Keine Angst, Leonora, eine Promotion ist kein Hinderungsgrund für eine Tätigkeit als Lehrkraft. In jeder der Schulen, in den ich gearbeitet habe, gab es Leute mit Dr.-Titel. Warum jemand die Mühe der Promotion auf sich genommen hat, ist nie ein Thema gewesen - und hat auch nie jemanden interessiert.
Aber es stimmt schon, dass es unterschiedliche Wege und Motivationen gibt, an einer Schule arbeiten zu wollen: Die meisten wollen wohl den direkten ins Lehramt gehen, andere wollen sich alle Wege offen halten und sich in Wirtschaft und/oder Wissenschaft versuchen. Manche gehen auch dann erst den Weg in die Schule, wenn sich zeigt, dass in der Uni die Karrierenchancen verbaut sind.
In meiner fast 40jährigen Berufstätigkeit habe ich mindestens fünf habilitierte Kollegen in verschiedenen Fächern kennengelernt (Chemie, Biologie, Physik, Theologie, Germanistik). Alle sind engagierte Lehrer gewesen, manche von ihnen sind Schulleiter geworden. Ein Kollege hat den umgekehrten Weg gewählt: Er hat seine Habilitation während der Zeit, der er an einem Gymnasium gearbeitet hat, durchgezogen, und er hat einen Lehrstuhl an einer Universität bekommen.
Und noch drei Beispiele aus meinem Erfahrungsschatz: Ich kenne einen Kollegen, der zuerst Medizin und danach Mathematik studiert hat. Beide Fächer hat er mit dem Dr.-Grad abgeschlossen. - Eine frühere Schülerin hat ihr Medizinstudium ebenso mit dem Dr. abgeschlossen, um danach Berufsschullehrerin zu werden. Und einer meiner promovierten Freunde war Jurist und Historiker, und er wurde trotzdem Lehrer, nachdem die Tätigkeit als Mittelbauer an der Uni sich als Sackgasse herausstellte.
Eine Frage bleibt mir noch: Warum willst du den Direkteinstieg wagen und nicht den klassischen Weg über das Referendariat?