Beiträge von chilipaprika

    Zitat von chili

    Ich habe vor Jaaaahren, sogar in meinem ersten "offiziellen" Jahr, bei einer Portfolioarbeit mehreren Schüler*innen in der Klasse in einigen Teilen der Arbeit eine 6 wegen Plagiat gegeben.

    Rein aus Interesse: War es denn ein Vollplagiat oder waren nur bestimmte Passagen kopiert? Ich kann mich nicht erinnern, dass wir an der Schule jemals ein Vollplagiat z. B. als MA hatten und nur dann käme nach meinem Verständnis unseres Notenreglements die 1 wirklich infrage. Freilich kann ich einiges an Notenpunkten abziehen und mit Sicherheit käme eine ungenügende Leistung (also Note < 4) heraus aber dass eine 1 vor dem Komma steht, kommt schon sehr selten vor.

    ... in einigen Teilen.
    Das war in der jeweiligen Aufgabe ein Vollplagiat. ("Schreibe eine Rezension zu einem Buch deiner Wahl" -> abgeschrieben. Ja, es gibt idiotische 8tKlässler*innen, die auf 4minus in Deutsch stehen, nie lesen, aber eine Rezension zu Goethes Werther (oder so ähnlich) abgeben.
    Es kam keine 6 raus, bei keinem Schüler. Aber bei 2 eben eine 5, weil sie mehrmals in der Arbeit plagiert haben UND sowieso sehr schwach waren.

    @karuna: ist es aber nicht bei jedem Handeln grundsätzlich so? und natürlich auch beim Lehrer?
    Wir gehen erstmal immer unbewusst von uns aus und mit den Erfahrungen und den Jahren hat man viele neue Perspektiven dazu gewonnen, die einen dazu befähigen, vielleicht anders zu handeln..
    und leider ist es auch so, dass ein bestimmtes Handeln bei einem Schüler ganz anders wirkt als bei einem anderen (was nicht unbedingt immer bedeutet, dass man trotzdem nicht handeln sollte).

    Ich habe vor Jaaaahren, sogar in meinem ersten "offiziellen" Jahr, bei einer Portfolioarbeit mehreren Schüler*innen in der Klasse in einigen Teilen der Arbeit eine 6 wegen Plagiat gegeben. Die Regeln waren bekannt, die SuS aber naiv, dass ich es ernst meine (auch zum Teil, wie sich später herausstellte, dass einige KuK etwas ankündigen aber nicht durchziehen) UND dass ich in der Lage bin, im Internet Sachen zu googeln.
    Dies führte bei einigen SuS leider zu einer 4 oder zu einer 5 als Gesamtnote der Arbeit. Ein Elternteil hat sich nie gemeldet (alle Arbeiten wurden wie üblich unterschrieben), ein Elternteil hat hinter meinem Rücken bei einer Kollegin gefragt, ob ich es dürfe, sich bei mir beim Elternsprechtag kackfrech verhalten und die Mutter offenbarte mir, dass Söhnchen nichts dafür könne, SIE schließlich die Sachen aus dem Netz kopiert hätte und ihm gegeben hatte (ja, noch besser), und das dritte Elternpaar hat brav unterschrieben (eigentlich eine sehr fleißige, strebsame Schülerin im 2er Bereich, die in Panik Mist gebaut hat und jetzt ihre 4 hatte) und sich beim Elternsprechtag bei mir bedankt. Es habe zwar viele Tränen gegeben, sie hätten nicht geschimpft / nicht schimpfen müssen, sondern nur "so ist es, Lektion gelernt" gedacht und sich eben bedankt, dass ich konsequent war. Jaaaahre später habe ich von der Schülerin kurz vorm Abi erfahren, dass es ihr eine Lektion fürs Leben war und sie zwar sowieso nie der Typ für sowas war, sie aber nie wieder der Verführung verfallen würde und sie vermutlich die plagiatfreieste Facharbeit der Stufe abgegeben habe, weil sie nie wieder so einen Mist machen würde.
    Bei den zwei anderen Kandidat*innen habe ich vermutlich keine nachhaltige Wirkung erzeugt, außer dass sie (und ihre Eltern, grr) wussten, bei Chili kann man es nicht machen, bei XY schon. Tja, doof aber auch das lernen unsere SuS: wo gibt es Grenzen und welche.

    Mit den Jahren habe ich gelernt, so ein Verhalten nicht mehr persönlich hinzunehmen, ich sehe es aber als einen wichtigen Teil meines Erziehungsauftrags. Mein Ziel ist NICHT, dass alle meine SuS das ganze Wissen aufsaugen, was ich ihnen vermittle. Es geht eh nicht bei Allen. Aber dass sie wissen, WAS sie können und das auch auf ehrliche Art, das ist mir viel wichtiger. Werte vermitteln ist durchaus wichtiger als eine Integralfunktion oder das Subjonctif passé (jaja, den Subjonctif gibt es tatsächlich auch in der Vergangenheit :-D) (aber natürlich müssen die SuS auch die Grammatik und Mathe lernen. Mit Höflichkeit und Ehrlichkeit bekommt man keinen Schulabschluss.)

    Sorry, ich habe keine Lösung. Eine 6 würde ich nicht vergeben, ich sehe es nicht in meinem Bundesland abgesichert, mir wäre wichtiger, klar zu machen, dass sowas zu einem doppelten* Vertrauensverlust führt und dass es im Leben nun mal unschön ist.
    *doppelt: 1) der Schüler hat betrogen, 2) der Schüler versucht, mir einen Fehler anzudichten. Es ist eine schwerwiegendere Lüge, als seine eigene Leistung zu erschummeln.
    Aber: es sind junge Erwachsene: bestrafen, aufklären und dann neue Chancen vergeben.

    wie? du korrigierst einen Test und musst dann diese Noten direkt ins offizielle Notenheft der ganzen Klasse (irgendwo in einem Schrank unter Verschluss? Wer hat da Zugang?) eintragen und musst dann den Zettel zerschreddern, wo du sie kurz eingetragen hattest?
    Wenn der Datenschutz eine*n quasi arbeitsunfähig macht... und absolut absurd ist.
    (Ich produziere doch pro Schüler 1-3 Noten pro Woche. Von der "sonstige Mitarbeit"-Note pro Stunde/Doppelstunde über die Tests (ja, ich schreibe in fast jeder Fremdsprachenlerngruppe jede Woche einen Test) zu den Klassenarbeiten... Ich komme schon nicht rechtzeitig hinterher, die Klassenarbeitsnoten in den zentralen Ordner der Klasse einzutragen (und sitze vor jedem Elternsprechtag schwitzend da und trage alles nach (wie 90% der KuK) ), das würde ich echt nicht schaffen.

    Edit: Wobei, dann müsste jeder die Noten mit nach Hause nehmen und dann fangen die Probleme schon wieder an.

    hä?

    Jede*r hat seine/ihre Noten auf seinem Weg (jaja, der schöne kleine Gewerkschaftskalender lebt noch), die Gesamtnotenübersicht kann auch für den Moment ‚projiziert‘ werden. Nur in dem kriminellen Fall, dass jemand einen Screenshot macht, ist es doof. Mir wurde aber bei Präzenskonferenzen nie mein Handy und Stifte abgenommen, falls ich etwas abschreiben möchte.

    Wer gegen den Datenschutz verstößen will (also bewusst Noten nach außen geben), kann es immer (ich merke mir ja oft Noten von SuS aus anderen Fächern. Punkt. Sie weitererzählen wäre das Problem).

    Chili - zumindest im Grundschulbereich ist das hier in der "Provinz" nicht so. Ich weiß zumindest für einen der Kreise hier in der Provinz, dass es de facto einen Einstellungsstopp gibt. Es gibt einen massiven Überhang an Versetzungswünschen IN den Kreis und die Stellensituation ist eh schon sehr gut.

    Münster kann ich nichts zu sagen. Düsseldorf ist im Grundschulbereich imho tendenziell auch eher unterbesetzt.

    ja, kleiner Frosch, und du wunderst dich?!
    Du machst Werbung für deinen Kreis seit Monaten und Jahren hier im Forum, was glaubst du denn? Natürlich wollen alle im Paradies arbeiten ;)
    und dann kosten Palaste wahrscheinlich ein Appel und ein Ei, klar, dass alle dahin wollen ;)

    Ich bin NICHT in der Provinz, die Lebenshaltungskosten sind nicht niedrig und billig, aber die Immobilienpreise deutlich niedriger als in der nächsten größeren Stadt, und trotzdem wollen ganz viele KuK dort wohnen, für eine kleine Wohnung mehr ausgeben als wir für ein großes Haus.. Offensichtlich gibt es also kein Interesse an niedrigere Haltungskosten ;)

    Weil du für den Staat arbeitest und als Beamte*r alimentiert wirst und nicht nach irgendwelchen wirtschaftlichen Aspekten bezahlt wirst.

    Im genannten Bezirk sind daher auch die Gehälter in der freien Wirtschaft deutlich geringer.

    ...

    im genannten Bezirk gibt es auch deutlich weniger Jobs. und deswegen pendeln viele dahin, wo die Gehälter zwar auch höher sind, aber überhaupt existieren.
    Ich verdiene ähnlich viel wie mein Mann, laufe 10 Minuten zur Schule, er pendelt ü50km. Gut, es könnte umgekehrt sein, aber dann könnten wir uns die Immobilie zwar leisten, aber nicht so wie jetzt.

    Es wird dadurch differenziert, dass es im Regierungsbezirk Detmold bzw. da, wo die Immobilien weniger kosten, oft mehr Stellen gibt (wegen Wegzug bzw. nicht Besetzung durch Versetzungswünsche). Offensichtlich WOLLEN aber die Leute im teuren Münster oder teuren Düsseldorf leben. Selber schuld?

    1. ehrlich: ich bin miserabel. Liegt aber nicht nur am Lehrerberuf, ich bin grundsätzlich miserabel darin, auch in anderen beruflichen Situationen.

    2. eigentlich ist es notwendig, ich sehe mich durchaus regelmässig in den Burnout zusteuern, aber es liegt NICHT an der Schule.

    Wenn man es will (& kann), kann man auch den Schuljob in einen ‚Bürojob‘ umwandeln. Allerdings: und das ist die größte Hürde: mit Höhen und Tiefen in der Belastung. Ich hatte Phasen, da bin ich bis 17-18uhr in der Schule geblieben und habe dort korrigiert. Dann wiederum aber auch genossen, in Freistunden / nach dem Unterricht komplett was Anderes (einkaufen, Sport, Freizeit…) zu machen und dann abends zu arbeiten.

    Welcher Typ du bist, findest du raus (und musst es ggf deinem Kontext anpassen, wenn Kinder da sind, wird es anders, wenn ein Partner einen bestimmten Rhythmus hat, auch, usw…)

    3. die Arbeitsbelastung ist jahresbezogen sicher okay. Der November und Dezember sind der Horror… ich _könnte_ als Lehrkraft 6 Wochen im Sommer frei haben (ich nicht, aber viele KuK schaffen es), je nachdem wie schnell du einen Grundstock an Sachen hast, sind die ersten Jahre schwerer, ist ‚klar‘ aber im Vergleich zu meinem aktuellen (Büro)Job hatte ich vorher (mit nur Korrekturfächern) weniger Arbeit. Unterschied allerdings: jetzt dürfte ich sagen: 41 Stunden, Schluss. Bzw. Überstunden abfeiern. (Was man als LK aber auch in den kleinen Ferien, in September, in April oder so macht… je nach Korrektur- und Konferenzwellen).

    Aber: mental war die Schule härter. Ich arbeite definitiv mehr als meine 41 Stunden im Home Office (wie gesagt Büro), und gebe lieber nicht öffentlich zu, wie viele (wenig) Urlaubstage ich in den letzten 17 Monate genommen habe. In Schulzeiten bin ich, wenn die Ferien kommen, deutlich ferienreif (und geniesse, dass ich zwar korrigieren und vorbereiten ‚darf‘ aber eben nicht zur Schule muss.

    Die Belastung in der Schule ist (jenseits von Corona) halt eine andere. Kein Arbeitsplatz, ständig wechselnde Aufgaben, jede*r und niemand ist für alles zuständig und verantwortlich. Alle tragen alle mit..

    Ach so: in Relation zur Besoldung: grandios. Ob dieses A13 mich allerdings bis zur Pension / Rente über einige Stressfaktoren und Mangeln tragen wird, wird sich zeigen und das bewertet jede*r anders.


    Anders gefragt: gibt es etwas, was du dir konkret gut vorstellen könntest? Es gibt auch in Betrieben Jobs, in denen sich Lehre verknüpfen lässt (ob es ohne eigene Ausbildung nicht schwieriger wird, gute Frage)

    Ich freue mich, heute die neue CoronaSchutzVO so zu verstehen, dass nicht immunisierte Menschen, die in einigen Berufen die Maske nicht durchgehend tragen müssen, einen PCR-Test statt Schnelltest brauchen.

    Hoffentlich bleibt es so. und hoffentlich bleiben die Kosten hoch.

    Ach und ich freue mich, dass Weihnachten ‚vorbei‘ ist.

    Frage deine Kollegen, ich wette, kein einziger hat seine GKV-Akte angefordert, um ja nix falsch zu machen. Das entspricht nicht der Realität und ich wette ebenso, dass es kein Gerichtsverfahren gab, indem wie von dir erläutert verurteilt wurde.

    Wette verloren.
    Ich hab's gemacht.
    Spoiler: ich würde es jederzeit wieder machen, aber ja, es war keine große Freude. Ich habe es allerdings (unbewusst aus gutem Grund?) erst für die PKV und nicht für den Amtsarzt gemacht. War damals keine Absicht, hat sich nur ergeben.

    Ich wünsche dir gute Besserung, aber tut mir leid, mir ist der Sinn für ‚denk an die armen Kinder in Afrika und wie gut es dir geht‘ schon in der Kindheit vergangen.

    Ja, mir/uns geht es verdammt gut. Trotzdem kann ich nachvollziehen, dass bestimmte Sachen sich nicht schönreden lassen (auch wenn die Relativierung sinnvoll sein kann, aber die soll einen erreichen und nicht aufgezwungen sein).

    Gute Besserung!

    Vermutest du jedenfalls, weil das deine Gemütsverfassung wäre in so einem Fall. Wenn sie nur in Quarantäne, aber nicht erkrankt sind, werden sie sich einfach gemütlich einmummeln, ausruhen, viele Weihnachtsfilme und Serien anschauen und womöglich am Ende ein total gemütliches Weihnachten und Silvester mit ihren Kernfamilien verbringen, das sie sich vielleicht jetzt noch nicht vorstellen können. Ein bisserl Optimismus schadet auch dir an der Stelle nicht.

    gibt es ernsthaft Menschen, die eine Wuarantäne schön reden können? Und hat Platty nicht angedeutet / geschrieben, dass die KuK Singles sind?

    Eine Quarantäne alleine ist doof, als ‚nur‘ Kontakt noch doofer, über Ferientage?!

    Es geht nicht mehr darum, Kontakte zu vermeiden, sondern nicht raus aus seiner Wohnung zu dürfen! (&dann noch als Single!) Man kann das beste draus machen aber jdm sagen, dass er optimistisch (ist es wirklich das passende Wort?) sein soll, verstehe ich nicht.

    Und ja, es gibt Schlimmeres. Aber das gibt es immer.

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