Beiträge von fossi74

    Ist der Bedarf an einer Schule wie dem Gymnasium, wo man ja Zahlen bzgl. Grundschüler, Übertrittsquoten und Pensionierungen hat, wirklich so schwer voraus zu berechnen?

    Ich sag ja immer: Es ist toll, dass es geschützte Werkstätten gibt, in denen Leute, die auf dem freien Arbeitsmarkt chancenlos sind, die Möglichkeit haben, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben, wenn man nicht gerade zwei linke Hände hat. Ist das der Fall, bleibt nur noch eine Stelle in einer Behörde.

    Ich vergleiche natürlich auch nur mit einem Bildungssystem von 26 verschiedenen. Aber ehrlich ... soooo verschieden sind sie am Ende dann doch nicht, auch wenn alle sich das immer gerne einbilden wollen. Das nennt man Lokalpatriotismus, oder? Ich sag da nur: Kniet nieder, ich habe das Zentralabi in Bayern gemacht (hab ich wirklich!!).

    Ach ja, das gute bayerische Abi. Hab ich auch hinter mir, kannst mir damit also nicht imprägnieren. Ist auch nicht mehr, was es mal war. Dennoch: "Das" deutsche Bildungssystem gibt es einfach nicht, genauso wenig wie "das" schweizerische. Und im Detail gibt es dann doch sicher deutliche Unterschiede, wobei die Vorstellung, dass irgendwelche in die Politik gegangenen Bergbauern aus Appenzell-Innerrhoden so ganz eigenständig über die Bildungspolitik in ihrem Kantönli bestimmen können, schon irgendwie gruselig ist. Aber mei, es scheint zu funktionieren.

    ich halte es für absurd, dass es in Deutschland eine akademische Ausbildung mit einem einzigen, ganz konkreten Berufsziel gibt. Wir sind hier an den schweizer Gymnasien eben Fachpersonen mit der Zusatzqualifikation "Lehrer" und das funktioniert ganz wunderbar so. Ich halte das schweizerische Bildungssystem für qualitativ sehr viel besser, als das deutsche.

    Soso. Dazu zwei Anmerkungen:

    1. Ich kann nicht für die Naturwissenschaften sprechen, aber mein Studium der Germanistik und Anglistik für das Lehramt an Gymnasien war deutlich anspruchsvoller als das entsprechende Magisterstudium - mehr Hauptseminare (mit jeweils einer Hausarbeit, die heute locker als Bachelorarbeit durchgehen würde), eine Zulassungsarbeit, deren Umfang und Anspruch der Magisterarbeit gleichstand (viele haben sie denn auch zusätzlich als Magisterarbeit eingereicht) und am Schluss ein Staatsexamen, dem gegenüber die Magisterprüfung ein besserer Witz war.
    Insofern bin ich auch (und lege da auch Wert drauf!) "Fachperson" (komischer Ausdruck. Helvetismus?) mit der Zusatzqualifikation (erworben durch ein Staatsexamen in Psychologie und [lexicon='Pädagogik',''][/lexicon] sowie durch das Referendariat) "Lehrer". Ich weiß also nicht, was Du mit "akademische Ausbildung mit einem einzigen Berufsziel" meinst.

    2. Von welchem "deutschen Bildungssystem" sprichst Du eigentlich? Also konkret, von welchem der 16?

    Und morgen was anderes. Die Kollegen, die sich hinstellen und den Arbeitsmarkt für 10 Jahre im Voraus zu kennen meinen, leiden und einer leichten Selbstüberschätzung.

    Was das Lehramt angeht, so sollte die generelle Marschrichtung mittlerweile jedem ersichtlich sein, der für zehn Pfennig Verstand hat: Irgendwer hat den Politikern vor ein paar Jahren was von demographischem Wandel und Rückgang der Schülerzahlen erzählt und von Inklusion und davon, dass man dann einen Haufen Lehrerstellen [Achtung: Triggerwort!] einsparen könne, und daran glauben die Herrschaften seitdem unverbrüchlich. Dieses Szenario wird unerbittlich verfolgt, komme, was wolle - alles unter dem universalexkulpierenden Motto des Sparens.

    Was not täte, wäre eine entschiedene Gegenbewegung aus der Bevölkerung, die sich mal darüber klar werden müsste, dass mindestens 50% der Politiker schon jetzt überflüssig sind. Wäre man mal so mutig, radikale Gebietsreformen durchzusetzen - hach, was könnte man einsparen an Bürgermeistern (ab 4000 € aufwärts), Landräten (ca. 10000 € im Monat), Landesregierungen (Minister: ca. 12000 €, Ministerpräsidenten: ca. 20000 € im Monat)... ganz zu schweigen von Gemeinden unter 5000 Einwohner (oder warum nicht gleich 10000? Moderne Datenverarbeitung machts möglich). Wer braucht Mini-Bundesländer wie [ach, möge jeder sein Lieblingsbeispiel einsetzen], jeweils komplett mit Landesregierung, Parlament und zugehörigem Verwaltungsapparat? Aber ich schweife ab.

    Viele Grüße
    Fossi

    In Zeiten der zunehmenden Unfähigkeit, zielgerichtet zu kommunizieren, Texte und Subtexte so zu verstehen, so dass man nicht über den Tisch gezogen werden kann, in Zeiten von Querfronten und Chemtrailgläubigen und Menschen, die in keiner Zeitung mehr die Faktenlage von der bauchgefühlten Wahrnehmung trennen können und deshalb reflexartig mit "Lügenpresse!" reagieren, in Zeiten, wo Menschen glauben, dass Homosexualität eine durch Homöopathie heilbare Erkrankung sei, in Zeiten wo sich "Reichsbürger" selbst Pässe ausstellen, weil sie glauben, in einer Besatzungszone zu leben, wo man die gesammelte Rechte bei "Friedensdemonstrationen" findet und irgendwelchen armen Friedenswilligen nichtmal merken, dass da nur ein geklautes Label draufsteht, und in Zeiten, wo Menschen glauben, dass die Kanzlerin einen Deal mit den arabischen Nationen gemacht hat, dass die Deutschen qua Immigration und Kinderkriegen "augetauscht" werden sollen und in Zeiten wo rassistische Herrenmenschen in grottigem Deutsch ekelhafteste Dinge wieder sagen und schreiben dürfen - in solchen Zeiten kann man die Geisteswissenschaften gar nicht hoch genug einschätzen. Nicht annähernd hoch genug.

    Powi, Geschichte, Ethik - und Deutsch sind demokratische Grundlagenfächer und sowas von notwendig.

    Gut gebrüllt, Löwin - aber ich musste unwillkürlich an einen meiner Chemielehrer denken, der mal gesagt hat, "Deutsch, Englisch, Geschichte... was soll denn das alles? Chemie, das ist das Entscheidende! Hier, der Tisch vor Euch, die Wand hinter Euch - alles Chemie!" Oder in anderen Worten: Du sprichst von Texten, Subtexten und Manipulationstechniken - der Kollege Naturwissenschaftler oder Elektrotechniker versteht nur lorem ipsum und erwidert, dass man mit Philosophie keine Autos bauen könne (ohne auch nicht, aber das geht dann natürlich wieder über den Ingenieurshorizont). Das ist wohl der Preis (besser: ein Teil des Preises) der Hochtechnologiegesellschaft.

    Ein Wort noch zur Studienfachwahl: Ich bin auch so frei, von bestimmten Fächern abzuraten. Ich sage mittlerweile jedem, der es hören will, dass es ein großer Fehler ist, sich mit Dingen zu beschäftigen, die nur in staatlichen Bildungskontexten beruflichen Mehrwert versprechen. So schön die Beschäftigung mit diesen Dingen auch sein mag.

    "Wissenschaftliche Basis" alleine ist schon ein Witz für Naturwissenschaftler. Mir ist in der gesamten vom Studienseminar geforderten sog. "Fachliteratur" (die zudem durchgängig deutsch war und nur deutsche Quellen zitiert hat, also ob es außerhalb Deutschlands keine pädagogische Forschung gäbe) kein einziger auch nur im geringsten empirisch abgesicherter Artikel untergekommen. Die Veröffentlichungen bestehen praktisch durchweg aus "A fordert", "nach B gibt es ... Lerntypen", "C nennt..." usw.

    Auch das restliche Niveau der sog. Fachartikel ist z.T. unterirdisch. Triviale Tatsachen lang erläutert, mehrfache Wiederholungen identischer Aussagen im selben Artikel usw. sind an der Tagesordnung.

    Ich habs an anderer Stelle schon mal gesagt: Es gibt wohl keine Fachrichtung, die so dermaßen selbstreferentiell ist wie die universitäre [lexicon='Pädagogik',''][/lexicon]/Didaktik - drei, vier Verlage und so fünfzehn bis zwanzig "große" Namen, und das war's. Und dann wird fröhlich hin- und herzitiert, schwall ins All, bis die Schwarte kracht... aber was solls. Die Leute wollen ja auch von was leben, und wenn man nichts anderes gelernt und vor allem keine praktische Erfahrung in der Schule hat, muss man in der Didaktik schlau daher reden.

    es wurden exakt so viele Exemplare angeschafft, wie Schüler im Jahrgang sind. Mit dem Hinweis auf eine aktuelle Sparmaßnahme.

    Klar - die anschließenden und mit Sicherheit verloren gehenden Prozesse sind ja viel günstiger. Oder verlässt sich da jemand darauf, dass die gutmütigen Lehrer gern ins eigene Portemonnaie fassen, wegen der Leuchtenden Kinderaugen [TM]?

    - Wobei ich die Mär, Arbeitsmaterialien seien mit der Besoldung abgegolten, durchaus auch schon von Kollegen gehört habe.

    An der Grundschule in Berlin meines Neffen war ein Bewerber für die Schulleitungsstelle, der von Eltern, Schülern und Kollegen wohl gestützt wurde - aber dann funkte die Frauenbeauftragte dagegen und nun muss eine Frau auf die Stelle (gibt ja so wenige im Grundschulbereich ) - ein Teil der Kolleginnen wandert nun ab.

    Die Geschichte scheint mir - wie das oft der Fall ist, wenn juristische Fragestellungen von Laien wiedergegeben werden - quanti- wie qualitativ um relevante Anteile gekürzt.

    Zum Kinderarzt sind es fünf Minuten, zu den meisten Fachärzten 15 Minuten und zum Einkaufen mit dem Rad 2 Minuten. Das bietet auch ein Städtchen mit ca. 70.000 Einwohnern.

    Immer wieder interessant, wie unterschiedlich doch die Maßstäbe sein können. Hier in Bayern ist eine 70.000-Einwohner-Stadt (Beispiele wären Passau, Landshut, Bamberg oder Bayreuth) im Normalfall ein veritables Oberzentrum. "Städtchen" ist hier alles bis maximal 30.000... und meine 12.000-Einwohner-Heimatstadt wäre für Dich wahrscheinlich trotz Fachärzten und mehreren Supermärkten ein Dorf im Nirgendwo.

    Beim Vergleich von Monatsgehältern muss man - zumindest für Baden-Württemberg - berücksichtigen, dass Lehrer weder Urlaubsgeld noch 13.Monatsgehalt bekommen. Das ist in den monatlichen Betrag eingerechnet und damit abgegolten.

    Beim Peter Zwegat war kürzlich eine Familie in Behandlung, wo der Mann kurz vorher als KFZ-Mechaniker zu Porsche gewechselt war: 2600 netto, 14 Monatsgehälter, Urlaubsgeld. Noch Fragen, Hauser?

    @Elternschreck, es handelt sich um Wien, hier sind in den letzten Jahren die Preise und Mieten explodiert.
    Eigentum geht im Grunde genommen auch schwer weg, eine gute 70m² Wohnung kostet schonmal gut zwischen 250.000 und 300.000€. Das sind aber bitte die erschwinglicheren.

    Ich habe kürzlich mal gelesen, dass Wien von den Lebenshaltungskosten her eher mit Zürich als mit München vergleichbar sei. Mietpreise von 10 Euro pro Quadratmeter sprechen da aber eine andere Sprache. Das zahlst Du hier im vergleichsweise kleinen Würzburg mittlerweile auch für eine einigermaßen ordentliche Wohnung. Auch die Preise für Eigentumswohnungen liegen hier auf einem ähnlichen Niveau. In München zahlst Du für eine 70-qm-Wohnung übrigens locker eine halbe Million. Das sind dann aber auch die erschwinglicheren am Stadtrand.

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