In Frankreich herrscht keine Schulpflicht sondern eine Bildungspflicht (anders als in den Medien vor ein paar Monaten mit einer "Schulpflicht ab 3" dargestellt wurde).
Das Fernschul/lernsystem ist sehr gut ausgebaut, es gibt für jedes Fach von der 1. bis zur 12. Klasse ein Angebot (gut, ich spreche vom allgemeinbildenden Bereich). Man bekommt (ich spreche vom System der 90er Jahre, heutzutage haben sich die Medien vermutlich geändert
) Skripte und Hefte zugeschickt, muss in regelmäßigen Abständen Arbeiten einsenden und wenn das Fach offiziell geprüft wird (dazu komme ich gleich), dann eine "Externenprüfung" auch in einem anerkannten Zentrum ablegen, wobei es fast jede Schule sein kann.
Ich habe selbst, aus tiefster Trauer Mathe abgewählt zu haben (zu müssen), das "Mathe-Angebot der 11. Literaturklasse" gehabt, ich habe auch tatsächlich die ersten Arbeiten eingesendet und kam erstmals gut damit zurecht. Dann war allerdings die Motivation, ein 4-stündiges Fach "aus Spass" zu lernen, neben 34 anderen Schulstunden, doch eingeschränkt und Mathe alleine lernen war nunmal nicht sooo einfach.
An meiner Schule war die Sprachkombination relativ traditionell eingeschränkt: Deutsch/ENglisch als 1. Fremdsprache, Englisch/Deutsch/Spanisch als 2. Fremdsprache, Italienisch als 3. Fremdsprache (Latein ist immer "außer Konkurrenz" eine zweite 2. Fremdsprache). Eine Mitschülerin wollte (als Muttersprachlerin) Portugiesisch ins Abi einbringen und hat Englisch zwar besucht, allerdings den Fernunterricht für Portugiesisch 1. Fremdsprache belegt, ihre Zeugnisnoten vom Prüfinstitut bekommen und im Abitur die Prüfung für Portugiesisch abgelegt. Für die Zeugnisnoten hat sie an einzelnen gewählten Terminen eine Klausur unter Prüfungsbedingungen (fester Zeitpunkt für alle in Frankreich, unter Beobachtung, sofortige Bestätigung durch Fax und Einsendung durch die Schule an das Prüfinstitut) eine Klausur geschrieben und musste dafür raus aus dem regulären Unterricht.
Für die Uni ist das Angebot an Fernangeboten ähnlich.
An der Uni habe ich ein paar Leuten kennengelernt, die selbst entweder die komplette Schulzeit oder einen großen Teil der Schulzeit als Externlerner verbracht haben.
Bei den zwei, die erst später ins Regelschulsystem eingestiegen sind, hatte es ganz pragmatische Gründe: Schulbus 20 Minuten mit dem Fahrrad entfernt wäre um 7uhr morgens gefahren, auch für die Grundschule, die eine ist in der 9. Klasse eingestiegen, die andere erst in der 10. (Oberstufe). Die eine fand es furchtbar, die andere hat es geliebt und danach die Schule als reine Absitzzeit verstanden, weil alles so langsam ging. Ihr eigener Bruder war allerdings viel "schlechter" und hat nach der 9. Klasse eine Ausbildung angefangen, in einem benachbarten Bauernhof (an den Entfernungen könnt ihr euch vorstellen, es sind Landwirtschaftskinder gewesen), die Schwester meinte über ihn, dass er durch diese Art der Beschulung noch "bäuerischer" und "Einsiedler" geworden sei.
Bei dem dritten "Externlerner" gab es medizinische Gründe und es sind vermutlich die allermeisten Kinder, die nicht in der Schule beschult werden (neben den "Zirkuskindern").
Ich bin was das angeht sehr zwiegespalten. Ich hatte keine schlimme Schulzeit, habe die Schule geliebt, meine MitschülerInnen allerdings nicht besonders. Eine solche Beschulung wäre genial gewesen, ich hätte Bildung wie verrückt aufgesaugt, ohne die nervigen MitschülerInnen. Aber ich mag schon jetzt nicht besonders gerne viel Kontakt zu Mitmenschen haben, was wäre denn aus mir geworden?
Ein Ausbau der anerkannten Angebote fände ich in Deutschland allerdings sehr gut. Das finde ich zur Zeit in Deutschland (sowohl für die Schule: inexistent auf freiwilliger Basis, oder? als auch für die Hochschule: das Angebot der Fernuni Hagen ist echt dürftig) halt zu wenig.
Chili