Zitat von Fossi74Na, woran wird das wohl liegen? In einem System, das Noten über alles stellt, wiegt ein kleiner Beschiss eben viel weniger als eine schlechte(re) Note.
Da das System Schule seitens der täuschenden SchülerInnen als "Gegner" auf dem Weg des scheinbar angeborenen Rechts auf einen Schulabschluss empfunden wird, sind Täuschungsversuche psychologisch betrachtet auch Formen der "Notwehr" gegen die scheinbare Machtlosigkeit gegenüber den Prüfungen (neben schlichter Dreistigkeit oder Verzweiflung.) Die Einsicht, dass ein Schulabschluss durch (positive) Leistungen erworben werden muss, ist reifebedingt oft noch nicht vorhanden. Der in Deutschland stark verbreitete Argwohn gegenüber (sehr) guten SchülerInnenleistungen als Zeichen übermäßiger Anpassung und Konformität tut sein Übriges.
und seien wir mal ehrlich: im Lehrerzimmer habe ich durchaus einiges erlebt, wo man sich dann nicht mehr wundern muss.
Von "Ach, ist normal, wer hat noch nie gespickt?" und dann ein Auge zudrücken und so tun, als hätte man es nicht gesehen
über "Ich nehme es sportlich und mich interessiert es nicht"
bis zu (ich stehe Jahre später unter Schock) "in den Examensprüfungen habe ich einen Rock getragen, so konnte ich unterm Tisch die Spicker lesen, wenn ich meinen Rock hochzog". Der Satz fiel im Kontext von "Ach, sowas sollte man nicht zu eng sehen" und die Person dachte wahrscheinlich, dass sie super cool ist und ich es auch lustig finde, solche Anekdoten auszutauschen. Ich hielt vorher nicht sooo viel von ihr, es war kein Pluspunkt auf der Liste.
Dann braucht man sich nicht wundern. Ich sagte es schon: Werte müssen beigebracht werden und dass ehrliche Leistung wertvoller ist als eine erschummelte Note, das müsste nicht nur den SuS bewusst sein.