Ich hatte im Studium eine lange idealistische Phase und war sogar mal auf der IDEC (International Democratic Education Conference) in Berlin 2005 (wow ist es lange her). Auch als Pädagogiklehrerin bin ich durchaus mit einigen reformpädagogischen Ansätzen vertraut, die auch mittlerweile Eingang in das "normale Schulsystem" gefunden haben. Es gibt eben immer mehr Schulen mit Mitbestimmungsmöglichkeiten. Wenn ich über "demokratische Schulen" spreche (eigentlich über die Just Community Schools nach Kohlberg), gucken wir uns zum Beispiel eine (reguläre) Grundschule aus RLP, die sehr ähnlich aufgebaut ist. Die Demokratischen Schulen (man denke an Summerhill) haben es in Deutschland schwer, eine bekannte war die von Nena in Hamburg.
Auf der IDEC waren damals viele Eltern, Schüler*innen und Lehrer*innen aus der ganzen Welt. Ich war rumdum begeistert von den "Ergebnissen" (mein Gott, diese Kinder aus Hadera! Eine Redegewandheit, eine Weltoffenheit, eine Höflichkeit aber trotzdem dieses Einfordern der Augenhöhe, die absolut verdient war (auch wenn man sich Augenhöhe eigentlich nicht verdienen muss!)), musste aber für mich eingestehen: ich bin zu sehr im System drin, soviel "flache Hierarchien und Freiheit" konnte ich mir nicht vorstellen. Man muss aber anerkennen, dass es AUCH funktionieren kann. Ich habe durchaus den Verdacht, dass es mit bildungsnahen Kids viel einfacher funktioniert, weil die Familie das Konzept auch nach der Schule leben muss.
Ich bin den normalen Lehramtsweg weitergegangen, wie einige meiner damaligen Mitstreiter*innen, aber einige sind eben in solche Systeme gelandet (nicht unbedingt Schulen) und sind sehr glücklich. Demokratische Schulen gibt es schon einige in Deutschland, im Ausland (ohne Schulpflicht) ist es wesentlich einfacher.
Nebenbei: aus diesen Kreisen aber auch aus anderen kenne ich einige "Vollwaldis", also ehemalige Schüler*innen einer Waldorfschule mit externem Schulabschluss. Zwei davon sind promovierte Volljurist*innen mit Spitzenexamen (eine davon übrigens aus dem Arbeitermilieu), einer ist "Lehrer" in einer reisenden freien Schule (nach 2. Staatsexamen, auch wenn es ihm sehr schwer fiel), viele leben ein "ganz normales" Leben. Wenn man weiß, was man will und warum man es will, nimmt man Wege in Kauf. und es ist genau das, was Schüler*innen auf demokratischen Schulen lernen: zu erforschen, was SIE wollen und alles dafür zu tun, was sie dafür brauchen. Wenn man mit 15 merkt, dass man Medizin studieren will, obwohl man vorher Bio doof fand, dann setzt man sich auf den Popo und paukt für die Externe Prüfung. und studiert dann Medizin.