Beiträge von Eugenia

    Ich finde es interessant, was hier als "Normalität" angesehen wird, zu der man zurückwill. Ist euch eigentlich bewusst, wie das "Normal" von anderen Menschen aussieht, die z.B. eine Behinderung haben? Die täglich auch ohne Corona schon verstärkt aufpassen mussten, dass sie keine Infektionskrankheiten bekommen, und nun mit Corona noch weiter eingeschränkt werden? Für die heißt das Normal von einigen (keine Maske, keine Tests, keine Quarantäne) in Zukunft eine zusätzliche, nicht unerhebliche Einengung ihrer Möglichkeiten. Wir preisen einerseits die Inklusion an, aber jetzt, wo es darum ginge, auch die Realität dieser Menschen mit zu berücksichtigen, schreien viele nur nach ihrer eigenen Freizügigkeit und es fallen im Netz immer wieder Sätze wie "Wer Probleme hat, kann ja zu Hause bleiben." Ein totales Armutszeugnis.

    Was hätte man bei den genannten Fällen in Deinem Kollegium und Deiner Schülerschaft anders machen sollen/können, um der Fürsorgepflicht bzw. dem Arbeitsschutz ausreichend zu entsprechen?

    Mir geht es nicht darum, was man bei den genannten Fällen hätte machen sollen - wobei mir da durchaus auch einiges einfallen würde (Luftfilter nicht nur in einzelnen Räumen, kleinere Gruppen, bei denen man sich nicht mit 30 Leuten ohne jeden Abstand zusammenpferchen muss). Mir geht es darum, dass der wenige Schutz jetzt auch noch wegfällt und die Wahrscheinlichkeit zu erkranken für Personen mit genannten Risiken dadurch erheblich steigt. Und wenn schon junge, fitte Kollegen einen Verlauf wie beschrieben hatten, wird mir anders, wenn ich an meinen Mann mit Vorerkrankung oder vorerkrankte Schüler und Angehörige denke.

    Ich finde das einfach nur erschreckend verantwortungslos, vor allem all den Kollegen und Schülern gegenüber, die selbst oder deren Angehörige ein erhöhtes Corona-Risiko - auch mit Impfung - haben. Wenn ich sehe, wie bei uns junge, fitte, geimpfte Kollegen seit Wochen an den Folgen einer Corona-Infektion leiden und Schüler gar nicht so selten zum wiederholten Mal Corona haben, wird mir massiv anders. Fürsorgepflicht und Arbeitsschutz geht anders!

    Das ist aber leider wieder "Eigenverantwortung".


    Wir haben mehrfach Schüler positiv getestet, die deutlich erkennbare Symptome hatten.
    Wir haben mehrfach Schüler positiv getestet, die eigentlich absonderungspflichtig waren ("Papa kann mich nicht abholen. Der liegt mit Corona im Bett.")

    Betretungsverbot für Personen mit Symptomen ist genau nichts wert.

    Über Betretungsverbot für Personen mit Symptomen kann ich nur lachen. Uns geht es 1:1 wie Flupp. Die Eigenverantwortung etlicher Eltern, wenn es darum geht, kranke Kinder zu Hause zu lassen, ist nichts, worauf ich mich verlassen möchte.

    Dann sind eure Räume zu klein oder eure Klassen zu groß ...

    Also im Ernst: Beeinträchtigt das nicht auch - völlig unabhängig von Corona - die Lern- und Arbeitsatmosphäre (für Lernende und Lehrkräfte), wenn man die ganze Zeit so dicht zusammengedrängt ist?

    Ja. Interessiert aber den Schulträger oder das Kultusministerium schlicht null. Und ändern können wir daran als Schule selbst nichts. Von daher finde ich die verblüffte Frage schon sehr seltsam - ich kann mir leider meine innerschulischen Arbeitsbedingungen nicht aussuchen. Ja, unsere Klassen sind zu groß - 30 Schüler in der 5, bis 25 in der Oberstufe. Weniger lässt der Klassenteiler nicht zu. Ja, die Räume sind dafür oft viel zu klein, 1,50 m Abstand zur ersten Reihe habe ich in den seltensten Fällen. Deshalb finde ich es ja so bedenklich, dass in Zukunft die Kinder im Normalfall unter 1,50 m Abstand ohne Maske geballt vor mir sitzen, in überfüllten Räumen mit schlechter Lüftungssituation. Wenn andere in einer Bilderbuchschule unterrichten, ist das nett. Die Regel ist es aber nicht.

    Für mich eher...die Kinder bringen Corona nicht mit.

    Sie brauchen also keine Masken.

    Woher dieses Märchen stammt, frage ich mich schon lange. Wir haben eindeutig Infektionsketten in den Klassen. Ein Sitznachbar nach dem anderen fällt raus, wie die Dominosteine. Natürlich wird das auch von außen mitgebracht, alle anderen Krankheiten ebenso. Rein innerschulische Erkrankungen gibt es grundsätzlich nicht! Schule ist Teil der Gesellschaft und wenn in der Gesellschaft die Zahlen hochgehen, dann auch in der Schule.

    Ich empfinde diese momentane Situation als völlige Entsolidarisierung mit Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, wenn sie an Covid erkranken, oder deren Angehörige zu dieser Gruppe gehören. Eigenverantwortung ist für diese Menschen leider oft nur ein Synonym für "Sieh zu, wo du jetzt bleibst, jeder ist sich selbst der Nächste." In eine steil ansteigende Welle hinein fast alle Vorsichtsmaßnahme zu lockern, ist für diese Menschen eine massive Einschränkung für ihr Leben. Mein Mann hat ein erhöhtes Risiko, er ist wie ich im Schuldienst und sieht den kommenden Wochen mit großen Bedenken entgegen. Salopp hingeworfene Floskeln wie "Menschen sterben eben, an Covid oder an anderen Krankheiten" empfinde ich als zynisch und gedankenlos. Für die FDP (die maßgeblich die dann geltenden Regeln durchgepusht hat) gibt es solche Menschen offenbar nur in Alten- und Pflegeheimen. Warum bei den Schulen sogar die MÖGLICHKEIT genommen wird, Maskenpflicht anzuordnen, ist mir unverständlich. Klar empfinden einige die Befreiung von der Maske als grandios, allerdings sollte man sich auch mal bewusst machen, dass diese grandiose Freiheit, die man sich da nimmt, für andere bedeutet, dass sie ihr Leben viel mehr einschränken müssen, als es ein simples Stück Stoff bedeutet.

    Bei uns gab es statt Luftfiltergeräten für alle (da gibts nur vier im ganzen Schulhaus) neue Fenstergriffe, die man dann auch öffnen kann, nur die Trittleitern dazu haben sie auch vergessen ;)

    Wir lassen jetzt in der Regel den oberen Riegel auf (wenn jemand eine Leiter hatte) und öffnen und schließen nur unten

    Bei uns gab es auch neue Fenstergriffe, mit dem Ergebnis, dass die inzwischen schon wieder kaputt sind, weil billigste Bauart. Wer konnte schon ahnen, dass man die häufiger mal benutzen muss....

    Das heißt nach dem momentanen Infektionsgeschehen bei uns tägliche Testungen in zig Klassen, wenn die Maskenpflicht fällt und sich noch mehr als bisher infizieren. Ich bin nur noch müde und unglaublich wütend...

    Ich habe jetzt zwei vollständig geimpfte Schüler mit schwererem Verlauf und einen geboosterten Kollegen ohne besondere Vorerkrankungen, der seit 4 Wochen erkrankt ist und dem selbst einfache Tätigkeiten im Haus große Probleme machen. Wird noch länger ausfallen. Die Verharmlosung von Corona als "Erkältung" geht mir einfach nur noch fassungslos.

    Zitat von Lehrerin2007

    "Ich fand die Regelung mit den Sitznachbarn auch ganz gut, denn die erwischt es eben doch häufiger.

    Meine 6. Klasse ist gerade mit ca. 7 Fällen am krassesten betroffen an unserer Schule seit Beginn der Pandemie. Und da kann man ganz gut sehen, dass die meisten der Infizierten vorher auch neben einem ebenfalls Infizierten gesessen haben, also viele Sitznachbarn sind betroffen."

    Da in Hessen in den Pausen keine Masken getragen werden müssen und die Schüler in der Pause lustig ohne jeden Abstand und ohne Masken nebeneinander stehen, teilweise sogar das Pausenbrot oder Trinken teilen, obwohl sie mehrfach diesbezüglich ermahnt worden sind, ist die Quarantäne für Sitznachbarn hier eigentlich sinnlos. In der Klasse sitzen die Kinder mit Maske - die Pausen sind aus meiner Sicht viel problematischer. Die Sitznachbarn sind allerdings oft auch engere Freunde, weshalb diese sich tendenziell mehr anstecken.

    Dieses endlose Rumgejammere über die störende Maske auf einem weiteren Höhepunkt der Pandemie nervt mich nur noch unsäglich an. Logik: Wenn beide Maske tragen, werden mehr Viren rausgefiltert als wenn nur einer von beiden Maske trägt. Z.B. auch für diejenigen, die direkt danach den Raum betreten. Bei uns haut es gerade einen Kollegen nach dem anderen mit Omikron raus. In dieser Situation Lockerungsdebatten zu führen mit dem Blick nach GB, wo Johnson gerade am massiv absteigenden Ast ist und populistisch versucht, seinen Hals zu retten, finde ich total unangebracht. Meine Schüler tragen die Maske ohne Rumgemosere.

    Lorz: „Wir müssen davon ausgehen, dass es aufgrund der Omikron-Variante einen hohen Krankenstand bei Lehrkräften geben wird“, sagte er. Geplant sei, bei Bedarf Personal zwischen den Schulen zu verschieben. Möglich seien auch stufenweise Einschränkungen bei den schulischen Angeboten. So könnten beispielsweise Arbeitsgemeinschaften entfallen. „Unser Ziel ist es, einen verlässlichen Unterrichtskern sicherzustellen“, so der Minister.

    https://www.fr.de/rhein-main/lan…r-91219117.html

    Irgendwie zynisch. Verfügungsmasse Lehrer, Hauptsache Präsenz. Verluste werden in Kauf genommen als Kollateralschaden.

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