Beiträge von Eugenia

    Ich weiß nicht, mir dünkt jetzt langsam, welchen Mehrwert digitales Lernen wirklich hat und da scheint mir die Ausbeute mager zu sein. In Berufsschulen und Oberstufe Gymnasium nutzt die Vorbereitung für berufliche Anwendung vielleicht, das kann ich nicht beurteilen. Für Grund-/Ober-/Förderschulen/SEK I sehe ich keine Vorteile, das ganze Homeschoolen ist eine Notlösung, der Erklärfilm ersetzt nicht unsere Anwesenheit, die App nicht das Übungsheft, die Videokonferenz nicht das Gespräch.

    Ist auch mein Eindruck. Ich lerne zwar etliches über Videokonferenzen, Online-Plattformen etc, aber die Schüler melden mir jedes Mal zurück, dass sie lieber den direkten Kontakt im Unterricht wieder zurück hätten und dass sie gar keine permanente digitale Berieselung wollen, sondern lieber verständliche Arbeitsaufträge mit Buch und Arbeitsblättern. Erklärfilme sind sehr gefragt, aber das ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Lesekompetenz immer schlechter wird. Ich bekomme regelmäßig Rückfragen per Mail, die zeigen, dass Schüler einfachste Formulierungen in den Aufgaben gar nicht lesen, sondern lieber den bequemen Weg wählen - frag doch den Lehrer. Im Prinzip wie im Präsenzunterricht.

    Conni. Da steht z.B. COPD. Warst du beim Arzt selbst oder war das Aussage des Personals? Ich würde da mal die Verhältnisse in der Schule schildern und darlegen, dass es dann, wenn endgültig feststeht, was im Moment hinsichtlich des Risikos diskutiert wird, es Vll. zu spät ist. Mein Mann hat ohne lange Diskussion ein Attest bekommen.

    Ich bin heute nur durch die Stadt gefahren und kann bestätigen, dass es auch bei uns deutlich mehr los war. Es standen auch etliche Grüppchen ratschend zusammen auf dem Bürgersteig. Von Abstand leider oft nichts zu sehen, mein Schwager rief vorhin an und berichtete aus seinem Wohnort dasselbe. Die empfohlenen Masken haben wir auch so gut wie nicht gesehen, im Supermarkt ist eine gewisse Sorglosigkeit eingekehrt. An der Kasse musste ich nachhaltig um Abstand bitten, das musste ich vor der Lockerung kaum.

    Abgesehen davon, dass ich bisher in diesem Jahr noch keinerlei Urlaub hatte (letzte Weihnachtsferienwoche durchkorrigiert und Abi konzipiert, Osterferien durchkorrigiert und Betreuung, Pfingstferien gibt es bei uns nicht, also auch nichts absehbar) und bei der Öffnung in Schritten doppelt und dreifach belastet sein werde - im Sommer heizt sich unser Schulgebäude gnadenlos auf, Lüftung unzureichend, Außenbereich zugebaut. In der letzten Ferienwoche gibt es dann Konferenzen, Nachprüfungen (obwohl die wahrscheinlich diesmal ausfallen werden, wie ich das sehe.) Diese dauernde Debatte, dass man "den Stoff" nicht durchbekommt, schürt bei mir inzwischen enorm die Wut. "Der Stoff" ist mein kleinstes Problem, das lässt sich alles regeln. Und das sollte auch mal stärker öffentlich gemacht werden. Besonders absurd: Debatten, dass das die verlorene Generation sein wird, der das Corona-Abi noch 20 Jahre nachhängt. Für mein Abi hat sich nach dem Studienbeginn kein Schwein mehr interessiert.

    Also in Hessen waren wir nicht 5 Wochen in Quarantäne, hier war u.a. Abitur. Dazwischen Notbetreuung. Ja, es gibt Berufsgruppen, denen es schlechter geht, aber es gibt auch Berufsgruppen, denen es besser geht. Meine Schwester macht seit 5 Wochen Homeoffice und wird das auch nach dem 5. Mai weitermachen. Aber bevor hier wieder die alte Leier losgeht: "Stellt euch doch nicht so an, anderen geht es schlechter. Müsst ihr halt einen anderen Beruf suchen." Es geht nicht um Aufwägen von Berufen gegeneinander. Es geht um Hygienestandards, die in vielen Schulen so nicht umsetzbar sind, und akuten gesundheitlichen Gefährdungssituationen die daraus erwachsen. Und ich sehe leider die Grundmentalität, alles als unveränderbar gegeben hinzunehmen und im Zweifelsfall jede Kröte zu schlucken, während man hinter vorgehaltener Hand oder anonym online schimpft, auch bei vielen meiner Kollegen. Ganz zu schweigen von "Es ist zwar indiskutabel, aber für meine Schüler ist mir keine Anstrengung zu groß." Kenne ich übrigens aus wenigen anderen Berufsgruppen.

    https://www.faz.net/aktuell/politi…e-16726718.html

    https://www.tagesschau.de/ausland/daenma…avirus-101.html

    Regeln in Dänemark: Maximal 5 Kinder sollen auf dem Schulhof zusammenkommen, in den Räumen 2m Abstand zwischen den Tischen. Extra Personal verpflichtet. Klassen in 3 Gruppen aufgeteilt. Desinfektionsmittel. Alle 2 Stunden Händewaschen, kein Essen teilen, keine Süßigkeiten, alles, was die Kinder anfassen, wird 2x am Tag desinfiziert. Vorhin war ein TV-Bericht über Dänemark, da saßen die Kinder in improvisierten Zelten. Dazu eine Schulhofszene: Kinder spielen dicht an dicht, mit der Bemerkung: Es wird eine Herausforderung...

    @samu: Abi war in Hessen zumindest bei uns unter strengen Auflagen. Schüler einzeln in die Schule geführt, vorher alles desinfiziert, nachher alles desinfiziert, maximal 9-10 Schüler mit Lehrer in einem Raum. An anderen Schulen trugen Lehrer Mundschutz. Alle Schüler mit Argusaugen beobachtet, ob jemand irgendwelche Krankheitszeichen hat. Die Arbeiten haben wir dann erst mal „ablagern“ lassen. In irgendeinem Ort im Taunus gab es einen Coronafall, die ganze Prüfungsgruppe und 4 Lehrer danach unter Quarantäne. In Gießen, hab ich eben nachgelesen, war eine Kollegin Corona positiv. Mehrere mussten in Quarantäne. Meine Schüler waren recht ruhig, andere Kollegen berichteten von deutlichen Panikanfällen über das normale Maß. Bei uns hatten alle Beteiligten ein sehr mulmiges Gefühl. Im Schulort meines Mannes sammelte sich dann doch ein Abiturientengrüppchen nach den Prüfungen auf dem Marktplatz, das gleich von der Polizei auseinandergebeten wurde. Ich glaube nicht, dass wegen des Abis die Coronafälle hochgingen, Statistiken werden wir da wahrscheinlich auch nie sehen. Die Situation hatte aber was von Hochsicherheitstrakt. Kein Muster für auch nur ansatzweise „normalen“ Unterricht.

    In Österreich bleibt der reguläre Schulbetrieb ja erst mal bis Mitte Mai ausgesetzt. Habe neulich mit einer Bekannten telefoniert, die nach Österreich geheiratet hat und dort an einer Schule unterrichtet, die nehmen das Ganze wesentlich gelassener als hier. Szenarien wie "Das wird nicht wieder gutzumachende Lücken in der Bildung reißen" oder "Eine ganze Generation wird abgehängt" oder das dauernde Rumhacken auf Chancenungleichheit, die zweifellos dort wie hier gegeben ist, scheinen irgendwie im Moment v.a. ein deutsches Phänomen. Gab es nicht früher schon Kurzschuljahre und die Generation ist auch nicht im Abgrund gelandet?! Mehrfach schon las ich in anderen Kontexten Elternkommentare nach dem Motto "Wie soll der Stoff denn dann bewältigt werden?" Dann müssen eben Regelungen gefunden werden. "Der Stoff" ist doch keine gottgegebene Größe, sondern an die Rahmenbedingungen anpassbar. Das ist ein totales Ausnahmeschulhalbjahr, und deshalb muss es auch Ausnahmeregelungen geben. Ich fände mal eine zeitnahe, verbindliche Ansage der Kultusminister wichtig, wie denn nun die Noten ermittelt werden. Denn ich glaube nicht, dass wir bis Mitte Juni (da müssen die Noten stehen) noch viel allgemein Verwertbares im Regelunterricht bekommen werden. Dass irgendwer dieses Jahr regulär nicht versetzt wird, kann ich mir auch schwer vorstellen, im Zweifelsfall gibt es da pädagogische Entscheidungen in Versetzungskonferenzen.

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