Beiträge von Sarek

    Wenn ich als Fachlehrer eine Arbeit der Schüler korrigiere, streiche ich zwar sprachliche Fehler an, aber sie gehen nicht in die Bewertung ein. Somit hat es für die Schüler außer in den sprachlichen Fächern praktisch keine Konsequenzen und damit müssten sie sich nicht unedingt Mühe geben, die Rechtschreibung und Zeichensetzung zu beherrschen. Ich habe erst die Tage eine Stegreifaufgabe korrigiert, in der der Schüler selbst kein einziges Komma gesetzt hat. Habe ich für ihn gemacht und auch angemerkt, aber das hat keinerlei Auswirkungen auf seine Chemie-Note.
    Im Studium ist es genau so.
    Und dann bin ich schnell in der Situation, dass ich manchmal bei Deutsch-Referendaren Texte korrigiere, dort jede Menge sprachliche Fehler - also mehr als nur mal vertippt - verbessere und mich frage, wie die es eigentlich bei ihren Schülern machen. Wie korrigieren sie deren Zeichensetzung, wenn sie selbst kaum Ahnung davon haben?

    Sarek

    Ich habe zu Beginn jeder Stunde den Sitzplan der Klasse auf meinem Pult liegen und überprüfe automatisch, ob jemand fehlt. Dauert keine fünf Sekunden und das mache ich auch gerne demonstrativ, so dass die Schüler es mitbekommen und niemand uuf den Gedanken kommt, er könne einfach blau machen und man würde es nicht merken.
    Das mache ich auch zu Beginn der Klausur. Während der Klausur zähle ich noch einmal die anwesenden/mitschreibenden Schüler durch und dann gleich nach der Abgabe die eingesammelten Zettel. Vorher verlässt kein Schüler den Raum und das wissen sie auch. Wenn man das mehrere Male durchgezogen hat, laufen im Gehirn diese Routinen automatisch ab und man vergisst sie auch nicht mehr. Und dann ab in die Mappe. Mir passiert es gelegentlich mal, dass mir eine Arbeit während der Korrektur in einen anderen Stapel rutscht oder in der Mappe unter einem Zettel bleibt, aber bisher ist sie nach einer Minute Suchen wieder aufgetaucht.

    Sarek

    du wirst doch jetzt nicht ernsthaft die Schülerbenotungen mit der Referendarsbewertung hinsichtlich Objektivität und Transparenz vergleichen wollen? Das eine hat mit dem andern ja gar nichts zu tun. Schüler liefern schriftliche Arbeiten ab, die - für jeden einsehbar - nach klaren Kriterien bewertet werden. Wenn du hier als Lehrer Mist baust, stehen ganz schnell die Schüler/Eltern/Kollegen/Schulleitung auf der Matte.

    Das eine hat mir dem anderen sehr viel zu tun. Nur ist im Referendariat die Aufgabenstellung weitaus komplexer als für einen Schüler während einer Abfrage oder Schulaufgabe.
    Schüler liefern nicht nur schriftliche Arbeiten ab, sondern das Mündlche gewinnt auch in der Bewertung mehr und mehr an Bedeutung. Schüler werden abgefragt, man macht Unterrichtsbeitragsnoten („Mitarbeitsnote“), Präsentationen werden benotet oder die Ergebnisse der Gruppenarbeit. Nicht zu vergessen mündliche Abschlussorüfungen. So klar wie erwünscht sind da die Kriterien auch nicht, auch wenn man seine Liste mit den Kriterien vor sich hat und abhakt. Völlig frei gesprochen oder doch nur überwiegend frei?
    Ebenso bei schriftlichen Arbeiten. Natürlich habe ich vor allem in meinen Sachfächern den Erwartungshorizont neben mir liegen und muss dennoch bei jeder Arbeit entscheiden, ob ich den unklaren Ausdruck eben nur als unklaren Ausdruck unterringele oder ob mir das ZU unklar ist und ich daher Punkte abziehe.
    Ich prüfe auch Referendare mündlich im zweiten Staatsexamen im Kolloquium und bin bei der Notenfindung selbst überrascht, wie sehr der andere Prüfer und ich uns bei der Note immer einig sind. Uns bleiben nach der Prüfung zur Notenfindung maximal fünf Minuten, dann müssen wir sie bekanntgeben und der nächste ist dran. Wobei wir in jedem Fall auch die Note gegenüber dem Referendar erläutern. Da gehen wir gemeinsam das Protokoll durch, überlegen, wie gewichtig eine Ungenauigkeit oder ein Fehler ist, grübeln bisweilen lange, ob das noch eine 2 oder doch die 3 war, vergleichen die Leistung mit der anderer Prüflinge, denen wir diese Note gegeben haben. In 90% der Fälle kommt eine Note zwischen 1 und 3 heraus. Aber auch nach diesen Prüfungen hören wir manchmal den Vorwurf (und zwar umso häufiger, wenn die Note keine 1 war), sie wäre nicht fair oder transparent genug gelaufen. Oder das Protokoll sei nicht ausführlich genug. Wir verwenden die Protokollvorlage des Ministeriums und füllen die nach den Vorgaben aus.

    Sarek

    Krankheitstage notiere ich für mich mit 8 Stunden. Sollte ich an einem dieser Tage daheim dennoch Arbeiten für die Schule erledigen, packe ich diese Zeit auf die 8 Stunden drauf. Würde ich es liegen lassen und an einem anderen Tag, wenn ich wieder gesund bin, erledigen, würde ich ja an diesem Tag entsprechend länger arbeiten und die Zeit notieren.
    Analog notiere ich auch gesetzliche Feiertage, die auf einen Wochentag fallen, mit 8 Stunden. Und 30 Urlaubstage pro Jahr auch jeweils mit 8 Stunden. Sprich, das sind die 6 Wochen (6 x 5 = 30 Tage) Sommerferien.

    Sarek

    Die Mensa, die wir seit einigen Jahren haben. In der Mittagspause ist es mir dort zu laut und zu unruhig, aber in den Freistunden am Vormittag, wenn fast nur wir Lehrer dort sitzen, kann man sich dort prima mit Kollegen bei einem Kaffee und einem Teilchen unterhalten. Die Mensa ist somit zu einem wichtigen Ort für den informellen Austausch geworden. Besonders im Sommer, wenn wir dafür auch die Tische im Pausenhof nutzen können.

    Sarek

    Conni: Bei usn wird gelehrt, daß man den Patienten, auch wenn er noch bei Bewußtsein ist, vorsorglich in die Seitenlage bringen sollte. Er könnte ja bewußtlos werden.

    Wer lehrt bei euch so etwas?
    Ich bin Erste Hilfe-Ausbilder.
    Ist der Patient bei Bewusstsein: Situationsgerecht handeln. Also betreuen, trösten, Wunden keimfrei abdecken usw. Eben je nach Situation. Nach Möglichkeit seine Wünsche berücksichtigen.
    Ist der Patient bewusstlos, auf alle Fälle Notruf absetzen und die Atmung überprüfen.
    Patient atmet: stabile Seitenlage.
    Patient atmet nicht: Herzdruckmassage und Beatmung.

    Sarek

    Wie ist es denn in anderen Betrieben? Zählt dort der Betriebsausflug als Arbeitszeit? Daran würde ich mich orientieren.
    Zu Freistunden: Wenn ich diese mit irgendwelchen Arbeiten für die Schule verbringe, zähle ich die natürlich als Arbeitszeit. Sitze ichbeim Kaffee in der Mensa und quatsche über Gott und die Welt, dann nicht.
    Was wir uns zugestehen sollten: ein Arbeitnehmer im Büro oder im Geschäft kocht auch mal während der Arbeitszeit einen Kaffee oder quatscht mit Kollegen. Das sollten wir uns auch zugestehen. Wir arbeiten nicht im Akkord.

    Sarek

    Dadurch werden aber in Bayern die Stegreifaufgaben bzw. mündliche Abfragen höher bewertet als eine einzelne Klassenarbeit?

    Klassenarbeiten (also Schulaufgaben) gibt es nur in den Kernfächern bzw. in allen Fächern erst in der Oberstufe.
    In den Schulaufgabenfächern zählt der Notenschnitt der Schulaufgaben doppelt gegenüber dem Notenschnitt der anderen (kleinen) Leistungsnachweise. In der Oberstufe zählen beide 1:1, in den modernen Fremdsprachen ist vorher auch eine 1:1-Gewichtung möglich.

    Sarek

    Aus diesem Grund notiere ich mir auch alle dienstlichen Fahrten, die ich mache. Auch die im Ort. Selbst die zum Schulkonzert oder wenn ich Material für die Schule besorge. . Pro gefahrenen km 30 Cent. Ergibt bei 2 km Entfernung schon 1,20€ zum Absetzen, runden auf den nächsten vollen Euro ergibt 2€. Davon 84 Cent zurück dafür, dass ich in meiner Steuererklärung die zwei Zeilen für diese Fahrt notiere.

    Sarek

    ich weiß, dass es in BY so ist. Aber ich frage mich dennoch, wie man von solchen punktuellen Erhebungen auf eine Gesamtleistung schließen kann. Aber gut, ist wahrscheinlich auch nicht schlechter als andere Systeme :weissnicht:
    Wie sieht denn dann der Unterricht tatsächlich aus? Wird mitgearbeitet? oder lehnt sich ein Großteil der Schüler zurück und sagt sich: "Ich bin ja bereits abgefragt worden, mir kann ja nichts mehr passieren?"


    Die beiden Noten sind ja nur die Mindestanzahl. Man kann natürlich mehr Noten machen, was bei mir auch der Fall ist. Nach Möglichkeit mache ich von jedem Schüler eine Abfrage- und eine Mitarbeitsnote pro Halbjahr. In großen Klassen klappt das nicht bei allen. Bei wem ich nicht beides im ersten Halbjahr schaffte, mache ich es im zweiten. Die Mitarbeit ist recht unabhängig von den mündl. Noten. Die Quantität der Beiträge bewerte ich nicht (darf ich in Bayern auch nicht), nur die Qualität. Ich habe in jeder Klasse Schüler, die aus Interesse mitmachen, unabhängig von den Noten. Andere bekommen den Mund nicht auf. Die rufe ich dann so auf. Manche bringen dann gute Beiträge zustande, andere nicht einmal, wenn ich sie konkret darauf hinweise, dass ich von ihnen derzeit eine mündl. Note mache. Letzteres verstehe ich als Warnschuss, wenn die mündl. Note auf eine 5 oder 6 hinausläuft.

    Sarek

    Das einzige, was der Biokollegin m.E. anzukreiden wäre, ist die geringe Notenanzahl. Sie hätte mehr (mündliche) Noten machen müssen.

    In Bayern nicht.In der Oberstufe sind neben der Schulaufgabe mindestens zwei kleine Leistungsnachweise pro Halbjahr vorgeschrieben. Davon muss mindestens einer mündlich (also Abfrage oder Unterrichtsbeitragsnote) sein. Mit einer Stegreifaufgabe und einer Abfrage sind die Vorschriften erfüllt.

    Sarek

    Wir diskutieren derzeit auch die Anschaffung solcher digitalen Whiteboards. Gerade in der Unterstufe fällt mir auf, dass ich an der Tafel den Kindern zeigen muss, wie man den Hefteintrag gestaltet. Also auch solche Dinge, dass ich z.B. an der Tafel die Überschriften mit Lineal unterstreiche, einen Absatz gestalte etc. Wenn ich das nicht vormache und - in der Anfangszeit - erkläre, schaffen es viele Kinder nicht, das in ihr Heft zu übernehmen. Daher möchte ich auch ein Whiteboard wie eine Tafel benutzen können und finde es fatal, wenn das Programm mir einfach so gerade Striche zaubert, wenn ich mit dem Stift herumwackle.
    Einerseits ist das Tafelwischen zwischendurch nervig, andererseits gibt das den Kindern auch mal eine Minute Zeit, vielleicht den Eintrag fertig zu schreiben, mal runterzukommen oder auch mal mit den Gedanken abudriften. Also eine kurze Pause im Unterricht, die allen ganz gut tut.

    Sarek

    Die Pausen können bisweilen anstrengend sein, wenn zig Kollegen dort sind, Dinge erledigen, mit Kollegen etwas besprechen müssen und gleichzeitig die Schüler Spalier vor der Tür stehen, weil sie Kollegin x suchen oder man den Zettel ins Fach von Kollegen y legen soll. Da wird es einfach eng.
    In Freistunden ist es deutlich ruhiger und man kann sich gut mit Kollegen unterhalten, seine Späße machen etc. Schlechte Stimmung kommt selten auf, häufiger wird gelacht. Getoppt wird das noch von der Schulmensa, wo sich in Freistunden die entsprechenden Kollegen gerne zum Kaffee oder Frühstück treffen und sich gut unterhalten. Themen je nachdem, ob Schüler am Nachbartisch sitzen oder wir Lehrkräfte unter uns sind.

    Sarek

    Ich unterrichte dieses Jahr erstmals mit einem Arbeitsheft. Fündte Klasse, Biologie/Natur und Technik. Eineseits ganz nett, weil es mir viele Arbeitsblätter mit Abbildungen erspart und die Schüler darin Diagramme zeichnen oder auswerten können oder andere Kompetenzen erwerben können. Andererseits fühle ich mich dadurch sehr eingeengt. Motto, die Eltern haben es bezahlt, also muss ich es möglichst häufig auch einsetzen, obwohl ich längst nicht alles darin sinnvoll finde oder eigene Arbeitsblätter habe, die mir besser gefallen als die Seite im Arbeitsheft. Oder liever ein anderen Experiment mache als das, was im Arbeitsheft gezeigt wird.
    Trotzdem gibt es regelmäßig auch noch Hefteinträge mit Tafalanschrieb und ich verzweifle teilweise, wenn ich sehe, wie lange manche Schüler dafür immer noch brauchen. Manche, weil sie Überschrift farbig schreiben und dann noch in einer anderen Farbe zweimal unterstrichen. Andere, weil sie auch in der fünften Klasse noch jeden Buchstaben einzeln malen und gar nicht wirklich kapieren, welches Wort sie gerade schreiben. Derzeit sehe ich ihre Hefte durch und bei einigen ist es eine Katatrophe, wenn ich sehe, was sie aus meinen strukturierten Tafelanschrieben machen. Bisweilen weiß ich gar nicht,wo ich anfangen soll zu korrigieren. Vor allem die Tendenz, mitten im Satz aufzuhören, weil die Stunde zu Ende ist und es nicht zumutbar ist, den Satz gerade noch fertig abzuschreiben.
    Ob ich in meiner nächsten 5. Klasse wieder das Arbeitsheft einsetze, weiß ich derzeit noch nicht.

    Sarek

    Ach, das kann ich noch toppen. Zum Glück habe ich die ausziehbare Platte, auf der ich bisweilen korrigiere, wenn meine Katze den Rest des Schreibtisches in Beschlag nimmt und sich auch nicht vertreiben lässt. Natürlich könnte ich die Katzen aussperren und die Tür hinter mir schließen, aber mein Kater hat herausgefunden, wie man eine Tür öffnet.
    Den Schreibtisch nutze ich schon seit gut 40 Jahren, als ich noch selbst Schüler war.

    Sarek

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