Beiträge von chilipaprika

    Andererseits habe ich mal ein paar Semester Spanisch als Drittfach studiert, war in der Schule auch sehr gut, habe aber gemerkt, dass das ohne Auslandsaufenthalt niemals funktioniert hätte und habe es deswegen auch an den Nagel gehangen. Ob es das spätere Einsetzen der Sprache in der Schule war, weniger Alltagsbezug zur Sprache oder was auch immer, es klappte nicht wirklich flüssig.

    So, und jetzt zur "Versöhnung": DAS merkt nicht jede*r. und viele haben eine Zweier-Kombi und ziehen es also "trotzdem" durch.
    Ich habe jede Woche Bewerbungen auf Englisch auf dem Schreibtisch, jeden Monat Französisch und Spanisch.
    Englisch: Zwischen "fehlerfrei schreiben" und es gibt keine komplexe Satzstrukturen sind auch Welten. Ich habe alle paar Wochen Sachen vorliegen, da ist in der ganzen Bewerbung kein einziges Phrasalverb und noch dazu Fehler in der Adverbnutzung.
    Französisch/Spanisch: keine Angleichung der weiblichen Person, kein Subjonctif/subjontivo, die Negativklammer ist entweder keine Klammer mehr oder hat nur einen Teil (schriftlich!)

    Referendar*innen im Unterricht: nach 18 Monaten Ref ist die Passivkonstruktion weiterhin falsch, auf JEDEM Arbeitsblatt habe ic Fehler gefunden (egal ob Ausbildungsunterricht oder eigener Unterricht, wenn ich zu Besuch war), basale Fehler an der Tafel.
    Ich rede NICHT von meiner (super!) Reffin, die den zweiten Weltkrieg in der Oberstufe unterrichtet hat, und 1-2 Sprachmittel nachlernen musste und den ganzen Waffenarsenal nicht kannte.
    Ich rede nicht mal (sorry, Französischbeispiel), dass jemand den passé simple nicht bilden kann oder sich schwer tut, gewisse Präpositionen einzusetzen.
    Come on, ich bin nicht blöd, ich ü40 und mehr als die Hälfte meines Lebens im "Sprachbad" und weiß um die Fehler, die ich mache. Ich spreche von Leuten, die mir behaupten, dass sie sich vom Auslandsaufenthalt haben befreien lassen, weil sie es nicht bräuchten und nach 6 Monaten Schreikrampf meinerseits weiterhin "jouer à / jouer de" (1. Lektion im 2. Lernjahr) falsch verwenden oder "vous pouvez écrivez" Arbeitsblatt schreiben.

    Also: ein Auslandsaufenthalt löst nicht alle Probleme, einige Menschen kommen auch ohne gut durch, aber die Tatsache, dass Einige gut durchkommen, sollte nicht dazu führen, dass man es runterspielt. Immerhin unterrichten wir auch mehr als "nur" Grammatik (auch wenn es mir leider oft so vorkommt).

    Also: Ausbildungsunterricht ist doch nicht Hospitation! (und erst recht nicht, wenn es keinen bedarfsdeckenden / eigenverantwortlichen Unterricht gäbe).
    Ich habe sowohl in NDS im Ausbildungsunterricht jenseits vielleicht einer Doppelstunde den ganzen Quartal unterrichtet, je nach Fach/Lerngruppe/Mentor/Leistungsstand engmaschig betreut oder frei mit Rückmeldungen und Nachbesprechungen, als auch in NRW erwarte ich, dass der/die Reffi so schnell wie möglich unterrichtet (in der Regel eine eigene Unterrichtsreihe zum Beispiel). Auch da gibt es je nach Leistungsvermögen des Reffis mehr Anleitung, mehr Vor- und Nachbesprechung. Es sollte seine Reihe sein, ich habe aber die Verantwortung und gebe die Leitplanken, im Rahmen dessen man sich bewegen darf, sowie die Rückmeldungen zur Verbesserung..

    Von nicht ausbilden können war keine Rede.

    Manch einer wird das Gegenteil behaupten: wird der Referendar nicht eigenverantwortlich eingesetzt, so erhält er um so mehr Ausbildungsunterricht, da die zu unterrichtende Gesamtstundenzahl ja die gleiche bleibt.

    stimmt.
    Und gleichzeitig nachgedacht, einen ähnlichen Fall gibt es gerade an meiner Schule und eine Mitreffi der Referendarin, weil es überhaupt in der Schule kaum Stunden gibt, ich hatte es kurz verdrängt.

    Oh wow, sorry.

    Ich hätte angenommen (sorry, naive Logik), dass eine Schule, die in einem Fach nicht ausbilden kann, dies auch meldet und es auch Folgen hat.

    Dann bin ich noch dankbarer, dass ich (in NDS) eine Franz-Klasse hatte, weil es dort quasi ein Lehrer pro Lerngruppe gab..

    Die Schule ist verpflichtet, dir die Stunden zu geben. Ob deine KuK Minusstunden bekommen oder nicht, ist es nicht dein Problem (und das sage ich als Kollegin, die schon mehrfach Klassen an Reffis abgegeben hat. Mal mit anderer Lerngruppe, mal mit Minus. War ich happy? Nein. War das die Schuld vom Reffi? Nein. Hätte ich lieber meine Stunden behalten, gegen die Ausbildung des Reffis (falls ich überhaupt die Wahl hätte, was ich nicht habe): NEIN.

    Wird schon!

    Ist es, ist es aus heutiger Sicht.

    Die Pflicht in NRW liegt bei 12 Wochen, ich muss mindestens einmal alle 2 Wochen einem Studi sagen, dass wenn mein 15-16wöchiges Angebot ihm nicht passt, er gerne alleine woanders was suchen kann.

    Ein Streit ist auch mal um 3 Tage (12,5 Wochen) entfacht.

    Offiziell hätte ich 1 oder 3 Jahre Ausland gehabt (Doppelabschluss), MIR (und meinem Anspruch) hätte ein Jahr sogar nicht /nur knapp gereicht. Wahrscheinlich eine Kombi aus ‚schwerer Sprache‘, ‚Grundausbildung nicht so gut‘ (trotzdem durchgehend Klassenbeste und eine 1 im Abi - was sehr viel über das frz Abitur aussagt) und ‚doof‘ ?!

    Aber: ich hatte noch nie eine*n Franz-Kolleg*in /Reffis, dessen Fremdsprachenkenntnisse ich annähernd respektiere, der weniger als 8 Monate im Ausland war. Ältere Generationen ausgenommen.

    Ist anekdotisch natürlich, es wird aber nicht besser, da man aus der Schulzeit bestimmte Sachen nicht mitnimmt (in den meisten Sprachen)

    Nicht böse sein, ich werde jetzt etwas sagen, was sicher Vielen nicht gefällt:

    (Und vermutlich / vielleicht ist es in Englisch ja gaaaaanz anders)

    Ich hatte ja auch (Mit-)Reffis, die (mit oder ohne Auslandsaufenthalt) der Meinung waren, sie hätten es nicht gebraucht.

    Tja, ich sehe/sah es (zum Teil deutlich) anders, und das zum Teil eben nach dem Aufenthalt.

    Edit: ich hörte und las deren Sprache. Und sie hätten es noch nötig gehabt.

    Ausnahmen gibt es natürlich, ist klar, genauso wie es Leute gibt, die nach 2 Jahren ein drittes bräuchten.

    ab nach Irland (oder Malta) für ein Schulpraktikum in einer Grundschule.
    (Hohe) finanzielle (Erasmus-)Förderung, Erfahrung in der Grundschule (wenn auch nicht unbedingt 100% mit einer deutschen Schule vergleichbar, auch nicht von der Tätigkeit her), gut für die Sprachkenntnisse.
    Sorry, ich ziehe die A..-Karte, aber ein Englischlehrer, der noch nicht (nennenswert) ins Ausland gegangen ist, das gibt es meiner Meinung nach nicht. Du hast jetzt Zeit, die Pandemie ist gar kein Grund mehr.

    Ich hatte als Schülerin null Respekt vor meiner Englisch-Lehrerin, keine Ahnung, ob sie schon mal im Ausland gewesen war (sie war mit einem Engländer verheiratet), aber sie hat Fehler an der Tafel gemacht, die ich sehen konnte, hat alles getan, um keine langen "Abschnitte" selbst zu reden.
    Da habe ich mir damals geschworen, DAS wird mir nie passieren. Das Studium bestehen ist leider das Eine, die Sprache RICHTIG beherrschen (und ich spreche NICHT (!!!) von C2+, sondern von Flüssigkeit, Redewendungen, kontern können, wenn ein Muttersprachler in meinem Unterricht wäre (ist!) (oder Oberstufenschüler*innen nach einem Auslandsjahr) und Sachen behauptet.

    Ich verstehe das nicht...
    Habe ich einen Knick im Denken, aber was hat die PKV damit zu tun? Du bist doch da schon längst Kunde? Und auch die Probezeit bei Beförderungsämtern: Seit wann muss man in NRW wieder zum Amtsarzt bei einer Beförderung? (Nicht, dass ich es 100% wüsste, aber ich habe es nie gehört und ehrlicherweise bin ich sicher, man würde dann viel öfters davon lesen, wenn man sieht, wie viele sich in der Probezeit der Verbeamtung verrückt machen.


    Zum Rest: Man darf auch im Laufe des Lebens krank werden. Sich ein Bein brechen oder Probleme bekommen. Da wird nicht geguckt, ob man früher nicht genug Calcium zu sich genommen hat und die Knochen porös sind...
    Und bei den aktuellen Wartezeiten im psychischen Bereich, den Folgen der Pandemie, allen Problemen auf dieser Welt, habe ich Schwierigkeiten mir vorzustellen, dass unter allen Patient*innen nur Angestellte und selbstzahlende Beamt*innen sind.

    Aber die Mittelstufe ist doch dafür da vorzuselektieren, wer das Zeug für die Oberstufe mitbringt.

    Das mag sein. Aber trotzdem ist nicht 60% eines Jahrgangs unfähig, also passt man sich an.

    Und liebe "Nebenfach-Lehrer*innen/ Deutsch-/Englisch-LuL", vergesst bitte nicht, was wir in der 2. Fremdsprache (und Mathe) für eine bescheuerte Buh-Situation haben.
    Kombi von Lern-/Fleissfach, die Kids müssen im Vergleich zu Englisch voll das Tempo anziehen, die Grammatik ist WESENTLICH komplexer, wir sind also sowieso diejenigen, die den wackeligen 4er-Kandidat*innen in der Unterstufe das Genick brechen, es muss aber für das Gros realistisch sein.
    Es gibt keine 1, ganz viele kriegen eine 3 oder 4 ABER es können nicht grundlos Mengen an Schüler*innen eine 5 bekommen (und trotzdem habe ich in Jahr 3 und 4 viele Schnitte "unterm Schnitt". Aber es ist ein Unterschied, ob es nachweislich am Nicht-Lernen der Klasse liegt oder an ungleichen Bedingungen und dem WILLEN, dass sie trotzdem weiterkommt.

    Aber vielleicht ist das auch so ein Fall, wo wir schriftlich aneinander vorbeischreiben, der sich mündlich aber leicht auflösen lassen würde.

    vielleicht, aber ich glaube nicht.
    Ich bin TOTAL bei dir. In der Theorie.
    In der Praxis bin ich in einem System verfangen.

    Ich gebe nicht "zu gute Noten", um beliebt zu sein oder mein Fach zu retten (es ändert nichts daran, dass alle abwählen. Zugegeben, einige SuS, die in die Oberstufe das Fach anwählen, würden woanders nicht überleben.

    ABER:
    Ich muss auch mit den Kindern zurechtkommen, die zu mir kommen. Die von den Voraussetzungen her nicht so sind wie am Münsteraner Privatgymnasium. Und da es bei mir die Mehrheit ist, muss ich eben so arbeiten.
    Ich vergebe keine großzügigen 1er, aber ich schätze, mehr als die Hälfte der 4er am Ende der Mittelstufe sind 5er (und ich habe trotzdem noch 5er).

    WENN ich mich daran orientieren würde, was offiziell für ein Sprachniveau mit einem "bestanden" bescheinigt wird (B1 am Ende der Mittelstufe, B2 in der Oberstufe), dann müsste ich der Hälfte der Klasse eine 5 geben. Meine gerade aktiven Schulkolleg*innen haben an einem Projekt teilgenommen, wo die Klassen geschlossen die B1-Prüfung als Klassenarbeit schreiben. weniger als eine Handvoll von 60 dürfen überhaupt in den mündlichen Teil (um dann vll 50 von 100 Punkten zu haben). Die beste bisherige Note ist eine 3minus (laut DELF-Skala, ein 1er Schüler) (es hat auch mit der allgemeinen Diskrepanz der offiziellen Niveaus mit der möglichen Erreichbarkeit im Schulsystem zu tun. aber wenn beides zusammenkommt, dann weinen Alle.

    Ich glaube, der Sozialtypus einer Schule kann zwar eine Rolle spielen, muss es aber nicht. Relevanter ist meines Erachtens welchen Selbstanspruch ein Kollegium hat und verfolgt und nicht nur den eigenen SuS vermittelt, sondern auch neuen KuK.

    Ich spreche jetzt ausdrücklich nicht von Abiturerfahrungen, aber selbstverständlich muss ich meinen Selbstanspruch senken / der Schule anpassen.
    Oder soll ich etwa nach zwei Jahren 50% der Französisch-Schüler*innen eine 5 geben?
    Ja, die Sozialnorm spielt eine Rolle und sie ist eben je nach Standort und Umwelt anders.

    ich bin voll bei dir.

    Frankreich ist ja in der Hinsicht BaWü sehr ähnlich und ich stehe immer noch unter Schock, wie Prüfungen in Deutschland ablaufen (ich war noch nie in BaWü im Bildungskontext).
    Und auch wenn ich es genieße, dass es also beim Abitur doch gar nicht so stressig ist, wie ich es vorher befürchtet hatte ("oh mein Gott, jemand wird rausfinden, dass ich gar nicht unterrichten kann!", "oh mein Gott, jemand wird rausfinden, dass ich nicht korrigieren kann", ... Imposteur-Syndrom lässt grüßen), weiß ich, dass diese falsch gefühlte Sicherheit, mit der ich gelernt habe, zu korrigieren (eben indem ich mich durchaus an KuK orientiere, weil ich zuerst als Zweitkorrektur dran war), eben falsch ist.
    Eine Fremdkorrektur hatte ich noch nie, und ich bin sicher, dass es mit einem Gymnasium eines anderen Sozialtyps doch zu Unterschieden führen könnte.

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