Beiträge von Plattenspieler

    Und hier kann man sich mal angucken, wie stark die Vorurteile wirklich sind und vor allem, wie sie miteinander zusammenhängen. http://library.fes.de/pdf-files/do/07905-20110311.pdf

    Und wenn du diesen Bericht liest, dann nimmst du ernsthaft Homophobie als vorrangiges Problem wahr?!

    Übrigens u.a. mit der Frage gemessen, ob die Ehe für Homosexuelle "eine gute Sache" sei. Wer das nicht so sieht, gilt folglich als homophob. Kann man auch darüber diskutieren, ne?

    Also mir macht da beispielsweise viel mehr Sorgen, dass ein Drittel (!) der Deutschen der Aussage zustimmt, dass es eine "natürliche Hierarchie zwischen Weißen und Schwarzen" gäbe, oder dass ca. die Hälfte (!) der Deutschen der Ansicht ist, Israel führe "einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser". :wacko:

    [Je religiöser (christlich, jüdisch, muslimisch) eine Gesellschaft ist, desto autokratischer ist sie, desto patriarchaler ist sie, desto mehr werden Frauen unterdrückt, desto brutaler werden Homesxuelle verfolgt. Das lässt sich nicht nur an traditionell bestehenden religiösen Gesellschaften beobachten, das lässt sich auch an Gesellschaften beobachten, die religiös werden - seien es die Veränderungen Ende der 70er im Iran, seien es die Veränderungen im orthodoxer werdenden Ostblock.

    Klar. Frauen und Homosexuelle hatten in der Sowjetunion sicherlich mehr Rechte und Möglichkeiten zur Entfaltung ...


    man kann auch in einem weltlichen staat ganz prima privat katholisch sein.

    Bestimmt. Frag doch mal die Christen in China, ob sie das auch so sehen. Die werden nämlich wirklich verfolgt.


    du weißt auch, dass das jüngste Dogma das von der Aufnahme Mariens in den Himmel ist? (1950)

    Klar. Das entsprechende Fest wurde aber schon seit Jahrhunderten gefeiert. Wenn etwas dogmatisiert wird, heißt das ja nicht, dass es vorher keine Verbindlichkeit hatte.

    Wobei man auch über den Begriff Dogma und seine Definition streiten kann.
    Manche Theologen sind zum Beispiel der Ansicht, der hl. Johannes Paul II. habe in "Ordinatio Sacerdotalis" die Priesterweihe für Frauen auch dogmatisch verboten: "Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben."
    Manche Dogmatiker gehen von über 200 Dogmen aus, wozu freilich nicht nur die feierlich erklärten gehören.
    Aber das ist eine theologische Diskussion, in der ich nicht wirklich drinstecke. Vielleicht können ja die Religionslehrer hier im Forum etwas dazu sagen.

    Jedenfalls ist die Lehre zur Sexualität (egal ob Dogma oder nicht) nichts, wo man sich als Katholik aussuchen könnte, ob es für einen gilt oder nicht, im Gegensatz zu beispielsweise Marienerscheinungen (auch anerkannten), an deren Echtheit man mit allem Recht zweifeln darf.

    Na ja, zwischen den Unterschieden von altem und neuem Bund sollte man schon einmal etwas gehört haben. Und während beispielsweise die Speisegebote im NT explizit aufgehoben werden (Apg 10,9-16; 1. Kor 10,25; Mk 7,15-19), werden die Vorschriften zur Sexualität eben aufrechterhalten bzw. sogar verschärft (siehe die entsprechenden Stellen vor allem in den Paulusbriefen).
    Eine ganz nette Antwort auf die einzelnen Punkte dieses Briefes findet sich unter: http://www.stmichael-online.de/laura_schlessinger.htm

    Das die zentrale Aussage der Nächstenliebe in der christlichen / katholischen Religion durch die katholischen Dogmata konterkariert werden, habe ich weiter oben ja schon ein paar Mal geschrieben. Dann muss man sich halt entscheiden - und auch im Religionsunterricht einmal Stellung gegen eine der beiden Aussagen beziehen. Ich stelle mich in dieser Situation aber (wie gesagt) lieber auf die Seite der Kernaussage "Nächstenliebe" als auf die Seite des konstruierten Dogmas gegen die Homosexualität.

    Dein "Dogma gegen Homosexualität" (?!) widerspricht doch nicht der Nächstenliebe. Wenn man jemanden liebt, bedeutet das doch nicht, dass man alles gutheißt, was er macht. Ganz unabhängig davon, wie man jetzt über dieses Thema denkt.

    Plattenspieler: ich habe nicht Theologie studiert und bin keine Relilehrerin. Ich erhebe auch nicht den (wissenschaftlichen?) Anspruch, der "Komplexität des Themas" gerecht zu werden. Soooooo komplex ist das Thema Sexualität und Homosexualität im besonderen für mich an diesem Punkt nämlich gar nicht:

    Die Kirche hat zu beidem Vorstellungen, die ich -- vorsichtig ausgedrückt -- verquer finde.
    Ich sollte vll dazu sagen: ich bin katholisch und das gerne.
    Das hebelt jedoch nicht meine eigene durchdachte Meinung aus und schon gar nicht entbindet es mich der Eigenverantwortung in Fragen der Sexualität, z.B. der Verhütung, der Partnerschaftsgestaltung usw usf.

    zum Thema Glaubensgrundsatz:
    Vielleicht sollte man sich als Christ mal wieder mit dem Glaubensbekenntnis auseinandersetzen. Optional auch mal mit den 10 Geboten. Und schauen, was alles nicht darin steht.
    Back to the roots.

    Du weißt, wie die meisten Dogmen formuliert sind?

    Wer eine von der katholischen Kirche explizit formulierte Lehre bewusst ablehnt oder beharrlich leugnet, ist vollständig vom Glauben abgefallen bzw. ausgeschlossen (anathema). Das betrifft eben nicht nur das Glaubensbekenntnis oder die 10 Gebote, sondern zum katholischen Glauben gehört ein bisschen mehr. Das mag man gut oder schlecht finden, aber sich katholisch zu nennen und einen guten Teil des Glaubens bewusst abzulehnen, ist schon ein bisschen heuchlerisch resp. scheinheilig meines Erachtens.

    Und auch zu Fragen der Verhütung und der "Partnerschaftsgestaltung" hat sich die Kirche eindeutig positioniert (z. B. Humanae vitae).


    Hallo Lea,

    ja, ich meinte das ernst und bereue, was ich teilweise gedacht und geschrieben habe, wirklich.

    Dennoch habe ich natürlich nicht alle meine Überzeugungen über Bord geworfen.

    Was die von dir zitierte Stelle anbelangt, reden wir vielleicht auch aneinander vorbei - evtl. habe ich mich wieder blöd ausgedrückt?
    Wenn ich sage, dass man die Bibel und die Tradition historisch-kritisch betrachten sollte, dann meine ich damit ja gerade, dass man behandelt, wie die entsprechenden Aussagen in die Bibel gekommen sind und auf welchem historisch-kulturellen Verständnis von Homosexualität sie beruhen, welches heute anders ist (siehe z. B. http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexua…sagen_der_Bibel , vor allem den letzten Absatz). Wenn ich sage, dass man die Lehre der Kirche als gesamtes anschauen sollte, meine ich damit, dass es auch hier kein einfaches Schema Heterosexualität = gut und Homosexualität = böse gibt, sondern dass die Sache komplexer ist. Man kann deutlich machen, anhand welcher Kriterien und wie die Kirche zu ihrer Position kommt. Das ist dann natürlich auch nicht normativ darzustellen, sondern kann und soll im Unterricht unter Wertschätzung aller Meinungen hinterfragt werden.

    Wenn du andeuten willst, dass man bei der Behandlung gar nicht auf Bibel und Katechismus zurückgreifen sollte, dann würde ich doch dafür stimmen, den Religionsunterricht gänzlich abzuschaffen, denn ohne die Grundlagen ist religiöse Bildung schwer möglich. Und auch recht sinnlos. Die Schüler wissen ja auch, dass es diese Aussagen gibt und manche Gläubigen so denken; deshalb muss man plausibel aufzeigen, wie diese zu dieser Ansicht kommen und wo dabei die Fehler in der Argumentation sind.

    Wohlgemerkt: Ich beziehe mich bei den Erläuterungen auf eine Situation, wie sie von Claudius skizziert worden ist: Religionsunterricht (!) bei Oberstufenschülern (!), die das Thema selbst ansprechen und interessiert sind. In niedrigeren Klassenstufen muss man natürlich anders vorgehen. Da ich keine Theologie/Religionspädagogik studiert habe und es folglich wohl auch nie unterrichten werde, stellt sich diese Frage mir auch gar nicht direkt. Nie würde ich in einem anderen Fach auf die Idee kommen, Kinder bei der Behandlung dieser Thematik mit Aussagen aus Bibel, Katechismus oder Religion generell zu überrumpeln.

    Falls du immer noch der Ansicht bist, dass ich "überhaupt nix und gar nix verstanden" habe, dann bitte ich dich ernsthaft, mir das konkreter zu erläutern.

    Was das direkte Statement an Pyro anbelangt, kann ich mich nur noch einmal für alles Verletztende, was ich hier in diesem Thread und anderswo geschrieben habe, entschuldigen: Sorry!
    Ansonsten tut mir leid, was er gesellschaftlich alles erleben musste, und ich wünsche ihm alles Gute.
    Seinen Meinungen stimme ich ja weitgehend zu.

    Ich denke, wir sind uns einig, dass man als Religionslehrer die kirchliche Lehre darlegen muss, dass man sie aber natürlich auch in ihrem Kontext erklären muss und dass darüber diskutiert werden kann. Wird ja mittlerweile sogar im Vatikan bei den Bischofskonferenzen dieses und nächstes Jahr getan (danach muss man dann vielleicht sowieso etwas anderes erzählen ...).

    Das


    Ich würde versuchen klarzumachen, dass kirchliche Sexualmoral entstanden ist zu einer ganz anderen Zeit und in einer Gesellschaft, die völlig anders war als unsere heutige westliche. Dass man damals genausowenig über Sexualität wusste wie über die Entstehung der Welt. Dass damals im Judentum das Patriarchat die übliche Gesellschaftsform war, die bei uns auch heute nicht mehr die Gültigkeit hat.

    halte ich aber für einen etwas verkürzten Erklärungsansatz. Im Religionsunterricht sollte man schon auch schauen, was dazu in der Bibel steht, was damit historisch-kritisch gemeint ist und warum es darin steht. Was die Kirchenväter und -lehrer dazu geschrieben haben. In welchen theologischen Kontext sich überhaupt die Debatte einfügt, wie die katholische Kirche zur Partnerschaft und Sexualität generell steht usw.
    Es nur damit abzutun, dass es "eine andere Zeit" war, wird der Komplexität der Frage sicher nicht gerecht.

    Man kann - und sollte - auch sagen, dass es bei allen kirchlichen Lehrmeinungen und Verurteilungen nie darum geht, Menschen abzuwerten oder zu diskriminieren, und dass, wer dies macht, sich nicht in Übereinstimmung mit dem katholischen Glauben befindet.


    Dass die kirchliche Sexualmoral kein Glaubensgrundsatz ist!

    Was ist ein "Glaubensgrundsatz"? Diese Formulierung könnte zu dem Missverständnis führen, dass es aus kirchlicher Sicht nicht notwendig wäre, sich daran zu halten.


    Ich wünsche euch allen schöne Weihnachten. Friede auf Erden. :nikolaus:

    Aber du (ihr) hast (habt) Recht. Ich habe hier wirklich manches geschrieben, was unterhalb der Gürtellinie war und was sich sicherlich abwertend klingt. Ich bitte um Entschuldigung und werde mich bemühen, in Zukunft jeden individuellen Menschen mit seiner individuellen sexuellen Identität und Orientierung wertzuschätzen und nicht zu verurteilen und mein Denken und Handeln in diesem Sinne zu reflektieren.

    Plattenspieler (mein Gott, der Gedanke, dass so eine Kreatur Lehrer/in wird, lässt mir die Haare zu Berge stehen.

    Das finde ich heftig. :_o_(

    Nur weil wir bei einem Thema verschiedener Meinung sind?

    Ich möchte doch keinem Schüler was Böses, auch keinem homo- oder transsexuellen, und ich verurteile ihn doch auch nicht dafür, wie er empfindet oder rate ihm davon ab, so zu leben, wie er glücklich wird.

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