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Also, Referendare, Quer-, Neu- und Seiteneinsteiger: Überlegt euch gut, wo ihr als Lehrer anheuert. Nicht, dass das vielgepriesene Lehergehalt am Ende nur für die Kundenkarte beim Discounter und die 1-Zimmer-Wohnung im Souterrain reicht...
Gruß !
Eigentlich wollte ich jetzt einen Hassknecht-mäßigen Rant absondern über Lehrer und ihr ewiges Gejammer über ihre Gehälter... aber ich fürchte, das ist ohnehin vergebliche Liebesmüh. Deshalb nur ein paar Zahlen zu den oben genannten Durchschnittsgehältern:
3.619 brutto sind gerade mal 2.557,17 netto (verheiratet, StKl III, 2 Kinderfreibeträge), aus den scheinbar üppigen 4.635 in Ingolstadt werden so 3.123 netto. Ingolstadt ist übrigens aus naheliegenden Gründen so gut - die Autohersteller haben traditionell immer recht gut bezahlt. Ist aber in Zeiten von "Werkverträgen" und Zeitarbeit weitgehend passé, also jetzt nicht kündigen und bei Audi anheuern, gell! Übrigens habe ich als angestellter Lehrer in E13/5 nochmal fast tausend Euro mehr Brutto als der Durchschnittsingolstädter (der dazu noch in Ingolstadt leben muss), hinke damit aber dem Beamtennetto natürlich deutlich hinterher.
Noch mehr Zahlen gefällig? Gern: Mein Vater war Hauptschullehrer, A 12, also nix dolles. Er bekommt momentan eine Pension in Höhe von ÜBER 3.000 EURO. Zum Vergleich: Die theoretisch höchste mögliche gesetzliche Rente (nein, die bekommt so niemand, das ist nur eine Rechengröße!) beträgt momentan ca. 2.600 Euro. Und es komme mir jetzt keiner mit irgendwelchen Betriebsrenten: Für die muss der Arbeitnehmer vorher selbst in die Tasche greifen, und die Möglichkeit, auf eigene Kosten Zusatzrenten abzuschließen, steht auch dem Beamten offen, der für seine üppige Pension nicht einen Pfennig selbst einzahlen muss, sondern auf Kosten der Allgemeinheit lebt (also auch des Durchschnittsverdieners aus Hamburg).
So, nächster Fakt: Urlaub. Ja, Lehrer haben zwölf Wochen Urlaub, Punkt. Auch wenn die einen oder anderen Ferien der Korrektur und Planung gewidmet werden müssen - es sind doch Zeiträume, in denen der Wecker dann mal zwei Stunden später oder gar nicht klingeln muss. Und wenn ich in bestimmten Ferien gern wegfahren will, dann kann ich mir das normalerweise schon hinorganisieren. Und wenn ich im Sommer gern sechs Wochen am Stück wegfahren will, dann tu ich das. Und zwar ohne dass ich es - wenn es überhaupt geht; in jeder Position, die besser bezahlt wird als das Lehramt, dürfte es fast unmöglich sein - zwei Jahre vorher mit dem Arbeitgeber und meinen Kollegen im Team abstimmen und eventuell Urlaubstage ansparen muss, damit ich in diesem Jahr auch anderweitig noch ein paar Tage Urlaub übrig habe. Zugegeben: Sechs Wochen Neuseeland über den Jahreswechsel wird schwierig. Muss aber vielleicht auch nicht sein.
Ach so, um auf das dämliche Argument mit den vor den Ferien angehäuften Überstunden noch kurz einzugehen: Ja, die gibt es. Wie könnte ich es als langjähriger D-E-Oberstufenlehrer bestreiten? Die gibt es aber in vergleichbarer Menge auch in jedem (finanziell und qualifikationsmäßig) vergleichbaren Job. Und es möge doch bitte keiner denken, dass in der Wirtschaft Überstunden in Zwei-Wochen-Blöcken abgebaut werden können! Wenn überhaupt, gibt es da dann mal ein paar Tage frei oder ein paar verkürzte Tage; wenn entsprechend zu tun ist, wird halt ausgezahlt. Ist für normale AN genauso unattraktiv wie für Beamte.
In nuce: "Lehrer plus Hausfrau" ist schon lange kein Modell mehr, das irgendwelchen Luxus erlaubt, aber das ist "irgendeinberuf + Hausfrau" auch nicht mehr. "Lehrerehepaar" hingegen dürfte hinsichtlich Einkommen und Work-Life-Balance immer noch schwer zu übertreffen sein. Unsere Nachbarn sind heute morgen für vier Wochen mit Kind, Kegel und Wohnwagen nach Kroatien abgedampft. Das können nur Lehrer. Amen.
Ich denke, es wäre sinnvoll, wenn Lehrer sich über die Dinge aufregen würden, die es wert sind - z.B. ihre Arbeitsbedingungen, die Ausstattung ihrer Schulen und dergleichen. Die Gehälter gehören nicht dazu; noch weniger, wenn man auch noch die Zugänglichkeit des Berufs in Betracht zieht.