Beiträge von Plattenspieler

    Ne schöne Anekdote: Eine Kollegin ist in der Kleinklasse (also Kind mit Förderbedarf) eingeschult worden und hat an der ETH studiert. Gibt's wirklich.

    Eine kurze Internet-Recherche ergibt, dass es in der deutschsprachigen Schweiz - sicherlich auch regional sehr unterschiedlich - früher die Kleinklassentypen A bis D gab. Ich habe allerdings auf die Schnelle nirgendwo Definitionen dafür gefunden. Kann man diese mit den Förderschwerpunkten vergleichen oder wofür standen die? Heute gibt es wohl nur noch übergreifende Kleinklassen?

    Wenn jedenfalls auch Kinder mit Förderbedarf emotional-soziale Entwicklung oder Förderbedarf Sprache diese Kleinklassen besuchen (und so liest es sich für mich), dann ist das keineswegs so überraschend, dass da auch Kinder dabei sind, die später auch ein Studium absolvieren können. Da kenne ich auch einige.

    In den weiterführenden Schulen steht meist mehrmals am Tag ein Lehrer - und auch Raumwechsel an. Denke, dass das für die Inklusion auch nicht besonders förderlich ist. In der Grundschule haben wir es da einfacher, weil wir doch in größerem Umfang Bezugspersonen sein können und die Kinder eine meist gleiche gut strukturierte Lernumgebung vorfinden.

    Zweifellos.

    Deshalb schrieb ich ja:

    1.

    Ich bin kein absoluter Befürworter von schulischer Inklusion, erst recht nicht unter den hierzulande meist gegebenen Rahmenbedingungen

    2.

    müssen Unterricht neu gedacht und neue Formen und Lösungen gefunden werden

    Alle, die bei den entsprechenden Tempo und der Komplexität des Stoffs nicht mitkommen, sind im falschen Bildungsgang.

    Es ging doch bei der Diskussion um SuS, die schon in einem anderen Bildungsgang sind, nämlich im G-Bildungsgang (oder L). Für diese ist natürlich nicht das Ziel, die allgemeine Hochschulreife zu erreichen.

    Ich habe es schon einmal geschrieben, aber möchte noch einmal darauf hinweisen: Ich bin kein absoluter Befürworter von schulischer Inklusion, erst recht nicht unter den hierzulande meist gegebenen Rahmenbedingungen, und arbeite auch bewusst selbst an einer Förderschule.

    Aber wenn wir nun die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen haben, dass schulische Inklusion verpflichtend, erwünscht oder zumindest möglich ist, dann kann ich nicht nachvollziehen, warum gerade Gymnasien von dieser Aufgabe ausgenommen sein sollen. Auch an der Grundschule, der Realschule und der Hauptschule sind die angestrebten Schulabschlüsse für G-SuS nicht erreichbar, und auch hier müssen Unterricht neu gedacht und neue Formen und Lösungen gefunden werden. Warum soll das nicht ebenso am Gymnasium möglich sein?

    Die hier genannten Argumente klingen für mich eher wie Standesdünkel, verbunden mit dem ausschließlichen Fokus auf intellektuell-kognitive Lernziele - die allgemeinen Ziele des schulischen Erziehungs- und Bildungsauftrages, wie sie in den Schulgesetzen der Länder festgehalten sind, gelten für Gymnasien ebenso.

    kann ein Gymnasiallehrer etwas mit Schülern anfangen, die kognitiv nicht dazu in der Lage sind, den Unterrichtsstoff zu verstehen

    Dann muss er den "Unterrichtsstoff" ändern, anpassen oder anders aufbereiten, damit die SuS in der Lage sind, ihn zu verstehen. Das ist doch unsere Kernaufgabe als Lehrer?

    Das musst du doch auch bei SuS ohne Förderbedarf? Oder verstehen die alle alles sofort und du nutzt die gleichen Unterrichtsinhalte, -materialien und Vermittlungsmethoden für alle Klassen und SuS?

    Als Arzt ist es vollkommen ok, kein Interesse an der Onkologie zu haben und es für sich selbt abzulehnen, sich um onkologische Probleme zu kümmern. Das ist vollkommen normal. Ein Orthopäde wird sich nicht um deinen Lungenkrebs kümmern (ob können und/oder wollen spielt keine Rolle).

    Auch an Krebs erkrankte Menschen können orthopädische Probleme haben. Darum ging es doch: um die Ausdrucksweise, die Arbeit mit Menschen mit Behinderung sei eine "Zumutung". Nicht darum, das nicht zum Schwerpunkt seiner Arbeit machen zu wollen - damit hat doch niemand ein Problem.

    Ich will nicht auf einer Kinderkrebsstation arbeiten. Daraus folgern zu wollen, dass ich eine Aversion gegen Kinder mit Krebs hätte, ist so offenkundiger Unsinn, dass du die Übertragung auf deine Aussage hoffentlich als zulässig ansiehst.

    Das ist eine schräge Analogie.

    Zu "Ich will nicht auf einer Kinderkrebsstation arbeiten" würde passen: "Ich will nicht an einer Förderschule arbeiten."

    Mit diesen Aussagen hat wohl niemand ein Problem.

    Zu "Ich will nicht mit Menschen mit Behinderung arbeiten" würde analog passen: "Ich will nicht mit Menschen mit Krebs arbeiten."

    Und das ist eine ganze andere Aussage, die ich durchaus auch für problematisch halte.

    Edit: Sehe gerade, dass Quittengelee schon in eine ähnliche Richtung geantwortet und du darauf reagiert hast. Imho passt die neue Analogie aber ebenso wenig.

    Es ist eine Tatsache, dass 6 Semester für 3 Naturwissenschaften an der PH keine Grundlagen für fachlich irgendwie adäquaten Unterricht an egal welcher Schulform sind. EXAKT so läuft es bei uns auch.

    Entschuldige bitte, falls ich das verwechseln sollte, aber ich meine mich an eine Diskussion vor einigen Jahren (als Silicium hier im Forum aktiv war) zu erinnern, als es um die Notwendigkeit einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung von Grundschullehrkräften ging.

    Damals meintest du meiner Erinnerung nach sinngemäß, die 6 Semester Ausbildung (und wimre sagtest du, das an den PHen in der Schweiz sei eher eine Ausbildung als ein akademisches Studium) für Grundschulleute wären voll ausreichend, mehr brauche es dafür nicht, es würde ja in der Schweiz gut so laufen.

    Jetzt sagst du, die 6 Semester reichten an der PH im aktuellen System reichten nicht, "egal an welcher Schulform".

    Wie passt das zusammen?

    Das liegt aber nicht an der Lehre an sich, sondern daran, dass man bei so viel Pädagogik, Fachdidaktik, Psychologie und den diversen Praktika (plus Sprecherziehung) in drei Fachwissenschaften schlichtweg nicht genügend Zeit hatte, um zumindest im Rahmen der laut Studienordnung vorgesehen Kurse auch noch fachwissenschaftlich ausreichend vertieft arbeiten zu können.

    In der neuen PO ist es ja wieder auf zwei Fächer (in gleichem Umfang, meine ich?) reduziert, bei 10 Semestern Regelstudienzeit. Bei Sek. 1 habe ich - im Gegensatz zu Sopäd. und geringfügig GS - wenig Einblicke in die aktuellen Entwicklungen an den PHen, aber damit sollte doch wieder eine fundiertere fachliche Ausbildung möglich und angestrebt sein?

    Wenn man schon meint, Kinder, die den schulformentsprechenden Abschluss nicht erreichen können, inklusiv zu beschulen, dann ist es Aufgabe der Förderlehrkraft, das zu bewerkstelligen, nicht die Aufgabe der Regelschullehrkraft.

    Ich nehme an, du meinst Förderschullehrkraft, nicht Förderlehrkraft?

    "Den Anspruch auf sonderpädagogische Förderung erfüllen die allgemein bildenden und beruflichen Schulen nach § 11 Abs. 3, die nicht Förderschulen sind (allgemeine Schulen), sowie die Förderschulen mit ihren verschiedenen Förderschwerpunkten nach § 50 Abs. 1."

    Hessisches Schulgesetz § 49, Abs. 2

    "Die allgemeinen Schulen und die Förderschulen haben den gemeinsamen Auftrag, bei der Rehabilitation und Integration der Kinder und Jugendlichen mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung in die Gesellschaft mitzuwirken [...]"

    HSchG § 49, Abs. 3

    "Bei der Planung und Durchführung der inklusiven Beschulung wirken Förderschullehrkräfte und Lehrkräfte der allgemeinen Schulen entsprechend dem individuellen Förderplan nach § 49 Abs. 4 zusammen."

    HSchG § 51, Abs. 1

    Korrektur:

    altes GHS waren 7 Semester (6+Prüfungssemester)

    "Prüfungssemester" hat nicht offiziell zur Regelstudienzeit gezählt. Also 6.

    Neues SEKI-Studium: 6 Semester Bachelor + (2+2) Mastersemester (incl. Referendariat)

    Dass das Masterstudium eigentlich nur 2 Semester geht und die weiteren 2 Semester durch das Referendariat 'abgerechnet' werden, ist nur beim Lehramt Primarstufe der Fall, nicht bei Sek 1 (oder Sonderpädagogik oder gymnasial/beruflich). Bei Sek. 1 kommt nach 10 Semestern Regelstudienzeit erst das Referendariat.

    Ergo: 4 Semester länger.

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