Beiträge von chilipaprika

    Unglaublich. Demnächst müssen Lehrer wahrscheinlich für jede Stunde ein detailliertes Protokoll verfassen zur Dokumentation...

    OT: meine Kolleginnen in Frankreich müssen im "digitalen Klassenbuch" (auf welches Eltern und Schüler*innen von zuhause auch Zugang haben) nicht nur das Thema der Stunde und die HA zur nächsten Stunde festhalten, sondern auch alle gemachten Aufgaben und das Tafelbild. Damit die Eltern nachgucken können, ob das Kind alles hat bzw. damit die abwesenden Schüler*innen nachholen können. Es geht hier um eine Sek1 und auch Sek2.

    Susannea: der Thread heißt „... NRW“ Deine Berliner Hortregelung ist also irrelevant, wenn du ein Faktenblatt des NRW-Ministeriums besprichst.

    Das Ganztagsangebot ist auch hier oft entgrenzt, es sollte aber möglichst in Jahrgängen bleiben (tun wir zumindest)

    nachmittags geht dein Kind freiwillig hin bzw. wird von dir freiwillig dahingeschickt.
    Vormittags ist es Pflicht, am Sportunterricht teilzunehmen. Eine öffentliche, staatliche Institution möchte nicht das Risiko tragen bzw. beschleunigen. Der Rechtsstaat möchte möglichst alle schützen (Abstandsregeln, Maskenpflicht, usw..), will aber die Grundrechte und die Freiheiten des Einzelnen möglichst wenig einschränken (Läden wieder auf, Freizeitaktivitäten und Sportbetrieb wieder zulässig, usw..)

    Hm, vielleicht würde diese Frage eher in den allgemeinen Coronathread gehören, aber das Zitat ist auch von hier.

    Die Maske schützt doch gerade nicht den Träger, sondern schützt die Umgebung (zumindest zum Teil) vor den potentiellen Viren in den Aerosolen des Trägers, oder habe ich da etwas falsch verstanden? Dann würde der Schüler sich ja nicht selbst gefährden.


    Ich verstehe das aus den Grafiken so (und ja, ich bin "nur" Geisteswissenschaftlerin), dass ich zwar MEHR Andere schütze, aber mich auch. Schließlich atme ich dann weniger "verseuchte" Luft ein, als ohne Maske.
    und: wenn ich (Schülerin) meine Maske für meine ANtwort abziehe, atme ich währenddessen die Luft der Nachbarin ein, die sie für ihre Antwort ausgeatmet hat.
    Es ist wirklich doof, weil es keine richtige Lösung gibt. Alleine den SuS sagen, dass man sie ohne Maske besser versteht, ist Einfluss auf ihr Verhalten... :(

    (Ich würde im Fremdsprachenunterricht auch bis zum 31.8 den Teufel tun, die Maske abzunehmen... dann heisst es ‚bei Frau Chili war es gefährlicher als in Latein‘

    Ich würde gerne sagen, lasst uns gebärden aber ohne Mundbild auch doof...

    Gut, klar sowas bekomme ich auch mit. Auch mit wem es ‚besser‘ passt oder beim Abschluss. Aber ob ich so wichtig bin, dass sie sich in 10 Jahren an mich erinnern? Ich erinnere mich an die meisten meiner Lehrkräfte aber ich erinnere mich auch sn die binomischen Formeln der 8. Klasse, ganze Englischlektionstexte der 9. Klasse oder gar Geschichtslektionen der 4. Also an die Verallgemeinerung meines Gehirns verlasse ich mich nicht ;)

    Eine Menge Lehrkräfte haben bei mir etwas gewirkt, aber eher, weil ich so "liebes- und anerkennungsdurstig" war, glaube ich.
    Am letzten Schultag hat meine Geschichtslehrerin auch nur einen Satz gesagt, ich würde sie gerne, 20 Jahre später wieder aufsuchen, um ihr zu danken. In dem Moment war es mir nicht bedeutsam und es hat sogar schön genervt, aber es hat Wirkung gezeigt. Sie hat leider die Schule verlassen, ohne dass ich sie woanders auffindig machen kann.

    Ich glaube auch nicht an meine "Wirkung", dafür bin ich nicht besonders genug. Ich bin immer wieder irritiert, wenn (insbesondere junge) Kolleg*innen bzw. Referendar*innen und Praktikant*innen schreiben "ich habe so einen guten Kontakt, die SuS lieben mich". Ob die SuS mich auch nur mögen oder mich nicht hassen (oder mich eben hassen und respektvoll sind...), weiß ich doch nicht?!
    Klar habe/hatte ich ein paar SuS, wo ich merke, dass sie meine Nähe suchen bzw. mich mögen. Eine Mama hat mir beim Abitur einen kleinen Brief geschrieben, um sich bei mir zu bedanken. 1-2 Kurse haben mir einen Abschiedsgeschenk gemacht, obwohl es "nur" ein GK war und also absolut unüblich, da merkt man auch die Beziehung.
    Bei zwei SuS in meiner relativ kurzen Dienstzeit habe ich mich aus dem Fenster gelehnt und habe sie auf mögliche, vermutete Probleme angesprochen. Bei einer lag ich richtig und eine Mutter hat sich hintenrum bei der SL (Freundin der Mama) sehr bedankt und darum gebeten, dass ich mehr Einfluss nehme. Was ich nicht gemacht habe, weil ich die Problematik kenne aber die (ehemalige) Schülerin hat damals einen Brief von mir bekommen mit ANgeboten und sie weiß (hoffentlich), dass meine Tür immer offen wäre. Ich treffe sie ab und zu in der Stadt, vielleicht kommt sie in 20 Jahren vorbei und bedankt sich. Vielleicht auch nicht. Das brauche ich nicht.


    Was ich gerne hätte, wäre, dass viele (ehemalige) Schüler*innen irgendwann mit 30-40, wenn sie selbst Eltern sind, sich insgeheim dafür bedanken, dass ich / wir sie auf einen bestimmten Ausflug oder Klassenfahrt genommen haben. Dass wir bestimmte Kleinigkeiten im Unterricht gemacht haben, die man nicht machen musste... Der Gedanke alleine würde mir reichen.

    Ich habe hier gerade etwas gefunden, was ganz gut aussieht, so beim ersten Überfliegen. Ich hänge es mal mit ein, falls es noch wen beim Mitlesen interessiert (ich hoffe, das ist zulässig). Es passt sogar die Klassenstufe. Angegeben ist es für 2 U-Stunden, kann (oder muss, je nach dem) man aber sicher strecken.

    zwischen 2 Unterrichtsstunden und 25 ist aber schon ein großer Unterschied.
    Da ich ähnliche Themen am Gym in der 8 (NDS, PoWi) unterrichtet habe: es ist - trotz angeblicher Schülernähe - tatsächlich wirklich nicht Etwas, was die Kids richtig reizt. Warum auch immer. Da müsstest du dir schon viele Themen und unterschiedliche Zugänge ausdenken.

    Klar, natürlich, aber 1) ich kann auch googlen ;-), 2) es sind 7.-Klässler*innen. Sie sollen im WP Erdkunde (oder wie auch immer es am Ende heißt) ja keine chemischen Prozesse auf hohem Niveau nachvollziehen, aber es gibt kleine Experimente, mit denen man zum Beispiel Mikroplastik im Shampoo nachweist, dafür braucht man keinen Chemieraum, sondern zum Teil eine Strumpfhose über ein Glas und ein bisschen Shampoo. Schüler aber selbst "experimentieren" lassen (zuhause, in einer Raumecke, usw..) kann man gut: sie können vergleichen, wo es mehr Reste gibt, usw...
    Man kann auch gucken, welche "Zutaten" in einer Seife sind, indem man auf Packungen guckt.
    Man kann auch vergleichen, welche Länder wie Plastik verarbeiten, ob sie es verbieten usw.. viel ist über Recherche machbar und in dem Jahrgang stelle ich mir zumindest den Sinn eines solchen "themenfreien" WP-Angebots als Methodenschulung: Recherche, Präsentation, Textdarstellung, Erklärfilme, usw...

    das Thema Nachhaltigkeit könnte durchaus ein breites Spektrum sein, du müsstest natürlich irgendwas nehmen, was eben nicht in EK drin ist.
    Zum Beispiel: Plastik und die Risiken, das lässt sich projektartig sehr weit ausdehnen: Wo ist überhaupt alles Plastik drin? Warum ist Plastik an sich nicht schlimm aber wo unnütz? Konsequenzen auf die Umwelt? (Tierreich, Mensch..) Ersatzmöglichkeiten? vielleicht Möglichkeiten, sich in der Gemeinde einzubringen? Anknüpfungspunkte sind quasi für jeden dabei (also für die SuS, ob sie sich eher mit dem Tierreich, den chemischen Zusammenhängen, der wirtschaftlichen Seite, künstlerischen Aufarbeitung... usw. interessieren. Und Materialien dazu gibt es wirklich sehr viele)

    bzgl. anderes Bundesland: Entscheidend ist, ob du zum Ref zugelassen wirst. Danach hast du natürlich immer dieselbe Ausbildung. In meinem Refjahrgang (NDS) waren Leute aus NDS, Hessen, Thüringen, RLP, Sachsen... EInige hatten schon ein Praxissemester gehabt, andere nicht, einige auf BA/MA studiert, andere auf Staatsexamen.
    AUch heute im Schuldienst sehe ich in den Kohorten viele Refs aus anderen Bundesländern mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Zum Teil verlassen sie nach dem Ref das Bundesland / gehen in das erste Bundesland zurück: alles kein Problem.
    Insbesondere beim Wechsel Ref/Planstelle ist es halt wichtig, sich der Fristen bewusst zu sein und evtl einen Leerlauf in Kauf zu nehmen, wenn sie unterschiedlich sind. (Manchmal ist es so, dass Reffis des eigenen Bundeslands unter Vorbehalt an den Vorstellungsgesprächen teilnehmen können, während die aus anderen BL das Zeugnis brauchen, oder die Termine sind natürlich nur für das Bundesland abgestimmt. Frühzeitig informieren lohnt sich. Ich wusste, bis wann ich ein vorläufiges Zeugnis brauche, um an Gesprächen teilzunehmen und habe also den frühstmöglichen Examenstermin bekommen, es hat perfekt geklappt.)

    Zu zwei: dann hospitiere, was hindert dich? Traurig genug, dass nicht alle Lehrer*innen ein bisschen über den Tellerrand gucken, bevor sie im staatlichen Schuldienst beginnen.

    @samu vielleicht, weil sie arbeiten muss? Dann in ein anderes Bundesland fahren, um in den eigenen Ferien zu hospitieren, ist immer ein großer (machbar, aber aufwändig) Akt

    Ich setze weiterhin meinen privaten PC ab.

    Das wird eine spannende DIskussion mit Finanzämtern (ggf. mit Schulleitungen) in der Zukunft sein.
    Was darf man absetzen und was denn vollständig? Ich vermute, dass die allermeisten Kolleg*innen, die jetzt "Hurrah" schreien, aber bisher ein iPad Pro UND einen MacBook Pro besitzen, usw... doch am Ende die Verlierer*innen sind.
    Als meine wirklich sehr liebe Schulleitung den Wisch für das Finanzamt ausgefüllt hat, dass ich keinen Arbeitsplatz in der Schule habe, meinte sie, dass sie es demnächst nicht mehr machen könnte, weil meine Schule gerade "renoviert" wird und es dann ein paar mehr Arbeitsplätze hat (wir reden immer noch von unter 1 Platz pro Person und ohne feste Zuordnung). Sollte es zu einem Problem werden, führe ich gerne den Kampf aus, aber einige SL sind womöglich zögerlich und nicht so schnell mit "ja, ich gebe zu, dass wir keine Ausstattung hier haben"

    Ich hatte im Studium eine lange idealistische Phase und war sogar mal auf der IDEC (International Democratic Education Conference) in Berlin 2005 (wow ist es lange her). Auch als Pädagogiklehrerin bin ich durchaus mit einigen reformpädagogischen Ansätzen vertraut, die auch mittlerweile Eingang in das "normale Schulsystem" gefunden haben. Es gibt eben immer mehr Schulen mit Mitbestimmungsmöglichkeiten. Wenn ich über "demokratische Schulen" spreche (eigentlich über die Just Community Schools nach Kohlberg), gucken wir uns zum Beispiel eine (reguläre) Grundschule aus RLP, die sehr ähnlich aufgebaut ist. Die Demokratischen Schulen (man denke an Summerhill) haben es in Deutschland schwer, eine bekannte war die von Nena in Hamburg.
    Auf der IDEC waren damals viele Eltern, Schüler*innen und Lehrer*innen aus der ganzen Welt. Ich war rumdum begeistert von den "Ergebnissen" (mein Gott, diese Kinder aus Hadera! Eine Redegewandheit, eine Weltoffenheit, eine Höflichkeit aber trotzdem dieses Einfordern der Augenhöhe, die absolut verdient war (auch wenn man sich Augenhöhe eigentlich nicht verdienen muss!)), musste aber für mich eingestehen: ich bin zu sehr im System drin, soviel "flache Hierarchien und Freiheit" konnte ich mir nicht vorstellen. Man muss aber anerkennen, dass es AUCH funktionieren kann. Ich habe durchaus den Verdacht, dass es mit bildungsnahen Kids viel einfacher funktioniert, weil die Familie das Konzept auch nach der Schule leben muss.

    Ich bin den normalen Lehramtsweg weitergegangen, wie einige meiner damaligen Mitstreiter*innen, aber einige sind eben in solche Systeme gelandet (nicht unbedingt Schulen) und sind sehr glücklich. Demokratische Schulen gibt es schon einige in Deutschland, im Ausland (ohne Schulpflicht) ist es wesentlich einfacher.
    Nebenbei: aus diesen Kreisen aber auch aus anderen kenne ich einige "Vollwaldis", also ehemalige Schüler*innen einer Waldorfschule mit externem Schulabschluss. Zwei davon sind promovierte Volljurist*innen mit Spitzenexamen (eine davon übrigens aus dem Arbeitermilieu), einer ist "Lehrer" in einer reisenden freien Schule (nach 2. Staatsexamen, auch wenn es ihm sehr schwer fiel), viele leben ein "ganz normales" Leben. Wenn man weiß, was man will und warum man es will, nimmt man Wege in Kauf. und es ist genau das, was Schüler*innen auf demokratischen Schulen lernen: zu erforschen, was SIE wollen und alles dafür zu tun, was sie dafür brauchen. Wenn man mit 15 merkt, dass man Medizin studieren will, obwohl man vorher Bio doof fand, dann setzt man sich auf den Popo und paukt für die Externe Prüfung. und studiert dann Medizin.

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