Beiträge von chilipaprika

    Mir ging es nur um's Abitur.
    Dabei finde ich kurios, dass man
    1. eine "Fremd-" durch die Muttersprache und
    2. eine Weltsprache/Lingua Franca durch irgendeine beliebige "Mini"-Sprache ersetzen kann.

    1. Wie gesagt: bei den Abituranforderungen muss man dann aber ein entsprechend hohes (sprachliches UND landeskundliches usw..) Niveau haben, das haben im Prinzip die wenigsten der Migrantenkinder, die eine "normale" Fremdsprache ersetzen möchten. Denn: wer seine Muttersprache "perfekt" spricht, hat wenig Probleme, Deutsch und dann weitere Sprachen sehr gut zu beherrschen (auf dem jeweiligen Niveau des Spracherwerbs).

    2. Man kann das Abitur ohne Englisch ablegen. Es reicht eine Fremdsprache. Diese könnte Italienisch (bekanntlich keine besonders große Weltsprache), Latein oder Altgriechisch sein...

    MilaB: ich verstehe zwar den frustrierten Sarkasmus, dass nur HauptschullehrerInnen in der Lage seien, die deutsche Sprache zu fördern, aber ich glaube / behaupte mal, dass andere Faktoren auch eine Rolle spielen: Wenn SchülerInnen schon bzw. noch damit beschäftigt sind, die deutsche Sprache zu erlernen, ist eine höhere Stundentafel mit einer weiteren Fremdsprache bzw. analytischere Textarbeit in allen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern eine zu hohe Hürde. Der Umweg über eine gute Sprachbasis bewirkt Wunder.

    Ich habe hier:
    Wie viele mündliche Prüfungen am Tag sind zumutbar?
    eben zum ersten Mal vom "Herkunftssprachlichen Unterricht" gehört und die Suche hat mich in diesen Thread gebracht.

    NRW scheint das einzige Land zu sein, in dem es sowas gibt.
    Wie lange gibt es das schon?

    Ist das eine Maßnahme um die Abiturientenquote zu erhöhen?

    Ich glaube mich zu erinnern, dass es auch sowas in RLP gab, schwöre es aber nicht. Allerdings erinnere ich mich an Griechischkurse in Mainz zb. Ich glaube, das gibt es also überall, nur halt eher in Ballungszentren mehr.

    Mal heißt es "herkunftssprachlicher Unterricht", mal "Muttersprachlicher Unterricht". Es ist ein Relikt der Ausländerpädagogik, um die Migrantenkinder auf eine Rückkehr ins "Heimatland" vorzubereiten.
    Allerdings erfüllt dieser Unterricht mittlerweile viel mehr als ein möglicher Ersatz für eine Fremdsprache. So weit ich weiß, muss man dafür durchaus viele Bedingungen erfüllen, die die allermeisten Schüler*innen mit Migrationshintergrund nicht erfüllen. Praktisch ist es aber für die Neuankömmlinge. Wir hatten letztes Jahr einen Abiturienten aus Syrien, der innerhalb von 3 Jahren zwar geniale Sprachkenntnisse hatte aber zeitweise wurde auch diese Mögilchkeit geprüft. Allerdings geht es nicht darum, ein bisschen Arabisch zu können, sondern auch tatsächlich (fürs Abitur) vollständige Literaturanalysen zu schreiben.

    Der Herkunftssprachliche Unterricht wird bei uns hauptsächlich im Grundschulalter und ein paar Jahre in der Sek 1. Viele hören in der Pubertät auf. Es ist ein bisschen der Anschluss an die Sprache der Eltern, die eh zu Hause kaum bzw. schlecht gesprochen wird. Für den Besuch bekommt der Schüler einen Vermerk aufs Zeugnis.

    Bei uns an der Schule können die SchülerInnen wirklich ziemlich jede Sprache besuchen, in unseren eigenen Räumlichkeiten werden aber nur Russisch und Türkisch abgehalten. Da kommen Schüler*innen aus allen Grund- und Sek-I-Schulen der Stadt. Spanisch, Portuguiesisch, Polnisch, Bosnisch sind mir noch bei uns in der Stadt bekannt.

    Chili

    @Krabappel:
    Die Sparkasse bzw. die Volksbank um die Ecke haben Kulturfonds. Sie dürfen als Banken keinen Gewinn erwirtschaften sondern sollen aus ihren Gewinnen sich engagieren. Über eine Stiftung oder direkt darüber kann man Anträge stellen. Ich sag es mal so: lies die Lokalzeitung und du wirst womöglich auch in regelmäßigen Abständen sehen, wer regelmäßig in Artikeln mit schönem Foto erscheint: Finanzspritze für den Ponyverein, der damit bedürftigen Kindern Sonderstunden anbietet, gemeinsame Spende mit der Sparkasse von 10 Messgeräten für die Physiksammlung des örtlichen Gymnasiums, Unterstützung des Kinder-Lunchclubs, Unterstützung der AIDS-Hilfe, usw usf
    Wie gesagt: sie machen es nicht nur aus Großzügigkeit. Sie haben auch diesen einen Auftrag ;) und nur, wer weiß, dass es das gibt, kommt an das Geld ran.

    Ich sehe das so: Ich hätte gerne die Ausstattung, die ich bisher an allen anderen Schulen - so oder ähnlich - auch vorgefunden habe. Was ich mir wünsche, passt in zwei Schränke und wie gesagt, ich würde so 2.500 bis 3.000 € dafür veranschlagen. Für mich ist das eigentlich das Gegenstück zu den Matten, Bänken und Sprossenwänden in der Turnhalle, zu einzelnen Schülercomputern im Klassenraum oder zu einer Grundausstattung an Verbrauchsmaterial, Laborgläsern und Bunsenbrennern im Nawi-Bereich. Wird das bei euch auch über Spenden, Fördergelder und Aktionen durch die Fachlehrer finanziert? An meiner Schule ist das nicht so.

    Huhu!
    Für die Turnhalle weiß ich es nicht, aber ich kann sagen: Die NaWi- und Informatikfächer stellen jedes Jahr Anträge beim Förderverein bzw. bei der örtlichen Sparkasse oder Volksbank, um eben doch irgendwelche Ausstattung zu bezahlen, von der man auch mal denken könnte, sie gehöre zur Grundausstattung.
    Bei der Kunst ist es ähnlich.
    chili

    Ich kenne die Zahlen an meiner Schule nicht auswendig, aber um die Hälfte wird es auch sein. Wir sind ein relativ junges Kollegium und viele "ehemaligen" Mütter haben einfach nie wieder aufgestockt. Einige kinderlose gehen auch auf Teilzeit, weil sie halt auch was vom Leben haben möchten. Nach sehr langem Abwägen habe ich mich auch dazu entschlossen. Richtig damit zufrieden werde ich vermutlich nicht aber ganz ehrlich: mit meiner Vollzeitstelle bin ich zur Zeit auch nicht zufrieden.
    chili

    in NRW gibt es sehr viele schulscharfe Ausschreibungen, so dass der erste Kontakt durchaus direkt ist, bevor man sich trotzdem in einer zentralen Datenbank registrieren lässt, damit man sich (oh Überraschung!) auf die Ausschreibung einer bestimmten Schule bewerben kann.
    In der Sek 1 ist in NRW zur Zeit fals überall und fast alles Mangel, sie nehmen verzweifelt auch GymnasiallehrerInnen mit unterirdischem Schnitt an.
    Allerdings: an "gut geführten Gesamtschulen oder Realschulen" (die es immer weniger gibt), ist das Angebot gepriesener als an Sekundarschulen. Ein Versuch ist trotzdem hilfreich, weil der Mangel wirklich wirklich da ist.

    Weil in der Grundschule quasi kaum frei englisch gesprochen wird. Da geht es doch eher um das Kommunizieren mit eingeübten Phrasen. Ich unterrichte allerdings Englisch nur in Klasse 1 und 2, da ich nur dafür die Quali habe. Andere können das bestimmt besser erklären.

    falls es eine Antwort auf die Verb/Subjekt "Frage" ist: ich meinte es auf Deutsch. bzw. allgemein.

    Aber wie kann man ohne Grammatik bzw. Verbkonjugation kommunizieren?
    (ich weiß, Grundschule ist anders als später Fremdspracherwerb, es ist wirklich eine ernst gemeinte Frage)

    Abgesehen davon, dass ICH nie Probleme oder Angst hatte, einfach so loszubrabbeln (oh mein Gott, meine erste deutsche Gastfamilie, sie ist wahrscheinlich danach traumatisiert gewesen, wieviel ich in meinem so schlechten Deutsch gequatscht habe... :-D), aber ja, ich glaube tatsächlich, dass der Schwerpunkt auf Kommunikation und so einiges "erleichtert".
    Es ist wirklich schön und positiv.
    Mein Problem dabei ist allerdings, dass viele SchülerInnen auf einem höheren Niveau dann ein Gefühl von Sicherheit haben, das sie nicht haben dürften. Wenn meine 1er-SchülerInnen International Business studieren, dann ist alles gut. Sollten sie auf die Idee kommen, Französisch zu studieren, dann erleben sie natürlich einen Schock (oder leider auch nicht, und es führt zum nächsten Problem). Ich erlebe dann StudienabsolventInnen, die viele grammatikalische Strukturen nicht beherrschen oder gar nicht kennen. Das, was man vorher in der Oberstufe gemacht hat, wird nicht mehr gemacht, an der Uni gibt es ggf. solche Angebote nicht und es wird von den LernerInnen nicht gemerkt, dass es fehlt, weil das Sprachgefühl zum Teil fehlt. Natürlich nicht bei allen, ich meine, wir sprechen von Sprachstudierenden, aber trotzdem.

    ICH bin eine klare Befürworterin des systematischen Grammatikunterrichts zur Entwicklung eines Meta-Sprachgefühls. Ich bin es leid, mit Kids am Ende der Mittelstufe (auf Deutsch!) den Unterschied zwischen "wenn ich reich wäre, würde ich ein Haus kaufen" und "wenn ich reich gewesen wäre, hätte ich ein Haus gekauft". Dass Konjunktiv Stoff der 8. Klasse ist, ist klar. (und da rege ich mich über den "integrativen Grammatikunterricht" soooo auf. Aber auch über meine Deutsch-KollegInnen) Das Ganze ist aber eher Teil vom Sprachsystem im Kopf und ich würde gerne mehr als 2 Kids pro 6. Klasse haben, die wissen, was ein Subjekt und ein Verb ist.

    Nur zur Klarstellung: ich _weiß_ ,dass die GrundschullehrerInnen beibringen, was ein Subjekt und ein Verb sind. Ich frage mich nur, warum es nur bei so wenig Kindern im Kopf bleibt. Es ist ja die Basis für soviel später.

    Vorwurf, weil mir / uns die Mutter es vorgeworfen hat.
    Ich habe mir ehrlich gesagt abgewöhnt, zu sehr suf Englisch bzw. Fremdsprachenwissen zurückzugreifen, weil es nur frustriert. Konstrativ, ja, aber nicht als Basis. Liegt aber vielleicht an meinen Kids.
    Da die französische Grammatik deutlich breiter gefächert ist als die englische, müssen wir vom Tempo ein bisschen zackiger gehen. Wenn ich in Vertretungsstunden in Januar in der 5. Klasse sehe, dass sie da an dem -s der 3. Person arbeiten, frage ich mich, was sie vorher drei Jahre lang gemacht haben.
    Zugegeben, wir haben Abiturienten, die das -s der 3. Person auch vergessen.

    Interessant, den Vorwurf musste ich mir beim Elternsprechtag anhören :)
    Obwohl ich/ wir die ersten Wochen echt langsam einsteigen (2. Fremdsprache, 6. Klasse), war eine Mutter in November irritiert, dass wir schon ‚soviel‘ und ‚so schnell‘ Grammatik gelernt hätten, sie würde es aus Englisch anders kennen, mit den ersten Monaten nur Singen und Spielen.
    Zu dem Elternsprechtag-Zeitpunkt konnte besagte Klasse gerade ein Verb konjugieren, die bestimmten und unbestimmten Artikel, ein paar Präpositionen und halt den Wortschatz, den man mit so wenig Grammatik gebrauchen kann.
    :)

    Ich würde mir ja schon lange einfach ein oder zwei frei wählbare Ferientage für jede Familie wünschen.

    Wäre für NRW auch dabei.
    und wenn wir schon dabei sind: auch für LehrerInnen. Ich mache gerne als Tausch, wenn ich diese Tage in Anspruch nehme, in der ersten oder letzten (oder wann auch immer) Ferienwoche Zusatzaufgaben, Fortbildungsvorbereitung, keine Ahnung was...

    Das Argument ist zwar stichhaltig, gilt aber nicht, wenn es sowieso im Schulalltag ständig Veranstaltungen gibt, die einen Drittel bis zur Hälfte der SchülerInnen betreffen und somit den Unterricht der anderen Fächer "beeinträchtigt" (-> Exkursion der Fremdsprache, Gang zur Uni in einem bestimmten Kurs, Wandertag einer Klasse, obwohl an dem Tag Fremdsprachen-/Reliunterricht mit Mischgruppen stattfindet...)

    In Frankreich herrscht keine Schulpflicht sondern eine Bildungspflicht (anders als in den Medien vor ein paar Monaten mit einer "Schulpflicht ab 3" dargestellt wurde).
    Das Fernschul/lernsystem ist sehr gut ausgebaut, es gibt für jedes Fach von der 1. bis zur 12. Klasse ein Angebot (gut, ich spreche vom allgemeinbildenden Bereich). Man bekommt (ich spreche vom System der 90er Jahre, heutzutage haben sich die Medien vermutlich geändert ;) ) Skripte und Hefte zugeschickt, muss in regelmäßigen Abständen Arbeiten einsenden und wenn das Fach offiziell geprüft wird (dazu komme ich gleich), dann eine "Externenprüfung" auch in einem anerkannten Zentrum ablegen, wobei es fast jede Schule sein kann.

    Ich habe selbst, aus tiefster Trauer Mathe abgewählt zu haben (zu müssen), das "Mathe-Angebot der 11. Literaturklasse" gehabt, ich habe auch tatsächlich die ersten Arbeiten eingesendet und kam erstmals gut damit zurecht. Dann war allerdings die Motivation, ein 4-stündiges Fach "aus Spass" zu lernen, neben 34 anderen Schulstunden, doch eingeschränkt und Mathe alleine lernen war nunmal nicht sooo einfach.
    An meiner Schule war die Sprachkombination relativ traditionell eingeschränkt: Deutsch/ENglisch als 1. Fremdsprache, Englisch/Deutsch/Spanisch als 2. Fremdsprache, Italienisch als 3. Fremdsprache (Latein ist immer "außer Konkurrenz" eine zweite 2. Fremdsprache). Eine Mitschülerin wollte (als Muttersprachlerin) Portugiesisch ins Abi einbringen und hat Englisch zwar besucht, allerdings den Fernunterricht für Portugiesisch 1. Fremdsprache belegt, ihre Zeugnisnoten vom Prüfinstitut bekommen und im Abitur die Prüfung für Portugiesisch abgelegt. Für die Zeugnisnoten hat sie an einzelnen gewählten Terminen eine Klausur unter Prüfungsbedingungen (fester Zeitpunkt für alle in Frankreich, unter Beobachtung, sofortige Bestätigung durch Fax und Einsendung durch die Schule an das Prüfinstitut) eine Klausur geschrieben und musste dafür raus aus dem regulären Unterricht.

    Für die Uni ist das Angebot an Fernangeboten ähnlich.

    An der Uni habe ich ein paar Leuten kennengelernt, die selbst entweder die komplette Schulzeit oder einen großen Teil der Schulzeit als Externlerner verbracht haben.
    Bei den zwei, die erst später ins Regelschulsystem eingestiegen sind, hatte es ganz pragmatische Gründe: Schulbus 20 Minuten mit dem Fahrrad entfernt wäre um 7uhr morgens gefahren, auch für die Grundschule, die eine ist in der 9. Klasse eingestiegen, die andere erst in der 10. (Oberstufe). Die eine fand es furchtbar, die andere hat es geliebt und danach die Schule als reine Absitzzeit verstanden, weil alles so langsam ging. Ihr eigener Bruder war allerdings viel "schlechter" und hat nach der 9. Klasse eine Ausbildung angefangen, in einem benachbarten Bauernhof (an den Entfernungen könnt ihr euch vorstellen, es sind Landwirtschaftskinder gewesen), die Schwester meinte über ihn, dass er durch diese Art der Beschulung noch "bäuerischer" und "Einsiedler" geworden sei.
    Bei dem dritten "Externlerner" gab es medizinische Gründe und es sind vermutlich die allermeisten Kinder, die nicht in der Schule beschult werden (neben den "Zirkuskindern").


    Ich bin was das angeht sehr zwiegespalten. Ich hatte keine schlimme Schulzeit, habe die Schule geliebt, meine MitschülerInnen allerdings nicht besonders. Eine solche Beschulung wäre genial gewesen, ich hätte Bildung wie verrückt aufgesaugt, ohne die nervigen MitschülerInnen. Aber ich mag schon jetzt nicht besonders gerne viel Kontakt zu Mitmenschen haben, was wäre denn aus mir geworden?
    Ein Ausbau der anerkannten Angebote fände ich in Deutschland allerdings sehr gut. Das finde ich zur Zeit in Deutschland (sowohl für die Schule: inexistent auf freiwilliger Basis, oder? als auch für die Hochschule: das Angebot der Fernuni Hagen ist echt dürftig) halt zu wenig.

    Chili

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