Beiträge von chilipaprika

    Super anekdotische Evidenz:
    weit mehr als Hälfte der männlichen Grundschulleute in meiner Sprechstunde sind naive Träumer, die glauben, dass die Welt ihnen aufgrund ihres Penisses offen steht. Das erklären sie nicht nur im Beratungsgespräch "Ich studiere Grundschullehramt, man braucht Männer, da ist es nicht so schlimm, wenn meine Abschlussnote nicht so gut ist", sondern auch in ihren Bewerbungsunterlagen "Nehmen Sie mich, ich bin ein Mann und jede*r weiß, dass dies eine Bereicherung für Grundschulen ist" (interessanterweise weiß ich nicht, ob es tatsächlich in den Ländern auch der Fall ist). Erfahrung im Studium haben sie oft nicht, weil "das FSJ reicht".

    Komischerweise hat mir noch nie eine weibliche Kandidatin mit dem Fach Physik oder Informatik Ähnliches erzählt...

    (Aber ich habe auch immer wieder männliche Goldstücke, die nach dem FSJ durchgehend im Ganztag arbeiten, sich engagieren und tolle Noten haben...)

    Mal anders herum gedacht: wenn ich als Englischlehrer in ein englischsprachiges Land auswanderte, würde man mich dort als Englischlehrer einstellen? Ich selbst könnte mir das nicht vorstellen, da ich zwar sicherlich gut Englisch kann, aber vom Muttersprachler meilenweit entfernt bin. Für Englisch als Zweitsprache wäre ich sicherlich eine gute Besetzung.

    Weil das (ESL) auch deine Qualifikation ist. Für muttersprachlichen Englischunterricht bist du nicht ausgebildet (könntest aber durchaus den Transfert schaffen, wenn du das anstreben würdest). Es ist immer eine persönliche Einstellungs- und Anspruchssache, aber ich finde es traurig, dass du dich als Gym-Englischlehrer*in als "meilenweit" vom Muttersprachlerniveau entfernt einschätzst.
    Hier als Deutschlehrer*in arbeiten kann man aber (in der Regel) nicht mit einem ausländischen DaF-Abschluss, sondern mit einem inländischen Germanistik-Abschluss. Und es ist gut so.

    Ich befürchte: ja, auf eine gewisse Art und Weise IST es primitiv.
    Das Video hatte ich nicht für Migrationshintergrund, sondern für "Vorbild".

    Meine ersten Auseinandersetzungen mit dem Thema "Vorbild bei struktureller Minderheit" waren bei gehörlosen Kindern. Gehörlose Kinder haben/hatten ganz oft gar keine Vorbilder. Sie kennen nur andere gehörlose Kinder und viel zu selten gehörlose Eltern. (Zum Glück ändert sich die Situation in den Schulen seit 1-2 Jahrzehnten). So dass viele Kinder glauben können, dass sie entweder später auch hören, oder gar nicht so alt werden.
    Ich finde solche Gespräche / Dokumentationen schrecklich.

    Aber ja, es spielt eine Rolle, was ich sehe. Und ja, auch wenn es in Beverly Hills aufgewachsene Schwarze sind, es ist wichtig, dass sie sichtbar sind, denn auch sie werden Diskriminierung erlitten haben, wenn auch nicht so stark in Harlem oder in den Südstaaten (Racial Profiling und co..).

    Es ist für Kinder im Rollstuhl wichtig zu sehen, dass sie später als Erwachsene nicht nur in einer Behindertenwerkstatt arbeiten können, sondern auch auf einem Amt, als Lehrkraft, als Forscher*in, usw..
    Auch wenn es vielleicht erstmals nur möglich wurde, weil der Papa vom behinderten Kind Jurist war und alles durchgeklagt hat.

    Und nach und nach kommen eben auch die Arbeiterkinder der Migrantenschichten an die Unis, weisen dort den Weg und sorgen dadurch auch für mehr Diversity.
    Ich finde es gut, dass die sichtbaren Migrant*innen nicht nur die Putzkraft nach Feierabend oder die Lehrkräfte für muttersprachlichen Herkunftsunterricht oder extern angestellte Lehrkräfte für Religion. Es ist gut, dass es Lehrkräfte mit Examen gibt, die Islamische Religion unterrichten und zeigen, dass sie nicht "am Rand" bleiben müssen.

    Wenn wir schon bei Lektüreempfehlungen sind: neben Karim Fereidoonis Studien, die zweifelsohne vorreitend sind, empfehle ich den soziologischen Blick von Aladin El-Mafaalani und unter anderem sein (letztes?) Buch "Wozu Rassismus?" und den "Integrationsparadox". Es eröffnet Augen, ganz ohne Vorwürfe.

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    dann sind wir uns einig, dass es ein gar nicht niedriges Alter ist, damit - aufgrund (!) der Kindererziehung - eine Vollzeitstelle für eine*n reserviert wird?'
    Eine (mittlerweile pensionierte) Kollegin war noch in Teilzeit als beide Kinder mit dem Medizinstudium oder gar Promotion fertig waren. Jüngstes Kind war 27, als wir sprachen.
    Ich kann es verstehen. Teilzeit ist auch schön und die "freie Zeit" genießen, die man hat, wenn die Kinder eben nicht mehr jede Minute beanspruchen, sicher schön. Aber dass der Staat dafür den Platz warm hält und das Kollegium es auffangen muss (so ist es, wenn man keinen offiziellen Grund mehr), ist so eine Sache, über die man sprechen könnte.

    Die Jobsuche ist stark bundeslandabhängig. Wenn du in Bayern bist, spielt ausschließlich die Note eine Rolle (Ausnahmen bleiben Ausnahmen in der Stellenbesetzung). Wenn du in NRW oder NDS bist, spielt deine Note eine Rolle, um eingeladen zu werden, im Vorstellungsgespräch spielen deine Kompetenzen UND die Sympathie (Habitus, Wellenlänge, usw..) auch eine Rolle.
    Es müsste mittlerweile in jedem Bundesland sowas wie das Netzwerk der Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte (NRW) geben (in NDS heißt es "mit Migrationsgeschichte", zb). Da kannst du in der Regel auch als Student*in beitreten, es gibt oft an Hochschulen kleine Gruppen, das empfehle ich dir. Es mag zu Beginn schräg klingeln ("ich bin doch mehr als meine Zuwanderungsgeschichte!"), tut aber sehr gut, auf soviele andere Ichs zu treffen.
    Und tatsächlich ist die Entscheidung für das Fach Deutsch eine überproportionale Entscheidung.

    Ich hatte persönlich sehr wohl mit Diskriminierung zu tun (unter anderem mit "die Eltern würden hier auflaufen" begründen), ich spreche aber 1) von Zeiten vor 10-20 Jahren (ich hoffe, es ist jetzt besser), 2) ich habe mehr als eine "Zuwanderungs*Geschichte*" und falle bei Stresssituationen leider schnell sprachlich auf. Das tun die Allermeisten der 2./3. Generation nunmal nicht mehr :)

    Also: ja, es gibt Leute mit Vorurteilen. Aber zum Glück immer weniger.

    ich habe wahrscheinlich etwas überlesen, das mit dem Zoll habe ich nicht gesehen, sorry.
    Wenn ich als Deutsche durch das Tor "Deutsche" gehe, aus Versehen (mir ist klar, dass dein Schüler cool sein wollte) meinen französischen Pass aber vorlege, bin ich trotzdem eine halbe Minute später nicht weniger Deutsche.

    Mir kann es nicht passieren, weil ich tatsächlich nur noch einen Pass (aus Papier) habe, ist aber einer Professorin von mir passiert, die - ebenfalls mit doppelter Staatsbürgerschaft - mit zwei Pässen reiste und am deutschen Flughafen den deutschen Pass vorlegte, in Afrika aber den französischen (wo sie weniger Papierkram als als Deutsche brauchte).
    Ein Freund von mir reiste auch vor 20 Jahren immer mit zwei Pässen, weil er mit bulgarischem Pass nach Kuba einreisen konnte, und sonst den deutschen nutzte.
    ICH würde nicht mit Grenzbeamten scherzen, trotzdem gibt es Regeln, an denen sie sich auch halten müssen, auch wenn jemand sich blöd verhalten hat.

    irgendwie sagt mir mein Rechtsverständnis, dass der junge Mann schön hätte klagen dürfen.
    Ob das Verhalten in Ordnung und "erwachsen" ist, okay, aber zwei Pässe mit unterschiedlichen Berechtigungen zu haben, ist nicht verboten.

    Ps Was meinst du mit "Systemsprache"? Welches "System"?

    Beim ersten Mal dachte ich, er meint die Sprache im Kopf (MEINE Systemsprache wäre dann je nach Gebiet unterschiedlich), ich glaube aber jetzt, dass es vom Computer die Rede ist. So übersetze ich zb fast automatisch Sachen aus Niederländisch oder Dänisch immer ins Englische oder Deutsche (je nachdem, was meine Kommunikationssprache ist), also ein Add-on am Computer?

    Ich arbeite 50% meiner Arbeitszeit auf Englisch, vielen Dank der Fürsorge, ich kann sehr wohl Englisch. Ich weiß nicht, wie du auf die Idee kommst, dass ich es nicht kann, nur weil ich nachgefragt habe. Französisch kann ich sogar noch besser, ich habe also das Zitat nicht nicht verstanden (auch hier ist mir unklar, wie du darauf kommst.)

    aber was BRINGT es, etwas in eine dritte (!!) Sprache zu übersetzen? Auch wenn deine Systemsprache Englisch ist, ergibt es doch wenig Sinn, es hier ins Englische zu übersetzen, wenn du glaubst, dass jemand etwas nicht versteht. Erst recht, WEIL es ein Zitat ist.
    und das ist wirklich eine richtige Verständnisfrage.

    Auf den Rest habe ich keine Lust mehr, egal ob anekdotische Evidenz oder nicht, ich kenne Einzelerfahrungen, und es sind nicht wenige. Also behaupte ich weiter.

    Nochmal: es ging um das Zitat.

    Zu Englisch: Women would truly be equal to men the day an incompetent woman was appointed to an important post.

    Offtopic: Ernsthafte Nachfrage.
    Warum hast du das französischsprachige Zitat ins Englische übersetzt?
    Um cool zu wirken?
    (Wenn es dir darum gehen würde, dass Alle das Zitat verstehen, dann wäre Deutsch durchaus die Forumssprache. Und weil du dies in deiner Antwort an mich übersetzst: Vielen Dank für deine Mühe, meine Aussage lag aber nicht an einem sprachlichen Mangel der französischen Sprache.)

    Und mein Beitrag hatte sich zeitlich mit deinen Antworten überschnitten, ich gehe mit dir d'accord: Inkompetenz hängt nicht am Geschlecht. Es gibt aber Bereiche, wo eine Frau eine deutlich höhere Kompetenz aufweisen muss, als viele Männer, die es für sich für selbstverständlich annehmen.
    Andere Baustelle: Noch schlechter geht es da allen Menschen aus diskriminierten Bevölkerungsgruppen, die viel mehr leisten müssen, damit man sie sieht und in Betracht zieht, während weiße Mittelschichtsmenschen sich wesentlich mehr Fehler leisten können, WEIL sie schon in der Mitte der Gesellschaft sind.

    aber zum Glück sind Scheuer, Amthor oder so besser?

    Der Unterschied in der Politik ist oft: wenn eine Frau Klausuren "verloren" hätte und Leuten eine Note gegeben hätte, die nie da waren, oder in Wirecard/Cum-Ex-Geschäften verwickelt wäre, wird es an ihrem Geschlecht und "war nur da wegen der Quote" festgemacht.

    dann habt ihr wohl keine "Konkurrenzschule" mit vorgezogenem Bewerbungstermin, oder?
    Februar wäre natürlich super ( = besser). Aber alle weiterführenden Schulen sind bei uns im November/Dezember. Kenne ich auch tatsächlich von mehreren Städten.
    Anmeldung in Februar, in Januar bei den Schulen mit vorgezogenem Verfahren (bischöfliche Schulen oder Gesamtschulen).
    Ob es am Bundesland liegt (wahrscheinlich: ob die Anmeldetermine am Bundesland liegen)? Ich war tatsächlich beim Tag der offenen Tür eine NDS-Schule, wo ich vielleicht hinwollte, und es müsste tatsächlich grob im Frühling sein, ich war noch ganz lange nicht mit dem Ref fertig.

    Ach, Frauen, denkt nur daran:
    - die Frauenquote !!!1!111
    - Bevorzugung von Frauen bei gleicher Qualifikation !!1!!!

    (oder wie mir ein weißer, fast 40jähriger Mann als Dozent an der Uni sagte: "ist halt jetzt scheiße... ich werde nie im Leben eine Stelle bekommen, weil es jetzt genug Frauen gibt, die sich bewerben. Ich finde es gut, aber für mich ist es beschissen".

    Das ist doch wirklich nichts neues, dass man einen guten Teil seiner Arbeitszeit in eigener Verantwortung gestaltet und ich hatte hier ja bereits beschrieben, wie das konkret aussehen kann. In der Woche des Tages der offenen Tür habe ich mit Sicherheit keine Korrekturen auf meinem Schreibtisch liegen....oder sie bleiben halt liegen. Auch kümmere ich mich dort nicht noch zeitgleich um Entwicklungsprozesse o.ä.

    Du Glücklicher.
    In der Woche des Tages der offenen Tür habe ich IMMER Korrekturen auf dem Schreibtisch (vielleicht liegen sie ein bisschen). Zwischen Mitte November und Weihnachten schreibt immer irgendjemand (bei 6 Korrekturgruppen (ja, ich weiß, tolles Wort aus NRW) ganz normal), und / oder: Lehrerkonferenz (in November), Fachkonferenzen, die nicht schon Ende Oktober gemacht werden konnten (hängt ja ein bisschen vom FK-Vorsitz ab), Elternsprechtag ist auch da dazwischen..

    Ach, schon alleine diese Worte zu schreiben.. kein Wunder, dass ich weiterhin Panikgedanken vorm November-Monat habe.

    Ich kenne kein digitales Klassenbuch in Deutschland, kenne aber die Funktionsweise von französischen Kolleg*innen und da verstößt selbstverständlich nichts gegen den Datenschutz. Die Eltern loggen sich schließlich mit IHRER Kennung und können nur das sehen, was für sie relevant ist:
    - Stundenplan und Stundenausfälle
    - Hausaufgaben

    - Tafelbilder (ja, man kann sich bei beiden ruhig die Frage stellen, ob das für die Eltern (und die SuS) relevant und notwendig ist)

    - Anwesenheit und Verspätungen des Kindes

    - ggf. Tadeln (wie gesagt: in Frankreich).

    Dass Leonie heute zu spät war, sieht Luca-Fynns Mama natürlich nicht. Aber Luca-Fynn kann nicht sagen, dass Sport ausgefallen ist und er früher nach Hause durfte, oder dass in Mathe die Klassenarbeit nicht zurückgegeben wurde.
    Und leider muss Frau Meyer die Deutschlehrerin auch immer eintragen, so dass alle Kids sich ein schönes Leben machen und ggf. zu Hause abschreiben.

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