Beiträge von Plattenspieler

    Das Problem, das ich sehe, sind gar nicht primär die religiösen Standpunkte im einzelnen, sondern der Anspruch, die Bibel "wortwörtlich" zu verstehen. Was bedeutet denn "(wort-)wörtlich"?
    Jeder, der sich in seinem Leben ein bisschen mit Philologie, Hermeneutik, Textverstehensprozessen etc. auseinandergesetzt hat, weiß, dass jeder von uns einen Text anders versteht, auch wenn jeder ihn erst einmal "wörtlich" wiedergibt. Beim Lesen werden doch automatisch Vorwissen, Vorerfahrungen, Erwartungen, Assoziationen usw. aktiviert. Sprachlich-literarische und kognitive Verstehensprozesse laufen bei jedem Menschen aufgrund seiner individuellen Veranlagung und Entwicklung unterschiedlich ab.
    Du selbst schreibst, es sei bezüglich mancher Stellen wichtig, den Kontext zu beachten. Dazu gehört aber nicht nur der Kontext innerhalb eines biblischen Buches oder der Bibel als solcher. Es gehört auch der Leserkontext hinzu, es gehört der geschichtliche und ideengeschichtliche Kontext dazu und selbstverständlich (vor allem bei Übersetzungen) der sprachliche Kontext.
    Daraus resultiert ja eines der grundlegenden Probleme des Protestantismus. Jeder Gläubige soll die Bibel selbst lesen und dadurch zu Erkenntnis gelangen. Weil aber jeder die Bibel automatisch unterschiedlich versteht, spalten sich die evangelischen und auch evangelikalen Gemeinden immer weiter auf - und jede behauptet, (nur) sie verstünde die Bibel wörtlich.

    Ich gebe den Schülern aber doch eine Rückmeldung, so verstehe ich das korrektive Feedback. @ Plattenspieler: was sind denn "andere Modellierungstechniken"?

    Du gibst dem Kind eine Rückmeldung, in der du die (sprachliche) Form korrigiert aufgreifst.

    Überblick über Modellierungstechniken:

    Zitat

    • Vorangehende Sprachmodelle (Therapeutin bietet dem Kind sprachliche Strukturen an): Präsentation, Parallelsprechen, Linguistische Markierungen, FA- Fragen (forced alternative)

    • Nachfolgende Sprachmodelle (Therapeutin reagiert auf kindliche Äußerungen und modelliert sie): Expansion, Umformung, korrektives Feedback, Modellierte Selbstkorrektur, Extension

    http://sprachheilwiki.dgs-ev.de/wiki/doku.php?…les_modellieren


    - didaktische Reduktion (zB diese Stunde NUR Reimschema, es muss nicht das ganze Gedicht analysiert werden)
    - genau überlegen: WAS sollen die Schüler heute lernen (zB sie lernen ein Gedicht nach formalen Aspekten zu analysieren)
    - die Schüler selbst arbeiten lassen - also nicht nur vorne stehen und erzählen wies geht, sondern Aufgaben so konzipieren, dass die S. es selbst erarbeiten

    Ich denke, so etwas sollte zumindest bei Sonderpädagogen selbstverständlich sein, auch wenn sie noch nicht im Ref. sind.



    - kein Lehrerecho, nicht jeden S.-beitrag kommentieren oder gar wiederholen

    Aber trotzdem bitte nicht auf korrektives Feedback und andere Modellierungstechniken verzichten!

    Ich kenne in 3 Kollegien niemanden, der seinen Unterricht vorbereitet.

    Hm?


    Zitat

    Der Unterschied ist hier, dass vollausgebildete Lehrer, welche im Ref gelernt haben, Ziele zu formulieren und umzusetzen, Unterrichtsentwürfe zu erstellen, durchzuführen, zu reflektieren, zu revidieren....

    Ich habe ja das Ref noch vor mir und kann deshalb wohl nicht ganz mitreden, aber wenn man das alles erst im Ref lernt, dann frage ich mich, was ich hier tagein tagaus im Studium mache? (nämlich eigentlich genau das)

    Bei uns ist es so, dass wir insgesamt 3 Blockpraktika von je 4 Wochen Dauer haben, in denen wir jeweils ca. 20 Stunden selbst durchführen müssen.
    Hinzukommen vier Tagespraktika (also ein Tag pro Woche während der Vorlesungszeit): ein allgemeines, dann im Hauptfach und in beiden Fachrichtungen), wo wir je nachdem zweimal im Semester bis jede Woche eine Stunde durchführen. Deshalb war ich ein bisschen irritiert, dass es bei dir so wenig war.
    Aber auch bei uns kommt ja für die Studenten nach der neuen Prüfungsordnung das Praxissemester und die Tagespraktika fallen dafür weg... ich weiß auch noch nicht so ganz, was ich davon halten soll.

    Ich wollte erst schreiben, dass ich das für reichlich lächerlich halte, aber nach dem Durchlesen erscheint einiges sogar halbwegs sinnvoll.

    Wie die Teilnehmer aber zum Beispiel ihre diagnostische Kompetenz erwerben und nachweisen sollen, bleibt unklar.

    Komisch finde ich nach wie vor, dass in NRW anscheinend so viele Sonderpädagogen fehlen, während der Markt in anderen Bundesländern überschwemmt ist. Auch in NRW arbeiten Sonderpädagogen doch in allen Förderschwerpunkten unabhängig vom Studium, oder?

    Aufbaustudenten mit erstem oder zweiten Examen in GHS gibt es immer noch genug.
    Das ist aber ein Hochschulstudium (!) von vier Semestern inklusive Praktika, diag. Gutachten (zweite Zula ist neuerdings nicht mehr nötig) und all den anderen Studien- und Prüfungsleistungen, die wir regulären Studenten im Hauptstudium auch ableisten müssen.

    Eine "Fortbildung" klingt da doch etwas anders. Oder in welchem Rahmen findet diese statt, in welchem Umfang, mit welchen Inhalten und welchen Prüfungen? Hat vielleicht jemand einen Link dazu?

    Nebenbei trainiere ich die richtige Aussprache.

    Bitte versteh mich nicht falsch, ich finde es ja auch gut, dass das gemacht wird, aber hast du denn dazu die nötige Ausbildung? Kennst du dich mit den Erwerbsverläufen aus und weißt, welche Laute und Lautgruppen zuerst und welche später erworben, welche phonologischen Prozesse und welche artikulatorischen Auffälligkeiten wann und wie bearbeitet werden sollten?

    ein Kind, was so spracharm ist, dass sich sein Wortschatz mehr oder weniger auf "Auto pielen", "Pielplatz pielen" "Hause" beschränkt.

    Das klingt nicht nur nach semantischen, sondern auch nach Aussprache- und grammatischen Schwierigkeiten. Ich hoffe, das Kind bekommt bezüglich dessen adäquate Unterstützung/Therapie?


    Ich weiß ja nicht, wie viel du schon bezüglich AVWS weißt und unterrichtlich umsetzt, daher werden meine Ratschläge vermutlich, da sie sehr basal sind, nicht weiterhelfen, aber dennoch kurz:

    - Die Kinder sollten möglichst vorne und frontal zum Lehrer sitzen.
    - Unnötige Geräusch- und Lärmquellen minimieren.
    - Arbeitsanweisungen und Lehrersprache möglichst kurz und klar, Informationen chronologisch in der richtigen Reihenfolge und/oder einzeln nacheinander.
    - Nicht zu schnell, überhastet, hoch etc. sprechen.
    - Die Kinder möglichst oft direkt ansprechen und anschauen, wenn man etwas für die ganze Klasse erklärt.
    - Informationen und Aufträge möglichst auch visuell (Symbole, Bilder bzw. bei fortgeschrittenem Leseerwerb Schrift) präsentieren/geben.

    Lautgebärden (hoffentlich phonetisch orientiert?) sind auf jeden Fall auch eine gute Sache. Sonst halt Schrift möglichst oft in motivierenden, lebensnahen und sinnvollen Kontexten anbieten und einsetzen.

    Komisch, dass es immer die Grundschullehrer sind, die den Gymnasiallehrern erklären müssen, wie der Laden in den Klassenstufen 5-12 zu laufen hat.

    Es gibt aber auch genug (angehende) Gymnasiallehrer hier, die den Grundschullehrern erklären, wie "der Laden" in den Klassenstufe 1 - 4 zu laufen hat.


    Unterrichten in Klassen mit 30+ pubertierenden Schülern und Schülerinnen.

    Nun ja, da die Ausbildung und auch die einzelnen Schulen in den meisten Bundesländern Grund- und Hauptschule umfassen, können die meisten Grundschullehrer das wohl durchaus einschätzen.


    Landesweite Vergleichsarbeiten.

    Gibt es natürlich auch in der GS, sogar bundesweite (VERA).


    Bildungsstandards

    Gibt es natürlich auch für die Primarstufe.


    Klassenarbeiten / Klausuren

    Gibt es natürlich auch in der Grundschule. Teilweise auch Arbeiten pro Hauptfach pro Klasse pro Schuljahr.


    Und wenn Gesamtschulen im Großen und Ganzen ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden, obwohl sie mittlerweile 40 Jahre Zeit hatten ihre Ideen umzusetzen, dann behauptet man einfach, es gäbe nur eine "einzige echte Gesamtschule in Deutschland".

    Das hat nichts damit zu tun, dass die Gesamtenschulen ihren Ansprüchen nicht gerecht werden, sondern dass die sogenannte Gesamtschule im Sekundarbereich bei gleichzeitigen Alternativen klassischer Schulformen natürlich nicht das gesamte Spektrum abdeckt. "Creaming effect" - vielleicht mal gehört?
    Aber auch die Grundschule ist eigentlich keine Gemeinschaftsschule, bei 9 alternativen Sonderschulformen.


    Aber wenn man eine der auch laut PISA weltweit(!) erfolgreichsten Schulformen (= das deutsche Gymnasium)

    Das ist doch nicht wirklich dein Ernst?! Dass man mit einer elitär ausgewählten Schülerschaft bessere Ergebnisse in Tests hat, ist irgendwie logisch und nicht allzu erstaunlich. Dadurch von einer "erfolgreichen" Schulform zu sprechen, ist schon reichlich vermessen und lächerlich.

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