Wofür nutze ich Lehrer-iPads...
Irgendjemand schrieb "ipads sind für mich irgendwie komische Geräte" oder so ähnlich.
Genauso geht es mir auch.
Ich nutze sie total ungerne, habe eins, nie benutzt...ich hätte lieber gerne einen kleinen Laptop, den ich an jede unserer Tafeln anstöpseln könnte, statt mit dauernden Registrierungsanfragen überhäuft zu werden, wie das bei Kolleginnen und Kollegen der Fall ist. Wenn ich zuschaue, wie lange es dauert, zB ein Bild eines Textes vom iPad auf die Tafel zu übertragen, nur damit ein Kind das dann mit einem e-Pen farbig unterstreichen kann, hab ich das derweil angeschrieben und die Kinder abgeschrieben.
Auch Schüler-iPads halte ich persönlich für nicht zielführend. Die Kinder gucken eh schon zu viel auf Bildschirme.
Ich bin nicht gegen Digitalisierung, habe meine Unterrichtsvorbereitungen weitestgehend digital auf dem Rechner (erspart Regale im Büro), aber meiner Wahrnehmung nach digitalisiert sich das Leben der Kinder schon im Alter von zwei Jahren, wogegen sie auch mit 8/9 Jahren immer noch nicht gescheit mit der Hand schreiben können. In der Grundschule lernen sie die Basics, sowohl fachlich als auch methodisch. In allem werden die Grundlagen gelegt, natürlich auch digital, dafür machen wir den Computerführerschein, eine Einheit, in dem die Kinder den Umgang mit dem PC erlernen und Basiswissen erlangen (von Arbeiten mit Word und Paint bis zum Erstellen von Ordnern, Abspeichern derselben, Abspeichern von Dateien in den Ordnern etc., dazu das Internet-ABC mit den Fachworten und dem Umgang damit), aber sonst finde ich es unglaublich wichtig, dass die Kinder das ursprüngliche Lesen und Schreiben erlernen. Umgang mit nem Tablet haben sie schon viel früher - und das durch die Bank. Und ja, es gibt Kinder, die davor bewahrt werden, während andere schon im Kindergartenalter behend damit umgehen, daher ist bei iPad-Nutzung eine größere Schere als sonst.
Zudem ist das Schreiben mit Pencil auf diesen Pads so unglaublich mühsam...es fehlt jegliche Haptik eines Stiftes, der über Papier fährt, zudem braucht die Software immer ewig, die Linien auch wirklich gut abzubilden, die gezeichnet, gemalt oder geschrieben wurden. Nervt mich bei Pads als auch beim Smart-Board. Ich nutze bei unseren Smart-Boards zum Schreiben kein Programm mit e-Stift, sondern die beiden White-Board-Außenseiten. Geht schneller, sieht besser aus und ich stehe nicht viel zu nah an einem Bildschirm. Mag sein, dass es ein wenig mehr Müll produziert - wobei wir so spezielle Wachsmalstifte haben, die toll schreiben, gut abwaschbar sind und nachfüllbar - aber für die Kinder ist die Erfahrung des wahrhaftigen Schreibens total wichtig - und auch wenn es Spaß macht, irgenwelche interaktiven Bildchen zu schieben oder Grafiken anzuklicken, die sich dann bewegen...oder ein mechanisches "gut gemacht!" erklingt.
Ab und an mache ich mit der ganzen Klasse solche Sachen am Smartboard, dann schieben sie da fröhlich hin und her...und sonst schreiben sie, malen sie, zeichnen sie - und ich mache das auch so. Wenn ich nur von Erwachsenen höre: "Meine Handschrift ist ne Katastrophe, ich schreibe seit sooo langer Zeit überhaupt nix mehr per Hand, sondern nur noch am Tablet/Handy/PC...", dann ist das für mich echt traurig zu hören.
Daher meine persönliche Ansicht: Lehrer-iPad für mich weg, Schüler-iPads nur für Sonderaktionen und sonst Fokussieren lernen auf das, das vor einem liegt.