Frage an die Geschichts- oder geschichtsinteressierten Kollegen: Die deutsche und die russische Geschichte unterscheiden sich ja doch recht deutlich, aber gibt es irgendwelche Gemeinsamkeiten, die helfen könnten, Russland zu demokratisieren wie es nach Ende des 2. WK auch in Deutschland möglich war?
Du hast die Antwort implizit gegeben. Russland müsste eine totale Niederlage - jetzt für den Moment einmal unabhängig vom Ukraine-Krieg - erleiden, so dass auch die Bevölkerung merkt, dass es so nicht mehr weitergehen kann.
Das ist aber völlig utopisch.
Russland wurde spätestens seit dem 16. Jahrhundert autokratisch regiert. Beginnend mit Iwan IV., im Deutschen auch "der Schreckliche" genannt, über die Herrscher des 19. Jahrhunderts, die sich zentralen Reformen lange entgegengestellt haben, über die Februarrevolution, mit einem kurzen demokratischen Intermezzo unter Kerenski, zur bolschewistischen Revolution und dann eben von 1917 bis 1989 an sowjetischer Totalitarismus. Ich bin fern davon, ein Volk pauschal zu be- bzw. verurteilen, aber das russische Volk kennt nichts anderes als Autokratie und Unterdrückung. Entsprechend empfänglich sind die Menschen für die Sprache der Macht bzw. sprechen selbst diese Sprache.
Bezüglich einer Demokratisierung mache ich mir da keine Illusionen. Das kann das russische Volk aktuell nicht aus sich selbst heraus erlangen.