Beiträge von chilipaprika

    ...Das Deputat berücksichtigt diese Faktoren jedoch nur kaum, was wiederum bedeutet, dass "Zeit investieren und sich fortbilden" neben dem üblichen Schulalltag noch in diese 40h-Woche hineingequetscht werden muss.

    Wenn du das Bundesland nicht gewechselt hast: deine Woche hat 41 Stunden, wenn ich mich nicht täusche. Kleiner, aber feiner Unterschied... Man sollte zumindest solche Regelungen kennen, bevor man sie als Rechtfertigung nutzt...

    ich habe damals zurück gefragt, ob man auch von einem Italienischlehrer Französischunterricht verlangen würde,

    Ich hatte ein "Vorstellungsgespräch" (SIE wollten mich unbedingt, ich war nur neugierig) an einer Gesamtschule (NDS): Hauptgrund war Französisch. Da ich ebenfalls Deutsch habe, wäre ich definitiv KLassenlehrerin gewesen. Da ich Französisch unterrichte, war erwartet, dass ich auch Englisch in der Klasse unterrichte, weil ich dann den kompletten "Fremdsprachenbereich" im Blick hätte. Mit PK hätte ich (logisch, Gesamtschule) auch Geschichte und Erdkunde bekommen. Kunst oder Musik hätte ich bitte bitte nehmen sollen, es sei an dieser Schule üblich, und schließlich könne ich ja Noten lesen und ein bisschen ein Instrument spielen (haha, ich LIEBE es Musik zu spielen, aber ich merke es manchmal nicht mal, wenn ich ein Vorzeichen ein komplettes Stück vergesse.. :D). Zum Glück wussten sie nicht, dass ich dabei war, meine ÜL-C-Lizenz zu machen :D

    Ich brauche nicht zu sagen, dass sie nie wieder was von mir gehört haben. Es waren aber fast nur die kleinsten Gründe, die komplette Pädagogik stimmte nicht für mich.

    ich kann zuwenige Fragen beantworten, aber: Da die Universität Bielefeld kein BK-Studium anbietet (oder?), musst du eben an eine andere Uni. Du kannst nicht hier und da Sachen studieren und dann puzzlen. (Gut, rein technisch schon, aber es hilft dir nicht, du MUSST irgendwann in dem realen Studiengang angemeldet sein).

    Mein Zug, der sonst immer sehr voll war (vor Corona) ist aktuell nach wie vor sehr sehr leer.

    Ach, schön, dass es woanders eine ähnliche Wahrnehmung gibt. Ich habe versucht, extra auf einen Zug auszuweichen, in dem keine SuS sitzen (davor oder danach), musste aber letzte Woche drei mal in den "Schulzug" einsteigen. Er war genauso voll / leer wie die anderen. Liegt nicht unbedingt an den Schüler*innen (es sind ja nicht soviele), aber die Menschen, die normalerweise diese Verbindung nehmen (DIE Verbindung war normalerweise brechend voll, die davor und danach weniger aber nicht leer), sind einfach nicht mehr da. Ich spüre Auswirkungen des Home Offices (und des Urlaubs, aber die meisten Menschen fahren in den Schulferien).

    Es ist soooo traurig, sowas von einem Grundschullehrer zu lesen.

    „Schade, Pablo, dass du nicht so gut Deutsch kannst. Streng dich an, es ist deine Leistung, ich kann es dir doch nicht beibringen!“

    Ich hoffe, du merkst das Bild. Ich erwarte nicht von dir, dass du deinen ausländischen Nachbar an die Hand nimmst und ihm Deutsch oder Mülltrennung nach Feierabend beibringst. Aber als Gesellschaft, als Lehrer, als Staatsdiener ist es unsere Aufgabe. Es ist unsere Aufgabe, Deutschförderubg zu betreiben.

    Es ist unsere Aufgabe als Gesellschaft, Asylunterkunfte nicht ausschliesslich in einem (armen, ausländisch geprägten) Stadtteil zu bauen. Darauf zu achten, dass es Angebote in einer Stadt gibt, usw... (Integrationspolitik ist ja eine Kreuzaufgabe von Sozial-, Bildung-, Wohnpolitik usw...)

    Es ist wichtig und gut, dass Sensibilität für interkulturelle Bildung auf dem Lehrplan der Lehramtsausbildung steht. Ganz offensichtlich nicht immer erfolgreich. (Über die Aufnahme von Flüchtlingen rede ich nicht! Sondern über Integration)

    Es führt jetzt weiter ins OT aber da sind wir eh schon: der Gedanke der zeitlichen Begrenzung ist im Übrigen die Quelle jedes Übels in der Integrationspolitik. Warum soll man sich anstrengen, eine neue Sprache / Kultur / Sitten zu lernen, wenn man eh bald wieder weg ist? Warum soll ich fremde SuS beschulen, Kraft, Zeit und Mitteln investieren, wenn sie eh nicht im System bleiben?

    Ein kurzer Blick auf das Scheitern der sogenannten Ausländerpädagogik (und davor, noch schlimmer, da war gar nichts) zeigt es: Integration ist nicht alleine die Leistung des (einzelnen) Migranten sondern aller, auch der aufnehmenden Gesellschaft, schon allein die Haltung.

    fast OT:

    Es ist echt ärgerlich, dass es in manchen Ländern auf der Welt immer noch derart desolate gesellschaftliche Strukturen gibt, dass Menschen sich gewungen sehen, diese zu verlassen.

    Stell dir mal vor: es gibt auch Menschen, die einfach in ein anderes Land ziehen, OHNE dass sie desolate gesellschaftliche Strukturen verlassen. Obwohl, vielleicht trifft es doch auf mich zu..
    "_Noch_ kein geregelter Aufenthaltsstatus" bedeutet wirklich lange nicht, dass es sich um Flüchtlinge handelt. und auch nicht, dass es Länder sind, die uns arm und kriegerisch vorkommen. Es kann auch der US-Amerikaner sein, der seiner deutschen Liebe nachzieht und noch keinen Job hat. (kein Job -> kein Visum, und oft: kein Visum -> kein Job).

    Ich wüsste gerne (anekdotische, reine Neugier) wie viele von den (überspitzt!) „Blindvertrauern“ schon Erfahrung mit einer Ausländerbehörde haben. Selbst oder als nahbetroffener.

    Ich war (in verschiedenen Städten und Ländern) Ausländerin „Erster Klasse“ (kein Scherz, es gibt in vielen Städten und Ländern unterschiedliche Abteilungen und Schalter) und diese wenigen, verhältnismässig so harmlosen Erfahrungen haben mich genug geprägt. Mit einem vollständig ausgefüllten Antrag samt Unterlagen kommen, bei Öffnung des Gebäudes um 7uhr da sein, 2-3 Stunden warten („Zweite Klasse“ = locker 6-8 Stunden und keine Garantie...), diesem Blick des Sachbearbeiters ausgeliefert sein, der nicht glaubt, dass ich von ‚so wenig‘ Geld lebe... lügen MÜSSEN... wenn meine Eltern nicht unterschrieben hätten, dass sie mir 1000 Mark pro Monat geben, hätte ich keine Aufenthaltspapiere bekommen (offiziell notwendig waren 1350 DM, real hatte ich 600, und: es ging, niedrige Wohnheimmiete und Recht, ab und zu arbeiten zu dürfen („erste Klasse“-Ausländerin) waren okay).

    Und natürlich haben sie nur ihren Job gemacht, und natürlich sind es nicht alles A... Trotzdem ist mir diese jährliche Panik hängen geblieben.

    Wie gesagt. In Deutschland, in mehreren Städten und Bundesländern, wie in anderen Ländern.

    Man verschweigt also nicht, weil man besch... will, sondern weil es keinen Grund gibt, bestimmte Infos zu nennen. Die Ausländerbehörde braucht keinen Vermerk, dass Abdul eine 5 in Mathe hat, wenn ich mich bezüglich Übernahme von Nachhilfekosten informiere. Dass schlechte Noten einem angekreidet wird, wenn man den nächsten Antrag stellt, weiss man auch beim ALG2. (Auch da müsste übrigens jeder mal einen Antrag ausfüllen und zu einem Termin, da würden einige anders reden...)

    Aber warum meinst du, dass man ‚den Fall weitergibt?‘

    Wenn ich gerade unsicher über die Versetzungstegelungen bin und meinen Mittelstufenkoordinator oder bei super komplexen Fragen die BR frage, frage ich auch ‚anonym/hypothetisch‘ und nicht ‚in meiner 8a habe ich einen Schüler, Hans-Johannes Müller, er hat in den Fächern Deutsch und Russisch folgende Noten...‘.

    Und damit habe ich der BR weder etwas verschwiegen noch absichtlich belogen, wenn ich nur frage, wie die Versetzung bei Defiziten in Fächern der Fächergruppe 1 und Fächergruppe 2.

    Nein, ich glaube nicht, dass ich andere Straftaten melden würde (ich stand noch nie vor der Situation), nur wenn das Kindeswohl gefährdet ist. (ich bin vermutlich aber ziemlich unkreativ, welche Straftaten sonst existieren).

    Der Aufenthaltsstatus interessiert mich in meinem Beruf nur, wenn ich einen Ausflug / eine Klassenfahrt mache und natürlich berücksichtige, dass jeder Schüler mitkann. Bisher hatte es noch nie eine Auswirkung auf meinen Alltag (war aber noch nie Klassenlehrerin, also vielleicht gibt es noch mehr Berührungspunkte)

    . Ich würde mir nicht herausnehmen zu entscheiden, ob die Familie hierbleiben darf oder nicht und womöglich die Arbeit anderer Behörden zu erschweren.

    Genau das ist der Punkt: ICH entscheide das nicht. Ich erfrage vielleicht nur anonym, welche Möglichkeiten ich hätte, etwas zu machen, damit ich bei Namensnennung keine ungewollte Gefahr für die Familie / das Kind auslöse.
    Im Übrigen: es ist oft viel unkomplizierter, als man denkt. Ich war schon auf einer Auslandsfahrt mit einem Kind im Duldungsstatus, obwohl es zeitweise nicht mal aus dem Kreis rausdurfte. Die Ausländerbehörde hat uns einen Wisch ausgestellt und schwuptiwups waren wir eine Woche in Frankreich.

    Wenn Geld "keine Rolle" spielt, dann lege doch das TOEFL-Test ab? (was sowieso, wenn man eh noch mindestens 6 Monate nicht studiert also arbeiten gehen kann, kein Problem darstellen sollte). und wenn deine Eltern ein Studium an einer privaten Akademie finanzieren würden: dann kannst du auch ausziehen und dir ein kleines Zimmer 140km weit weg leisten.
    WENN du die Aufnahmeprüfung für das Kunststudium schaffst: es ist quasi Einstellungsgarantie. Auch mit Doppelfach, wobei es schon für eine Schule besser ist, wenn du wenigstens ein kleines Fach dazu hast (je nach Bundesland gibt es ja Doppelfach Kunst, kleines Fach, großes Fach für das zweite Fach). Das kannst du doch deiner Mutter schwarz auf weiß zeigen.

    chili

    Achtung, ich spreche von dem "richtigen" Ausbilder, der die Seminarsitzung (fachdidaktisch, methodisch, ...) macht. Nicht von dem Fussvolk, das an einer normalen Schule die komplette Arbeit mit dem Reffi vor Ort hat. DIE Lehrer*innen bekommen einen Händedruck. (und wenn sie Glück haben, sind sie auch Betreuer*innen / Ausbildungskoordinator*innen und es gibt ein bisschen Anrechnung (ca. 1/3 Stunde), es geht aber dabei nicht um den Unterricht in einer bestimmten Lerngruppe, sondern um andere Inhalte und übergreifende Betreuung)

    die Seminarlehrer*innen sind doch ähnlich den Fachleiter*innen in den anderen Bundesländern? Da bekommen sie auch meistens A15? (also im Gymbereich. Ist ja klar, dass man in den anderen Lehrämtern mit einem Händedruck belohnt wird. [Sarkasmus aus]).
    In Bayern steigt die Sek1 auch mit A13 ein und es gibt ansonsten noch die Regelbeförderung ...

    An meiner "kleinen" 3-zügigen Schule (Gym) bekommen wir immer ca. 6 Reffis gleichzeitig. Es ist je nach Jahrgang okay, aber in einzelnen Fächern (Deutsch, Geschichte, ..) sicher eine Belastung in der Oberstufe, wo die Referendare sich ggf. die Klinke in die Hand geben. In der "größeren" Stadt, in der das Studienseminar ist, haben auch einige Schulen 15 Referendar*innen, davon 5 mit dem Fach Deutsch. Selbst bei 4-Zügigkeit sehr belastend.
    Irgendwie stelle ich mir eine bayrische Seminarschule mit 20 neuen Reffis zu Jahresbeginn vor, die nach den Herbstferien ganz viel übernehmen, und dann zu Februar verschwinden (und die nächsten Reffis kommen doch erst im nächsten Schuljahr, oder?)

Werbung