Beiträge von chilipaprika

    Die voraussichtliche Stundentafel lässt glaube ich nicht darauf hoffen, wieder Geschichtsunterricht in jedem Jahrgang zu haben.
    Ich sage es mal so: bei uns ist Geschichte die 4-größte Fachschaft nach Deutsch, Englisch und Mathe. Selbst wenn ein Drittel der Fachschaft in den nächsten 10 Jahren pensioniert wird, hätten wir rein rechnerisch immer noch keinen Bedarf. Mir fallen auf Anhieb 3 Kolleginnen, die maximal einen Kurs pro Jahr haben, eine Kollegin, die fast nie einen Kurs hat.
    Also: falls du dann eine Stelle bekommst: um 25,5 Stunden Deutsch zu unterrichten (Deutsch sollte also wirklich wirklich nicht das kleinste Zweitfachübel sein), oder für dein Drittfach Physik in Kombi mit der A-Trainerlizenz in einer Sportart, wo die Schule ein Leistungszentrum hat und keinen Trainer fand.
    Dann unterrichtest du allerdings immer noch keinen Geschichtskurs, sondern eben die anderen Sachen ;)

    Sind eigentlich alle, die hier am "Meckern" sind, auf der Straße gewesen? auch eventuell nach dem Unterricht, falls sie Beamten sind? haben ihren KollegInnen den Rücken gestärkt und Danke fürs Streiken gesagt? sind selbst in einer Gewerkschaft / Berufsverband?
    bei einigen vermute ich es, bei vielen anderen kann ich es mir kaum vorstellen. Dann ist das zwei Monate Warten auch erträglich.

    StuBo und / bzw. KAoA sind festgelegte Stunden, die nicht anderweitig benutzt werden dürfen.
    Wir sind ein mittelgroßes Gymnasium (knapp unter 800 SuS) und haben echt eine Menge Stunden. Ich tippe auf ca. / mindestens 7/8. 2 KollegInnen teilen sich das zur Zeit (und eine für Kooperation mit Unternehmen oder so..) und ich hatte irgendwann mitbekommen, dass eine 4 oder 5 Stunden bekommt. Die 3. Kollegin hat eine Stunde alleine.
    An Gymnasien kommen jetzt noch neue Entlastungsstunden hinzu, bei uns werden das die DeutschlehrerInnen der 8. Klasse bekommen (immerhin 1 Stunde pro LehrerIn), weil sie die ganze Vor- und Nachbereitung von irgendeinem neuen Praktikum haben (sorry, bin zur Zeit nicht betroffen).

    chili

    Warum sollst du an eine weitere Schule weitervermittelt werden?
    (will dein Schulleiter dich loswerden oder hast du ursprünglich Realschule studiert?)

    und nein: du wirst nicht entlassen, weil andere günstiger sind. Mit der Argumentation müsste man alle am Ende der Probezeit durchfallen lassen, weil alle Nachkömmlinge günstiger sind. Also in bestimmten Fächern gibt es immer genug regelmäßigen Nachschub ...

    chili

    Zum Refbeginn brauchen alle Sportreferendare den DLRG-Silberschein.
    Dass viele dann eingestellten SportkollegInnen ihn nicht wiederholen (und zum Teil auch nicht mehr in der Lage sind), ist mir unverständlich.
    Oder doch: eine 5. Klasse in Schwimmen zu unterrichten, oft auf einer einzigen Bahn für 28 Kids, ist echt keine Traumvorstellung. Aber für eine AG oder so, sicher gut.
    Meinen Schein "setze" ich zb bei Kursfahrten oder bei einem Klassenausflug einer Klasse ein, bei der ich dabei sein möchte und sage dann, dass das Freibad durch mich dann eine Möglichkeit ist. (Wenn die Klassenleitung eben keine Sportlehrkraft ist).

    Da wir immer wieder Nicht-Schwimmer in der 6. Klasse haben, wird gerade eine AG für die 5-KlässlerInnen angebahnt: entweder da oder beim örtlichen Verein die Basis erwerben. Ich wurde auch tatsächlich gefragt, ob ich es machen könnte, allerdings hätte ich es zum "Tarif" des Vereins machen sollen (also als Ganztags-AG in Kooperation mit dem Verein). Da ich aber lieber eine Anrechnung aufs Deputat haben wollte (wie auch immer), macht das doch jetzt eine junge Dame vom Parallelverein.

    Chili

    Mathe ist vermutlich entscheidend.
    Du würdest zur Zeit bei mir an der Schule sehr interessant sein. und zwar nicht wegen Mathe, sondern wegen Erdkunde oder Sport (in Kombi auf keinen Fall). Mathe ist halt dazu praktisch, weil viele Stunden, immer gebraucht und Klassenleitung.
    Sport wird bei uns sogar gekürzt unterrichtet, weil wir dieses Jahr nicht genug KollegInnen hatten/haben. Erdkunde hat sich in den letzten Jahren aufgrund von Pensionierungen, Teilzeit und Versetzungen zum Mangelfach entwickelt, es ist aber vermutlich eher schulabhängiger. Es gibt ja Schulen, die keine / kaum Kurse in der Oberstufe haben (in NRW möglich. in NDS glaube ich mich auch zu erinnern, dass man Abi ohne EK machen kann, meine Ausbildungsschule hatte von Anfang an nie einen "EK-LK" (Prüfungsfach 1-3), Sport muss aber an jeder Schule unterrichtet werden. Das macht halt den Unterschied.

    Dir ist aber schon klar, dass deine Azubis in 10 Jahren sagen werden, dass sie sowas niiiiiiiie in der Schule hatten?

    Sorry, aber ständig auf die anderen Schulformen meckern, weil deine SchülerInnen sagen, sie hätten es woanders nie gelernt, nervt.
    Wir bringen den Kids die Lesekompetenz bei, die sie brauchen, um komplexe Texte zu verstehen. Wir arbeiten mit literarischen, Fach- und Sachtexten, mit diskontinuierlichen Texten, usw.. Wir bringen ihnen die Materie bei, aus denen sie dann mündig entscheiden können, was sie wollen (wenn AbsolventInnen wissen, wie der Sozialstaat funktioniert, wie der Arbeitsmarkt funktioniert, usw... und auch noch Texte lesen können, werden sie in der Lage sein, ihr Bruttoeinkommen und ihre Fahrtwege irgendwo einzutragen.

    Jep.

    und dann haben wir die nächste Schulreform nach dem aktuellen französischen Modell:
    - Kinder müssen nicht mehr trocken sein, wenn sie in die Schule kommen (Schulpflicht ab 3 ab nächstem Schuljahr)
    - Einheiten zur Wassergewöhnung in der Vorschule
    - Einheiten zum Fahrradfahren (allerdings kostenpflichtig)
    - ach, kostenloses Frühstück für arme Familien (während der Schulzeit. ich sehe das schon, "eyh, Paul, du bist arm, hier dein Brötchen. Sorry, Peter, du bist reich genug")
    - Singen der Nationalhymne (braucht man ja als guter Patriot. Wie soll man sonst bei der nächsten WM anfeuern? )
    ...


    Sorry, aber Gymnasiasten (und auf DIE Schulform beziehe ich mich) soll man unterstellen können, die 3 Infoseiten zu lesen, die sie brauchen, wenn sie eine Steuererklärung machen wollen (keine Pflicht für die meisten.).
    Wer sich nicht einlesen kann / will, oder der Meinung ist, seine Zeit ist woanders besser investiert (und das kann jeder einschätzen, weil er über Opportunitätskosten Bescheid weiß), holt sich entsprechende Hilfe beim Lohnsteuerhilfeverein).

    @Brick in the wall:
    Die Frage ist nur: Wo soll das sonst laufen? Im Studium sicher nicht. In die Mittelstufe paßt es auch nicht. Das gehört in die Oberstufe.

    Gegenfrage: Warum sollte es Aufgabe der Schule sein, das Ausfüllen einer Steuererklärung beizubringen?
    Ich habe tatsächlich schon im GK und im Zusatzkurs immer wieder kurz zwischendurch das Thema "Brutto/Netto", "Nebenjob" und "Steuer" (Grenzen, usw...). Das macht man kurz zwischendurch, wenn eine Frage aufkommt.
    Aber akut ist es für die SuS auch nicht. Sie sind froh, das Geld ihres Minijobs zu haben, man muss ihnen noch mal klar machen, dass sie "geschützt" sind und sie also nicht von ihren Verdiensten auf andere schließen können. Ebenfalls bei der Debatte zum Mindestlohn. Und so weiter.

    chilipaprika: Hast du dir dazu schon eine Meinung gebildet? ... oder jemand anderes aus NRW, der/die das Fach an den allgemeinen Schulen unterrichtet?

    Ich habe keine Synopse gemacht. Auf dem "ersten" Blick hatte ich nur noch ein Thema in der Sek 1 gesehen, das nicht wirtschaftlich angeraucht war.
    Aber sowas hängt eh immer ein bisschen von der Lerngruppe, von der Schülerschaft und von den Vorlieben der Lehrkraft ab. Also nicht, ob man den Lehrplan einhält sondern wie der Schwerpunkt bzw. die Perspektive plötzlich ist.

    Wenn Du unbedingt Politik unterrichten willst, weil dir die aktuelle Politikverdrossenheit in der Bevölkerung nicht paßt, mach es als eigenes Fach.

    wow, das ist aber ein sinnvoller Beitrag in einer Diskussion...


    Meine Azubis, die ich aktuell vom Gymnasium bekomme, bestätigen mir auch heute noch, daß es solche Themen da nie gab.
    Aber ich würde gerne mal die SoWi-Lehrer hier fragen, die sollten sich ja zumindest mit VWL auskennen, weil sie es auch von der politischen Seite beleuchten, wie sie zu folgenden VWL-Themen stehen:

    • Angebot und Nachfrage, Marktgleichgewicht
    • Substitution von Gütern
    • Marktversagen
    • Gefangenen-Dilemma (=Spieltheorie)
    • Pareto-Effizienz
    • Steuereinnahmen des Staates und Laffer-Curve
    • Magisches Sechseck, Ziele der Wirtschaftspolitik
    • Eigentumsverteilung zwischen den Volkswirtschaften und innerhalb einer Volkswirtschaft (=Gini-Koeffizient)

    was meinst du denn, mit "zum Thema stehen"?
    Ich hatte bisher nur einmal einen GK-Durchgang, habe schon außer der Laffer-Curve alle Themen unterrichtet, wobei wir die Steuereinnahmen des Staates selbstverständlich auch ansprechen.
    Was glaubst du denn, was wir in SoWi machen? den ganzen Tag Wahlen simulieren?

    chili

    Der Entwurf des neuen G9-Curriculums für das Fach Politik/Wirtschaft (ups, sorry, es wurde durch den Lehrplan in ‚Wirtschaft/Politik‘ umbenannt) verstärkt den wirtschaftspolitischen Abteil mehr als deutlich. Die bisherige grobe Drittelregelung ist seeehr aufgeweicht, weil jedes Thema (aus nachvollziehbaren aber trotzdem auch nicht unbedingt humanistischen Gründen) wirtschaftspolitisch beleuchtet wird (zb Klima, Medien, usw).
    Wer das unterrichtet? Diejenigen, die die Fakultas dafür haben.
    Chili, in RLP ‚Sozialkunde‘ studiert, in NDS das Ref in ‚Politik/Wirtschaft‘ gemacht, in NRW für das Fach ‚Politik/Wirtschaft (sek1)-Sozialwissenschaften (sek2)‘ eingestellt... ich werde es glaube ich mit grosser Anstrengung schaffen, das Fach ‚Wirtschaft/Politik‘ und dann irgendwann ‚Wirtschaft‘ zu unterrichten, weil: klar, dass es nur eine Umsortierung/Umbenennung der Stundentafel seim wird...

    Solche "Regelungen" ändern sich alle paar Tage / Jahre / Regierungen und darauf würde ich niemals setzen.
    Die Sek 1 sollte eh nicht die Müllhalde für gescheiterte (im Sinne von "keine Planstelle erhalten") GymnasiallehrerInnen.
    Es führt nur dazu, dass die Leute versuchen, dann durch Laufbahnwechsel wieder zu wechseln, was wiederum auch nicht richtig fair ist. und mit Erdkunde / Geschichte findet man sicher selbst an einer Sek 1 keine Stelle auf dem Silbertablet. Obwohl... zur Zeit wird in NRW wirklich alles mögliche (beliebig/beliebig) ausgeschrieben und bei der Anzahl an Bewerbungen nehmen sie doch jeden.

    Edit: Was ich auch schon mal erlebt habe ist, dass meine Mathenote schlecht war, so dass der Schüler sitzengeblieben wäre, da kein Ausgleich vorhanden. Da hat einfach die Deutschkollegin ihre Note deutlich angehoben, so dass dann plötzlich ein Ausgleich da war.

    Wenn du nicht an einer anderen Schulform wärst, würde ich vermuten, dass wir an der selben Schule sind. Ich habe eine Kollegin, da graust es mir jedes Mal, wenn ich bei ihr in der Klasse unterrichte. Die Deutschnoten heben sich in der Notenkonferenz plötzlich oder man hört sowas wie "hat 5-5-4 geschrieben, mündlich sagt er kaum was, aber er ist halt schüchtern, er kann nicht auf die Sekundarschule, Zeugnis: 3" und schwuptiwups hat der Schüler trotz 5 in Französisch und 4minus in Englisch und Mathe eine Versetzung, und Überraschung: im Jahr darauf bleibt er mit 2-3 mal eine 5 sitzen.
    Da ich mit Französisch oft wenig Spielraum habe (richtig "problematische" SuS schreiben nur 4minus bis 5 und haben in den Tests einen Schnitt von 4,X bis 5,X), darf ich mich oft wundern, welche Noten in Deutsch rauskommen. Da ich allerdings auch Deutsch unterrichte(t habe), weiß ich wie schwer es uns die Vorgaben machen, eine 5 zu setzen ("das Portfolio war echt gut") Sorry, war OT, will nicht mehr die Buhh-Frau sein.

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