Was ich sehr wohl bestreite ist der Vorwurf, dass es mir um Genugtuung geht. Mir geht es um Fairness gegenüber den Schülern, die da waren. Mir geht es um den Lerneffekt, der bei der schwänzenden Schülerin hängenbleibt, wenn sie damit problemlos durchkommt. Mir geht es darum, dem Elternhaus die Verantwortungslosigkeit bewusst zu machen.
Wenn Du dem Elternhaus das bewusst machen möchtest, was ich für völlig legitim erachte, dann kannst Du die Schülerin nicht für das Fehlverhalten der Eltern sanktionieren. Gleichzeitig kannst Du auch die Eltern nicht mehr erziehen - wohl aber natürlich klarstellen, dass ein solches Verhalten nicht in Ordnung ist.
Zitat
Die Frage ist, ob Gleichgültigkeit im Schulsystem Platz haben sollte. Wahrscheinlich wäre es leichter für mich, einfach gleichgültig zu sein. Ich kann's nicht.
Es geht nicht um Gleichgültigkeit. Es geht darum, dass, wenn Du im Schulsystem gesund bleiben möchtest, Du Dir gut überlegen solltest, welche Kämpfe Du führst und welche nicht. Hier gibt es meines Erachtens nicht viel zu gewinnen. Ich verstehe die Kausalverkettung, dass die Schülerin dann denkt, dass man mit so etwas durchkommt. Damit muss man leider mitunter leben. Das ist nicht gleichgültig sondern realitätsbewusst.
Gleichwohl kann eine gewisse Gleichgültigkeit durchaus nicht schaden, damit man sich über solche Dinge nicht zu sehr aufregt.
In der Position, in der ich arbeite, erlebe ich täglich folgende Dinge:
- KollegInnen kommen morgens zur ersten Stunde zu spät zum Unterricht oder halten Absprachen (Erledigen von außerunterrichtlichen Aufgaben) konsequent nicht ein, oder kennen geltende Vorschriften nicht etc.
- SchülerInnen schwänzen, täuschen, verhalten sich respektlos, stören den Unterricht etc.
- Eltern stellen überzogene Ansprüche, decken wie von Dir geschildertes Fehlverhalten, sind respektlos gegenüber Lehrkräften etc.
- Die Schulaufsicht möchte mal wieder irgendwelche Statistiken haben, macht neue Vorgaben (u.a. Testerrhoe).
Vieles darunter ist unfair gegenüber den anderen Beteiligten im System Schule. Manches könnte ungeahndet dazu führen, dass man denkt, dass man damit durchkommt. Wieder anderes kann man nicht ändern, weil man nicht in der Position dazu ist.
Ich kann meinen Arbeitsalltag mit den vielen, vielen Dingen, auf die ich stoße oder die bei mir auflaufen und mit ebenso vielen Mikro- und Makroentscheidungen, die zu treffen sind, nur dann emotional stabil und gesund überleben, wenn ich mich bei vielen Ärgernissen nicht im Klein-Klein verliere. Das mag gleichgültig wirken, ist aber eher Langmut und Gelassenheit. Das gelingt mir nicht immer in dem Maße, wie ich mir das wünsche. Und auch ich verliere mich manchmal dann doch im Klein-Klein, aber ich werde jeden Tag besser darin, dies nicht oder wenigstens seltener zu tun. Mein Chef ist mir da ein gutes Vorbild.
Ich habe noch mindestens 16 Jahre, die ich sinnstiftend und gesund arbeiten möchte.