Beiträge von Bolzbold

    Hört sich nett an. Was genau meinst du mit "raubtierkapitalistischen Anlagen"?

    Anlagen, die eben weder nachhaltig sind noch auf ethische Grundsätze Wert legen. Wenn ein Hedgefonds beispielsweise groß bei einem Mietwohnungsunternehmen einsteigt, dann ist das in der Regel nicht zum Vorteil der MieterInnen. Schließlich soll Rendite erzielt werden. Wozu das mitunter führt, kann an in den Medien regelmäßig lesen.

    In dem Moment, wo andere Menschen wegen des Renditestrebens eines Anlageproduktes Nachteile in Kauf nehmen müssen, ist das für mich ethisch nicht mehr vertretbar und fällt für mich unter "Raubtierkapitalismus". (Über binäre Optionen, Leerverkäufe und sonstige Spekulationen auf steigende oder fallende Kurse sowie über Krypto-Mining will ich erst gar nicht reden.)

    Wenn wir unsere SchülerInnen dazu erziehen, selbstständig zu denken, ehrlich zu sich selbst und zu anderen zu sein, sowie neben sich selbst auch andere Menschen wie das Gemeinwohl im Blick zu behalten, zu erkennen, dass sie alleine für ihr Glück verantwortlich sind, dann klappt es auch mit nachhaltigen und nicht raubtierkapitalistischen Anlagen.

    Dass weniger Menschen Lehramt studieren, ist das eine. Wenn aber infolge dessen noch weniger von "den Besten eines Jahrgangs" (wie vor einiger Zeit einmal medienwirksam gefordert) Lehramt studieren und stattdessen eben noch mehr Menschen, denen Arbeitsplatzsicherheit und Beamtenprivilegien wichtig sind, in den Beruf gehen, hat das in meinen Augen noch viel erheblichere Konsequenzen.

    Dann sind wir irgendwann an dem Punkt, wo das untere Mittelmaß aus Angst, in der freien Wirtschaft nicht bestehen zu können, in der Breite in den öffentlichen Dienst strebt - falls das nicht ohnehin bereits der Fall ist. Die Auswirkungen sind teils jetzt bereits erkennbar.

    Bolzbold Ich habe meinen letzten Absatz, den du zitiert hast, nochmals überarbeitet. Aber da warst du wahrscheinlich schon am Schreiben. ;)

    Normalerweise ist das Hierarchiedenken in der Grundschule nicht so ausgeprägt, was die Stellung der Konrektoren betrifft. Konrektor an der Grundschule ist eher ein undankbarer Job, weil man da mit wenigen Deputatsstundenreduzierungen (in der Regel eigene Klasse) verhältnismäßig viel Arbeit hat, vor allem organisatorisch mit dem Schwerpunkt Vertretungen organisieren.

    Die haben auch mit der Beurteilung nichts zu tun. Diese sind eher KollegInnen. Die einzige, die etwas "einsam" an der Spitze steht, ist die Rektorin bzw. der Rektor. Und da kommt es auf das Verhalten der Person an, wie kollegial sie oder er wahrgenommen wird.

    Ich würde vor dem Hintergrund der klaffenden Plausibilitätslücke im Besoldungsgefüge im Zuge der A13-Anpassung im Leben keine KonrektorInnenstelle im GS-Bereich übernehmen. Dasselbe gilt ja für jedwede Beförderungsstelle im Sek I und GS-Bereich. Da hat die Landesregierung sehenden Auges - und anders kann ich mir den hier oft schon zitierten Passus mit der "Prüfung" möglicher Anpassungen nicht erklären - eine erhebliche Gerechtigkeits- und Alimentationslücke geschaffen - und das ohne Not.

    Was die Hierarchien im GS-Bereich betrifft, so habe ich einige GS-Kolleginnen im Bekanntenkreis, die teils abenteuerliche Erlebnisse berichten.

    An kleineren Schulsystemen gibt es leider im Vergleich ähnlich viel Arbeit wie an größeren, aber die Leitungszeit ist deutlich niedriger. Das mag mathematisch plausibel erscheinen, ist aber ähnlich zu kurz gedacht wie das pauschale Vergüten des "Normaufwands" bei Vollzeit- wie bei Teilzeitkräften.

    Das andere wurde schon erwähnt: Wenn sich jemand zu dir so verhält, dann das Gespräch suchen, damit du Klarheit bekommst. Ich würde aber versuchen, mich von einem solchen Verhalten nicht unter Druck setzen zu lassen. Diese Art finde ich unkollegial. Wenn die Kollegin dir etwas zu sagen hat, dann soll sie es klar, sachlich und nett äußern.

    Ich könnte mir vorstellen, dass die Kollegin, vielleicht auch aus der Hierarchie heraus, selbst nicht dazu in der Lage ist zu kommunizieren und möglicherweise ähnlich grübelt, was dann zu der entsprechenden Situation beiträgt.

    Aus verschiedensten Situationen habe ich die Erfahrung gemacht, dass direkte Ansprache zunächst "abschreckend" wirkt. Wenn sich daraus aber ein konstruktives und von gegenseitiger Wertschätzung geprägtes Gespräch ergibt, lässt sich vieles klären - und am Ende fragt man sich, wieso man das nicht schon längst gemacht hat.

    Für die Person, die hierarchisch weiter oben steht, ist das eigentlich leichter im Vergleich zur anderen Person. Dafür muss man aber professioneller sein und sich dessen bewusst sein, dass jedes Gespräch - und sei es tatsächlich primär (fach)kollegial - eben auch vom Gegenüber mit der Brille "da spricht die Schulleitung mit mir" gesehen wird.

    Wir ermutigen in der Regel unsere SchülerInnen dazu, ihre Konflikte oder Probleme mit Lehrkräften selbst zu lösen - und da ist die Angst vor Konsequenzen in Form einer schlechten Note viel begründeter, weil im Unterricht ständig bewertet wird. Das ist auf kollegialer Ebene - auch wenn Schulleitung beteiligt ist - eigentlich nicht der Fall. Wenn wir unsere SchülerInnen dazu ermutigen, mit ihren Lehrkräften das Gespräch zu suchen, dann können wir als Erwachsene ja schlecht sagen, ja aaaber, von miiir kann man das nicht erwarten.

    Da Du, liebe Sandra, jetzt selbst den Entschluss gefasst hast, dieses Gespräch zu suchen, sollte sich das Ganze eigentlich im Guten klären lassen. Berichte doch mal, wie es gelaufen ist.

    Also wenn die TE seit vier Jahren verbeamtet ist, kann ihr die schlechte Beurteilung, die sie vermutet, sofern sie keine Beförderungsstelle haben möchte, herzlich egal sein.

    Was mich an diesem und an einigen anderen Threads wundert, ist, wieso man so viel Zeit mit Grübeln und Zweifeln ver(sch)wendet, anstatt das Problem direkt anzusprechen. "Hör mal, ich habe den Eindruck, dass wir bisher noch nicht so zusammengearbeitet haben, wie das bei den anderen KollegInnen der Fall ist. Ich nehme außerdem wahr, dass die Atmosphäre zwischen uns beiden angespannt ist. Was können wir tun, um das zu ändern?"

    (Ich hatte tatsächlich neulich ein ganz ähnliches Gespräch, das die Person, die das an mich herangetragen hat, und ich zu unserer Zufriedenheit klären konnten - und ich weiß, dass das der Person nicht leicht gefallen war, auf mich zuzukommen.)

    Einmal abgesehen davon: Von einem Mitglied der Schulleitung kann man da durchaus mehr Souveränität und Professionalität erwarten.

    Hier ist gerade einmal ca. ein halbes Dutzend Perspnen aktiv und ich als offensichtlich als 'Störenfried' empfundene ausschl. Gegenstimme... die allerdings doch erfahrunsgem. (anekdotische Evidenz) in der echten Welt deutlich verbreiteter als hier ist. Der 'Diskurs' hier ist schon äußerst speziell (alleine dessen Homogenität, Hermetisierungsversuche und Fluten an roten Heringen) und nicht repräsentativ (es hilft vielleicht, mal mit Menschen außerhalb der eigenen Blase über derartiges zu kommunizieren - deshalb bin ich hier). Es sind Themen, die durcaus öfter diskutiert werden (müssen), auch weil sie (wie dieser Thread denonstriert) extrem sozio-kulturell und -polit. aufgeladen sind und unser professionelles Handeln betreffen.

    Also ursprünglich ging es um einen angeblichen "massiven Punktabzug" in einer Klausur, in der ein falsches Pronomen verwendet wurde. Die TE gab ferner an, ein Problem mit der Genderdebatte zu haben.
    Die Frage der Bewertung der Klausur ist isoliert betrachtet ein völlig triviales Problem und hätte unter anderen Prämissen auf einer ganz formalen Ebene abgehandelt werden können. Da hätte es vielleicht zehn Beiträge gebraucht, also statt aktuell 27 (mit diesem Beitrag nun 28) Seiten gerade einmal eine.

    Mir scheint jedoch, dass die (selbsternannte) geistige Elite dieses Landes keine anderen Probleme sieht, als solche Themen wie die Frage nach Pronomen bei nicht binären Personen zur Frage des Wohl und Wehes des Abendlandes zu stilisieren. Wer regelmäßig die ZEIT liest, muss zwangsläufig zu diesem Ergebnis kommen.

    Du erachtest Dich als Gegenstimme, siehst den Diskurs hier als zu homogen und nicht repräsentativ und hättest gerne, dass wir mal mit Menschen außerhalb unserer Blase diskutieren, weswegen Du hier bist. Das kann man als anmaßend erachten, insbesondere - und das schrieb ich ja bereits, wenn Dein Duktus dazu geeignet ist, Deinem Gegenüber die vermeintliche diskursive Unterlegenheit zu demonstrieren. Auch wenn das nicht Deine Absicht ist, so kristallisiert sich dennoch immer stärker das so genannte Geisterfahrersyndrom heraus.

    Was hier hilft oder nicht hilft und worüber es sich hier lohnen würde zu diskutieren oder nicht, wird letztlich von den UserInnen hier bestimmt. Dieses Forum dient als Austausch innerhalb einer Blase - und das ist in weiten Teilen genau SO gewollt. Ich unterstelle einmal, dass die meisten UserInnen sich in ihrem Privatleben auch außerhalb dieses Blase bewegen und in einer persönlichen Diskussion anders auftreten. Träfe ich hingegen außerhalb meiner Blase - beispielsweise auf einer Party - in einer Diskussion auf eine Person, die ähnlich aufträte wie Du, dann überlasse ich es der Imagination der UserInnen hier, wie intensiv, wie lang und wohin sich diese Diskussion entwickeln würde. Das Ganze hat in meinen Augen auch einen missionarischen Charakter - und ich mag nicht missioniert werden.

    Fazit:
    Ich glaube, hier passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Wenn wir nun einmal lautere Motive unterstellen, dann stellt sich für mich dennoch die Frage cui bono?

    Das ist natürlich Unsinn.

    Nicht ganz. Und das ist seit Jahren der Grundtenor nicht nur des OVG NRW. Diesen Passus findet man unter vielen Urteilen, in denen es um ähnliche Streitgegenstände geht.


    Ich zitiere:
    "Insoweit ist bei der Überprüfung schulischer Noten zu beachten, dass die Notenfindung als solche einer Kontrolle durch das Gericht nicht zugänglich ist. Es unterliegt einer dem Prüfer oder Lehrer vorbehaltenen, gerichtlich nicht überprüfbaren prüfungsspezifischen Wertung, welche Noten oder wie viele Punkte er vergibt, wie er den Schwierigkeitsgrad einer Aufgabenstellung einordnet, wie er verschiedene gestellte Aufgaben untereinander gewichtet und auch, wie er Stärken und Schwächen in der Bearbeitung sowie die Überzeugungskraft der Argumentation und die Bedeutung eines Mangels gewichtet.

    39

    Vgl. OVG NRW, Beschluss vom 15. Januar 2021 – 19 E 815/20 –, juris, Rn. 11, unter Bezug auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts im Prüfungsrecht.

    Quelle:
    Verwaltungsgericht Düsseldorf, 18 K 5912/20

    Näheres findet man in der VV zu § 43 APO-GOSt. Diesen Passus sollte jede Lehrkraft kennen, die in der Oberstufe unterrichtet.

    Ich zitiere (Hervorhebungen durch mich):
    43.1 zu Absatz 1

    43.1.1 Auch außerhalb des Abiturverfahrens kann weiterhin gegen schulische Entscheidungen, die Verwaltungsakte sind, bei der Schule Widerspruch eingelegt werden; hierüber sind die Schülerinnen und Schüler sowie deren Erziehungsberechtigte schriftlich zu belehren. Die Durchführung des Widerspruchsverfahrens richtet sich nach den geltenden Rechts- und Verwaltungsvorschriften.

    Mit Widerspruch angefochten werden können u.a. die Nichtversetzung, das Nichtbestehen der Nachprüfung, die Entlassung aus der gymnasialen Oberstufe wegen Überschreitens der Höchstverweildauer, die Kursabschlussnoten aus der Qualifikationsphase, die Nichtzulassung zur Abiturprüfung, das Nichtbestehen der Abiturprüfung.

    Einzelnoten können nur ausnahmsweise mit Widerspruch angefochten werden, wenn die beantragte Anhebung der Einzelnote auch die Änderung eines Verwaltungsaktes (z.B. Versetzungsentscheidung, Zuerkennung eines Abschlusses, Gesamtqualifikation/Durchschnittsnote im Abiturzeugnis) herbeiführt.

    Gegen Einzelnoten und gegen die Kursabschlussnoten der Einführungsphase, die keine Verwaltungsakte sind, kann in der Regel nur innerhalb von sechs Monaten Beschwerde erhoben werden. Über die Beschwerde entscheidet die Fachlehrerin oder der Fachlehrer nach Beratung durch die Schulleiterin oder den Schulleiter sowie durch ein Mitglied der Fachkonferenz. Die Schulleiterin oder der Schulleiter unterrichtet die Beschwerdeführerin oder den Beschwerdeführer schriftlich über die Entscheidung und begründet sie. Wird der Beschwerde nicht stattgegeben, entscheidet auf Verlangen der Beschwerdeführerin oder des Beschwerdeführers die obere Schulaufsichtsbehörde.

    Unberührt bleibt die Befugnis der Schulleiterin oder des Schulleiters, die Notengebung einer Lehrkraft zu beanstanden (§ 21 Absatz 4 ADO - BASS 21-02 Nr. 4).

    PaPo

    Da die Diskussion seit unserem letzten Austausch ja deutlich weitergegangen ist, möchte ich nur noch auf zwei Dinge eingehen, ohne es dabei an grundsätzlicher Wertschätzung für Deine ausführlichen Erwiderungen vermissen zu lassen.

    Der Sinn dieses Forums dient primär dem fachlichen (und sicherlich oft auch unsachlichen) Austausch von Lehrkräften und solchen, die es werden wollen. Das ist auf der Beschreibungsebene dann dichter am Stammtisch dran als an einer dialektischen Disputation. Du hattest die Sorge um die mögliche Außenwahrnehmung. Diese Zweifel oder gar Sorgen teile ich nicht, weil ein Deinem Desiderat eines Diskussionsniveaus entsprechender Stil meiner Wahrnehmung nach viel befremdlicher auf Externe wirken dürfte als das unser jetziger Stil tut.
    Man würde uns in diesem Fall vermutlich überhaupt nicht mehr verstehen und in den Augen mancher Eltern inkommodierendes LehrerInnenverhalten genauso oder noch viel stärker als Folge eines solchen Gebarens erachten.

    Was meinen Diskussionsstil Dir gegenüber betrifft, wo Du ihn weiter oben erwähnt hattest, so habe ich in der Diskussion, die die TE gestartet hatte, überhaupt nichts mehr auf der Fachebene beizutragen, da ich diese Diskussion für völlig obsolet halte vor dem Hintergrund der tatsächlichen Auswirkungen auf die Bewertung einer Klausur. Mir war wichtig, Dir vor Augen zu halten, weshalb Du hier offensichtlich aneckst, angegangen wirst und weshalb Dein Diskussionsstil hier nicht auf positive Resonanz stößt. Da ich da emotional auch gar nicht involviert bin, kann ich das ganz sachlich darstellen.

    Ich denke, dass über das ursprüngliche Thema der Klausur alles gesagt wurde (nur ggf. noch nicht von jedem, wie bei Lehrkräften üblich). Vielleicht kann man dieses Thema dann ruhen lassen und sich anderen Dingen widmen - gerade wenn man in der Sache nicht weiterkommt.

    Schmidt, der hier btw nicht so wirkt (Stichwort: Smileys und mittlerweile z.T. auch gelöschte Kommentare), als ob er "mit anderen in eine Diskussion kommen" wolle, tätigte hier eine unterstellende Behauptungen über Intentionen (wohlgemerkt nach meiner umfangreichen Antwort an Bolzbold, die derartige Unterstellungen eigtl. Lügen strafen sollte). Aber OK, is' halt nur die übliche Provokation. ¯\_(ツ)_/


    Und: Ist das eine ubiquitäre Gesetzmäßigkeit oder irgendwie zeit-, ort-, milieubezogen o.ä.? In meiner 'Filterblase' habe ich diese Gesetzmäßigkeit nämlich noch nie beobachtet...

    Vorab vielen Dank für Deine sehr ausführliche und elaborierte Antwort auf meinen Beitrag weiter oben.

    Ich möchte darauf wie folgt eingehen:

    Es gibt diese wunderschöne Szene bei "Shakespeare in Love" - ich zitiere aus dem Skript (Hervorhebung durch mich):

    HENSLOWE
    Will! Where is my play? Tell me you
    have it nearly done! Tell me you have
    it started.
    (desperately)
    You have begun?

    WILL
    (struggling with his boots)
    Doubt that the stars are fire, doubt
    that the sun doth move

    HENSLOWE
    No, no, we haven't the time. Talk
    prose. Where is my play?

    Ich denke, das trifft es im Kern ganz gut.
    Auf Deine Filterblase bezogen bedeutet das, dass die Filterblase hier anders ist. Hier findest Du keine exklusiven wissenschaftlich-dialektischen Diskurse, weil das in den allermeisten Fällen nicht unseren Interessen entspricht und es uns zwar nicht intellektuell aber zumindest energetisch und geduldsmäßig überfordert, auf Deine Beiträge auch nur ansatzweise so einzugehen wie Du es bei unseren Beiträgen tust.

    Um es metaphorisch auszudrücken und jegliches Hinken eines Vergleichs einmal zu ignorieren, erwarte ich in einer Pommesbude im Bahnhofsviertel weder das Interieur, noch die Speisekarte, noch die Speisen eines Sternerestaurants in Paris - ganz gleich, ob ich mich ansonsten gewöhnlich dort bewege oder gerade von dort komme. In der Pommesbude gibt es Currywurst und Pommes - Coq au vin oder ähnliches wird man dort vergeblich suchen. Das ist zweifellos einfach nicht der richtige Ort dafür.

    So verhält es sich hier mit diesem Forum.

    Ich möchte noch eine Aussage von Dir aufgreifen:

    Zitat

    Mir wäre es schon hinreichend, wenn trotz aller vorgetragenen Aversion oder wenn zumindest der ein oder andere stille Mitleser evtl. das ein oder andere als Anstoß zur Rumination (bspw. über das Thema, logische Fehlschlüsse und korrespondierende Diskurse etc.) nutzt.

    Ich weiß, wie Du das meinst, dennoch muss ich dabei mein spontanes Gefühl des Belehrtwerdens bewusst ausblenden. Wenn der Anstoß zum tiefgründigeren Nachdenken Dein Ziel oder Deine Hoffnung ist, dann muss dieser Anstoß situativ angemessen und adressatengerecht sein.

    Wir dürften hier auf der Basis des uns vorliegenden Textkorpusses hinreichend Fundstellen haben, die das Scheitern dieses Ansinnens belegen.

    Um es einmal ganz schlicht zu formulieren auf die Gefahr hin, Redundanz zu erzeugen:
    Hier schreiben studierte Menschen, die überwiegend im aktiven Schuldienst sind und

    • Sorgen und Nöte haben
    • Tipps und Hilfe benötigen
    • sich einfach nur einmal auskotzen wollen
    • in Einzelfällen sich profilieren wollen
    • ihre Meinung zu bestimmten Sachverhalten oder zu Problemen oder dem Verhalten anderer UserInnen kundtun möchten
    • Tipps und Hilfe geben möchten
    • Erfahrungswerte austauschen wollen
    • in den allermeisten Fällen kein Interesse an einer dialektischen Disputation haben

    Die Folge davon ist, dass Du wahlweise angegriffen wirst, ignoriert wirst, man sich den einen oder anderen Schlagabtausch gibt, aber dann aufhört und Du nicht die Repliken oder die Reaktionen, die Du Dir erhoffst, erhalten wirst.

    Das schließt aber eben nicht aus, dass die allermeisten UserInnen wahrscheinlich tolle Fachlehrkräfte sind.

    PaPo

    Ich hätte eine ernst gemeinte Frage:
    Wenn Du Dir die Reaktionen auf Deine Beiträge aus einiger Distanz anschaust, glaubst Du, dass die in vielen Fällen nicht gelingende Kommunikation primär an dem defizitären Kommunikationsverhalten der anderen, hier teils seit Jahren aktiven UserInnen liegt, oder wäre es denkbar, dass hier auch andere, bei Dir liegende Faktoren eine Rolle spielen?

    Das Folgende mag den Charakter des "ad hominem" erfüllen, aber das nehme ich hier in Kauf.

    Ich bin nun kommunikativ und rhetorisch beileibe nicht unerfahren oder unversiert, komme aber nicht umhin, Deinen Kommunikationsstil als anstrengend zu empfinden. Würde ich Dir in gleich welchem Thread auf eine Erwiderung Deinerseits (auf einen beliebigen Beitrag von mir) antworten, so hätte ich zu erwarten, dass ich von einem rhetorischen Bulldozer überrollt werde.

    Warum ist das so?

    Mir fällt bei den allermeisten Deiner Beiträge auf, dass Du nicht exklusiv auf der Sachebene argumentierst, sondern für gewöhnlich auch in Kombination mit der Meta-Ebene. Dabei verwendest Du relativ regelmäßig Etikettierungen für Argumente (oder auch das, was Du nicht als Argument erachtest) des Gegenübers. Sei es der rote Hering, das Gaslighting, ad hominem oder was auch immer.

    Ich nehme das einerseits als eine hochentwickelte Form der Diskussion wahr, gleichwohl geht diese zum Teil ins Leere, weil - das ist meine Wahrnehmung - viele UserInnen sich hier gar nicht die Zeit und die Mühe machen wollen (ob sie es dennoch könnten, maße ich mir nicht an zu beurteilen), um auf auf Deine wortreichen Repliken auf ähnliche Weise zu reagieren. Das lässt die Diskussion zwischen Dir und den einzelnen UserInnen relativ schnell im Sande verlaufen.

    Während des Schreibens dieses Beitrags merke ich gerade selbst, dass ich signifikant mehr Zeit und gedankliche Energie aufwende, als ich das für gewöhnlich bei den allermeisten meiner Beiträge tun muss. Wenn ich dann auch noch damit rechnen muss, dass mein Beitrag auf mannigfaltige Art und Weise sachlich wie meta-kommunikativ zerpflückt wird und mir damit eine vermeintliche Unterlegenheit suggeriert wird, dann schreibe ich lieber in derselben Zeit fünf hilfreiche Beiträge zu verschiedenen Anliegen und habe den Eindruck, dass das irgendwo weitergeführt hat. Vom Ergebnis her führt das dann dazu, dass ich Dich weitgehend ignorieren würde.

    Ich habe in einem Forum wie diesem keinen Anspruch, keine Zeit und keine Energie dafür, Eloquenz, Argumentation und Rhetorik auf dem Niveau großer PhilosophInnen zu führen.
    Rein deskriptiv auf der Basis von 20 Jahren Erfahrung in diesem Forum wage ich zu behaupten, dass die überwältigende Mehrheit der UserInnen hier ähnlich denkt und handelt. (Ja, es gab hier auch Ausnahmen bzw. einen insgesamt eloquenteren Diskussionsstil, aber der hat sich mit dem Generationenwechsel, der auch vor diesem Forum nicht Halt gemacht hat, einfach verändert.)

    Das führt mich zu dem Fazit, dass Du hier vermutlich nicht glücklich wirst, wenn Du in der diskursiven Spitze einsam Deine Kreise ziehst. Du wirst hier kaum auf Gleichgesinnte treffen. Das ist jedoch kein diagnostizierbares Defizit auf unserer Seite. Es ist einfach der Geist dieses Forums. Gleichwohl suggeriert Dein Kommunikationsstil einen Anspruch auf Überlegenheit bzw. die Demonstration der Unterlegenheit des Gegenübers. (Den Einwand, dass das unser Problem wäre, weil wir uns den Schuh ja nicht anziehen müssten, lasse ich hier nicht gelten. Die Verantwortung für gelingende Kommunikation tragen Sender und Empfänger.)

    Falls Du den Wunsch haben solltest, hier mittelfristig ein integrierter und geschätzter Teil dieser Community zu sein, lege ich Dir ans Herz, aktiv zur gelingenden Kommunikation beizutragen. In der gegenwärtigen Form ist dies nicht der Fall.

    Kann ich mich nicht gegen diese grausliche belastende Arbeitsverdichtung wehren… Pech gehabt, zur falschen Zeit an der falschen Schule?

    Das ist in der Tat erst einmal sehr ärgerlich. Als verantwortlicher Stundenplaner kann ich aber Schiris Worte nur unterstreichen. Die Schulleitung wie auch das von ihr geführte Stundenplanteam werden überlegt haben, wie man diesen Ausfall kompensieren kann. Womöglich haben sie hier tatsächlich keine weitere Möglichkeit gesehen, als Dir dieses Aufgabe zu übertragen.
    Ich habe in einem ganz aktuellen ähnlichen Fall vorher mit den betroffenen KollegInnen gesprochen und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten ausgelotet, die eine Entlastung bringen könnten. In der Folge gab es dann auch keine Beschwerden.

    Ich würde an Deiner Stelle das Gespräch mit der SL suchen - je nach Lage vor Ort in Begleitung eines Mitglieds des Lehrerrats und darum bitten, dass Du an anderer Stelle entlastet wirst. Die Alternative wäre eine prophylaktische Überlastungsanzeige, damit man Dir im Extremfall keinen Vorwurf machen kann, wenn Dinge dann nicht mehr so gut laufen wie vorher.

    Es gibt eben das Bedürfnis bei vielen Menschen, sich irgendwo in der ungeschriebenen sozialen Hierarchie einzuordnen - und da im Idealfall oberhalb des Gegenübers. Und falls das nicht gelingt, müssen eben Begründungen (vulgo Ausreden) her, wieso die Umstände und was auch immer daran schuld sind.

    Ich glaube, dass ich weder schlecht dastehe noch mich irgendwo verstecken muss. Wichtig ist, dass ich mit dem, was ich mache, zufrieden bin und mit meinem Privatleben glücklich bin.

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