Wer definiert ihn denn? Und warum ist er so definiert?
Zum Beispiel die KMK.
Natürlich ist das auch historisch bedingt. Die Sprachheilschulen waren und sind klassisch eben für die Kinder, die im entsprechenden Setting und mit der entsprechenden Unterstützung die Lernziele der Grundschule bzw. der Hauptschule erreichen können und daher einen nonverbalen IQ im Normbereich aufweisen müssen.
Das kann man natürlich kritisieren, aber so lange wir unterschiedliche Förderschultypen und unterschiedliche Förderschwerpunkte (übrigens auch eine unterschiedliche Ausbildung der sonderpädagogischen Lehrkräfte) haben, müssen ja irgendwelche Kriterien den Unterschied ausmachen.
Die zieldifferente Beschulung wird nur für den Schwerpunkt LE und GE genannt, das habe ich inzwischen nochmal nachgelesen.
Das habe ich dir gesagt, aber du glaubst ja, dass ich keine Ahnung von den Grundlagen meiner Arbeit habe.
Entsprechend bekommt ein Kind mit Schwerpunkt Sprache, dass - aus welchen Gründen auch immer - dem Unterricht nicht mehr folgen kann, eine Erweiterung auf Lernen.
Bei uns bekäme ein solcher Schüler keine Erweiterung des Förderbedarfs, sondern der Förderschwerpunkt würde geändert. Ein Kind mit Förderschwerpunkt Lernen hat eben keinen zusätzlichen Förderbedarf zum Förderschwerpunkt Sprache, sondern einen anderen. Es zeigt sich auch in der praktischen Arbeit, dass man für Kinder mit Schwerpunkt Lernen (und erst recht Schwerpunkt GE) zumindest teilweise andere sprachtherapeutische Ansätze wählen muss als für Kinder mit Förderschwerpunkt Sprache.
So, wie es gehandhabt wird, führt es dazu, dass Schüler OHNE Schwerpunkt Lernen, deren Schwerpunkt rechtzeitig festgestellt wurde UND deren Eltern dies wünschen, in die Sprachheilklassen gehen, solange dort Plätze sind, und Förderung bekommen.
Alle anderen Kinder, vor allem auch die MIT Schwerpunkt Lernen, verbleiben in den Regelklassen und bekommen KEINE zusätzliche Förderung im sprachlichen Bereich, bis auf das, was der Klassenlehrkraft möglich ist. Die 2 Std. sonderpädagogische Unterstützung verpuffen nämlich in Absprachen, Gutachten, Plänen und werden zumeist dringend für andere Kinder benötigt.
Das ist jetzt ein bildungspolitisches Spezifikum deines Bundeslandes. Warum gibt es bei euch Sprachheilklassen, aber keine Klassen für Schüler im Schwerpunkt Lernen? (Ich weiß warum: Weil letztere keine Lobby haben.)
Bei uns gibt es noch ein breit ausgebautes Netz an Förderschulen Lernen und trotz der Möglichkeit der Inklusion sind diese auch relativ voll.
Dass die zwei Stunden "Grundversorgung" bei euch wenig bringen, glaube ich sofort; das ist aber nichts, was an der Definition des Förderschwerpunkts Sprache liegt.
Dasselbe Theater gibt es übrigens auch mit anderen Schwerpunkten.
Es mag aus der Perspektive der besonders ausgerichteten Förderschulen sinnvoll erscheinen, aus der Perspektive der Grundschulen, die alle Kinder beschulen und alle im Blick haben müssen, ist es das nicht.
Da bekommt man nur die Absagen, weil sich niemand zuständig fühlen will, weil das Kind nicht beeinträchtigt genug ist oder weil es mehrere Beeinträchtigungen hat und deshalb keiner zuständig sein will.
Ja, da hast du wohl recht. Wenn man so konsequent und alternativlos schulische Inklusion umsetzen will, bräuchte man dann vllt. tatsächlich andere Konzepte, Klassifikationen und Kritierien? Und auch eine andere Ausbildung der Lehrkräfte. Man sieht ja auch hier am Beispiel der TE, dass sie für Schüler mit Förderschwerpunkt Sprache zuständig ist, ohne für diesen ausgebildet zu sein.
Warum werden Förderschulen von der Inklusion ausgenommen?
Einzelne Förderschulen haben sich für Kinder ohne Förderbedarf geöffnet. Bekanntes Beispiel: SRH Stephen-Hawking-Schule
(Edit: Ach, du meinst das anders? Warum z. B. Förderschulen Sprache keine Kinder mit Schwerpunkt Lernen aufnehmen müssen?)