chilipaprika: Gerade unter den "problematischen" Migranten gibt es viele, die von sich selbst behaupten, dass sie keine Deutschen sind, sondern sich zu einem größeren Teil mit ihrem Herkunftsland identifizieren. Diese Leute sind ja nicht dazu gezwungen, auf Ewigkeit in Deutschland bleiben zu müssen. Und wenn sie sich eh in Deutschland nicht so wohl fühlen und es auch mit dem beruflichen Erfolg nicht so sehr klappt, kann man diese Leute doch mal fragen, ob die Rückkehr in die Heimat nicht für ihre Lebenssituation die bessere Entscheidung wäre.
Die Sache ist nämlich: Gebürtige Deutsche kann man nicht mal eben wegschicken, wenn sie nur diese eine Staatsbürgerschaft haben. Bei Ausländern hat man jedoch die Möglichkeit, dass man selektieren kann und sich eben diejenigen aussucht, die für die Bedürfnisse des Landes eine Bereicherung darstellen.
Du übersiehst schon wieder einen sehr bedeutenden Punkt.
Diese "Ausländer" sind Deutsche. in der Regel mit nur deutschem Pass. Also kann Deutschland nunmal nicht "selektieren".
und wirklich: natürlich gibt es viele Menschen mit Migrationshintergrund, die sich der Heimat ihrer Eltern sehr zugehörig fühlen. Aber man muss es _auch_ so sehen, dass wir mit Jugendlichen zu tun haben, die ihre Identität konstruieren. Wenn man immer wieder diesen "Migrationshintergrund" betont, dann ist er nunmal identitätsstiftend.
Ich kann mich nicht in die Situation von türkischstämmigen, muslimischen Menschen versetzen. Das kann ich einfach nicht.
Ich, christlich laizistisch geprägt, in Frankreich aufgewachsen, seit quasi 20 Jahren in Deutschland lebend, seit mehreren Jahren eingebürgert und mit mittlerweile deutschem Nachnamen (zwei verschiedene Vorgänge und in dieser Reihenfolge!!): ich bin und bleibe die Französin vom Dienst. Meine Kinder wären Migranten mit anderer Muttersprache, ich würde französische Traditionen pflegen, ich fühle mich mit französischer Musik und Fernsehen gut, gucke und höre zwar zu 80% deutsche Medien, habe aber regelmäßig kleine "Nostalgiephasen". Weil der deutsche Humor mich nicht zum Lachen bringt, weil französische Musik der 60er-80er zum Weinen bringt, usw... Bin ich integrationsunwillig? Was ist mit allen Menschen, die sich darüber beschweren, dass ich keinen französischen Namen mehr trage? Die das Bedürfnis haben, mich zur Migrantin zu machen?
Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal bewusst die französischen Wahlen ausgelassen. Was habe ich mir anhören müssen. Von Deutschen!
Tja, Deutschland kann sich nicht aussuchen, wen er wann zum Migranten stigmatisiert und wen er doch irgendwann rausschmeißt.
PS: ich setze natürlich voraus, dass wir über ganz normale Menschen sprechen. Das sind nunmal die Mehrheit der Eltern meiner nichtdeutschstämmiger SchülerInnen. Ja, ich kenne die muslimischen türkischstämmigen frauenfeindlichen Männer. Ja, ich kenne die bis zu Füssen verschleierte türkische Mama, die sehr schlecht Deutsch spricht, sich aber Sorgen macht und mit 3 Geschwistern zum Elternsprechtag kommt und der man ansieht, dass sie kein Wort zum pubertären Königsjungen zu sagen hat. und ja, ich kenne die Eltern, die gar nicht mal kommen. Die gibt es auch unter den Familien, deren Nachnamen mir erstmals keinen Migrationshintergrund groß verraten.
Aber ich kenne auch einfach diese "ganz normalen" Familien. Die einfach hier leben, mit vielen Teilen der Familie und wo es doch ziemlich natürlich ist, dass man mit der Schwester / den Cousins oder Onkeln in seiner Muttersprache spricht. Die hier ihre Jobs haben. Oft anstrengende Jobs. Wo der Papa zum Elternsprechtag direkt nach seiner langen LKW-Fahrschicht in Uniform kommt. usw...