Es hängt vielleicht vom jeweiligen Studium ab.
Ehrlicherweise fühle ich mich in meinem ersten Fach (im Vergleich!) am allerwenigsten sicher, weil ich dort kein Ref gemacht habe und ich dort bisher den bisher geringsten Einsatz hatte.
Meine Kompetenzen und Fähigkeiten messe ich nicht an der Anzahl der besuchten Kurse.
MEIN Verständnis von Studium (muss nicht allgemeingültig sein) ist, dass ich akademisch und wissenschaftlich gebildet werde, mich in Themen einzuarbeiten.
Als die (3 möglichen) Rahmenthemen meiner schriftlichen Examensprüfungen (im ersten und zweiten Fach!) am Prüfungsamt (6 Wochen vor der Klausur), dachte ich "yeah (ironisch), von 1 oder 2 Themen pro Fach habe ich kaum Ahnung" (Rahmenthema: "Bürgerlicher Realismus" zb. dafür hätte ich zufällig "Komposita" super gekonnt. Ich habe mich für ein anderes linguistisches Thema ("Wortstellung") entschieden, wo ich noch besser war und habe in Literatur abgewogen, ob ich mich in "bürgerlicher Realismus" oder in "die Komödie vom 19. Jahrhundert bis heute" lieber einarbeite. Ich habe mich für Letzteres entschieden und meine Kenntnisse zur Komödie um einige weitere Komödienwerke und Theorien erweitert.
Im Drittfach war es ähnlich. Ich habe kein Drittfach studiert, um billig ein Fach zu bekommen, sondern weil mich das Fach sehr interessiert hat, ich es auch unterrichten wollte. Nicht desto trotz bin ich nicht der Meinung, dass ein "Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten" notwendig gewesen wäre. Mehr als 2 Hausarbeiten im Fach zu schreiben, war auch nicht notwendig, um zu zeigen, dass ich die Methoden des Faches beherrschte. Denn: die geforderten Scheine waren schon Kurse, die die Einführungen voraussetzen. Hätte ich sie komplett ignoriert (also keine Bücher gelesen oder VL besucht), wäre ich grandios gescheitert. Bei den Abschlussprüfungen durfte ich auch beim Aushang der Rahmenthemen zittern und lustigerweise passte es ganz gut. Nicht wegen eines meiner Kurse, sondern weil mich das Thema (das nebenbei nie ein Seminar an meiner Uni gewesen ist (Parteienverbot)) selbst interessierte und ich schon im Rahmen von Selbstlektüre viel wusste.
Ich habe nicht zuviel Ahnung von Latein, aber ein Drittfachstudent zu meiner Zeit hätte sich nie für die Prüfung angemeldet, wenn er nicht schon in den Hauptstudiumkursen das Gefühl hatte, dass er in Übersetzung und Analyse gut war. Aber ich kenne tatsächlich keine Drittfachlatinisten, sondern nur "grundständigen" (davon hatten aber einige Griechisch als Drittfach genommen).
Ich bin Sprachlerin und Sozialwissenschaftlerin. Ich könnte nicht aus dem Stand ein abgespecktes NaWi-Drittfachstudium machen (das war damals auch nicht möglich, das Grundstudium und ein Hauptstudiumschein waren Voraussetzung für die Zulassung), aber in Geschichte oder einer weiteren Fremdsprache könnte ich viel von meinen ersten Fächern profitieren, würde aber dafür sorgen, dass ich das methodenspezfische des Fachs lerne. und dann geht es um Sachinhalte. Um Kenntnisse von Middle Old English zu haben, brauche ich keinen Kurs, ich kann in der Prüfung zeigen, dass ich es mir angelesen habe. Und eine Einführung in die Literaturwissenschaft brauche ich nach 2 Sprachen echt nicht, dafür eher nur Überblicks- und Vertiefungskenntnisse über englischsprachige Literatur, über Kolonialgeschichte, usw..
Vielleicht war mein Studium so anders aufgebaut, dass es heute nicht vorstellbar ist?
Du hast doch trotzdem weniger machen müssen, wie du selbst zugibst. Die Kollegen, die Erweiterungen in geringerem Umfang machen mussten, sagen, dass sich sich da unsicherer fühlen und merken das ihnen etwas fehlt. Schön, dass es bei dir laut eigener Aussage nicht so zu sein scheint.
Ich habe einige Kolleg*innen mit Erweiterung und das ist mal so mal so. Ein Kollege mit 2 Erweiterungen differenziert und kommt da auch zu dem Gedanken der Fächerähnlichkeit.
Wenn schon erweitern: mit einer fachlichen Abschlussprüfung und nicht mit den Zertifikatskursen ohne Abschlussprüfung (ich trenne jetzt zwischen den ZK mit und ohne Prüfung...), da ist der Umfang tatsächlich viel niedriger und gleicht eher einer "Ausbildung" mit Fokus auf die Schulinhalte. Das bedeutet nicht, dass einige KuK weit darüber hinaus sich einlesen, aber in den meisten Fällen wäre es keine Notwendigkeit, um den Abschluss (mit oder ohne Prüfung) zu schaffen. Das ist keine wissenschaftliche Ausbildung (im Gegensatz zum Drittfach an der Uni), ist aber zu verkraften, weil es eine Sondermaßnahme zur Beseitigung von Lehrermangel ist, und den KuK erst angeboten wird, wenn sie vorher schon einen akademischen, wissenschaftlich fundierten Abschluss haben und somit ihnen zuzutrauen ist, sich beim Entdecken von Grenzen im Unterricht (die JEDE*R mal bei der Unterrichtsvorbereitung hat, egal wie sein Studium hat) fortzubilden. Das traue ich allen Kolleg*innen mit ZK, und auch allen Kolleg*innen, die "trotz" Studium bei einem Lehrplanwechsel neue Themen entdecken.
Yeh, als ich studiert habe, war die EU viel kleiner, und jetzt sogar wieder geschrumpft 