Beiträge von Bolzbold

    Kinder können sich ihre Eltern aber nicht aussuchen!

    Es ist für mich daher selbstverständlich, dass ein Staat wie der unsere versuchen muss, allen hier lebenden Kindern gleiche Chancen zu ermöglichen. Er muss deshalb Wege finden, wie man die Unfähigkeit von Eltern (egal, wie sie aussieht und welche Ursachen diese hat) ausgleichen kann.

    Das ist nicht nur den Kindern gegenüber sozial, sondern auch gesellschaftspolitisch betrachtet sinnvoll.

    Daraus ergibt sich ein Pflichtenwiderstreit im Rahmen des Rechts der Erziehung durch die Eltern und durch den schulischen Erziehungsauftrag.
    Ein weiteres Problem ist der Umstand, dass die Kinder die ersten sechs Jahre ihres Lebens so stark durch ihre Eltern vorgeprägt werden und bereits hier so divergierende Startchancen bekommen, dass es in der (Grund)Schule mitunter schon zu spät ist.

    Die Frage, wie man mit förderunwilligen Eltern umgehen soll, kommt noch erschwerend hinzu. Das würde voraussetzen, dass alle Kinder regelmäßig begutachtet werden - ja ich weiß, die U-Untersuchungen wären ein Ansatz - aber dass dann auch im Nachgang so viel Personal vorhanden ist, um Defizite aktiv auszugleichen - immer unter der Prämisse, dass die Eltern aktiv daran mitwirken.

    Hausaufgaben abzuschaffen wirkt da für mich eher wie eine hilflose Aktion.

    Konkret bedeutet das, dass man bei 12 Stunden Teilzeit durchaus den Unterricht auf fünf Tage gelegt bekommen könnte, aber man als Schule gute Gründe dafür haben müsste, eine übermäßige Belastung im Vergleich zu den VZ-KollegInnen zu rechtfertigen.

    Es bedeutet aber in der Realität auch, dass sich verantwortungsvolle SL darum kümmern, dass das eine wirkliche Ausnahme bleibt.

    Das ist mir zu polemisch. Du möchtest in der chemischen Industrie einfach keinen Produktionsleiter, der selber keine Stöchiometrie rechnen kann, weil sein Abstraktionsvermögen dafür nicht ausreicht. Du möchtest auch keine Softwareentwicklerin, die die Algorithmen, die sie programmiert, selber nicht versteht. Gewisse Berufe erfordern gewisse intellektuelle Fähigkeiten und dafür geht man an eine Universität studieren. Ich habe tatsächlich Sorge um die Leute, die das ganz einfach nicht leisten können und jetzt nach und nach der Automatisierung zum Opfer fallen. Da helfen aber auch keine Förderpläne und mir fällt ehrlich nicht ein, was man gegen diese Entwicklung tun soll. Und nur zur Erinnerung: Ich unterrichte immer schon zwei verschiedene Leistungsniveaus. Die einen gehen an die Universität, die anderen an die Fachhochschule. Ich weiss sehr genau, wie gross der Unterschied ist und wie klein die Schnittmengen sind, die sich andere gerne mal allzu romantisch herbeireden wollen.

    Ich sehe da keine Polemik als vielmehr ein selbstkritisches Hinterfragen unseres Tuns.
    Das schließt nicht aus, dass ich Dir in der Sache, was den Produktionsleiter angeht, völlig zustimme. Solche Leute wollen wir nicht in den entsprechenden Positionen haben. Aber wenn die heutige SchülerInnenschaft das nicht (mehr) hinbekommt, müssen wir uns überlegen, wie wir darauf reagieren. Abschulen (d.h. die betreffenden Kinder einfach an die nächst "niedrigere" Schulform abgeben) mag formal noch ein probates Mittel sein, aber es löst die Probleme nicht.

    Ich beklage innerlich auch den Niveauverlust am Gymnasium, sowohl auf die Klientel bezogen als auch auf die Anforderungen im Abitur. Aber ich kann es nicht ändern, weil diese Entwicklung gesellschaftlich bedingt ist und darüber hinaus (oder als Folge dessen) auch Opfer kurzfristig denkender Bildungspolitik ist.
    Ich versuche, das Beste daraus zu machen. Mehr kann ich nicht tun.

    Wir sind als Gesellschaft nicht durchweg schlauer geworden, dennoch strömen mehr Kinder auf die Gymnasien und an die Unis. Dort beschweren sich die DozentInnen über studierunfähige StudentInnen. Das ist in der Tat ein Problem. Dem können wir aber nicht dadurch begegnen, dass wir es nur benennen und uns beschweren. Wir sind da als Lehrkräfte in der Verantwortung.

    Unser Beruf - und damit unsere Aufgaben und Schwerpunktsetzungen - ist unmittelbar diesem Wandel in der SchülerInnenschaft ausgesetzt. Wenn wir uns nun über "damals war alles besser" oder "alles ist schlechter geworden" beschweren, stellen wir uns hinsichtlich unserer Professionalität ein Armutszeugnis aus. Vielleicht kann man den Wandel auch als Chance bzw. als ständige Herausforderung begreifen, die von uns einen ebensolchen Wandel abverlangt. Vielleicht sind einige von uns schlichtweg stehengeblieben und wissen nicht, wie sie mit der permanenten Entwicklung Schritt halten sollen.

    Da ist es durchaus einmal angebracht, seine Position kritisch zu hinterfragen. Wieso muss denn alles so wie früher sein? Nur weil wir es toll finden und es bequem ist? Und wieso haben wir ein solches Problem mit dem immerwährenden Prozess der Veränderung, den wir nach einigen Jahren bemerken. Wieso kritisieren wir reflexhaft diesen Wandel anstatt unseren eigenen Stillstand auf den Prüfstand zu stellen?

    Hallo und herzlich willkommen in diesem Forum.

    Ich bin auch seit 20 Jahren dabei und habe ebenfalls die Höhen und Tiefen unseres Berufs kennengelernt.
    Die Überwindung des Motivationstiefs beginnt mit der Akzeptanz des status quo. Es mag einigen nicht ganz stimmig erscheinen, aber der Ansatz von Egon Bahr, dass man den status quo nur überwinden könne, wenn man ihn zunächst anerkenne, passt meines Erachtens hier ganz gut.

    Die SchülerInnenschaft hat sich auch meiner Wahrnehmung nach in der Tat in die von der TE beschriebenen Richtung entwickelt. Der Wechsel von einem Top-Gymnasium einer Großstadt am Rhein zu einem Provinzgymnasium - den ich selbst so wollte - hat auch bei mir zu einem anfänglichen Schock geführt, was die hiesige Klientel alles nicht kann. Schnell ist man bei dem Zitat über die Jugend angelangt, das man Sokrates zuschreibt.

    Zur Akzeptanz des status quo gehört auch, dass man nicht primär das Defizitäre bei den SchülerInnen sieht und sich vor Augen hält, dass unsere eigene LehrerInnen mitunter genauso über uns gedacht und gesprochen haben.

    Meine Aufgabe als Lehrkraft mit 20 Jahren Berufserfahrung ist es nun, damit konstruktiv umzugehen. Auch wenn meine SchülerInnen nicht durchweg so leistungsstark sind, so sind es doch überwiegend wirklich nette Kinder, die sich freuen, wenn man sich ihrer annimmt und an sie glaubt. Und sie spüren, wenn man sie primär durch die Defizit-Brille ansieht.
    Ferner ist es keine Kunst, an einem Top-Gymnasium Top-SchülerInnen zu Top-Leistungen zu bringen. Ich schätze meinen Anteil an den tollen Leistungen in meinem Englisch-LK an meiner alten Schule bei vielleicht 15%. Den Rest haben die SchülerInnen selbst mitgebracht. Eine homogene leistungsstarke Klasse oder einen entsprechenden Kurs beim Abitur glänzen zu lassen, kann jede mittelmäßige Lehrkraft.

    Ich habe nun einige Monate mit dem unterirdischen Niveau meines aktuellen Leistungskurses gehadert. Das führt aber zu nichts - außer zu Beiträgen wie Deinem.

    Meine Aufgabe als Lehrer war und ist es, meine SchülerInnen zu fördern und zu fordern und sie dazu zu bringen, dass sie das Beste aus sich herausholen. Und wenn das Beste für das Abitur nicht reichen sollte, dann ist das so. Dafür bin ich dann nicht mehr verantwortlich. Aber ich bin dafür verantwortlich, mit/aus der Gruppe von SchülerInnen, die mir anvertraut wurden, das Beste zu machen. Das mag nun zu idealistisch oder zu moralinsauer klingen, aber letztlich ist genau das unsere Arbeit. Natürlich habe ich auch weniger nette SchülerInnen und solche, die die Arbeit verweigern oder nur mittels KI erledigen. Denen kann ich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr helfen - nicht zuletzt auch deswegen, weil sie sich selbst nicht mehr helfen lassen. Das muss ich dann hinnehmen.

    Gleichzeitig sollte der Umstand, dass sich die Menschheit trotz der scheinbar zutreffenden sokratischen Larmoyanz "über die Jugend" (bzw. wohl eher gegen die Jugend) stets weiterentwickelt hat und dass die vordergründig den Untergang des Abendlandes beschreienden "Untugenden" der Jugend dann doch nicht so apokalyptisch waren wie sie zum Zeitpunkt der Betrachtung erschienen, zur mittel- oder langfristigen Beruhigung beitragen.

    Für NRW sehe ich hier nicht, wie § 17 (3) ADO NRW durch einen Konferenzbeschluss enger gefasst werden kann.

    Daraus würde sich ein Vorschriftenwiderstreit mit den Aufgaben der Schulleitung, die sowohl im Schulgesetz als auch in der ADO aufgeführt sind, ergeben.

    In unserem Fall geht es um eine seltene Erkrankung und einen Facharzt genau dafür. Der nächste freie Termin wäre Ende Juni gewesen. Es widerspricht meinem Verständnis von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dass man hier auf die Gnade des Stundenplanmachers angewiesen ist.

    Also halten wir einmal fest, dass Du ja nun ausgeplant wurdest und den Termin wahrnehmen konntest. Damit warst Du weder auf die Gnade des Stundenplanmachers angewiesen, noch wurde hier das von Dir angeführte "Gebot" verletzt.

    Wie soll das Kind denn dann zum Facharzt kommen?

    Vorweg: Ich habe selbst drei Kinder und kenne solche Probleme.

    Gleichwohl ist die Frage, wie das Kind zum Facharzt kommt, aber tatsächlich erst einmal Dein privates Problem. Wenn es partout keine Nachmittagstermine gibt und man auf den Vormittag muss, dann ist man auf das Entgegenkommen der Schule angewiesen. Einen Anspruch darauf hat man aber nicht.

    Dir Vollständigkeit halber: 20 Krankheitstage insgesamt, also Kinderkrankeitstage und eigene Erkrankung bzw in Folge eines Unfalls.

    Danke, dann hatte ich das falsch gelesen. Es sind dennoch vier Unterrichtswochen mit bei Vollzeittätigkeit über 100 Stunden die dann wahlweise vertreten werden mussten oder ausgefallen sind.

    Letztlich wirst Du irgendwie die Situation mit dem stv. SL bereinigen müssen. Wenn er nicht auf Dich zukommt, kannst Du von Dir aus das Gespräch suchen. Wenn Du das Gespräch mit dem Ziel einer konstruktiven, zukünftig tragfähigen Lösung für diese Fälle führst, dann sollte sich das an sich klären lassen.

    Das ist nachvollziehbar und es ist menschlich, auch mal im Ton danebenzuliegen.

    Trotzdem finde ich durchaus, dass es eine Frage der Professionalität ist, den Vorschlag kurz, aber dankend und freundlich abzulehnen: "Danke fürs Mitdenken, aber ich habe bereits eine Lösung. Alles Gute für die Untersuchung von deinem Kind."

    Das ist nun wirklich nicht zu viel verlangt.

    Und wenn der stv. SL einfach nur einen schlechten Tag, einen schlechten Moment oder sonstwas gehabt hat, was ja durchauch auch okay ist, ist es umso wichtiger, dass jetzt im Nachgang, wenn sich die Gemüter abgekühlt haben, kurz darüber gesprochen wird, warum es zu diesem Konflikt gekommen ist.

    Das steht ja außer Frage. Gleichwohl wissen wir natürlich nicht, wie die weitere Vorgeschichte ist. Es wäre sicherlich professionell, wenn der stv. SL auf den TE zuginge und das Ganze klären würde.

    Am Rande:

    20 Kinderkranktage sind effektiv vier Schulwochen, in denen der TE gefehlt hat, ggf. zuzüglich eigener Erkrankungen.

    Isoliert betrachtet ist das alles verständlich und weder moralisch noch rechtlich zu beanstanden. Je nach Situation an der Schule ist ein Ausfall in dieser Höhe eine Hausnummer - er dürfte ja sicherlich nicht der einzige Kollege mit Kinderkrankheitstagen sein. Eine zufällige Häufung von Erkrankungen und Befreiungen aufgrund erkrankter Kinder kann eine Schule personaltechnisch schon in die Knie zwingen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mehrarbeitsstunden absichtlich falsch berechnet wurden und dass das Recht auf einen freien Tag ignoriert wurde. Falls es dieses Recht geben sollte, ist es gut versteckt, denn ich habe es nicht expressis verbis gefunden.

    Warum sollte eine Schulleitung geltendes Recht bzw. geltende Verordnungen brechen? Damit macht sie sich selbst in erheblichem Maße angreifbar. Es mag solche Typen geben, die sich unangreifbar wähnen und so agieren, dass sich niemand traut, einmal nachzuschauen oder sich an höherer Stelle zu beschweren. Dann gilt aber, dass eine SL immer so weit gehen kann, wie ein Kollegium sie lässt.

    Isoliert kann ich verstehen, dass Dich die Situation belastet. Gleichwohl ist es schwierig, aus der Ferne das Verhalten des stv. SL zu bewerten. Auf der Basis Deiner Schilderungen müssten Dir jetzt alle beispringen und Dir sagen, wie doof der stv. SL war. Das mag emotional zunächst beruhigen, führt aber in der konkreten Situation nicht weiter, zumal wir nicht dabei waren und den Tonfall nicht beurteilen können.

    Wenn ich als Vertretungsplaner einen Kollegen in einer angespannten Personalsituation ausplane, wie er es gewünscht hat, und er dann mit Vorschlägen ankommt, was man noch machen könnte, dann mag das von Dir nett gemeint gewesen sein, gleichwohl gibt es Situationen, in denen ich dann mich nicht auch noch mit dieser oder jener Idee auseinandersetzen wollte. Es kann also durchaus sein, dass Du ihn auf dem falschen Fuß erwischt hast.

    Was möchtest Du konkret? Eine Entschuldigung? Dass der stv. SL durch seinen SL oder die Schulaufsicht Ärger bekommt? Und wie stellst Du Dir mittelfristig Deine Zukunft an Deiner Schule (mit Deinem stv. SL) vor?

    Also an meiner alten Schule war der Gesamtetat deutlich über 20.000 Euro - und das bereits vor zehn Jahren.

    Man musste unbedingt die "Kult"-Location vor Ort buchen, die alleine bei der Saalmiete schon fünfstellige Preise hatte. Die Stufe war um die 100 SuS' groß, man sammelte 250 Euro pro Nase ein und hat auch noch für zusätzliche Ballkarten ordentlich Geld haben wollen. Und wir reden hier nicht über einen Nobelvorort einer Großstadt.

    Vielen Dank, habe den Nebensatz gerade direkt gespeichert. Ich bin nämlich auch in der Rolle des (neu einsteigenden bzw. verantwortlich übernehmenden) Stundenplaners, der sich mit sehr spezifischen Wünschen bzw. fast eher Forderungen konfrontiert sieht.

    Ich bin wirklich nicht auf Konflikt aus, der einige meiner KollegInnen brauchen mal nen Realitätscheck.

    Oft reicht eine freundliche, aber eben auch klare Kommunikation. Du brauchst ja nicht die Zustimmung der betroffenen KollegInnen, gleichwohl habe ich die Erfahrung gemacht, dass, wenn man sich die Mühe macht, die jeweilige Konstellation zu erläutern, die KollegInnen auch eher bereit sind, mal die eine oder andere Kröte zu schlucken - gerade, wenn klar ist, dass das keine Willkür ist.
    Den "Erwartungshorizont" der KollegInnen ein bisschen geradezurücken, kann aber in der Tat auch nicht schaden.

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