Gleitzeit erlaubt das "Gleiten" also nicht in völliger Freiheit, sondern nur innerhalb eines vereinbarten Zeitrahmens, üblicherweise Mo.-Fr. von 07:00-18:00 Uhr. Weiterhin sind verbindliche Termine wie Meetings einzuhalten. Was schlußendlich dann bei einer Vollzeittägkeit als noch Spielraum übrig bleibt, ist faktisch häufig auf die Entscheidung begrenzt, 30-60 Minuten früher oder später anzufangen und aufzuhören.
Ich habe nur anekdotische Evidenzen, aber doch ein paar Einblicke in Großbetriebe und Großbehörden und auch wenn es nicht alle erfasst, dann sind es trotzdem große Arbeitgeber*innen.
Ich darf arbeiten zwischen 6.30 und 20.00 (na gut, ICH kann arbeiten, wann ich will, weil nicht erfasst, aber es sind die Rahmenbedingungen), mein Mann (Privatwirtschaft) zwischen 6 und 21 Uhr.
Bekannte in einem Ministerium (nicht NRW) haben ebenfalls 6-21 Uhr und 50% Home Office mit größtenteils freier Einteilung.
Klar, der Busfahrer kann nicht einfach so eine Linie auslassen.
Aber einige befreundete Sozialarbeiter*innen können auch einen Teil ihrer Termine frei legen und lassen mal eine große Lücke dazwischen für Privattermine. Viele haben eh nur bewusst eine Teilzeitstelle, um daneben Freizeit und/oder Selbstständigkeit zu haben.
Meine Zahnarztpraxis hat vor Kurzem zwei Zahnärzte mit der Ausschreibung eingesetzt, dass sie nur 2 Tage die Woche arbeiten müssen und sonst Vertretungen in den Schulferien machen, bei meinem Hausarzt arbeitet ein Arzt nur vormittags, im medizinischen Zentrum im Dorf daneben arbeiten die meisten Beteiligten nur 3-4 Tage die Woche (und keine Ahnung, was sie sonst machen)
Sooooo viele ständige Termine hat man ja nunmal nicht, irgendwann dazwischen muss man arbeiten. Ich lege meine (beweglichen) Sprechstunden auch gerne um 8 Uhr, um 16 oder 17 Uhr, bei Home Office-Tagen habe ich nicht selten eine 2-stündige Mittagspause. um 11, 12 oder um 14 Uhr.. Bei meinem Mann genauso.
Aus meiner anekdotischen Beobachtung, dass die Fahrendenmenge im 6 Uhr-Zug sich seit Februar gefühlt verdoppelt hat, entnehme ich, dass viele Menschen die hellen Tage zum frühen Anfangen nutzen (und bei der Arbeit selbst merke ich es eindeutig: wo ich bisher bis 9uhr zwei Stunden fast ganz alleine war (mindestens bis 8uhr/8uhr30 ganze Ruhe), sind seit 2-3 Wochen spätestens um 8 die Hälfte der Präsenzleute da.
Die Arbeitswelt wandelt sich und muss sich anpassen. Und da wo die Produktion sich eben NICHT anpassen kann (will?), weil Schichtsystem, einige Berufe wie meinetwegen Polizei und Schule auch unflexibel sind, wird es doch irgendwann Veränderungen geben müssen.
Aber: dann müssen "wir" akzeptieren, dass wir keine Beamten mehr sind (ich nehme den Deal SOFORT, Andere schlucken dann die Unflexibilität, um Beamten zu sein 