Beiträge von fossi74

    Da - insbesondere hier in Deutschland und insbesondere im Bildungsbürgertum - ständig darauf gepocht wird, dass Kinder eine Privatsache ist und der Staat sich nicht einzumischen hätte (vgl. Kita-Pflicht, frühe Kitas, Ganztagsschulen...), finde ich solche Diskussionen ziemlich heuchlerisch (falls /wenn es sich um dieselben Leute handelt)

    Du vermischst hier zwei Ebenen: Auch zu Hause erzogene Kinder, ja sogar Kinder, die im Homeschooling unterrichtet werden (so das hierzulande möglich wäre, was es gottseidank nicht ist), zahlen eines Tages Steuern, gehen zur freiwilligen Feuerwehr oder leisten sonst einen nützlichen Beitrag zur Gesellschaft.

    Zum Thema "Noteninflation beim Abitur" nur kurz eine Anmerkung: Wenn ich heutzutage die Artikel zum Abi an den lokalen Gymnasien [1] lese, dann ist da regelmäßig von ca. 50% 1,n-Resultaten die Rede, und stets erreichen mehrere Aburenten die 1,0.

    Ich habe einen Freund und Schulkameraden, den ich für einen der intelligentesten Menschen halte, die mir je begegnet sind, und der zusätzlich noch mit einer gehörigen Portion Ehrgeiz gesegnet ist. Mit dieser schlagkräftigen Mischung hat er es binnen zwölf Jahren nach dem Abi zum mehrfach preisgekrönten Wirtschaftsprofessor gebracht. Er hat damals selbstverständlich (das war schon vorher jedem klar) das beste Abi der Schule hingelegt. Seine Abinote (Anfang der 90er): 1,4. Damit würde er heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

    Dass es keine Noteninflation gebe, braucht mir also keiner zu erzählen. Und warum sollte das an den Unis grundlegend anders sein als an den Schulen? Vielleicht mit dem Unterschied, dass die "Schwierigkeit" des Staatsexamens (oder vielleicht besser die Fiesheit der Fragestellungen) mit dem Lehrerbedarf der jeweiligen Fächer korreliert.


    Viele Grüße
    Fossi


    [1] zur Erinnerung: Ich bin Grenzgänger und rede hier von bayerischen Gymnasien.

    Verheirateten kinderlosen wird damit unterstellt, sie vefügten über doppelte Einkommen; denen, die nicht so genau hingucken wird suggeriert, das wären Überprivelegierte. Der Begriff wird genutzt um diese Gruppen gegeneinander auszuspielen.

    Jetzt hör doch mal mit der Wortklauberei auf. Hätten meine Frau und ich unser Einkommen für uns allein, wären wesentlich größere Sprünge drin als mit Kindern. Und das gilt auch für jeden allein. Mein Gott, wie mich mein Single-Kollege nervt, wenn er mir jeden Montag im Lehrerzimmer mit leuchtenden Augen von seinen Ausflügen in die elsässische Spitzengastronomie vorschwärmt ("Weißt Du, Fossi, da musst Du unbedingt mal hin! Ich hab für das Vier-Gänge-Menü mit Wein nur 250 Euro bezahlt, das ist doch ein Schnäppchen!") - aber vielleicht ist genau das auch das grundlegende Problem: Die Leute mit Kindern kennen auch das Leben ohne Kinder (und trauern dieser Lebensphase durchaus auch mal nach, das sei freimütig eingestanden) - aber die Kinderlosen kennen nur das Leben ohne Kinder. Und insofern leben Leute ohne Kinder, und das ist jetzt gar nicht böse gemeint, auf einem anderen Stern. Möglicherweise erklärt das all diese immer wieder aufbrandenden Diskussionen.

    Zur Umverteilung in den Sozialsystemen ein kleines Gedankenspiel:

    Heute heiraten alle, in neun Monaten haben alle zwei Kinder.

    Gäähhn. Heute heiratet keiner mehr, es werden keine Kinder geboren. In drei Jahren sind alle Kindergärten dicht, in zehn Jahren alle Grundschulen (in zwölf auch die in Berlin, wo alles etwas länger dauert), in zwanzig Jahren alle Gymnasien, in dreißig alle Unis. Gesellschaftliches Leben in der Form, wie wir es kennen, wäre in spätestens vierzig Jahren komplett erledigt. Ich finde, dagegen ist die Finanzierung der KV ein eher peripheres Problem.

    - Gottseidank sind beide Varianten gleich unwahrscheinlich.

    Du schreibst:

    Achja: Den Begriff "Abschieben" in Bezug auf Kinderbetreuung empfinde ich auch den dort arbeitenden pädagogischen Fachkräften gegenüber als sehr respektlos! Wenn ich meinen Sohn jeden Morgen ansehe, wie er freudestrahlend in die Gruppe rennt (und das seit 5 Jahren!!) und mir vorwirft, dass ich zu früh komme, wenn ich um 15:30h, statt um 16:00h zum Abholen komme, kann von "verwahren" keine Rede sein. Er wird dort optimal gefördert und wenn in 1 Woche für ihn die KiTa-Tore schließen, werde ich mir ein Tränchen verdrücken.


    Das ist toll auf den Punkt gebracht und absolut überzeugend - bei Sawe und den anderen Einschlägigen kommt aber wahrscheinlich trotzdem nur folgendes an:

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    man sollte aber auch daran denken, dass gerade Single oder Ehepaare ohne Kind, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, im Alter noch viel mehr auf ihr vorher selbst erarbeitetes Einkommen angewiesen sind als Menschen mit zahlreichen Angehörigen, die - so hart es ist - im Notfall vom Staat zur Kasse gebeten werden.

    Diese Fälle kannst Du aber sehr bequem an nicht allzu vielen Händen abzählen. Wer für seine alten Eltern oder Großeltern zur Kasse gebeten wird (und die Unterhaltspflicht besteht nur in gerader Linie, also zwischen Eltern und (Kindes-)Kindern), der steht finanziell sehr gut da. Alle diejenigen, die noch halbwegs zur Kategorie der Normalverdiener zählen (also bis, sagen wir mal, 120.000 im Jahr), müssen kaum Angst haben, Elternunterhalt zahlen zu müssen, weil es natürlich x Möglichkeiten gibt, das Einkommen kleinzurechnen.

    Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn jemand solche Äußerungen tätigt, nur weil er ein anderes Lebensmodell hat. Ich verurteile deins doch auch nicht, das vermutlich heißt, dass du 3 Jahre mit deinem Kind daheim bleibst. Ich könnte da auch was von fehlender sozialer Kompetenz daherreden. Mache ich aber nicht.

    Ich schon. Mein Bruder und seine Frau (sie Lehrerin, er nicht), probieren dieses Modell nämlich gerade aus, denn der kleine N.N. soll ja zu Hause von der Mami bestmöglich gefördert werden. Dumm nur, dass N.N. mit jetzt fast zwei Jahren gerade mal wacklig läuft, noch keinen Ton spricht und jeden Fremden (also alle außer Mami, Papi und Omi mamiseits) anguckt wie ein Auto, bevor er dann jämmerlich anfängt zu weinen, während seine halb so alte Cousine (Kitakind) ihren Eltern davonrennt und an die zwanzig Wörter drauf hat... aber ich will natürlich nicht verallgemeinern. :engel:

    Ich habe immer wieder Gespräche mit Eltern, die ihre Kinder nicht mit auf Klassenfahrt lassen wollen. Sie wollen nicht, dass ihr Kind über Nacht von zuhause wegbleibt, schon gar nicht in einer Gruppe mit anderen Kindern/Jugendlichen, von denen so manche nicht gerade ein "guter Umgang" sind.

    Ja, in manchen religiösen Gruppierungen ist das normal. "Nicht gerade ein guter Umgang" heißt dann schon mal schlicht "kein Zeuge Jehovas" oder "evangelisch". In Deinem Bundesland "Sek. I und II" scheinen mir solche Eltern aber geradezu endemisch aufzutreten. Das kenne ich ja nicht mal aus Bayern.

    Kinderpfleger ist für die, die ansonsten in der Großküche Küchengehilfe oder Altenpfleghelferin etc. lernen würden.

    Also ganz so niedrig würde ich es jetzt nicht einschätzen. Die Kinderpflegerinnen, die ich bis jetzt kennengelernt habe, hatten schon ein wenig mehr drauf als die klassischen Hauswirtschaft/Pflegehilfe/Gärnter-KandidatInnen.

    Und Kinderpfleger ist wirklich nur was für Leute mit Hauptschulabschluss.

    Das allerdings ist wohl wahr. Deshalb auch meine verwunderte Nachfrage.

    Lehrer X würde die mündliche Mitarbeit von Fritzchen mit 2 bewerten. Lehrer Y würde exakt dieselbe mündliche Mitarbeit höchstens mit 4 bewerten. Das ist doch so. Und welche Bewertung nun "richtig" ist, kann man objektiv gar nicht sagen.

    Kann es wirklich sein, dass ein echter Lehrer diese uralten Ammenmärchen weitererzählt und mutmaßlich auch noch glaubt?


    ... fragt sich
    Fossi

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