Anlass meiner Frage ist, dass sich eine Kollegin im vergangenen Schuljahr auf eine solche Stelle beworben hat, sie aber nicht bekommen hat, obwohl sie dafür als perfekt geeignet erschien. Die mit der Stelle verbundene Aufgabe war ein absolutes „Nischen-Thema“. Das Anforderungsprofil in der Ausschreibung schien ihr vom Fachgebiet her inhaltlich wie auf den Leib geschneidert, sie hatte eine Top-Beurteilung durch die Schulleitung vorzuweisen, genau zu diesem Thema schon wissenschaftlich gearbeitet und zudem Beachtliches an der Schule in diesem Bereich geleistet. Aufgrund des wirklich sehr spezifischen Themenzuschnitts der Stelle halte ich es für äußerst unwahrscheinlich bis ausgeschlossen, dass sie von ihrer formalen Qualifikation her getoppt werden konnte.
Ich kenne weder die Stellenausschreibung noch die Person, aber zwei Gedanken:
1) Die Ausschreibung für meine Abordnung fühlte sich wie mein Lebenslauf. Wenn man im Schuldienst um sich herum guckt, vergisst man leicht, dass es auch andere "besondere" Menschen mit schiefem Lebenslauf, mit speziellen Interessen, usw.. gibt.
Ich habe den Job bekommen. Ob es daran liegt, dass ich die beste war? (Klar! :-P), oder dass ich "gut ins Team" passte (O-Ton)? Die anderen Bewerber*innen waren aber auch nicht ganz anders als ich. Würde es mir gerne einbilden, aber ich bin realistisch.
Denn: irgendwann sass ich eben auf meiner Stelle. Und lernte eine andere abgeordnete Kollegin kennen. Die auch (fast) so viele Fächer studiert hat wie ich, die auch mal im Ausland war. Ich bringe weitere Sachen mit, sie ist promoviert.
2) Für meine Nachfolge wurde laut Ausschreibungen jemand gesucht, der einiges an Sprachkenntnissen und Auslandserfahrungen einbrachte. Eine Bewerbung schien relativ gut zu passen. Die genommene Person bringt "nur" Englisch ein und auch nur englischsprachige Auslandserfahrung.
Von den "Stichpunkten" meines redebedürftigen Chefs hätte ich auf zwei anderen Bewerber*innen getippt (und ich WEIß, dass er keine*n einzige*n Bewerber*in kannte!). Es lief in den Vorstellungsgesprächen gar nicht so (zumindest aus der Auswahlsicht
).
Für viele Kolleginnen und Kollegen, auch für mich, ist es unerklärlich, dass sie die Stelle nicht bekommen hat. Im Vorstellungsgespräch bei der Behörde, so erzählte sie, sei jedoch deutlich geworden, dass alle Entscheidungen in diesem Hause auch politische Entscheidungen seien. Einige Kolleginnen und Kollegen spekulierten daraufhin, dass ihr das „richtige“ Parteibuch gefehlt habe (sie hat gar keins) und wahrscheinlich jemand in dieser Hinsicht „Passenderes“ den Zuschlag bekommen haben könnte. Was ist eurer Meinung nach von diesem Gedanken zu halten? Habt ihr schon mal Ähnliches mitbekommen?
WIE sollte bitte das Parteibuch eine Rolle spielen?
Erstmals: es gibt Stellen, die tatsächlich im Vorfeld fast vergeben sind.
und sonst: Natürlich sind alle Entscheidungen in einem Ministerium "politisch". Auf solchen Stellen werden aber arbeitende Generalist*innen gesucht, die zwar selbst denken können, aber ausführen.
Wurde die Person im Vorstellungsgespräch gefragt, ob sie für die Abschaffung des Gymnasiums ist und hat sich in einer bildungspolitischen Diskussion verfangen?