Du hast manchmal ein bisschen was vom dauerbeleidigten Mathelehrer, der sich empört, dass keiner mehr Bruchrechnen kann. Was bei weitem nicht so despektierlich gemeint ist, wie es sicher klingt. Deine Begeisterung für Sprachen in allen Ehren, aber die Zeiten ändern sich nunmal und die Unterrichtsinhalte müssen angepasst werden.
Jaaa… lass uns dann bitte die Fremdsprache canceln. Glaub mir, ich würde dafür bezahlen, das nicht mehr unterrichten zu müssen.
In meiner persönlichen Situation an meiner Schule: ich unterrichte gerade nicht, es ist Verwahrung mit Alibifremdsprache.
Und natürlich ändern sich die Zeiten, aber wir vergeben trotzdem Abschlüsse nach geltenden Lehrplänen. Ich rede nicht von dem, was meine Austauschschülerin vor 25 Jahren gemacht hat. Sondern von Schülern, die NICHT verstehen, dass man Verben konjugiert, und auch nicht, dass das zweite Verb widerum nie konjugiert ist.
Ich kann damit umgehen, dass Gedichtinterpretation, Entwicklungstheorien, Wirtschaftspolitik oder französisches Drama des 17. Jahrhunderts mässig begeistert. WIRKLICH! Aber ja, Bruchrechnung sollte man können, wenn (!!) man Abitur will, solange (!!) die Lehrpläne sind, wie sie sind.
Und glaub mir, im Alltag schäme ich mich für meinen Französisch-Unterricht. Mein täglicher Erfolg ist, wenn die Schüler die Aufgabenstellung auf Deutsch verstehen und bereitwillig sind, die Lücken auszufüllen.
Zum monologischen Sprechen habe ich sie letzte Woche sich auf dem Flur aufnehmen lassen, in der Klasse redet ja keiner.