Ich gebe auch zu bedenken, dass die Konzeption guter Mathematikklausur meiner Meinung nach durchaus auch aufwendig ist. Man kann nicht einfach Aufgaben übernehmen, man muss sie alle durch rechnen, sonst übersieht man Fallen. Und man muss (sollte) sie selbst durchrechnen, damit man eine gute Zeitplanung machen kann. Da haben es meiner Meinung nach Sprachkollegen oft einfacher, die quasi fertig sind, sobald sie einen passenden Text gefunden haben.
Dies ist ein deutliches Indiz dafür, wieso eine solche Faktorisierung oder ein Vergleich zwischen dem Arbeitsaufwand in den eigene Fächern und den anderen Fächern erhebliches Konfliktpotenzial birgt. Die eigenen Fächer sind immer (angeblich) aufwändiger als die anderen. Die hier mitschwingende Ignoranz oder Unwissenheit halte ich für sehr problematisch.
SprachenlehrerInnen sind nicht fertig, sobald sie einen Text gefunden haben, weil man bei der Erstellung des Erwartungshorizonts den Text genauso durcharbeiten muss wie später die SchülerInnen, damit der EWH überhaupt in sich stimmig ist. Wenn ich beispielsweise nicht vorher aus eigener Beschäftigung mit dem Text weiß, was man an Analyseergebnissen herausarbeiten kann und welche davon realistischerweise erwartbar sind und welche nicht, laufe ich in ähnliche von Dir erwähnte Fallen, dann wird die inhaltliche Korrektur willkürlich - und dann beschweren sich die SchülerInnen zu Recht, dass man ja nur der Lehrkraft nach der Nase schreiben müsste, damit man eine gute Note bekäme.
Beispiel Englisch:
Der Prozess des Text Findens beschränkt sich nicht auf eine kurze Google-Suche. Jeder Text muss gelesen und auf seine Klausurtauglichkeit hin begutachtet werden (lassen sich daraus die in Englisch die klassischen drei Aufgaben erstellen?) Oft müssen Texte dann noch sprachlich annotiert oder gekürzt werden. In NRW kommt seit einiger Zeit dazu, dass es nicht nur einen einzigen Text gibt sondern entweder einen zusätzlichen Sprachmittlungsteil oder einen Hörverstehensteil. Während der Sprachmittlungstext noch verhältnismäßig schnell gefunden ist, gestaltet sich die Suche nach passenden Hörtexten mitunter sehr aufwändig, hören, überlegen, ob das Ganze sprachlich und inhaltlich passt, dann müssen die Tracks noch geschnitten werden. Es müssen mindestens zwei sein. Dann müssen noch die Fragen zu den Hörtexten erstellt werden - wahlweise mit Multiple Choice oder mit freien Antworten.
Ich beschwere mich nicht darüber, gleichwohl ist die Meinung eines Mathematikers über den Aufwand des Klausurerstellens in einer Fremdsprache - diplomatisch ausgedrückt - nur sehr bedingt hilfreich.