig halte. Würde man nun sich auch nur zwei Minuten Gedanken machen über jedes der 30+ Einzelkriterien in einem kriteriengestützten Raster, käme man vermutlich bei einer durchschnittlichen 1.500-Wörter-Klausur sicherlich auf entsprechend erschreckend lange Korrekturzeiten. Ist die Note, die am Ende dabei herauskommt, jedoch signifikant anders?

    Da wird nicht viel bei herumkommen, da Lehrer in der Politik und in der Gesellschaft nur eine kleine Lobby haben. Gerade in Zeiten des Lehrermangels ist eine Absenkung des Deputats eigentlich nicht machbar - wer soll das denn dann auffüllen?

    Und solange wir in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch zu faul sind, zu viel jammern und zu viel verdienen, wird sich daran auch nichts ändern.

    Danke, ich weiß das. Ich arbeite auch in NRW und kenne die APO-GOSt mehr als nur dem Namen nach.

    Das ist jetzt nicht übermäßig viel - drei Oberstufenkurse waren an meiner alten Schule bei den Hauptfachlehrern noch vergleichsweise wenig.
    Es ändert natürlich nichts daran, dass die Korrekturphasen Scheiße sind.

    Ich habe drei Kinder und hatte in der Vergangenheit eher in Ausnahmefällen die Gelegenheit und die Energie, unter der Woche nachmittags oder abends zu korrigieren. Da war ich in der Regel zu platt für. Somit mussten dann die Wochenenden dran glauben. Ein Kollege von mir hat E/F als Kombi und regelmäßig sechs Korrekturgruppen. Der sieht nur in den Ferien Land - hat aber keine Kinder.

    Ggf. solltest Du Dir bewusst Sozialkontakte bzw. ein außerschulisches soziales Leben aufbauen und pflegen - und dann konsequent die Klausuren drum herum korrigieren. So hast Du ein paar private Highlights, auf die Du Dich freuen kannst, siehst ggf. zwischendurch ein bisschen Land und bleibst nicht im Jammertal stecken.

    @Maylin

    Schön, dass es in Eurer Fachschaft damit klappt. Der Deutschkollege oder die Englischkollegin freuen sich sicherlich dann über die zusätzlichen Klausuren, die sie dann korrigieren dürfen.
    Ganz ehrlich: Das verschiebt das Problem doch nur von einer Fachschaft auf die andere. Bei einer Oberstufe von ca. 100 SchülerInnen müssen die Leute ja irgendwo ihre LKs wählen und schreiben. Es reicht doch schon, dass die zwei aus drei Kernfachregel die Kernfachlehrer überproportional belastet (künftig ja auch noch inklusive ZP10.) Muss man dann als Fachschaft, die in der Sek I keine Korrekturen hat, noch alles dafür tun, dass man selbst weniger Korrekturbelastung hat?
    Da solltet Ihr als Kollegium, das bei der Entlastungsstundenverteilung ja Mitspracherecht besitzt, solidarischer in der Breite sein.

    Ich hätte als Englischlehrer im GK wie im LK auch lieber die Leistungsstärkeren - kriege ich aber nicht durchweg. Ist eben kein Wunschkonzert.

    @Maylin

    Das kannst Du als einzelner Lehrer nur bedingt steuern. Würde man das auf alle Fächer übertragen, würde sich die Katze in den Schwanz beißen. Solche Dinge lassen sich auch nicht von heute auf morgen ändern. Die Rankings der Fächer dürften von Schule zu Schule auch erheblich divergieren.

    Seph

    In diesem konkreten Fall mag das angehen. Wenn Doppelkorrekturfachlehrer das umsetzen, was Du vorschlägst, dann brauchen sie an ein "Fortkommen" wie Beförderung auf A14, Übernahme von Koordinatorenstellen etc. gar nicht einmal zu denken. Das scheinen auch viele Schulleitungen so zu sehen. Wer viel korrigiert, alles andere zusammenstreicht, um die Arbeitszeit im Auge zu behalten, fällt in der Schule nicht weiter auf und bleibt die nächsten 20 Jahre auf A13 - Ausnahmen hier unberücksichtigt. Die DoppelkorrekturfachlehrerInnen sind in den A15-Positionen übrigens erschreckend unterrepräsentiert...

    watweisich

    Die Bezirksregierungen sind da aus dem Spiel - da wäre eher das MSB gefragt. Seit es aber eine Vereinheitlichung der Schreibzeit zwischen den Bundesländern gibt, die bei uns ja mit einer Verlängerung Eingang gefunden hat, lässt sich daran im Abiturbereich nichts ändern. Und eine Klausur, hier die in Q2.2 unter Abiturbedingungen zu schreiben, halte ich durchaus für sinnvoll. Im Vorfeld, d.h. in Q1 und Q2.1 sind durchaus kürzere Klausuren möglich; davon sollte man auch Gebrauch machen.
    Die KollegInnen mit Doppelkorrekturfächern haben leider die A-Karte gezogen, weil sie aus dem Korrigieren nicht mehr herauskommen und in der Tat mitunter ein eingeschränktes Sozialleben haben. Mir haben diese KollegInnen immer Leid getan, weil sie effektiv deutlich mehr arbeiten mussten als die KollegInnen mit anderen Fächderkombis, die eben tatsächlich in jeden Ferien wegfahren konnten.

    Fakt ist, dass man natürlich die Korrekturzeit bis zu einem gewissen Grad minimieren kann, aber darunter geht es eben nicht. Das führt dann mitunter dazu, dass man die 41 Stunden in der Woche nicht halten kann. Rechnet man die Ferien mit ein und zieht den gesetzlichen Urlaubsanspruch ab, müsstest Du in den restlichen Ferien entweder auch 41 Stunden pro Woche arbeiten oder eben diese Zeit auf die Schulzeit draufschlagen. Dann sind es eben keine 41 sonder eher 45 Stunden pro Woche. Wenn wir mal ehrlich sind, dürften die wenigsten KollegInnen in den Ferien 41 Stunden ableisten.

    Da ich mittlerweile bei einer Schulbehörde arbeite, habe ich den direkten Vergleich zwischen den klischeehaften 12 Wochen bezahlten Urlaub und nachmittags frei auf der einen Seite und dem ach so anstrengenden 41-Stunden-Vollzeit-Bürojob auf der anderen Seite.
    Der entscheidende Vorteil im ÖD im Büro ist das Gleitzeitkonto. Komme ich auf mehr als 41 Stunden in der Woche, bekomme ich die überschüssige Zeit eins zu eins auf mein Arbeitszeitkonto gutgeschrieben. Abhängig von der Zahl der Überstunden kann ich dann mal früher gehen, später kommen oder einen Tag komplett frei nehmen. Ein Bürojob hat auch Arbeitsspitzen, aber ich bin in der Zeit, die ich jetzt dort bin, nicht mal ansatzweise auf mein Belastungslevel wie in der Schule gekommen. Mittlerweile gibt es im ÖD auch die Möglichkeit, regelmäßig bis zu zwei Tagen von zu Hause aus zu arbeiten. Da sind dann auch drei Tage, an denen ich effektiv 11 Stunden außer Haus bin, keine wirkliche Belastung mehr.

    Wer behauptet, dass ein Bürojob wirklich 41 Stunden durchgehend hochkonzentrierte, ununterbrochene (Mittagspause mal außen vor gelassen) Arbeit bedeutet, der lügt in der Regel. Und ja, ich gehöre zu denen, die der Ansicht sind, dass unser Beruf ein sehr anspruchsvoller und sehr belastender Beruf ist - im Vergleich zu dem klassischen Bürojob allemal.

    Zurück zum Korrigieren:

    Ja, es ist scheiße. Ja, es ist frustrierend. Ja, es ist ungerecht gegenüber denjenigen, die das nicht machen müssen. Ja, man muss sich auch bewusst Auszeiten nehmen, denn sonst wird man irre. Nein, ich wollte das nicht 35 Jahre lang machen - daher habe ich bewusst zumindest temporär für etwas anderes entschieden.
    Und abschließend: Nein, ich vermisse die Klausuren überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil.

    Aus der Perspektive der Schüler sollte man im Hinterkopf behalten, dass es auch in heutigen Zeiten immer noch nicht selbstverständlich ist, dass alle (!) Schüler über eine vergleichbare IT-Ausstattung verfügen, um entsprechende Arbeitsaufträge zu erledigen.
    Ich warte auch schon auf den ersten publik werdenden Fall von Urheberrechtsverletzungen und entsprechenden Abmahnungen im Falle von Hochladen von Arbeitsmaterial auf Schulhomepages, wenn dort urheberrechtlich geschützte Bilder o.ä. dabei sind.

    Ob man KollegInnen dazu zwingen kann, im Falle von Schulschließungen (d.h. Einstellung des reguären Unterrichtsbetriebs) und nicht ausreichend vorhandener IT-Ausstattung in der Schule selbst auf ihre privaten digitalen Kommunikationskanäle zurückzugreifen, wage ich zu bezweifeln. Auch hier ist die Ausstattung mitunter sehr verschieden. (Gut, wer sich ein Surface Pro X, um mal beim Beispiel eines anderen Threads zu bleiben, zulegt und voll von der Steuer als Arbeitsmittel absetzt und ggf. auch den dienstlichen Anteil seines Internetanschlusses, der wird keine Ausrede mehr haben...)

    Am Beispiel von Corona und künftigen Pandemien zeigt sich sehr deutlich, wie sehr wir in Deutschland doch in der bildungspolitischen Steinzeit leben, wenn es um digitales Lernen geht. Hinzukommt die Keule der Datenschützer in Zeiten, wo faktisch jeder von WhatsApp seine Telefonnummerndatenbank auslesen lässt, bei Instagramm, Snapchat, Facebook und Konsorten jedes noch so peinliche Bild von sich preisgibt.

    Eine landesweite Bildungsinfrastruktur sowie Dienstgeräte für Schüler und Lehrer sind eine nicht unerhebliche Investition, aber nur so könnte bei

    Coronaferien "Lernen zu Hause" funktionieren

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