Beiträge von chilipaprika

    Jenseits von klaren Arbeitszeiten (man kann auch Mails um Mitternacht schreiben und sie am nächsten Tag verschicken) ist es auch wichtig, klar zu machen, dass nicht jede Mail - auch wenn sie in den Arbeitszeiten ankommt - sofort geantwortet werden kann/muss.
    Da wäre ich aber froh, wenn alle Menschen in Büros innerhalb des Arbeitstages antworten würden.
    (Und genau diese eigene Erwartungshaltung, dass ich alle Mails innerhalb von ein paar Stunden beantworte, hat mich krank gemacht. Eine ankommende Mail ist nicht unbedingt dringender als die Korrektur, die Konzeptarbeit oder die Unterrichtsvorbereitung. Man kann durchaus sortieren und priorisieren)

    Als ich Abitur gemacht habe (und bis vor ca. 3-4 Jahren) war das französische Abitur so vielfältig wie möglich und trotzdem alles gleichwertig.
    Ich hatte nach der 10. Klasse nur noch insgesamt 3 Stunden "Mathe/Physik/Chemie/Bio" und das auf dem Niveau der Mittelstufe. Dafür 4 Fremdsprachen (drei waren Pflicht) und 8 Stunden Philosophie die Woche. Mit dem Abitur hätte ich auch Psychologie, Mathe oder Medizin studieren können (Ein Mitschüler hat tatsächlich Psychologie studiert UND geschafft, hat aber das erste Unijahr einen Überbrückungskurs Mathe intensiv besucht und wiederholt).
    Meine Oberstufe ähnelte einem BK, es gab das berufliche Abitur mit Wirtschaft, Buchhaltung und co, es gab das technische Abitur mit Bauingenieurwesen und so weiter (sorry, ich kenne die ganzen Fachrichtungen nicht, aber sie hatten zum Beispiel 8 Stunden die Woche technisches Zeichen und Ähnliches).
    Auch sie hätten Medizin, Psychologie, Philosophie oder Englisch studieren können, wenn sie wollten.

    Alle Abiturformen waren gleichwertig.
    (Auch wenn schon alleine innerhalb des allgemeinbildenden Abiturs eine klare Hierarchie herrschte: Mathe/Nawi vor Wirtschaft/Politik vor Literatur/Sprachen. Ja, ich war in der Müllklasse)

    Seit ein paar Jahren ist es leider ganz anders, es wurde eine Art deutsches Leistungskurssystem eingeführt (miteinander kombinierbare Leistungskurse), vorher waren die Kombis klassenweise fest (alle in meiner Klasse hatten 3 Sprachen, Philo, Französisch, Geschichte/Erdkunde. Alle in der Klasse meiner Freundin hatten Mathe, Physik/Chemie, Bio als 3 LKs...). Die französischen Hochschulen setzen jetzt die LKs als Voraussetzungen (das weiß man im Voraus nicht und viele Schulen bieten bei weitem nicht alles an), so dass es reichlich ungerecht ist. Und (jetzt komme ich nach langer Einführung zum Punkt): die Erfolgs- und Dropout-Quoten haben sich KAUM geändert.

    1) Kaum jemand geht Philosophie nach einem technischen Abitur studieren, aber wenn, dann oft mit hoher Motivation.
    2) Der vermeintliche fachliche Vorsprung bringt kaum was.
    3) Ich müsste es noch genauer raussuchen, aber ich glaube sogar gelesen zu haben, dass die zum Teil zu homogene Zusammensetzung nicht förderlich sei.

    Jenseits von Ausnahmen (ungeplante Schwangerschaften, Mehrlingschwangerschaften...) sind Kinder in unserer Zeit geplant.
    Man könnte (!) davon ausgehen, dass Menschen eben wissen, dass Kinder Geld kosten (und dass jede Planung sogar manchmal "schief" gehen kann, weil das Baby doch ein bisschen länger betreut werden muss, nachts nicht schlafen kann und so weiter .. (ich klammere jetzt BEWUSST die Ausnahmefälle mit starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Omabetreuung durch ungeplanten Tod der sehr jungen Oma verloren, usw.. aus)) und dass man sich darauf einstellt.
    Also nicht ein Jahr vor der geplanten Schwangerschaft ein Hauskredit auf Kante nimmt, das man nur mit 80% Teilzeit bedienen kann. Oder dass man darauf setzt, dass man den einzigen Kitaplatz der Stadt bekommt, mit dem man weiter Vollzeit arbeiten kann.

    Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft lag bei uns im sehr niedrigen Bereich, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung oder langen Arbeitslosigkeit haben wir aber auch noch zusätzlich eingerechnet und unseren Kredit so genommen, dass wir zwar einen höheren Zins haben, aber jederzeit die Rate so anpassen könnten, falls eine*r von uns kürzer tritt. Dann zahlen wir halt viel länger zurück.
    Und das scheint bei vielen werdenden Eltern niemals mitgedacht werden. Und dann kommt sowas wie "ich MUSS soviel arbeiten, wir haben ein Haus, also brauche den entsprechenden Stundenplan und Fächerverteilung" oder "mein Kind ist jede Stunde wach und hat Verlassensängste aber mein Plan sieht vor, dass ich nach 7 Monaten Vollzeit zurückkehre"


    Edit/Ergänzung: Ich spreche jetzt bewusst an Lehrerkolleg*innen.
    Ich meine nicht die Situation von zwei ungelernten Eltern.

    Manchmal werden Stellen, die komplett leer gelaufen sind, an andere Schulen gegeben, wenn dort Erfolg auf Einstellung besteht.

    Gibt es dann eine Abordnung oder bleibt die Schule, die soviel Bedarf hatte, dass sie eine Stelle bekommen hatte, unterbesetzt und die Schule, der es zumindest rechnerisch nicht sooo schlecht ging, hat eine Stelle "gewonnen"?

    Ich bin ja selbst in einem Bundesland mit schulscharfen Ausschreibungen und ausgehend von meinem Profil (dessen Stärke nicht die 1,0 im Staatsexamen ist) war das gut, aber zentral steuernde Bundesländer wie Bayern sind wenigstens "ehrlicher" (und eindeutig effizienter).

    Das war ich, zumindest in (allen) meinen Fächern.

    Beispiel für Pädagogik (S. 3-4)

    Zentralabitur 2026 - Erziehungswissenschaft
    Da darf man nicht Freud oder Piaget einfach so auslassen, nur weil sie nicht in rot stehen.
    Da wo Heitmeyer steht, stand vor ein paar Jahren nichts, bzw. zur Auswahl Heitmeyer oder Rauchfleisch
    Da wo Korczak steht stand lange Zeit nichts, da konnte für Reformpädagogik etwas zur Auswahl genommen werden (Montessori, Regio, Korczak) ...

    und tatsächlich gibt es das auch in Chemie:
    Zentralabitur 2026 - Chemie

    Aber wie gesagt: Je nach Fach ist es total egal, weil der Lehrplan immer gilt.
    In Fächern wie Deutsch ist es natürlich wichtig zu wissen, welches Werk für die narrativen Texte relevant ist (Pflichttext), der Vergleichstext bleibt frei, oder dass in Lyrik der Fokus auf Reiselyrik steht...

    und es hängt auch stark vom Arbeitsmarkt zu dem Zeitpunkt ab.
    Bei meinem Mann in der Firma wurden in den letzten Jahren im technischen Bereich einfach alle genommen, die zum Assessment Center kamen (und dazu eingeladen wurden alle). Die Selbstselektion erfolgte durch eine unglaublich hohe "no-show-Quote".
    Es gibt wohl neuerdings leicht mehr Auswahl, aber nicht so sehr, dass wirklich auf Fehlzeiten oder Rechtschreibung geguckt würde...

    Moin!


    Ich bin am BK und habe selten mit den Abi-Bildungsgängen zu tun. Daher meine Frage: Wie gleichwertig ist das Abitur? Es gibt ja viele Möglichkeit, Abi zu machen - auf dem Gymnasium, der Gesamtschule, dem Berufskolleg etc.

    Was ist mit den SuS, die sich auf einen Studienplatz bewerben? Ist die Note gleichwertig, egal, wo man Abi gemacht hat? Meine Mutter war Gymnasiallehrerin, die erzählte, dass die Unis sogar unter den verschiedenen Gymnasien das Abi unterschiedlich bewerten - das kann ich gar nicht glauben.


    Da braucht man nicht lange zu philosophieren.
    Wie gleichwertig kann es sein, wenn man in NRW in 5 Fächern Klausuren schreibt (bei "passender Belegung") und in anderen in 12? (egal, ob man sagt, dass man mündlich knallhart auf das Fachliche achtet: es sind so unterschiedliche Kompetenzen, die Gleichwertigkeit ist gefährdet).

    Zwischen BK, Gym und Ges (die ja eine gymnasiale Oberstufe ist!) ist es vermutlich eine Typsache, welche Fächer einem liegen aber da finde ich, dass es Haarspalterei sein kann, VWL als "einfacher" als "Informatik" oder "Russisch" abzutun bzw. ich habe persönlich zu wenige Einblicke.

    Dass es zwischen den Schulen aber Unterschiede gibt, innerhalb der selben Schulform im selben Land: eindeutig. und da ändert das zentrale Abitur nichts daran. So ehrlich muss man sein.

    Nein, die Unis bewerten nicht unterschiedlich, auch nicht aus welchem Bundesland man kommt, usw. (technisch wäre es auch ein Ding der Unmöglichkeit). WENN eine Uni ein eigenes Verfahren mit eigenen Kriterien machen will, darf es sowieso nur für einen kleinen Teil der zu vergebenden Plätzen sein (20% glaube ich). Wenn es ein Teil der Voraussetzung fürs Studium sein soll (Kunstmappe, Sportprüfung, Sprachniveau), muss es so eindeutig begründet sein und genehmigt werden, dass ich kaum ein Studiengang die Mühe macht (ohne das Risiko, dass es klagesicher ist)

    NRW: wie wohl für Bayern.

    Die einreichenden Lehrkräfte bekommen nie einen Hinweis, NICHT MAL, ob die Mail ankam.

    Fun fact: man kann als Schule auch für eine Prüfung gezogen werden, die man nie als Schule hat (zum Beispiel LK oder so). Daraus _könnte_ sich eine falsche Einschätzung ergeben.


    Vor ein paar Jahren gab es in einem meiner Fächer einen kleinen Skandal (wobei der Skandal eher bei den falsch unterrichtenden Schulen lag). Die Abiturfokussierungen waren nicht ausreichend berücksichtigt bzw. es wurden Themen abgefragt, die nur im Lehrplan waren und nicht explizit in den Fokussierungen. (Ja, peinlich für die betroffenen Lehrkräfte und Schulen aber sehr doof für die Schüler)

    -> das kann auch ein Problem sein…


    Auf einer ‚Curricula-Veranstaltung für Fachvorsitzende‘ durfte eine hohe Person aus Düsseldorf, für das Fach zuständig, Rede und Antwort stehen, auch über dieses Problem hinaus, dass die Fragestellungen nicht konsequent ähnlich aufgebauz sind und die Erwartungshorizonte unterschiedlich auf die Operatoren antworten, es sei schwierig, die SuS konsequent vorzubereiten.


    Antwort der Fachdezernentin (oder so): dafür könnte man am Ministerium nunmal nichts, die Vorschläge kämen ja aus unseren Reihen und wenn sie schlampig (mein Wort, ihre Bedeutung) erarbeitet würden, dann könnten wir uns nur an die eigene Nase fassen.

Werbung