Findest Du nicht, dass Du hier ein bisschen überpädagogisierst? Man mag ja generell Verständnis für Referendare aufbringen, die in ihrer Organisation eben nicht so arbeiten wie es im Schulalltag üblich ist. Geschenkt. Aber die Mär vom armen Studenten, der jäh aus seinem behüteten Biotop in und um Uni herausgerissen wird, um nun nur noch als unterdrückter Referendar Stiefel zu putzen halte ich dann doch für übertrieben.
Diese Verständnisnummer und die zwei Seiten der Medaille bei Konflikten und das Banalsieiren als "Missverständnis" fördern unter Umständen sogar das herablassende Verhalten von Kollegen gegenüber Referendaren, vor allem weil es nicht sofort zu erkennen ist. Wenn ich als Erwachsener einen anderen jüngeren Erwachsenen wie einen Schüler an die Hand nehmen muss damit er Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, hinbekommt, dann spreche ich ihm damit mittelbar sein Erwachsensein ab. Oder einfacher ausgedrückt: Wenn ich das einem jungen Erwachsenen noch beibringen muss, kann ich ihn irgendwann nicht mehr wirklich ernst nehmen. Und das drückt sich dann sicherlich auch im Verhalten aus.
Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht - sowohl bei Schülern wie bei Referendaren - dass diejenigen, denen Grundregeln der Höflichkeit und des Umgangs mit Mitmenschen entweder nie gegeben wurde oder abhanden gekommen sind, nicht mit Weichspüler geholfen war sondern mit klaren, deutlichen, aber nicht minder freundlichen Ansagen.
Gruß
Bolzbold