Wundere mich, dass hier sowohl das Referendariat mit seinem Praxisbezug als auch die Uni mit ihrem Nichtpraxisbezug ständig bekritelt werden. Denken manche, dass sie intuitiv alles allein könnten? Dass die Bücher, aus denen ihr euer Wissen habt vom Himmel fielen?
Man verfällt in einer Ausbildungssituation leicht in ein Schülerverhalten und gibt gern den Lehrern die Schuld daran, wenn etwas nicht so läuft. Man müsste eigentlich neugierig sein, aber man stellt die Borsten auf. Ich stelle das gelegentlich an mir selbst fest, wenn ich in einer Fortbildung sitze. Ja, es ist irgendwie kindisch.
Theorie ist ja sozusagen geronnene Praxis. Das ist ja gerade das Wertvolle daran: Dass man sich aus dem Alltagsgeschäft löst und die Dinge von einer höheren Warte aus betrachtet. Mir hat das immer Spaß gemacht und ich kann mit dem destruktiven Gejammer vom fehlenden Praxisbezug auch nichts anfangen. Die praktische Erfahrung muss man sich ohnehin selbst erarbeiten.
Meine Ausbildung im Seiteneinstieg war auch kein bisschen praxisfern. Die Dozenten waren alle aktive Lehrer und wir sprachen viel über das Alltagsgeschäft. Die theoretischen Themen wurden immer auch aus der Perspektive der Praxis behandelt. Man redet ja auch nicht nur mit den Dozenten, sondern auch miteinander.