Kannst du das begründen? (Bestimmt, aber nachdem mir nicht direkt ersichtlich ist, um welchen Aspekt es bei deiner Bewertung gehe könnte, fände ich es interessant, das besser zu verstehen, nachdem du einer der wenigen hier bist, der diese Phänomene auch aus einer sprachheilkundlichen Perspektive zu bewerten vermag.
)
Ja, gerne.
Also zunächst einmal gilt für den Sigmatismus wie für das Stottern (und fast jedes Störungsbild): Erstens: Es gibt ein breites Spektrum zwischen kaum zu erkennen bis stark die Verständlichkeit einschränkend. Zweitens: Es gibt Therapiemöglichkeiten für jede Altersgruppe.
Insofern würde ich auch niemanden pauschal wegen des Sigmatismus vom Lehrerberuf abraten.
Wenn ich trotzdem teilweise Zweifel habe, dann habe erst einmal natürlich primär den Unterricht bei uns im Blick. Wir versuchen im therapieimmanenten Unterricht, SuS auch bezüglich ihrer Aussprachestörungen zu fördern. Gerade die Frikative sind da bei vielen Schülern ein Schwerpunkt. Das wird natürlich schwierig, wenn ich als Lehrkraft die Laute schon nicht ganz korrekt bilden kann, das den Kindern beizubringen.
Aber auch an Grundschulen wird z. B. bei den Buchstabeneinführungen ja viel mit dem Mundbild gearbeitet. Da ist es natürlich problematisch, wenn der Lehrkraft beim Vormachen die Zunge zwischen die Zähne rutscht. Generell sind vor allem SuS mit Lernschwierigkeiten beim Schriftspracherwerb auf eine deutliche und klare Artikulation der Lehrkraft angewiesen.
Natürlich ist ein Sigmatismus nicht "ansteckend" in dem Sinne. Allerdings erleben wir in der Praxis immer wieder Kinder, bei denen die Eltern ähnliche Sprach-, Sprech- oder Kommunikationsauffälligkeiten haben. Ich würde nicht ausschließen wollen, dass das auch bei einem Lehrer, der die Kinder in Grund- oder Förderschule als Klassenlehrer viele Stunden in der Woche unterrichtet, möglich ist.
Es gibt wohl Untersuchungen, dass bei Lehrkräften mit Stimmstörungen es den Kindern schwerer fällt, im Unterricht zuzuhören und sie sich nachher inhaltlich an weniger erinnern als bei Lehrkräften mit gesunder Stimme (und auch für die stimmliche Entwicklung der SuS soll es negativ sein). Auch hier könnte ich mir einen ähnlichen Effekt bei einem starken Sigmatismus vorstellen.
Beim Fremdsprachenunterricht denke ich primär an das Englische, wo es neben /z/ und /s/ ja tatsächlich auch /ð/ und /θ/ als Phoneme gibt, die (inter)dental gebildet werden. Wenn die Artikulation der Lehrkraft, von der die SuS die Sprache ja vor allem hören, unklar ist, kann das m. E. auch zu Schwierigkeiten führen.
Nachvollziehbar? Wie gesagt: Das soll nicht heißen, dass ich Leuten, die lispeln, davon abrate, Lehrer zu werden. Aber der Aspekte sollte man sich bewusst sein. Für Berufsschullehramt für Elektrotechnik spielen die meisten Punkte wohl eine eher geringe Rolle.